Bad Sooden-Allendorf in alten Ansichten Band 1

Bad Sooden-Allendorf in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Manfred Lückert
Gemeente
:   Bad Sooden-Allendorf
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1516-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Bad Sooden-Allendorf in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Von der Eschweger Landstraße kommend biegt eine Kutsche ab in Richtung Söder Tor. Das Gespann hält unterhalb der Marienkirche und heraus treten zwei gutgekleidete Herren, die offenbar etwas ganz Bestimmtes vorhaben. Es sind dies Herr Oscar Tellgmann, Hoffotograf Seiner Majestät des Kaisers und des Kiinigs, zusammen mit einem Gehilfen. Überall gehen die Fenster auf und mehrere Kinder umringen im Nu die Beiden aus Eschwege. Eine große, viereckige, aus Holz und blinkendem Messing bestehende Kamera auf einem Dreibein, eine kleinere mit einem langen Balg und zwei schwere Taschen voll mit Fotoplatten werden ausgeladen. Sie nehmen die Sachen und machen sich langsamen Schrittes auf in Richtung Hegeberg, Das große schwarze Tuch an der Kamera grüßt noch einige Zeit flatternd im Wind.

So oder ähnlich mag sich einer der ersten Aufenthalte Tellgmanns in unserer Stadt zugetragen haben. Die ersten Aufnahmen, die bei uns 'geschossen' wurden, werden sicher Porträts gewesen sein. Wohlhabende Familien und auch die Bürgermeister und Ärzte ließen

sich fotografieren. Aus der Zeit um 1870 sind uns dann einige wenige Bilder von der Stadt erhalten geblieben. Beliebt war die Aussicht vom Hegeberg herunter und der Bliek von der Marien- und von der St.-Crucis-Kirche. Um 1880 begarm dann auch bei uns das Zeitalter der Ansichtskarte, die etwa ab 1890 durch die verstärkte Nachfrage bei Kurgästen und Touristen mehr und mehr an Bedeutung gewann. Diese bestanden aus mehreren kleinen gezeichneten Bildern, umrahmt mit Blumen und dem Spruch 'Gruß aus Bad SoodenjWerra ... aus AllendorfjWerra.' Die ersten wurden in Fiseher's Kunstanstalt hergestellt. Der Fotograf Tellgmann errichtete in Bad Sooden eine Filiale und zeigte im 'Werra-Bote' an, wann er zugegen war. Vom Frühjahr bis Herbst öffnete er sein Atelier jeweils Sonntags, von 10 bis 12 Uhr speziell für Kinderaufnahmen. Weitere Fotografen, die jedoch nur kurz zu Aufnahmen hier weilten, waren Ende des vorigen Jahrhunderts die Herren Eberth und Appel aus Kassel, sowie Thoericht aus Hann. Münden. Um die Jahrhundertwende kamen die ersten Hobby-Foto-

grafen hinzu. Die Namen Stolze und Hirschberger seien erwähnt, später folgen unter anderem Willy Hoffmann und Hans Hartmann. Nicht zu vergessen aber auch das Fotogeschäft Stautz und Herrn Fotograf Scheuffler. Aus der gesamten Bürgerschaft waren es zumindest in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg sehr wenige, die einen Fotoapparat besaßen. Wer konnte es sich finanziell schon leisten? Man war froh, wenn man sich ein Paar Schuhe kaufen konnte!

Der vorliegende Fotoband soll Ihnen einen kleinen Einblick in die Stadt vor fünfzig oder nahezu hundert Jahren ermöglichen und kann, dem Charakter dieses Buches entsprechend, keinen vollständigen Geschichtsabriß wiederspiegein. Dieser Band erhebt keineswegs einen wissenschaftlichen Anspruch und darf auch nicht als eine historische Fotodokumentation unserer Stadt angesehen werden. Einem überwiegenden Teil von Ansichten sind auch einige Aufnahmen von Ereignissen und Personen beigefügt, Die Datierung der Bilder erwies sich teilweise als sehr

schwierig. Der Begriff 'Urn 1896' zum Beispiel besagt, daß maximal drei Jahre mehr oder weniger möglich sind. Die Texte wurden überwiegend nach eigenen Ermittlungen geschrieben und dienen in erster Linie zur Erklärung des Abgebildeten. Ferner sind dem entsprechenden Thema allgemeine, interessante Informationen beigegeben.

Die meisten Fotos wurden von Originalen reproduziert, die mir die hiesigen Einwohner freundlicherweise zur Verfügung stellten. In diesem Zusammenhang möchte ich allen Bekannten für Ihre Mühe beim Suchen auf dem Boden und in verstaubten Kartons nochmals herzlich danken. Besonders erwähnen möchte ich Herrn Willy Hoffmann aus der Schusterstraße, der mir seinerzeit mehrere Alben mit Aufnahmen aus den Jahren 1920 bis 1930 überließ. Mein Dank auch an Herrn Fotograf Scheloske und Herrn Schnaubelt von der Fotointeressengemeinschaft, die stets mit viel Sorgfalt arbeiteten, um das Beste aus den oft vergilbten Bildern herauszuholen.

1. Ein Bliek auf unsere liebe Heimatstadt, wie ihn bisher selten jemand zu sehen bekam. Eine der ältesten Fotografien von unserem Ort zeigt im Vordergrund im Halbbogen die Weinreihe mit davor im Bereich des jetzigen Kurparks stehenden Siedehäusern. Links mit dem Schornstein das vorletzte, rechts mit der Mauer und nur teilweise zu erkennen das letzte Siedehaus innerhalb Soodens. Die Eisenbahn fehlt hier noch ganz und im Hintergrund Mitte erkennen wir links zwei riesiger Pappeln, die noch aus Napoleons Zeit stammen, das kleine Zollhäuschen zu Beginn der damals noch stehenden mittleren 'Itschenbrücke'. Die hohen Pappeln auf dem Alleerasen fegte im Jahre 1876 ein fürchterlicher Sturm um. Davor die Gebäude und der Schornstein gehören zur 'Chemischen Fabrik' an der Eschweger Landstraße. Aufnahme: J. Appel, Kassel, um 1870.

2. Hier nun der Bliek entgegengesetzt in Richtung Sooden, ebenfalls zu einer Zeit, als noch keine Bahn fuhr, Links im Bild im Zentrum Soodens der Brunnentempel über der Solequelle. Er wurde 1799 errichtet und 1879 wegen Baus des ersten Badehauses abgerissen. Hinter einer langen Mauer entlang der Witzenhäuser Landstraße das kleine Badehaus von 1818. Rechter Hand dann zwei mächtige Gradierwerke, von denen zu dieser Zeit noch zumindest fünf in der Saline Sooden vorhanden waren. Im Vordergrund ein bekanntes Gartenhaus an der Wahlhäuser Straße, welches erst vor wenigen Jahren abgerissen wurde. Aufnahme: Tellgmann, um 1870.

3. Manche Betrachter werden sicher zweimal hinsehen, ehe sie die richtige Orientierung haben. Im Mittelpunk.t finden wir das renomierte Hotel 'Beurmann', welches früher 'Zur Krone' hieß und seit eh und je zu den vornehmsten Häusern am Ort gehörte. Seit dem Jahre 1920 ist die Familie von Velsen Besitzer und es heißt nun 'Hotel Werratal'. Das Fachwerkhaus linker Hand brannte im Januar 1899 ab und wurde 1904 beim Neubau des Hotels nicht wieder aufgebaut. Rechts die Hirschapotheke, die seit 1899 von der Familie Rhenius geführt wird. Quer im Straßenpflaster erkennen wir schwach eine der vielen Wasserrinnen, die, wie hier vom Rathaus kommend, mit anderen vereint zum FauJloch fließt. Aufnahme: Um 1885.

4. Die Södergasse mit bereits angelegten Bürgersteigen in Blickrichtung auf den Marktplatz. Ganz links der Laden von Kupferschrnied Imming, gefolgt von Großkurth, sowie von heute nicht mehr vorhandenen Geschäften wie Julius Narewczewitz (vormals Max Lichtenstein, Manufaktur, Putz- und Wollwaren), Ede Ernst, Eschstruth (Drogenhandlung), Schlachter Hartmann oder Carl Schaub. Am Rande der Straße sehen wir die von zwei kleinen Holzstegen überbrückte Rinne, das Wasser der vielen Brunnen zum Faulloch leitend. Der zweite, im Schatten zu sehende Brunnen stand etwa in Höhe des heutigen Geschäftes Don, der dritte ist sehr schwach vor der Tür des Hauses Tannen-Wille zu erkennen. Aufnahme: Tellgmann, um 1896.

5. Das 'alte Allendorf im Bereich der Södergasse, Brückengasse und Kirchgasse. Links erkennen wir den Teil eines der vielen Brunnen in den Straßen der Stadt. Die Tochter von Grunewalds, die heutige Frau Sippe!, spielte als kleines Madehen an ihrem Geburtstag beim Brunnen und bemerkte nicht, daß sich mehrere Schafe näherten. Diese fraßen plötzlich an ihrem Blumenkränzchen im Haar. Unter lautem Weinen wurde sie von einem Erwachsenen zwischen den Tieren herausgehoben. Rechts das Gemischtwarengeschäft des Herrn Wilhelm Sperber, darunter folgt der Schlachterladen von Hartmanns und schließlich das Geschäft des Herrn Stöber. Aufnahme: Bickei!, um 1885. ('Denkmalarchiv Marburg, Reproduktionsrechte vorbehalten.')

6. Das Hossbach'sche Haus an der Ecke KirchstraßeFaulloch ist im unteren Teil massivaus Stein gebaut und befindet sich im ältesten Teil Allendorfs. Der einstige Haustürbogen mit der Jahreszahl 1604 ist später bei Umbauarbeiten herausgenommen worden und steht heute im Faulloch. Zusammen mit der Laterne, dem alten Pflaster und dem Brunnen war dies ein idyllischer Platz. Hier an dieser Stelle traf sich das Wasser sämtlicher in den Straßen stehenden Brunnen, auch 'Zaitenstöcke' genannt. Diese befanden sich in den oberen Straßen meist an den Gassenecken, wodurch das Wasser dann gleich abfließen konnte. Im Hintergrund die St.-Crucis-Kirche mit dem Kirchplatz und der leider nur schwach zu erkennenden alten Linde. Aufnahme: BickeIl, um 1885. ('DenkmaIarchiv Marburg, Reproduktionsrechte vorbehalten.')

7. Die Straßen Allendorfs waren meist vollgestopft mit Holz, Reisig, Leiterwagen und Handwagen und an den Häusern befanden sich oft kleine Kirschenbäume, Wein, oder andere Klettergewächse. Hier am Plan liegt Holz für den Bäcker Scharf bereit, an dessen Haus ebenfalls zwei Kirschenbäumchen standen. Man nannte ihn 'Kuckuck', da er sehr früh morgens, wenn er den Backofen heiß hatte, leise 'Kuckuck' rufend durch die Straßen schlich. Er wollte seinen Kunden mitteilen, daß sie ihre Kuchen bringen können. Durch lautes Rufen hätte er sonst auch die übrigen Leute geweckt. Im Eckhaus, heute Ballhause, befand sich damals noch der Kupferschmied Eduard Immig. Aufnahme: Um 1888.

8. Wir befinden uns auf der noch ungepflasterten Straße nach Sooden, die vorn rechts durch das Gradierwerk in Richtung Witzenhausen abbiegt, Sie wird zumindest seit 1840 zwischen Rosenstraße und Gradierwerk von einern hohen Lattenzaun nebst Gärten umgeben. Im Mittelpunkt das 1704/05 erbaute 'Söder Tor' als Wahrzeichen von Sooden und dahinter links die Pfennigstube. So mancher Wagen voll Salz hat dieses Tor in den vergangenen Jahrhunderten verlassen. Hinein fuhren schwerbeladene Fuhrwerke mit Braunkohle vorn Meißner und mit Holz, welches oft am Holzstad geladen wurde. Dieses benötigte man ebenso wie die Kohle zum Feuern in den ehemals über achtzig Siedehäusern. Einige Bürger sind eilig gekommen, um dem damals noch seltenen Fotografen zuzusehen, Aufnahme: Tellgmann, um 1886.

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