Altötting in alten Ansichten Band 2

Altötting in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Johannes Strauß
Gemeente
:  
Provincie
:  
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6717-8
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Altötting in alten Ansichten Band 2'

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Vorwort

'Herz Bayerns' und 'auf dem ganzen Erdkreis berühmt' wirdAltötting von Dichtern besungen. Und das nicht zu Unrecht angesichts seiner fast 13 00jährigen Geschichte inmitten des bayerischen Stammlands, besonders aber wegen seiner Bedeutung als Zentrum marianischer Volksfrömmigkeit im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. 1998 begeht der Ort das 1250-Jahr-Jubiläum seiner urkundlichen Erstnennung, obgleich seine Wurzeln weit in die graue Vorzeit zurückreichen. Archäologische Grabungen auf dem Kapellplatz 1983/84 fördern 4000 jahre alte Siedlungsspuren aus der Übergangszeit vom Endneolithikum zur frühen Bronzezeit zu Tage. Keramikfunde von den Graminger Anhöhen beweisen gar die Anwesenheit mittelsteinzeitlicher Menschen vor rund 7000 Iahren.

Eine Schenkungsurkunde vom la. Juli 748 erwähnt erstmals einenAmtshof (villa publica) zu 'autingas' als Ausstellungsort des Agilolfîngerherzogs Tassilo HL Eine Blütezeit aber erlebt Ötting unter den Karolingern, als König Karlmann von seiner Lieblingspfalz aus wenige Jahre Bayern und Italien regiert. Erst die Ungarnstürme von 907 und 913 bereiten dieser glanzvollen Epoche ein jähes Ende.

Dennoch versinkt der Ort nicht in Bedeutungslosigkeit, sondern erholt sich zunehmend. Vom Krongut zum Reichslehen aufgewertet, fmden wieder Hofund Gerichtstage statt, verbringen salische Kaiser kirchliche Hochfeste zu Ötting und fûliren Regierungsgeschäfte. 118 0 kommt der Ort an die Wittelsbacher. An der Stelle des untergegangenen Pfalzstifts Karhnanns errichtet Herzog Ludwig 1., der Kelheimer, 1231 ein zweites Kanonikatsstift mit Kirche. Eine völlig neue, nunmehr geistliche Glanzperiode Altöttings eröffnen zwei Mirakel anno 1489 -149 0, deren Kunde davon Pilgerscharen aus nah und fern anzieht! Ihr Ziel: eine aus Lindenholz geschnitzte, stehende Muttergottesstatue mit dem Jesuskind, die gegen 1330 eine sitzende Vorgängermadonna ablöst. DemAnsturm der Gläubigen ist unser kleines Stifts-

dorf nicht gewachsen. An-, Um- und Neubauten von Kirchen und profangebäuden sind die Folge. Kriegs-, Pest- und Notzeiten sowie Reformation und Aufklärung fûhren zwar immer wieder zum Rückgang der Wallfahrt, um aber letztendlich gestärkt daraus hervorzugehen. Durch fünfhundert jahre bleibt Altötting Pilgerziel der 'einfachen Leute'. Doch auch 'Großen dieser Welt' machen der schwarzen Gottesmutter ihre AufWartung:

Kaiser, Könige, Kurfürsten, Herzöge, ja sogar zwei Päpste.

Politisch gesehen war unser Heimatort von 123 1 bis zur Säkularisation 18 0 3 eine geistliche Hofmark mit dem jeweiligen Stiftspropst als Grundherrn, danach einfache Ruralgemeinde, der König Ludwig I im Jahre 1845 die Marktrechte verleiht. Erst am 18. Dezember 1898 erfolgt durch Prinzregent Luitpold die Stadterhebung, die mit der Errichtung eines repräsentativen Rathauses 1908 ihren sichtbarenAusdruck findet. Heute istAltötting Deutschlands größter Wallfahrtsort mit jährlich einer Million Besuchern, als Kreisstadt Sitz zahlreicher Behörden sowie Wohn-, Schul- und Geschäftsstadt.

Die Fotografenfamilie Strauß konnte im vergangen Iahr ihr 100-jähriges Firmenjubiläum feiern. 100 Iahre Foto-Strauß sind hierbei fast gleichbedeutend mit 100 jahre BilddokumentationAltötting Vier Generationen Strauß haben durch ihren Fleiß und ihre Heimatverbundenheit dafûr gesorgt, daß alle bedeutenden Ereignisse in Altötting fûr Altötting festgehalten wurden und werden.

Besonderer Dank gebührt Herrn Manfred Lerch, der mit großer Einsatzbereitschaft die Zusammenstellung der Bildtexte übernommen hat.

Johannes Strauß

Altötting, im November 2 002

1. Am 26. Dezember 1886 fand auf Anregung des Kaufmanns Josef Waldhauser erstmals in Altötting ein Stephani-Umritt mit 231 pferden statt, der Iahr für Iahr bei den Bauern aus nah und fern regen Zuspruch fand. Der Festzug formierte sich ursprünglich am Kapellplatz, später vor dem Huber-Wirt an der Burghauser Straße, bewegte sich dann durch die umliegenden Straßen und endete zwischen Hl. Kapelle und Stiftskirche, wo von einerTribüne aus Roß und Reiter gesegnet wurden. Nach kriegsbedingter Unterbrechung (1914 bis 1924) wurde der letzte Umritt am Stephanitag 1928 mit 59 pferden abgehalten. Unser Foto von Frau Paula Beck - aufgenommen von der alten Apotheke aus - zeigt diesen mit Kooperator Schreiner hoch zu Roß, ihm voran ein Musikwagen. Wegen der Gefahr des Ausgleitens auf dem inzwischen asphaltierten Kapellplatz wurden die Umzüge eingestellt und erst nach siebzig Jahren aufInitiative des Öttinger Heimatbundes 1998 in zweijährigem Turnus wiederaufgenommen.

2. Am 27. Juli 1933 beschloß der Altöttinger Stadtrat unter Bürgermeister Josef Geiselberger (April 1933 bis August 1933) im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungsprogramms den Bau eines Volksbads in St. Georgen. Der erste Spatenstich erfolgte am 1. August und schon am 8. Dezember ergoß sich Wasser ins betonierte Becken, um dessen Dichtheit zu prüfen. Im ersten Winter drehten sogar Schlittschuhläufer ihre Pirouetten auf dem Spiegeleis. Pünktlich zur Badesaison öffnete das neue Bad am 20. Juni 1934 seine Pforten.

3. Mitten im Stadtgebiet erinnern noch heutzutage vereinzelte Bauernhöfe mit Scheunen und Nebengebäuden an das einstige Hofmarksdorf Unser Foto vom Jahre 1935 zeigt den nahezu unveränderten Blick aus der Zufahrtsgasse (heute:

Trostberger Straße 18-20a) zum Vieh- und pferdehändler JosefWallner ostwärts in RichtungTrostberger Straße / Reischlstraße, letztere damals noch Sackgasse. Im Eckhaus mit dem turmförmigen Erkeraufsatz war bis 1978 das alteingesessene Fahrradgeschäft Schröck untergebracht. Die Häuserzeile der Reischlstraße mit ihrem Gründerzeit-Flair kontrastiert stark zum bäuerlichen Vordergrund. Lediglich die nostalgisch anmutende, handbetriebene Olex-Benzinzapfsäule an der Straßeneinmündung existiert nicht mehr.

4. Zu den wichtigsten alten Handwerkern der Hofmark zählte früher der Schmied; denn Roß und Wagen waren damals das einzige Verkehrsmittel. Gleich zwei solcher Betriebe lagen einst nahe beieinander am Mörnbach: die Kapell- oder Bachschmiede an der Ecke Marienstraße / Kolbergstraße (Ersterwähnung 1434, letzter SchmiedJosefHeller bis 1952) und die Berg-, Reit- oder Hofschmiede am Ebererberg (Ersterwähnung 1530, letzter Schmied Max Eberer bis 19 ° 1). Nach dem Kauf des 'Stepfergütls' 192 2 richtete Hans Borst an der Trostberger Straße 5 eine 'Huf- und Wagenschmiede' ein (Foto von 1935). Der Junge rechts ist der heutige Besitzer und Schmied, JosefBorst. Am Staketenzaun lagernde Gerätschaften lassen aufvorwiegend bäuerliche Kundschaft schließen: Radltragen, eiserne Radreifen, Wagenräder und Deichselarm. Das Doppelschild an der Zufahrt zur Vulkanisierwerkstätte Straßer weist aber schon auf einen enormen technologischen Fortschritt hin: die Gummibereifung!

5. Eine 'Mapuche-Indianerin mit Trommel und Zauberstein' bildete den Blickfang der früheren Missionsausstellung hinter dem KongregationssaaI. Ihr Besuch gehörte seit 1913 zum Pflichtprogramm jedes Altötting-Pilgers. Eingangs informierte sich der neugierige Besucher am Bilderkarussell des Guckkastens über die große, weite Welt. Im Obergeschoß der Dauerausstellung lernte er Land und Leute der südchilenischen Provinz Araukarien kennen, die bayerische Kapuziner seit 1901 missionierten. Exotische Flora und Fauna - ausgestopft, aufgespießt oder in Alkohol eingelegt - fremde Indianerkultur hinter Glasvitrinen. In den siebziger Iahren ließ das Besucherinteresse spürbar nach. Das 'Chilemuseum' schloß seine Pforten. Der Almosen heischende 'Nick-Neger' wanderte ebenso wie die abgebildete Zauberin als Kuriosa in Münchener Museen.

6. Lehrertreffen 'zwischen den Iahren' 1940/41 im Garten der Kapelladministration mit den 'Haus Bethlehem' im Hintergrund. Anlaß und Gesprächsinhalt der trauten Pädagogenrunde sind nicht bekannt, können aber in Kriegszeiten durchaus erahnt werden. Sichtlich angetan von der milden Wintersonne stellen sie sich der Kamera. Von links: Lehrer Emil Amer, das Ehepaar Lehrerin Anna Reindl und Oberlehrer Ludwig Reindl als Hptm. d.R. (in Uniform), sowie Fronturlauber Lehrer Albrecht Kolb.

7. Parteifunktionäre, Schutzpolizei, Angehörige gefallener Soldaten sowie Sympathisanten aus der Bevölkerung haben sich am Sonntag, den 16. März 1941 zur Heldengedenkfeier vor demAltöttinger Rathaus versammelt, um nach der Kranzniederlegung den Vorbeimarsch der Militärformationen zu verfolgen. Das unscheinbare NSDAP-Emblem mit dem Reichsadler rechts oben neben dem Portal zeigt die wahren Machthaber im Rathaus.

8. Nach beendeter Heldengedenkfeier am 15. März 1942 mit Ansprachen, Kranzniederlegung, Ehrensalven und dem Lied vom Kameraden an dem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Kriegerdenkmal marschiert eine Landesschützenkompanie am Rathaus vorbei in die Neuöttinger Straße (damals: Adolf-Hitler-Straße), wo sich der Zug auflöst.

9. Schüler als Sammler von Heilkräutern und Wildfrüchten einzusetzen, entsprach dem Volksgemeinschaftsgeist des Dritten Reiches. Im weiteren Kriegsverlauf ging man dazu über, jedem Schulkind eine vorgegebene Kilozahl als Pflichtsammlung aufzugeben, um den steigenden Bedarf an Kräutertees und pflanzlichen Heilmitteln zu decken. Auch Wildfrüchte mit besonders hohem Vitamingehalt sollten zu Marmelade verarbeitet, besonders den Soldaten im hohen Norden und den U-Boot-Fahrern zugute kommen. Vor dem Eingang des alten Knabenschulhauses an der Neuöttinger Straße haben sich sammelwütige Schulbuben mit ihrer betreuenden Lehrerin, Frau Anna Reindl (links außen im Bild), versammelt und präsentieren stolz ihre in Körben und Säcken im Kriegsjahr 1941 gesammelten Heilkräuter dem Fotografen. Anschließend wurden diese im Dachboden der Schule zum Trocknen ausgebreitet.

10. Kriegsweihnachtsfeier 1942 im Theatersaal des mit Verwundeten überfüllten Hauptlazaretts im Franziskushaus. Geistliche Schwestern und Sanitätspersonallauschen den Worten ihres leitenden Chefarztes Oberstabsarzt Dr. Friedrich Thyroff (rechts im Bild). Trotz spärlichen Tannengrüns will weihnachtliche Stimmung nicht aufkommen. In den Gesichtern der Zuhörer spiegelt sich der Ernst der Lage. Dr. Thyroff, ein umsichtiger, von allen hochgeschätzter Arzt, wohnt bei seinen Patienten im Krankenhaus. In den letzten Kriegsmonaten setzt er sich vehement dafür ein, AltNeuötting den Status einer 'offenen Stadt' im Sinne der Genfer Konvention zukommen zu lassen. In der Nacht vom 1./2. Mai erreicht er in einer waghalsigen Verhandlungsmission von den Amerikanern schließlich die kampflose Übergabe der Stadt.

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