Ansbach in alten Ansichten Band 1

Ansbach in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Adolf Lang
Gemeente
:   Ansbach
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2552-9
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Ansbach in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Als ich drei Jahre alt war, zogen meine Eltern mit mir nach Ansbach. In der Büttenstraße und vor allem am MartinLuther-Platz wuchs ich auf. Ich gehörte zu den Bubenschlossen, die an den Steingesimsen der Johanniskirche um die Wette kletterten. Unsere Spielgründe waren die Rezatwiesen, die 'Rivièra'. Wir Buben sagten: 'Mir genga a weng hindn naus!' Damals freuten wir uns an den kleinen Abenteuern, denn mitten im Krieg gab es wenig Gelegenheit zu großen, etwa zum Reisen.

Eines dieser kleinen Abenteuer, das mir lebhaft in das Gedächtnis zurückkehrt, wenn ich die Postkarten von dereinst ansehe, war der Ausflug zum Eisenbahnsteg. Wir verließen die vertraute Altstadt, liefen durch die Neue Auslage, in der wir weniger daheim waren, auch wenn dort die für uns zuständige Karolinenschule stand, und stiegen auf den Eisenbahnsteg. Er hatte eine wichtige Funktion in Ansbach, verband er doch die Turnitzstraße mit dem Gebiet südlich der Bahnanlagen, unter anderern dem Güterbahnhof und dern Finanzamt.

Das war er freilicht nicht, was den Steg für uns interessant machte, denn wir überquerten ihn nur selten; wir blieben drauf. Für uns war der Eisenbahnsteg Gelegenheit zu einem ereignisreichen Nachmittag. Wir zählten die D-Züge StuttgartNürnberg und Hamburg-München, wir beobachteten das 'Bechheefer Boggerla' und die kleine Rangierlok. Lokornotivtypen und Waggons aus halb Europa waren uns vertraut. Und nichts schien schöner, als wenn eine Lok dicke Dampfwolken ausstieß, die den Steg und uns einhüllten.

Der Steg ist verschwunden, die Bombenangriffe von 1945 haben ihn zerstört. Bis heute wurde kein Ersatz geschaffen, was die braven Ansbacher natürlich bedauern, schon weil sie jetzt einen längeren Weg zum Finanzamt haben. Vnd ob die heutigen Buben, durch aufwendigere technische Spektakel unserer Zeit verwöhnt, noch an einem Eisenbahnsteg interessiert sind, bleibt dahingestellt.

Gedanken beim Betrachten einer Postkarte Nostalgie? Ja und

nein, auf jeden Fall nicht nur Nostalgie. Natürlich war beim Sichten der alten Postkarten ein Schuß Wehmut beteiligt. Ich bin aber auch froh, gerade als Archivar der Stadt, daß dabei manche verschüttete Erinnerung wieder freigelegt wurde, vor allem aus den turbulenten Jahren 1945/46, von denen sich bei der Stadt Ansbach kaum Akten erhalten haben.

Vnd dann fordern die liebenswerten Zeugen der Vergangenheit zum Vergleich mit der Gegenwart heraus, wobei ich darauf bestehen muß, diesen Vergleich weder aus der tränenseligen Bastion 'Gute alte Zeit' noch aus dem hochmütigen Betonbunker 'Wir machen alles besser als die Alten' zu ziehen. Ein Beispiel: Ich kann es drehen und wenden wie ich will, der alte Bahnhofsplatz erscheint mir ästhetisch, von den Grünanlagen und der Verkehrsabwicklung her besser als der heutige. Ein Gegenbeispiel: die Häßlichkeit von Werbeanlagen, etwa in der Uzstraße, ist nicht erst eine Erfindung unserer Zeit. Noch eins: nach den Bombenangriffen waren die Öffnung des Hofgartens zur Bahnhofstraße und der Verzicht auf eine erneute Bebauung ein entscheidender Gewinn für Ansbach.

Überhaupt bieten die alten Ansichten viele Anregungen für unsere Zeit, sind also nicht nur sterile Dokumente eines einmal als festgeschrieben geglaubten Zustandes. Stadtsanierung, Stadtplanung und auch die Denkmalpflege können sich daraus, ich wage es zu sagen, neue Gedanken holen. Funktionen der Fußgängerzone, Wiederbelebung von Altstadtgassen, Refunktionalisierung von fast aufgegebenen Altstadthäusern; geben dazu nicht die Bilder aus Großvaters Zeiten einige Ideen ab?

Gerade die Denkmalpflege und die mit ihr Betrauten können daraus lernen. Die alten Ansichten sind ein Plädoyer gegen sprossenlose Fenster, die die Gemütlichkeit aus Ansbach vertreiben. Die Postkarten zeigen, daß man auf weiteres Freilegen von Fachwerk verzichten sollte; um des Charakteristischen des Ansbacher Stadtbildes willen, das eben nicht an

Rothenburg und Dinkelsbühl orientiert werden darf, sondern seine eigene Gesetzmäßigkeit hat. Ansbach ist eine Stadt des fürstlichen Absolutismus: vereinheitlichtes Stadtbild, soviel Regularität wie möglich, Putzfassade. Hierin entfelter es seine Eigenqualität, hierin ist es unersetzbar, eben; Stadt des fränkischen Rokoko. Dies gilt trotz viel verbarocker Bausubstanz.

Die alten Ansichten rufen natürlich Verluste ins Bewußtsein: die beiden Türrne des 16. Jahrhunderts entlang der Südseite des Hofgartens, das städtebaulich wirksame Mardefeld-Palais, die vielen Barockbauten der Neuen Auslage (unter ihnen das Cronegk-Geburtshaus), das Zochaschlößcnen, Teile der Lindenalleen im Hofgarten, alles Kriegseinbußen,

Freilich sind auch die Verluste im Zeichen der Nachkriegsprosperität, des zunehmenden wirtschaftliehen Wohlergehens, nicht gerade kleinkalibrig: Schießhaus, etliche Bürgerhäuser in der Altstadt, barocke Portale, Pcrtalverzierungen, Kartuschen, Innenausstattung des Hotel d' Anspac, Allzu oft gingen die Erdgeschoßzonen in ihrer historischen Struktur restlos verloren. Nicht selten auch haben verfehlte Farbanstriche Sandsteinpartien zerstört, insbesouders an Portalen. Und dennoch, trotz dieser herben Verhiste muß auch von den großartigen Leistungen bei Restaurierungen die Rede sein. Man kann sogar sagen, daß noch nie soviel auf dem Gebiet der Denkrnalpflege erbracht wurde, wie in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren. Markgrafenschloß, Orangerie, Hofkirche St. Gumbertus mit Schwanenrhterkapejle, Krypta und Fürstengruft, St. Johannis, St. Nikolaus in Schalkhausen, Synagoge, Prinzenschlößchen, Markgraf-Georg- und MarkgrafCarl-Brunnen, Hofkanzlei und viele Bärgerhäuser wurden vortrefflich restauriert. Die Gotische Halle im Schloß bedeutet sogar einen absoluten Neugewinn von überregionaïem Rang. Wer weiß, ob unsere Wirtschaftskraft noch einmal in so gedrängter Zeit eine derartige Fülle von Restaurierungen gestattet ...

Manches bleibt immerhin zu tun. Die obengenannten Gebäude wurden zum größten Teil vom Staat restauriert. Aber auch die Stadt Ansbach muß an ihre diesbezüglichen Aufgaben, die ihr gehörigen Objekte denken: Landhaus (heute Stadthans genannt), Rathaus, Herrieder Tor, Neues Tor. Ihre Restaurierung ist gebeten, vor allem, nachdem die Stadt an Karlshalle, Jugendzentrum und Feuerwehrhaus gezeigt hat, welchen Gewinn fiir Stadtbild und Funktion eine gelungene Restaurierung darstellt. Auch die kleine Stadtmauerfreilegung beim Museum hat allerseits erfreut.

Der Gang durch Ansbach vor dem Ersten Weltkrieg macht auch klar, welche Rolle Bäume und Grünflächen im Stadtbild gespielt haben. Hier hat die Stadt wegen der Grundstücksnot, die sie nicht verantworten muß, viel verloren. Heute, nach der Gebietsreform aus Jahrhundertfesseln befreit, besitzt sie alle Möglichkeiten, die Zurückdrängung des Grüns allmählich wieder zu korrigieren,

Die alten Postkarten rücken auch manches Gebäude in den Vordergrund, das bislang, mehr oder minder unbewußt, übersehen wurde. Ich meine Bauten der Gründerzeit, des Historismus, des Jugendstils, für deren Qualitäten erst jetzt das Auge geöffnet wurde und die nunmehr gleichfalls von der Denkmalpflege erfaßt werden.

So bieten die Ansichten von ehedem vielseitige Aspekte. Träumerische Erinnerung an Vergangenes hat beim Betrachten zu Recht Platz. Aber auch kritische Selbstkontrolle wird möglich. Sorgsam können Gewinn und Verlust der Heimat abgewogen werden. Der Bürger mag am Schicksal des Stadtbildes des Gewicht kommunalpolitischer Entscheidungen erkennen, die er beeinflussen kann, Und so wird die Iiebenswerte Postkarte der guten alten Zeit auch zur harten Prüfung: Was werden wir aus der 'Stadt des fränkischen Rokoko' machen?

Rnsbach.

1. Die Ansbacher Altstadtsilhouette von der Rivièra. Unverwechselbar sind ihre seit rund dreihundertachtzig Jahren nicht mehr veränderten Konturen. Ais Wahrzeichen ragt die eigenwillige Dreiturmfassade der Gumbertuskirche auf, zu der das ungleiche Turmpaar von St. Johannis den Kontrapunkt bildet: Renaissance und Spätgotik im Zusammenklang, Zwischen den beiden protestantisohen Kirchen lugt der Treppenturm des Schnizleinhofes hervor, wo heute das Ansbacher Museum untergebracht ist.

Ansbach, Würzburgerstrasse.

2. Im Westen der Altstadt erstreckt sich die ehemalige 'Obere Vorstadt', deren Hauptachse die Würzburger Straße bildet. Eine Fülle von Gasthäusern drängt sich hier zusammen, die jedoch viel von ihrer Bedeutung verloren haben, seitdern der große Verkehr nur noch teilweise diese historische Ausfallstraße berührt. Obwohl sich Bauten des 16. bis 18. Jahrhunderts bunt mischen, wirkt die Würzburger Straße durch den einheitlichen Fassadenputz des Barock verhältnismäßig geschlossen.

)nsbach - Oberer j,1ar i

3. Der 'Obere Markt' heißt heute Martin-Luther-Platz. Während der Reformation hatten die Stadt und ihre Markgrafen eine wichtige Rolle gespielt. Der sich westlich von der Johanniskirche erstreckende, eher straßenförmig wirkende Teil des Platzes wird durch mehrere Giebelbauten gekennzeichnet, deren Fachwerk vor dem Ersten Weltkrieg noch verputzt war. Erst in den letzten fünfzig, sechzig Jahren wurden hier und an anderen Stellen der Stadt Fachwerkstrukturen freigelegt.

4. Die Büttenstraße ist eines der Sergenkinder der Stadtverwaltung und deshalb in das Sanierungsgebiet einbezogen. Kaum möchte man ahnen, daß sich hier einmal ein nobles Viertel befand. Und doch, die 'Löwengrube' mit ihrem reichgestalteten Renaissance-Giebel von 1566, einem für Ansbach und sein Umland einmaligen Kunstwerk, läßt den alten Glanz ahnen. Von hier ging einmal die Ansbacher Nationalspeise, die vielgerührnte Bratwurst, weit hinaus in die Lande.

5. Die 'Herberge zur Heimat' in der Schaitbergerstraße mit ihrem feinen Barockportal von 1681 zählt zu den stirnrnungsvollsten Gebäuden der Altstadt, wozu vor allem die Laubengalerie mit ihrer eleganten Balusterbrüstung beiträgt, Nach ungesicherter Tradition stand hier die Burg der Herren von Dornberg, die bis 1288 als Vögte über Ansbach amtierten und unweit von Schalkhausen . eine nach ihnen benannte Höhenburg besaßen, deren Anlage trotz der Zerstörung im Gelände noch zu erkennen ist.

6. Als repräsentativster unter den Ansbacher Fachwerkbauten ist der 'Graue Wolf zu nennen. Inzwischen haben Ladeneinbauten das Erdgeschoß verändert. Erhalten aber blieb das Portal mit der Jahreszahl 1681, auch der schöne barocke Ausleger nebst Wirtshausschild. Für das Ensemble des Martin-Luther-Platzes hat der 'Graue Wolf' eine hohe Bedeutung; die Eigenart des fränkischen Fachwerks ist hier, unter Verzicht auf ausgesprochene Zierformen, voll zum Ausdruck gebracht.

7. Der eigentliche Hauptraum des MartinLuther-Platzes wird durch die beiden Kirchen St. Johannis und St. Gumbertus abgegrenzt. Zu markgräflicher Zeit war er das Zentrum der bürgerlichen Stadt. Sein Erscheinungsbild ist in den wesentlichen Teilen barock, auch wenn sich hinter den Fassaden des 18. Jahrhunderts oft älterer Baubestand verbirgt. Vor der Gumbertuskirche riegelt das Landhaus, heute als Sitz des Oberbürgermeisters 'Stadthaus' genannt, den Platz ab.

8. Ansbach liegt an der Fränkischen Rezat, die ihre bescheidenen Wasserfluten am Nordrand der Altstadt vorbeiführt. Von ihrem Tal aus entfaltet sich der Stadtprospekt, wieîhn schon Matthäus Merian dargestellt hat. Die Stadtmauer ist zum größten Teil durch Bürgerhäuser verbaut. Darüber erhebt sich die charakteristische Zweiturmsilhouette von St. Johannis mit dem mächtigen Dach. Der Eiserne Steg verbindet das alte Ansbach mit den jüngeren Stadtvierteln im Norden.

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