Attendorn in alten Ansichten

Attendorn in alten Ansichten

Auteur
:   Hermann Hundt
Gemeente
:   Attendorn
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2490-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Attendorn in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Als Vater der Fotografie gilt der Franzose Nicéphore Niepce, der 1822 ein 'Verfahren zur Fixierung von Abbildern der Natur ohne Mitwirkung eines Künstlers' erfand. Verschiedene technische Verbesserungen ermöglichten es, daß etwa ab 1870 insbesondere die Porträtfotografie breitere Kreise erreichte. Die ältesten Bilder, die wir in Attendorner Familienalben fanden, entstanden in Ateliers der großen Städte an Rhein und Ruhr. Erst von 1875 datiert das früheste Foto, das Attendorn selbst zeigt. Der Fotograf Joh. Heinrich Schönscheidt aus Köln (1835-1909) machte bei einer Überlandfahrt an verschiedenen Orten Auf-

nahmen von der gerade eröffneten Biggetalbahn. 1890 foto-

grafierte H. Weeck aus Dortmund die Stadt von den umgebenden Höhen aus.

Inzwischen hatte sieh in Attendorn als erster Fotograf des Kreises J oseph König aus Niederhelden selbständig gemacht. Ursprünglich zum Geistlichen bestimmt, war er, früh verheiratet, in Atten-

dorn als Drechsler ansässig geworden. Nach kurzer Zeit schon

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schloß er sein Geschäft und eröffnete um 1888 im jetzigen Hause Hammer, Kölner Tor eine 'Photographische Anstalt', nachdem er sich in Siegen beim Fotografen Schmeck hatte ausbilden lassen. Nach dem frühen Tode Königs übernahm der Anstreicher ~r'!!lfirTruïJORN, Promenade die Ausrüstung. Wie dieser, so wirkte 1900 auch Rudolf Biecker (später Otto Biecker, Breite Straße) nebenberuflich als Fotograf. Aus der Folgezeit finden wir ferner Aufnahmen von den Verlagen Th. Frey, F. Schmidt und Friedrich Schürmann, jun.

Das eigentliche Fotozeitalter in Attendorn begann jedoch im Jahre 1913, als der Licht bildnermeister Ludwig Rottmann sich hier niederließ. Rottmann war, seine Bilder beweisen es, mehr als ein herkörnmlicher Fotograf. Er besaß ein Gespür für Situationen und gab den Bildern Aussagekraft. Die meisten unserer Aufnahmen stammen aus seiner Kamera, sicherlich auch einige, deren Urheber wir nicht ermitteln konnten.

Neben Rottmann fotografierte vor allem noch der Herausgeber der 'Attendorner Zeitung', Theodor Frey. Frey verlor große Teile seines Archivs bei der Bombenzerstörung im Zweiten Weltkrieg. Dokumentarischen Wert besitzen jedoch auch die Bilder, mit denen er in der Folgezeit die Bombenschäden festhielt.

Die Zusammenstellung dieses Fotobandes erwies sieh, da entsprechendes Archivmaterial nieht vorlag, als unerwartet schwierig, Wir mußten, wie man sagt, 'Klinken putzen'. Eine große Zahl der angeschriebenen Privatpersonen, Archive oder Vereine

stellte uns die Fotos zur Verfügung, aus denen wir die 76 Bilder dieses Bändchens auswählten.

Dem Charakter dieses Buches entsprechend haben wir nie daran gedacht, eine historische Fotodokumentation der Stadt Attendorn zusammenstellen zu wollen. Es blieb nicht aus, daß manches urtümliche Bild dabei einer historisch aussagekräftigeren Aufnahme vorgezogen wurde. Auch Überlegungen kunstgeschichtlicher Art haben wir zurückstellen müssen. Des weiteren wollten wir einen erneuten Abdruck jener idealisierenden Alt-Attendorner Motive vermeiden, die jedermann bekannt sind. Unsere Aufgabe sahen wir vielmehr darin, dem Betrachter ein Bild Attendorns vor etwa einem Menschenalter zu vermitteln. Ein Bild, das die 'kleine Geschichte' der Stadt widerspiegelt.

Als sehr schwierig erwies sich die Datierung der Bilder. Konnten keine Schlüsse aus der Aufnahme selber gezogen werden, halfen oft der Name des Fotografen, das äußere Bild der Fotografie oder der Stempel des Ateliers weiter. Ludwig Rottmann zum Beispiel benutzte nacheinander, aber leider gelegentlich auch nebeneinander, mindestens vier verschiedene Stempel. Trotz aller Bemühungen mag es manchmal nicht gelungen sein, ein Bild zufriedenstellend zu datieren. Wir haben folgenden Schlüssel angewandt, den wir im Beispiel erläutern wollen:

1900 genaue Datierung,

wohl 1900 Unsicherheitsfaktor +/- 2 Jahre,

um 1900 +/- 5 Jahre,

etwa 1900 +/- 10 Jahre.

Die Aufgabe des Begleittextes besteht allein in einer Unterstreichung der Bildaussage. Gerade der Leser, der das Dargestellte nicht mehr aus eigener Anschauung kennt, soll hieraus Gewinn ziehen.

Der Text wurde geschrieben nach eigenen Errnittlungen und unter Benutzung der gängigen Literatur. Insbesondere fanden Verwendung:

Brunabend, J osef - Piekert, Julius - Boos, Karl: Attendorn, Schnellenberg, Waldenburg und Ewig, Münster 1958.

Kluge, Dorothea und Hansmann, Wilfried: Westfalen (G. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler), München 1969.

Heirnatstimmen aus dem Kreise Olpe, Olpe 1948 ff. Ludorff, A.: DJe Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Olpe, Münster 1903.

Piekert, Julius: verschiedene Manuskripte aus dem Nachlaß (Archiv Verein für Orts- und Heimatkunde). Piekert, Julius und Forck, Hermann: Chronik der Stadt Attendorn (Manuskript; Archiv Verein für Ortsund Heimatkunde).

Schulte, Franz: Alt-Attendorn, in: Vega-Blatt 1967.

Zum Schluß möchten wir allen denen danken, die uns bereitwillig bei der Arbeit unterstützt haben. Den Leihgebern der Bilder ebenso wie jenen, die uns durch Informationen und Hinweise weitergeholfen haben.

Die Herausgeber

1. Beginnen wir unseren Rundgang durch das alte Attendorn mit einer Ansicht der Stadt vom Wolfsstein herunter. Aus der Vogelperspektive wird die Lage des Städtchens im Tal der Bigge erkermbar und der damals vielbesungene 'Lindenkranz' umgibt die noch in sich geschlossene Stadt. Ein Gürtel von Nutzgärten begleitet die Promenade, noch spärlich ist die Besiedlung außerhalb der früheren Wälle. Nur auf dem Gelände vor dem Wassertor finden wir zu dieser Zeit neben Mühle, Hospital und Bahnhof einige Industriegebäude. Aufnahme: H. Weeck, Dortmund, 1890.

2. Nachdem die Stadt bei dem Bau der ersten Kunststraßen (Chausseen) hatte zurückstehen müssen, begann mit dem Zeitalter der Eisenbahnen auch in Attendorn ein Aufschwung, der die Grundlagen der heutigen wirtschaftlichen Situation schuf. Wohl das wichtigste Ereignis in dieser sogenannten Gründerzeit war die Eröffnung der Bahnstrecke Attendorn-Finnentrop am 1. April 1874. Die Weiterführung bis ülpe wurde am 1. November 1875 dem Verkehr übergeben. Unser Bild zeigt die noch junge Bahnstation mit künstlich aufgeschüttetem Bahndamm. Aufnahme (Detail): J.H. Schönscheidt, Cöln, um 1875.

3. Im Jahre 1886 errichtete die Firma Althaus und Liebrecht zwischen Wassertor und Bigge ein Feinblechwalzwerk, bestehend aus einem Knüppel- und zwei Blechwalzgerüsten, sowie Puddel- und Schweißöfen. Das Klopfen der Hämrner verursachte einen solchen Lärm, daß schon bald jedes andere Geräusch weithin übertönt wurde. Die Werkssirene, die dreimal am Tage zum Schichtwechsel blies, wie auch das Pfeifen der Lokomotiven trugen mit bei zu der Attendorner Geräuschkulisse. So hielt auch in Attendorn mit der Schwerindustrie das Industriezeitalter unüberhörbar Einzug. Zeichnung: um 1910 (Zustand 1886).

4. Zwischen Mühlengraben und Bigge lag vor dem Wassertor schon im Mittelalter ein Hospital, das weit über die Grenzen Attendorns bekannt war. Das Bild zeigt noch einen Spitalbau, der vom Stil her mit der Kirche harmonisiert. Nachdem 1852 das Hospital in ein Krankenhaus umgewandelt worden war, erwies es sich bald als zu klein und wurde ab 1884 durch ein neues Gebäude ersetzt. Dieses wiederum verlor seine Aufgabe durch den Bau des größeren Krankenhauses an der Hansastraße. Das Hospital von 1884, zuletzt als Mietshaus genutzt, wurde 1975 abgebrochen. Aufnahme (Detail): J.H. Schönscheidt, Cöln, um 1875.

5. Als der damalige Landeskonservator von Westfalen um die Jahrhundertwende eine erste kunstgeschichtliche Bestandsaufnahme im Kreise Olpe machte, entstanden auch Bilder, die die Tracht der Attendorner Frauen festhielten. Beim Kirchgang und bei Begräbnissen waren die Frauen üblicherweise eingehüllt in die 'Falge', ein Regentuch, das an die Nonnentracht erinnert. Die Tracht der Männer bestand aus einem blauen Kittel mit Schulternähten und einem geknoteten Halstuch. Hierzu wurde meist noch eine schwarzseidene Ballonrnütze getragen. Aufnahme: A. Ludorff, 1901.

6. Als ein Bilderrätsel erwies sich diese Aufnahme, die vom Fotografen Josef König stammen könnte. Hier wird besonders deutlich, wie sehr sich das Bild der Stadt gewandelt hat. Wir vermuten, daß der Bliek nach Südosten auf die Gasse 'Im Tangel' geht: im Vordergrund das frühere Rötchers Haus, das 1940 von der Stadt aufgekauft und kurz danach abgebrochen wurde und im Hintergrund der Rappelsberg mit einer Waldschneise, die jetzt noch zu erkennen ist - dort steht heute der Fernsehumsetzer. Aufnahme: etwa 1890.

7. Vor dem Einzug in sein neues Haus an der Promenade bestellte der Hausherr C.J. Isphording den Fotografen, um hier an der Niedersten Straße ein Erinnerungsfoto machen zu lassen. Sein Haus wurde gekauft von Josef Braunschneider und beherbergte vor dem Abriß Ende der sechziger Jahre zuletzt ein Anstreichergeschäft, nachdem hier lange Jahre ein Bäcker- und Kolonialwarenladen untergebracht war. Nach Zuschütten der Stadtgräben, oft mit Schlacke aus dem Walzwerk, erlangte die Promenade um die Jahrhundertwende Bedeutung als 'bessere' Wohnstraße. Machen wir einen Rundgang, dann erkennen wir noch heute den Zeitstil der Häuser (Neostile, Jugendstil). Aufnalune: um 1900.

8. Mit dem Übergang des kölnischen Sauerlandes an das protestantische Preußen mußte man sich auch hier daran gewöhnen, daß es nichtkatholische Christen gibt. Nachdem ein Landwehrbataillion 1838 nach Attendorn verlegt worden war, ergab sich die Notwendigkeit, eine evangelische Gemeinde ins Leben zu rufen (1849). Da die zum Gottesdienst benutzte Aula des Gymnasiums am Klosterplatz bald zu klein wurde, errichtete man 1855 im Garten hinter dem Pastoratsgebäude eine kleine Kirche. Mit dem Anwachsen der Gemeinde wurde ein Neubau notwendig, der 1914 eingeweiht werden konnte. Die Südmauer der ersten Kirche ist heute noch an alter Stelle zu finden. Aufnahme: Emil Stille, Lüdenscheid, etwa 1900.

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