Aichach (1933-1948) in alten Ansichten

Aichach (1933-1948) in alten Ansichten

Auteur
:   Franz Achter
Gemeente
:   Aichach (1933-1948)
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6269-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Aichach (1933-1948) in alten Ansichten'

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Einleitung

Als Weiterführung meiner bisher erschienenen beiden kleinen Büchlein ist dieser Bildband mit erläuternden Texten gedacht. Während sich das Buch mit dem Titel 'Aichach in alten Ansichten' mitAnsichten der StadtAichach in der Zeit von erwa 1870 bis 1930 befaßte, zeigt der Band' Aichach zu Großvaters Zeiten' das Geschehen, Leben und Treiben in der Zeit von etwa 1930 bis 1935, wie es sich in Aichach und Umgebung darstellte.

In diesem Büchlein, das Sie jetzt in Hinden haben, sehen Sie die Stadt Aichach, wie sie sich in der Zeit von etwa 1933 bis 1948 präsentierte. Ich zeige Ihnen auch Bilder, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Aichach aufgenommen wurden. Ich möchte mit diesem Abschnitt in dem Buch diese Zeit weder verherrlichen noch verdammen. Meine Absicht ist es, neutral und ohne Voreingenommenheit zu zeigen, was sich damals in und um Aichach abspielte. Mancher wird dabei sehen, daßAichach mit diesem Krieg, der von 1938 bis 1945 stattgefunden hat und den damit verbundenen Ereignissen eigentlich -nichts zu tun hat.

In dem Büchlein 'Aichach zu Großvaters Zeiten' habe ich bereits ausführlich betichter, daß in der Zeit vor dem Nationalsozialismus in Aichach und Umgebung nur bei sehr wenigen Familien der Wohlstand herrschte. Die überwiegende Zahl der Bevölkerung war arm. Die meisten hatten keine Arbeit, Arbeitslosengeld oder sonstige Unrerstützung gab es nicht. So kam es häufig vor, daß Eltern ihre Kinder mit 10-12 [ahren zu Bauern als Hilfskräfte gaben, weil sie dadurch dem eigenen Tisch nicht zur Last fielen und das Essen an der Arbeitsstelle, an der sie auch wohnten, bekamen.

Erst als die politischen Geschicke des Deutschen Reiches, wie es damals genannt wurde, vonAdolfHitler gelenkt wurden, kam der Aufschwung allmählich ins Land. Viele, die arbeitslos waren, nahmen grö-

ßere Strapazen auf sich, um einen Arbeitsplatz zu bekommen. Viele fuhren täglich mit dem Fahrrad nach Dasing, um am Autobahnbau teilzunehmen. Dies brachte Geld in die Familien, mit dem man wieder etwas kaufen konnte. So kurbelte die damalige Regierung die Wirtschaft an. Es ist [edoch nicht nur der Autobalmbau zu erwähnen, in diese Zeit fillt auch der Bau des Flutgrabens, die Arbeitersiedlung im Bereich der heutigenAuen- und Flurstraße sondern auch die Ansiedelung von Betrieben.

Die Vereine und Parteien waren ebenfalls bestrebt, die Bevölkerung auch auBerhalb der Arbeit zu beschäftigen. Es wurden Parteitage auf Landkreisebene abgehalten, auch Umzüge und Standkonzerte fanden statt. Bei diesen Veranstaltungen war es zudem üblich, daß alle aus der Feldküche verpflegt wurden. Für viele war dies ein entscheidender Grund, auch teilzunehmen und mitzuwirken.

Als am 1. September 1938 der Zweite Weltkrieg begann, änderte sich auch für die Bevölkerung aus Aichach das Leben schlagartig. Viele Bewohner der Stadt wurden zum Militärdienst eingezogen und mußten an den verschiedenen Fronten 'fürVolk undVaterland' kämpfen.Als bei der Mobilmachung im September 1938 mancher sein Auto, seinen Lastwagen oder das Motorrad zurVerfügung stellen mußte, war für diese Leute unmißverständlich klar, daß die Folgen des Krieges bis in die kleinsten Familien und Betriebe reichen. Für viele war es damit jedoch noch nicht abgetan. Insgesamt 189 Männer und Frauen aus Aichach kamen nach Kriegsende nicht mehr nach Hause und brachten so Leid un Trauer über die Angehörigen. Bis zumjahre 1968 galten 72 Personen als vermißt. Das Bild, das den Einmarsch der Amerikaner in Aichach zeigt, vermittelt eine sonderbare, ungewisse Stimmung. Aus den weißen Fahnen und Tûcher, die aus den Fenster hängen, ist zu entnehmen, daß die Bewohner von Aichach keinen Widerstand leisteten,

es wußte jedoch niemand, wie das Leben weitergehen wird. Wie bei dieser Kapitulation verlief auch die gesalnten Zeit des Krieges für Aichach ohne nennenswertes Blutvergießen und ohne Beschädigungen von Gebäuden oder anderen Einrichtungen.

Bei der Aufteilung des ehemaligen Deutschen Reiches unter den Besatzungsmächten wurde die StadtAichach denAmerikanern zugeteilt. Sie übten in der Folgezeit die Staatsmacht auch über die Bevölkerung der Stadt aus, Für v iele Bewohner und auch Kriegsvertriebene, die nach Aichach kamen, war dies eine schreckliche Zeit. Es wurde untereinander getauscht, gehandelt und gehamstert, je nach dem, was einer zu bieten harte und dafür eintauschen konnte. Zu kanfen gab es damals fast nichts. Erst als die letzten Kriegswirren vorüber waren, begann sich auch in und um Aichach das Leben wieder zu normalisieren. Die Leute konnten wieder zur Arbeit gehen, Geld verdienen und für die Familie und die Angehörigen sorge]l.

Nach der Währungsreform am 20. Juli 1948 erlebte auch die Stadt Aichach einen erneuten Aufschwung, der bis heute andauert. Die ansässigen Firmen und Betriebe boten den Leuten Arbeit und Beschäftigung. Viele der Arbeitnehmer fuhren auch mit dem Zug nach Augsburg, um dort in den Großbetrieben zu arbeiten. DerWochenlohn für einen gewöhnlichenArbeiter lag bei 2S DM, abzüglich der Bus- und Balmfahrkarten. Trotzdem erlebte damals die Stadt einen stetigen Zuwachs an Häuser, die von den Baugesellschaften und von den Arbeitern errichtet wurden, die an die Zukunft und an ein Leben im Wohlstand glaubten. 19 S 2 kostete ein Bauplatz mit etwa 1 000 Quadratmetern etwa 1 200 DM, ein Einfamilienhaus mit der Grundfläche 7 auf 8 Meter kam bei sehr vielen Eigenleistungen auf etwa 8 000 DM. Damals war es auch noch üblich, daß die Siedler und Kleinhäusler ein oder zwei Schweine fütterten, die sie selbst schlachteten und verzehrten, Das

Futter holten sie aus dem eigenen Garten beim Haus oder man pachtete einen Krautgarten.

Ich hoffe nun, daß Ihnen auch dieses Büchlein gefallen wird. Die Bilder, die ich Ihnen zeige, stammen überwiegend aus dem Archiv von Herrn Heinrich Bär sen. Sein Sohn, Herr Heinrich Bär, hat mir dieses umfassende Archiv überlassen und ist mir neben Herrn Wohhnut und anderen mit mancher Antwort zur Seite gestanden. Bei diesen beiden Herren bedanke ich mich besonders. Mich hat es auch immer wieder gefreut, wenn ich angesprochen worden bin, wie von Frau Klais oder Frau Käuferle, die ich stellvertretend für alle erwähnen möchte, und mir Bilder zum Reproduzieren angeboten wurden. Auch diesen Personen möchte ich meinen Dank aussprechen.

1 In Aichach herrschte vor der Zeit des Nationalsozialismus die Landwirtschaft vor. Aus diesem Grund wurde von der Bezirksbauernkammer die Errichtung einer Landwirtschaftsschule in Aichach vorgeschlagen. Sie sollte als Winterschule ihre Dienste tun und die jungen Landwirte in ihrerTätigkeit ausbilden und weiterbilden. Doch nicht die Stadt Aichach, sondern die Stadt Schrobenhausen bekam den Zuschlag und errichtete die Winterschule für Landwirte. Erst als Robert und Ignaz Haselberger ein entsprechendes Grundstück an der heutigen Mûnchener Straße der Stadt Aichach überließen, entschloß sich der Bezirksausschuß zum Bau dieser Schule, die am 5. November 1928 feierlich eröffnet wurde. Von der Stadt Aichach wurde für diesen Neubau ein Zuschuß von 3 000 Reichsmark gewährt, die ohne Einrichtung 165 000 RM kostete.

Dieses Bauwerk stellte für damalige Verhältnisse ein imposantes Gebäude dar, das den beginnenden Aufschwung zeigte. In diesem Haus wurde auch eine Landwirtschaftsstelle untergebracht. Der Leiter dieses Amtes war Dr. Neeser, dem auch die Leitung der Schule übertragen wurde. Bis zur

Gebietsreform ] 972 war darin die Landwirtschaftsschule untergebracht. Anschließend waren einige Sachgebiete des Landratsamtes in diesem Haus ausgelagert. Heute befindet sich das Vermessungsamt darin.

2 Bis zum 3 1. Mai 193 1 , dem Tag der Eröffnung des Freibades in Aichach, badeten die Bürger von Aichach in der Paar. Am Ufer des Flüßchens waren zu diesem Zweck kleine Badehàuschen, in denen sich die Kühlung Suchenden umkleideten und anschließend ins Wasser stiegen. Das Damenbad befand sich flußaufwärts runter der Beckmühle beim 'Garnsieder' und das Herrenbad zwischen der Beckmühle und dem Freibad. Es wurde damals peinlich genau vermieden. daß Männer und Frauen zusammen in der Paar badeten. Auch im neuerbauten Freibad achtete man darauf daß beiderlei Geschlechter getrennte Bassins zur Verfûgung standen. Die Brûcke, die auf dem Bild zu sehen ist, fungierte als Trennlinie. Von der

Stadt Aichach wurde der Bau dieses Freibades als Möglichkeit gesehen, wirkungsvoll der Arbeitslosigkeit entgegenzutreten.

Gleichzeitig zum Neubau wurde die Paar zwischen der Großbaustelle und der Aktienkunstmühle begradigt. Auch die Griesbacherlregulierung wurde zeitgleich durchgeführt. Karl Merk, der ehrenamtlich dasAmt des Stadtbaumeisters inne harte, führte das Bauvorhaben durch. Da er Zim-

merermeister war, wurde das Bad auch aus Holz gefertigt und nicht aus Beton oder Mauerwerk. Dies behaupteten zumindest damals die Bewohner von Aichach.

3 Für die Buben aus Aichach gab es an den heißen Sommertagen nichts schöneres, als ins Freibad zu gehen. Dort trafen sie sich mit ihrcn Freunden und führten mancherlei Spiele aus. Sehr beliebt waren damals die sogenannten Hahnenkämpfe, bei denen einer auf den Schultern seines Freundes saß und versuchte, den Gegner von den Schultern dessen Freundes zu stoßen und ins Wasser zu werfen. An dem Bild sieht man ferner, daß ein großerTeil des Freibades nur etwa hüfttief war. Gerade dieser Platz war für die Spiele der jungen Leute bestens geeignet. Erst im [ahre 1961 wurde das Freibad an anderer Stelle auf dem Grundstück neu erbaut. Moderne Betonbecken lösten das aus Holz gefertigte Bad ab. Auch die Urnkleidekabinen wurden neu erstellt. Ietzt, im Iahre 1996, wird das Freibad der Stadt Aichach erneut renoviert und saniert, da die

gesetzlichen Anforderungen an die Wasserqualität nicht mehr genügten und es nicht mehr zeitgemäßwar.

4 In den Sommermonaten wurden an schönen Tagen die Sponsrunden im Freibad abgehalten. Zeitlich versetzt kamen die Klassen aus der Mädchenund Knabenschule zurWiese, um die Leibesûbungen, wie es damals noch hieß, und die Spiele, die im Lehrplan vorgeschrieben waren, durchzuführen. Diese Sportwiese lag zwischen Beckmühle und der Paar. Man konnte das Grundstück über eine Brücke von der Freianlage des Bades erreichen. Auch heute dient diese Wiese dem Freibad noch als Liege- und Spielwiese. All der Zahl der Kinder, die auf dem Foto abgebildet sind, kann man unschwer erkennen, daß es damals Klassen mit sehr vielen Schülern gab. Für die Lehrer, die in diesen Klassen unterrichteten, war es nicht immer leicht, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Oftmals glaubten sie, mit der sagenarmten Prügelstrafe bei der Erzie-

hung der Kinder den Eltern zu helfen.

5 Adolf Hitler schloß sich im Iahre 1919 der nationalsozialistischen Bewegung an. Die politischen Partelen konnten die wirtschaftliche Lage damals nicht in den Griff bekommen. Arbeiter und Angestellte, Unternehmer und Bauern hatten mit der sinkenden Kaufkraft der Währung zu kämpfen undArbeitslose erhielten gerade so viel, daß es zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig war. Dieser Adolf Hitler versprach dem Volk mit seinen Parolen den wirtschaftlichen Aufschwung des Deutschen Reiches. Die Bevölkerung fand diese Versprechungen zwar gut, doch konnten sich nur wenige entscheiden. dieser 'Nationalsozialistischen Arbeiterpartei' , NSDAp, beizutreten. Erst im Jahre 1931 wurde eine Ortsgruppe dieser Parrei in Aichach gegründèt. Die Parteimitglieder trafen sich in der Gaststätte 'Zum Hirschen' in Aichach, Bauern-

tanzgasse. Diese Wirtschaft erhielt schon bald den Beinamen 'Braunes Haus', weil die Parreimitglieder braune Hemden trugen. Dieses Foto ist wohl das kurioseste in diesem Bildband. Es zeigt das geschmiedete Wirtshaussch:ild am Erker dieser Gaststätte, unter dem der Iudenstern angebracht ist. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, in welchem Iahr das Bild aufgenommen wurde. Mir ist nicht bekarmt, daß in Aichach [uden gelebt haben. Deshalb war auch keine Judenverfolgung in dieser Stadt.

6 Erstrnals am 1. Mai 1933 wurde ein Festumzug in Aichach zum 'Tag der Arbeit' abgehalten. Nachdem am 3D.Januar 1933 AdolfHitler van Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde, beteiligte sich auch ' die Partei' an diesem Umzug und schmückte die Stadt mit ihren Fahnen. Bei diesem hier abgebildeten Festzug, der zum Tag des Handwerks im Oktober 1933 stattfand, zeigten die Handwerksbetriebe ihr Können. Auf festlich geschmückten Wagen, die von Pferden gezogen wurden, konnte man Schaustücke der einzelnen Berufszweige betrachten. Auf einen Festwagen, links im Bild zu sehen, bauten die Maurer und Zimmerer ein Modell eines Hauses im Rohbau. Mit diesem Gespann warben die Maurer und Zimmerer für ihren Berufsstand und zeigten die Leitungsfàhigkeit. Vor dem Rathaus, am oberen rechten Bildrand zu sehen, ist der

Pavillion der StadtAichach aufgebaut. Die Bürger dieser Stadt und auch der angrenzenden Ortschaften zeigten an diesem Umzug reges Interesse und säumten dicht gedrängt die Fahrstrecke, die dieser Festzug nahm. Zu dieser Zeit waren noch die Brunnen auf dem Stadtplatz angebracht. Der

Nepomukbrunnen ist für den Betrachter dieses Fotos in der Bildmitte zu erkennen.

7 'Schau nicht auf den Preis allein, sonst fällst Du gründlich dabei rein.' Mit diesem Werbespruch warben die Schreiner von Aichach bei dem Festzug zum 1. Mai für ihre Arbeit. Gerade in diesen Iahren war die Auftragslage der Handwerksbetriebe nicht sonderlich gut, denn sehr viele Leute waren arbeitslos und konnten sich nichts neues leisten. Zudem war derVerdienst der Arbeiter so gering, daß er nicht für Neuanschaffungen reichte. Aus diesem Grund nutzten alle Handwerker diesen Festzug, um Werbung für sich zu machen. Mit einem übergroßen Hobel, der auf den Schultern getragen wurde und mit weiß-blauen Rautentüchern geschmückt war, beteiligten sie sich an diesem Umzug. Anschließend stelhen sie sich zu einem Gruppenbild auf. Auch die Transparente, die sie mittrugen, und die Zunfttafel wurden mit abgebildet. Neben den Hand-

werksmeistern sind auf dem Bild auch Gesellen und Lehrbuben fotografiert, die mit ihren umgebundenen Schûrzen mitmarschierten. An den Hakenkreuzen, die an der Stirnseite des Hobels und oben am Zunfttaferl angebracht sind, ist zu erkennen, daß auch die Schreiner große Hoff-

nungen in die neue Regierung setzten.

8 In diese Zeit fälk auch die Anschaffung eines Lkw mit Anhänger, den der Bezirk Aichach beschaffte. Dieser Kauf wurde notwendig, um den Anforderungen in der damaligen Zeit des beginnenden Aufschwungs gerecht zu werden. Auf dem Bild ist der erste Lastkraftwagen abgebildet, der dem Bauhof des Landkreises Aichach, wie man heute sagen würde, zur Verfügung stand. Es handelte sich dabei um ein Fahrzeug des Herstellers Mercedes, das mitVollgummireifen ausgestattet war. Mit diesem Kraftfahrzeug konnten die Bediensteten des Bezirks die Aufgaben, die damals im Straßenbau anfielen, selbst bewältigen. Junge Leute der Hitlerjugend, die ursprünglich der Scharnhorst-Jugend angehörten, durften bei der ersten Fahrt mit diesem Lkw mitfahren.

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