Bad Endbach in alten Ansichten

Bad Endbach in alten Ansichten

Auteur
:   Theodor Becker
Gemeente
:   Bad Endbach
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1548-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Endbach in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Bad Endbach, das Kneippheilbad im Hessischen Hinterland, ist ein junges Gebilde, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch sein gesundheitsförderndes Reizklima und den Waldreichtum, 300 bis 500 Meter über dem Meer, im Zentrum zwischen den Städten Marburg, Biedenkopf, Dillenburg, Wetzlar und Gießen gelegen, auf die Durchführung von Kuren nach der Therapie des großen Menschenfreundes Pfarrer Sebastian Kneipp spezialisiert hat. Durch die Heilerfolge von Prof. Dr. med. Hans Storck und seiner ärztlichen Mitarbeiter, ist Endbach über die Grenzen des Landes Hessen hinaus bekannt geworden. Die Entwicklung des Ortes deutet auf einen regen Menschenschlag hin, der in Jahrhunderten die reizvollen Täler inmitten der bewaldeten Höhen mit viel naturverbundener Liebe bearbeitet und gepflegt und der heutigen Generation das vitale Erbe in die Hände gelegt hat. Im Jahre 1960 konnte Endbach seinen 700jährigen Geburtstag begehen,

Die Ortsgeschichte reicht nach den kulturhistorischen Erkenntnissen bis in die Zeit Karls des Großen (768-814) zurück, während die erste Urkunde mit dem Datum vom 22. März 1261 Endbach im Staatsarchiv erst erwähnt wurde, nachdem die Tochter der Heiligen Elisabeth, Landgräfin Sophie van Brabant, ihre Regierungsgewalt auf der eroberten Burg Blankenstein durchsetzen wollte, indem sie den Herren von Nordeck und Biedenfeld ihre Gemarkung nur öffnete gegen eine Sicherheit von 20 Talenten aus den Gütern von und um Endbach. Die ersten Ansied-

lungen von Bauern haben am Ende eines Baches stattgefunden und damit ist der Ortsname Endbach, zwischendurch Ennebach, bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. Jahrhunderte sind die Bauerngeschlechter Leibeigene der Grafen gewesen. Erst im Jahre 1813 ist die menschenunwürdige Leibeigenschaft aufgehoben worden. Doch für die Bauern wurden dadurcli die Lasten nicht weniger, da sie ihre seitherigen Lehngüter nunmehr käuflich erwerben mußten und dafür hohe Kaufsummen an den Herzog zu zahlen hatten. Um das Jahr 1502 bestand Endbach aus 17 Haushalten.

Ihre Gehöfte waren aus Holz und Lehm erbaut und mit Strohdächern bedeckt. Im Jahre 1846 besaß Endbach 72 Gebäude und 75 Haushaltungen. Am 4. Septem ber 1861 sind 18 Häuser nebst gefüllten Scheunen einem Großbrand zum Opfer gefallen. Die Familien verloren dadurch ihre ganze Habe. Derzeitig war die Gemarkung aufgegliedert in 162 Hektar Ackerland, 66 Hektar Wiesen, 27 Hektar Weide, 6 Hektar Hof, 10 Hektar Ödland, sowie Wege und Wasser, dazu 263 Hektar Wald. Mit ertragreichen landwirtschaftlichen Gütern war die Gemeinde nicht gesegnet. Auch sind wesentliche Bodenschätze nicht vorgefunden worden. Außerdem wurde Endbach von mancherlei Kriegsnöten schwer heimgesucht. Versprengte Truppenteile haben im Dreißigjährigen, sowie im Siebenjährigen Krieg zerstört und verbrannt, was ihnen im Wege stand.

1625 bis 1627 und später von 1635 bis 1637 wütete

die Pest entsetzlich unter den Einwohnern. Aus dem Krieg 1866 kehrte ein Soldat nicht zurück. Im Ersten Weltkrieg starben 22 Männer auf den Schlachtfeldern. Wenn ich nun in diesem Büchlein unser Endbach in seinen alten Ansichten, oder zu Großvaters Zeiten in noch vorhandenen Fotos darzustellen versuche, so erweckt es in mir die Erinnerung an manche Begebenheit, die ich aus den Erzählungen alter Dorfbewohner kenne beziehungsweise in meiner Jugend selbst miterlebte. War es doch die tägliche schwere Arbeit, die unsere Vorfahren von der schulischen Weiterbildung abhielt. In dumpfem Unwissen gaben sie sich dem Aberglauben hin und lebten in ständiger Angst vor bösen Geistern. Sie wallfahrteten zu den Gräbern längst verstorbener, bedeutender Menschen, um dort Heilung ihrer Leiden zu finden.

Die Familien bestanden damals üblicherweise aus Eheleuten mit sieben und mehr Kindern nebst den Großeltern. Durch schlechte Ernährung und mangelnde Hygiene war die Kindersterblichkeit in allen Familien sehr groß. Auch das Höchstalter endete nachweisbar, mit nur wenigen Ausnahmen, zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Den Tagesablauf ordneten die bäuerlichen Menschen nach dem Stand der Sonne. Kleidung und Schuhwerk waren nur notdürftig vorhanden. Es wurde erzählt, daß Männer in vielen Fällen nur eine einzige Hose zur Verfügung hatten und diese werktags mit der Außen- und sonntags mit der Innenseite getragen wurde.

Von der Welt 'da draußen' wußten sie nur wenig zu

sagen. Hochdeutsche Sprache, Geographie und Landkarten hatten die Landleute noch nicht kennengelernt. Mit der Eisenbahn war noch kaum jemand gefahren, und da auch nur wenige 'Geschriebenes' lesen konnten war es üblich, daß man sich nach Feierabend auf den am Backhaus gelagerten Baumstämmen einfand, wo ein Vorleser die angekommenen Briefe und alles Wichtige aus Blättern und Zeitschriften bekanntgab, dem dann mit gesparmten Blieken gelauscht wurde. In Endbach hatte jede Familie einen Hausnamen. Die Familiennamen selbst fanden im Dorfleben wenig Beachtung. Durch diese Hausnamen fanden sich die Nachbarschaften in ihren Bestrebungen enger zusammen. Ihren Ursprung hatten diese Namen im Dialekt des Vornamens desjenigen Ehepartners gefunden, der in der betreffenden Familie das Regiment auf dem Hofe führte. Manche dieser Hausnamen sind bis ins 20. Jahrhundert erhalten geblieben, wie zum Beispiel: Pirresch, Kelweliwis, Kellwesch, Hohkäppesch, Elwetz, Hewel und andere.

In meinen nun folgenden Aufzeichnungen möchte ich mit Kopf und Herz darangehen, das Leben und Wirken unserer Endbacher Vorfahren mit Text und Fotografie zu schildern, um interessierten Lesern meines chronistischen Büchleins ein Bild von Land und Leuten zu vermitteln, die es wert sind in der Entwieklungsgeschichte des schönen hessischen Hinterlandes einen ehrenvollen Erinnerungsplatz einzunehmen.

1. Im Jahre 1897 ist dieses Foto von der Schule zu Endbach entstanden. An dem im Jahre 1833 erbauten Schulhause hatten sich Lehrer und Schüler einem Wanderfotografen gestellt. In der dürftigen Schulkleidung lassen sich die armen Lebensverhältnisse der damaligen Bauernfamilien klar erkennen. Ihr körperliches Aussehen deutet auf die Notlage der Landwirtschaft in unserer Gemeinde hin. Der Dorfschullehrer war auf die Spenden der Bauern angewiesen. Sein Einkommen war niedrig und reichte nicht zum Unterhalt der Familie. Er verrichtete nach dem Schuldienst Arbeitshilfen bei den Ortsbürgern gegen Naturalien und betätigte sich mit eigener Viehhaltung. Katharina Burk (Mehn Katrinche) war die längstlebende Schülerin dieser Schulklasse. Schulleiter war Herr Lehrer Heinrich Jost.

2. Als Hintergrund hatte man das Haus von dem alten Landwirt Jakob Joehem gewählt. Man sieht noch die unverputzte Bruchsteinmauer und darüber Lehmfachwerke mit den sogenannten 'Sprenkel'. Links befand sich der Schuppen für den Stallmist. Im Anfang des 20. Jahrhunderts ist das Anwesen umgebaut worden und es befindet sich heute im Besitz der vierten Generation. Es ist dieses das älteste Bild der Endbacher Schule aus der Zeit von 1883 bis 1893. Der damalige Lehrer war Joharm Schreiner. Er war nach Hartenrod verheiratet. Man kann aus der Erscheinung mancher Kinder noch Vorfahren der heutigen Generation leicht erkennen. Da in den Familien sieben und mehr Kinder vorhanden waren, bestand schon eine erhebliche Schülerzahl

3. Die Dorfschmiede war bis in das 20. Jahrhundert ein lebenswichtiges Handwerk. Die landwirtschaftlichen Wagen, Eggen, Pflüge und sonstige Geräte bestanden aus Holz und wurden vom Dorfschmied mit Eisenbändern beschlagen. Auch Ketten, Nägel und dergleichen konnte man in Geschäften nicht kaufen; es wurde alles vom Dorfschmied von Hand angefertigt. Gehannkurts Schmied, wie er mit Hausnamen genannt wurde, stand bis in sein hohes Alter im Schurzfell mit aufgekrempelten Ärmeln am Amboß und Schmiedefeuer. Zeitweise mußten die Familienangehörigen und Nachbarn beim Aufziehen von Radreifen oder beim Zuschlagen am Amboß mithelfen. Zwischen den Jahren wurden die Kosten von Haus zu Haus einkassiert. Rechnungen kannte man damals noch nicht. Foto 1911.

4. Die alte Kirche und nebenan das alte Backhaus deuten auf eine lange Vergangenheit hin. Nach den ersten Ansiedlungen von Bauern, am Ende des Baches, soll auch die Kirche errichtet worden sein. Nach mehrmaliger Renovierung ist sie durch die Jahrhunderte bis zum Jahre 1926 erhalten geblieben. Vor der Kirche befand sich die Begräbnisstätte der Gemeinde. Das Backhaus, welches dem großen Brand von 1861 standgehalten hatte, ist mit der Kirche abgebrochen und neu erbaut worden. Vor dem Backhaus wurden beim Einuhrläuten die Bekanntmachungen der Gemeinde gegeben und die Backreihen ausgelost. Unter dem kleinen Dachgiebel befand sich das sogenannte Stockhäuschen, wo abends vom Ortsdiener die Landstreicher untergebracht wurden. Sie schliefen auf Stroh.

5. Als die älteste der in der vergangenen Jahrhunderten bestandenen vier Mühlenbetriebe, ist die im 16. Jahrhundert benannte 'Heckenmühle' zu bezeichnen. Namen der Besitzer wie: Ohellen, Burk, Johann Georg Herrmann, dessen Schwiegersohn Johann Jost Lenz, Johann Herrmann, Ludwig Krailing H., Ludwig Krailing Hl. und Erben, finden sich in der Geschichte dieser Mühle. Im Bild rechts befinden sich vier Generationen der Familie Krailing, weiter links die Müllerburschen mit den bespannten Mül!erwagen auf dem Hofe vor der alten Mühle. In früherer Zeit sind die Säcke mit Eseln transportiert worden. Ein Pfad durch den Wald nach Günterod wird noch bis heute als Eselspfad bezeichnet. Im Laufe der zwanziger Jahre ist die Mühle umgebaut und als Kurheim benutzt worden. Foto um 1905.

6. Bis um das Jahr 1890 befand sich die Ortslage von Endbach noch im südlichen Teil der Salzböde. Wer auf die andere Seite des Tales wollte, mußte durch eine seichte Stelle des Bachlaufes gehen oder fahren, weil eine Brücke noch nicht vorhanden war. Um die Jahrhundertwende hat man eine schmale Brücke für Fußgänger errichtet. Im Bild stellt sich der alte Kochs Petter dem Fotografen an der fertiggestellten Steinbrücke. Im Jahre 1908 ist zu der Fußgängerbrücke eine Fahrbrücke gebaut und ein Fahrweg zur anderen Talseite aufgeschüttet worden. Man nannte diesen 'Neuer Weg'. Der Bachlauf wurde vor der Brücke gestaut für die Bewässerung der Schutzwiesen. Vor der Schur wurden die Schafe in dem Stau gewaschen.

7. Am 8. Oktober 1833 war er geboren, der allerwärts bekannte Joh. Jakob Burk (Mehnwaar Hanigob). Vor seinem Haus hat er sich in seiner originellen Haltung, mit erhobenem Finger, einem Wanderfotografen gestellt. Der Ordnung und der Zucht im Dorfgeschehen galt sein ganzes Bestreben. Er war selbständiger Stellmacher und seine Werkstatt (Waarstall) befand sich in seinem Hause. Maschinen und moderne Werkzeuge gab es zu seiner Zeit noch nicht. Bohrer, Schnitzmesser und anderes waren vom Dorfschmied angefertigt. Für die Landwirte baute er die Wagen, Pflüge, Eggen und so weiter und im Anfang des 20. Jahrhunderts waren noch von ihm gebaute Wagen mit den Holzachsen und Pflüge einschließlich der Pflugschar, sowie Eggen mit Holzzinken und andere Geräte bei den Landwirten im Gebrauch. Von den Enkeln lebt noch im Pensionsalter Zugführer in Ruhe Kar! Burk, Knappschaftsrentner Erich Burk und anderen.

8. In der Zeit von 1897 bis 1909 amtierte im Kirchspiel Hartenrod Herr Pfarrer Ludwig Reusch. Bei der Konfirmation des Geburtsjahrgangs 1894 stellt er sich mit den Konfirmanden dem Fotografen. Wie berichtet wird, sind die Endbacher seit Jahrhunderten fleißige Kirchgänger gewesen und haben auf die Einrichtungen der Kirche sowie die Inhaber der Pfarrstellen sehr geachtet. Die Konfirmation ihrer Söhne und Töchter ging anderen Dingen voraus und im Bild kann man das damalige Verhältnis von Kirche zur Familie feststellen. Zu erkennen sind noch Ludwich Koch (Ennesch), Otto Förter, Adam Ulrich (Mettesarems), Kar! Hinter!ang (Schreinesch), Gustav Schepp (Schäfers), Kar! Becker (Elwerts) und anderen. Jeder bekam einen Konfirmandenanzug, aber Sonntagsschuhe gab es noch nicht.

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