Bad Rippoldsau in alten Ansichten

Bad Rippoldsau in alten Ansichten

Auteur
:   Sabine und Adolf Schmid
Gemeente
:   Bad Rippoldsau
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4524-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Rippoldsau in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

'Bad Rippoldsau in alten Ansichten' darzustellen, Erinnerungen wachzurufen an die fünfzig Jahre zwischen 1880 und 1930, war unsere Absicht - ein halbes Jahrhundert also, herausgegriffen aus einer langen geschichtlichen Entwicklung.

Ein rascher Überblick gehört hier freilich unbedingt dazu: Seit dem 11. Jahrhundert ist das Bemühen deutlich, in das bis dahin unbesiedelte 'Herz des Schwarzwaldes' vorzudringen, zu kultivieren. Kleine Adelsfamilien versuchen, Existenzmöglichkeiten zu schaffen und ihre Herrschaft auszubauen. Und parallel dazu leisten Klöster wie Hirsau, Alpirsbach und St. Georgen ihre kulturelle und missionarische Arbeit. So gab es spätestens in der Mitte des 12. J ahrhunderts auch im oberen Wolftal am Fuß des Kniebis ein Hofgut der 'Herren von Wolfach' und ein kleines NikolausKloster der Benediktiner von St. GeorgenlSchwarzwald.

1296 heiratete Graf Friedrich von Fürstenberg die Erbtochter Udelhild von Wolfach; so wurde Rippoldsau für Jahrhunderte verbunden mit dieser zum ältesten Adel Deutschlands zählenden Dynastie: Die Fürstenberger waren Kastvögte des St.-Nikolaus-Klosters, gewährleisteten also seine Rechte und seine Sicherheit bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Fürstenberger ließen Siedler ins Tal kommen, gaben ihnen kleine Taglöhnergütchen als Lehen und Arbeit in ihren ausgedehnten Wäldern; erst 1934 kaufte der badische Staat die Fürstenbergischen Wälder im Wolf tal auf. Die Fürstenberger entwiekelten spätestens seit dem 15. Jahrhundert eine große Vorliebe für das reizvolle Kurtal im Norden ihres Besitzes und erklärten 1579 Rippoldsau zum 'gefreyten Bad'; damit war die klare Orientierung gegeben für den einzigen Badeort in ihrem Territorium.

Die 'große Zeit' begann für Rippoldsau freilich erst 1777, als die Familie Goeringer (aus Bühl/Baden stammend) das Bad zunächst in Pacht übernahm und schließlich (1824) den Fürstenbergern abkaufen konnte: Bad Rippoldsau wurde zur 'Perle der Kniebisbäder' und begrüßte Gäste aus aller Welt. Die besondere Atmosphäre hat um die letzte Jahrhundertwende kaum einer so sensibel illustriert wie Wilhelm Hasemann (auf unserem Titelblatt). Erst im Pinanzdschungel der Inflation (1922) zerfiel der Familienbesitz, Aber Goeringer-Tradition, Tatkraft und Weitbliek haben auch die weitere Entwicklung bis heute geprägt.

Politisch war das obere Wolftal seit Jahrhunderten eine Einheit, eine 'Stabsgemeinde' mit einem Vogt. Lediglich in den 150 Jahren zwischen 1824 und 1974 gab es die selbständigen Gemeinden Schapbach und Bad Rippoldsau, Unser Rückblick auf dieses halbe Jahrhundert fällt in diesen Zeitabschnitt; er gilt deshalb ausschließlich Bad Rippoldsau.

Freiburg, 1. Januar 1987

Sabine und Adolf Schmid

1. 'Wie ein Kapuziner' soll er ausgesehen haben, der gigantische Felsbroeken, der im 'Tös' recht eindrucksvoll die Landstraße bewachte, an dem jeder vorbei mußte, der jeden grüßte, der das Tal aufwärts ging oder fuhr- zur Kirche, zur Schule, zum Rathaus, zum Bad.

'Schon immer' war er da, trutzig und treu, allen vertraut. Aber vor einigen Jahren wurde er suspekt. Da war gleich oberhalb der nächsten Kurve ein ähnlicher Broeken ins Rutschen gekommen, hatte für einige Zeit die Landstraße blockiert, mußte abgetragen werden. Und man wurde mißtrauisch gegenüber dem 'Kapuziner', auch er könnte abrutschen, die Straße versperren, gefährlich werden; viel gefährlicher noch bei seiner riesigen Masse.

Also wurde der 'Kapuzinerfelsen' gesprengt, anno 1978.

Schade drum, solche Charakterköpfe sind auch im Schwarzwald selten!

2. Der Ort Rippoldsau hat keinen historisch fixierten Anfang wie etwa das benachbarte Freudenstadt, das 1599 vom württembergischen Herzog gegründet wurde. Rippoldsaus Wurzeln liegen aber viel früher, wenn man unter 'Rippoldsau' einfach das Kloster St. Nikolaus versteht und damit die Geschichte des oberen Wolftals beginnen läßt.

Mindestens seit der Mitte des 12. Jahrhuriderts stand an der Mündung des Reichenbachs in die Wolf eine Zelle, das 'Klösterle des hl. Nikolaus' , dessen Bewohner über die Zeiten hinweg Höhen und Tiefen menschlichen Schicksals erfuhren; 1802 wurde es säkularisiert. Das heutige katholische Pfarrhaus zeigt im wesentlichen die Bausubstanz des Klosterbaus von 1769170 (erbaut unter Abt Cölestin Wahl), die Kirche in der heutigen Architektur stammt von 1829. Gleich dahinter steht das Schul- und Rathaus von 1876177.

Der Bliek ins Tal zeigte um die Jahrhundertwende noch eine fast unbebaute Landschaft Richtung Kniebis. Rechts sehen wir das 1890/91 erbaute Krankenhaus, das bis 1956 genutzt wurde.

3. Es ist kaum wahrscheinlich, daß die Benediktiner von St. Nikolaus vor dem 16. Jahrhundert den Kindern ihrer Taglöhner über das Katechismuswissen hinaus noch andere Kenntnisse in einem regelmäßigen Unterricht vermittelt haben. Spätestens ab 1567 aber muß es im Rippoldsauer Kloster auch Schulunterricht gegeben haben. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts sorgten die Fürstenberger für ein staatlich geordnetes Schulwesen. Nach den Prüfungsakten von 1787, als der Mesner, Flößer und Harzer Joseph Harder als Lehrer von 67 Schülern der Rippoldsauer Schule überprüft wurde, war der Unterricht 'durchaus gut'.

Zu einer Gruppenaufnahme (rechts das 1876177 erbaute Schulhaus) stellten sich hier die Schüler zusammen mit dem aus Ewattingen stammenden Adolf Baader dem Fotografen; Baader war von 1886 bis 1925, also fast fünf Schülergenerationen lang, hochgeschätzter Lehrer an der 'Klösterle-Schule'. Am 1. November 1925 wurde er zum Ehrenbürger ernannt.

Bis 1922 mußten übrigens alle Rippoldsauer, also auch Kinder vom hintersten Holzwald, in die 'KlösterleSchule'; am 12. November 1922 wurde schließlich die 'Holzwaldschule' eingeweiht.

4. Jahrhunderte hindurch wurde das ganze obere Wolftal vom Pfarrer von St. Cyriak/Schapbach betreut. Nur die wenigen Höfe bzw. Taglöhnerfamilien rings um das Kloster St. Nikolaus wurden von den Benediktinermönchen pastorisiert. Als aber das Kloster aufgehoben war, schien es dem Konstanzer Bischof wie der zuständigen Verwaltung in Karlsruhe sinnvoll und opportun, für Rippoldsau eine eigene Pfarrei einzurichten: 1822.

Diese neue Pfarrei baute sich auch eine eigene Kirche 1828/29, nach den Plänen von Christoph Arnold, im spätklassizistischen Baustil. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurde der ganze Kirchenraum mit kostbarem Zierrat gefüllt, überladen bis auf das letzte Fleckchen.

Viele Künstlernamen, die im südwestdeutschen Raum jener Zeit gewichtig sind, sind auch in der Rippoldsauer Kirchenchronik verzeichnet: Wilhelm Dürr, HeImIe, Alois Knittel, Lucian Reich und Heinrich Reich, Lutz, Simmler, Venator, Duchow, Kolb, Sutor und viele andere. Der ursprüngliche Kirchenraum und die klare Sprache seiner Proportionen waren aber nur noch schwer zu erfassen.

Von 1953 bis 1956 erfolgte unter Pfarrer Bernhard Zink die große Restauration, die dem Kirchenraum seinen ursprünglichen Stil zurückgab.

5. Schon Ansichten des 18. Jahrhunderts zeigen ein stattliches Gasthaus an der Ecke, wo Reichenbach und Wolf zusammenfließen; hier standen früher in Klosterzeiten eine kleine Brauerei und nebenan die Schmiede. Im 19. Jahrhundert trug die Gastwirtschaft den Namen' Altklösterle' in verständlicher Tradition - oder auch 'Zum Erbprinzen', mit einer kleinen Reverenz an die Fürstenberger. 1905 ließ der damalige Besitzer E. Schneggenburger inserieren unter dem Namen 'Hotel Erbprinz Klösterle', aber fünf Jahre später war wieder nur der 'Erbprinz' im Firmennamen. Keine schlechte Lösung schließlich: Gasthof 'Zum Erbprinzen! Rippoldsau-Klösterle' .

Die beiden geschichtlichen Fundamente - Fürstenbergische Landesherrschaft und die Tradition der Benediktiner - hielten sich also lange die Waage. Die Familie Klein zeigt heute klare Priorität: 'Klösterle Hof.' Eine reizvolle Attraktion war übrigens auch der Pavillon im Pfarrgarten; auch im mit Zimmern ja reichlich versehenen alten Kloster wurden früher immer auch zahlreiche Kurgäste einquartiert.

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