Bad Urach in alten Ansichten Band 1

Bad Urach in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Walter Röhm
Gemeente
:   Bad Urach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3483-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Urach in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Die Nostalgie steigt immer höher im Kurs. Omas Sofa kommt neben dem modernen Interieur unserer Wohnzimmer wieder zu Ehren und wir lassen uns gerne wieder von Opas Chronometer sagen, was die Stunde schlägt. Alte Briefmarken sind schon seit Generationen wohlfeile Aktien mit gezacktem Rand. Mittlerweile wurde nun auch die alte Bildpostkarte entdeckt oder besser: wiederentdeckt, denn das Postkartensammeln war vor der Jahrhundertwende weit verbreitet. Nicht von ungefähr gab es schon 1897 in Deutschland immerhin sechzig Fabriken, die Postkarten-Sammelalben herstellten.

Die Postkarte ist rund einhundert Jahre alt. In der Frühzeit schon zeigte sie auf der Vorderseite Abbildungen von Städten und Sehenswürdigkeiten, von Kindern, schönen Damen in malerischen Posen, Blumenarrangernents, Symbolen des Glücks und der Liebe. Trotzdem aber behielt sie bis weit in die zwanziger Jahre ihre ursprüngliche Funktion als 'Kommunikationsmittel'. Sie gewann sogar so große Bedeutung wie für uns heute das Telefon. Noch ging

ja auch die Beförderung einer Karte schnell vor sich. Innerhalb einer Stadt konnte man sich damals auf einer um die Mittagszeit aufgegebenen Karte für den Abend desselben Tages verabreden!

Für uns ist die Bildpostkarte von damals ein wertvolles Dokument geworden, denn sie zeigt uns Bilder von Landschaften und Städten, die sich mehr oder minder verändert haben.

Die Photographen entdeckten schon früh die Landschaft um Urach mit all ihren Schönheiten. Das spätmittelalterliche Städtchen mit seinen malerischen Winkeln wurde von den Photographen ungezählte Male 'abgelichtet'. Die photographische Entdeckerfreude wurde nicht zuletzt durch die guten Absatzmöglichkeiten bei den zahlreichen Urach-Besuchern gefördert.

So entstanden nach und nach eine Vielzahl von Uracher Bildpostkarten. Am Werk waren Berufs- und begabte Amateurphotographen auch aus Urach. Namen wie Schmid (Vater und Sohn), Richard Benz, Wilhelm Krieg und Dr. Motz lesen wir immer wieder.

Gerade ihr Werk, das Abbild Urachs der Jahre 1860 bis etwa 1930, wurde bisher wenig, ja man kann sagen überhaupt nicht gewürdigt. So gibt es auch zumindest bis heute keine offizielle Sammlung ihrer für uns unersetzlichen Bilder. Das vorliegende Buch hätte deshalb gar nicht entstehen können, wäre nicht der Zufall zu Hilfe gekommen. Bei der Auflösung der Buchhandlung Benz fiel mir ein kleiner Karton mit alten Ansichtskarten in die Hände, die ich teilweise erwerben konnte. Ergänzt durch die leider geringen Bestände des Stadtarchivs und durch großzügige Leihgaben Uracher Bürger wurde dieser Fund Grundlage für dieses Buch.

Das Buch will Verständnis für das alte Urach und OIe alten Ansichten von der Stadt wecken. Alte Postkarten und Photographien sollten nicht mehr einfach weggeworfen werden. Man sollte sie sammeln oder aber einem Archiv zur Aufbewahrung und Auswertung übergeben. Vielleicht ist dieses Buch aber auch für manchen Leser Anstoß, in einer ruhigen Stunde seine privaten Bestände nach solchen Bildern zu

durchsuchen. Das Stadtarchiv ist dankbar für jede derartige 'Fundmeldung' in der Hoffnung, seine Sammlung durch Reproduktionen ergänzen zu können.

Die Arbeit an diesem Buch war für mich eine vergnügliche Reise durch das Urach der Jahre 1870 bis 1930. Darüber hinaus aber lernte ich Urach am Anfang einer Entwicklungsphase kennen, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist, dem Wandel vom gemütlichen Landstädtchen mit kleinen, für die regionale Versorgung ausgelegten Handels- und Handwerksbetrieben, zum Sitz einer bedeutenden Industrie und letztlich zum wichtigsten Fremdenverkehrsort der Schwäbischen Alb. Mein Verständnis für viele Uracher Probleme ist dadurch gewachsen.

Eine vergnügliche Postkartenreise durch die Uracher Vergangenheit wünsche ich auch Ihnen, verehrte Leserin, verehrter Leser.

1. Auf dem "Tiergartenfels' hatte der Photograph vor rund einhundert Jahren seine Kamera aufgestellt, um diese Übersichtsaufnahme von Urach auf seine Platte zu bannen. Wir sehen die damals rund 3 700 Einwohner zählende Stadt noch fast völlig umschlossen vorn mittelalterlichen Mauerring. Lediglich im Südosten war diese Linie bereits überschritten. Entlang der Münsinger Straße waren damals schon die ersten neuen Häuser entstanden. Die Dächer überragt die spätgotische Amanduskirche mit dem damals noch unvollendeten Turm. In ihrer Umgebung finden wir die wichtigsten Gebäude des alten Urach:

Residenzschloß, Schloßmühle, Spital, Marstallkasten, das Rathaus.

2. Neben der Amanduskirche, deren Turmstummel bis 1896 durch ein niedriges Dach abgedeckt war, steht der mächtigste und schönste Profanbau Urachs, das Residenzschloß aus dem Jahre 1443. Schon aber haben sich im SchJoßbezirk 'bürgerliche' Bauten breitgemacht: insbesondere das in den Jahren 1870-1874 erbaute Wilhelm-Schulgebäude. Auch der schöne Fachwerkbau der 'SchJoßmühle' (die im Jahre 1918 größtenteils abbrannte) ist auf unserem Bild aus dem Jahre 1876 bereits durch Neubauten eingeengt. Im Vordergrund die Gleisanlage und das Empfangsgebäude der 'Ermstalbahn', Die Eisenbahnlinie Metzingen-Urach, erbaut von einer privaten Gesellschaft, stellte ab Dezember 1873 die Verbindung zur Staatsbahnstation Metzingen her.

3. Talabwarts war 1876, als auch dieses Bild entstand, die noch quer zum Tal verlaufende rnittelalterliche Stadtmauer Bebauungsgrenze. Unmittelbar an der Mauer der 1479 angelegte 'Alte Frienhof" und das 1480 von Graf Eberhard im Bart (1445-1496) gegründete und gestiftete Spital. Links vom Spital sitzen auf der Stadtmauer die Fabrikationsräume der 1868 gegründeten 'Mechanischen Baumwollweberei von I.P. Deutsch und Cie.' (heute die Firma Gebr. Groß) auf. Über der Stadt am Hang von 'Egis' und 'Kälberburren' Hopfengärten. Hopfen wurde im Uracher Tal seit 1836 angebaut. Er wurde hauptsächlich in den damals sieben Uracher Brauereien verarbeitet,

4. Den Sprung über die mittelalterliche Stadtmauer und die bis 1838 wassergefüllten Stadtgräben wagten die Uracher nur zögernd. Das erste 'Neubaugebiet' war ab 1840 das Gebiet zwischen der Straße nach Münsingen und dem Hochberg, das Gelände vor dem 'Oberen Tor'. Auf unserem 1876 entstandenen Photo sehen wir entlang der neuen Espachstraße bereits zahlreiche neue Wohngebäude.

5. Nur dreißig Jahre später ist dieses Photo entstanden, eine Zeitspanne, in der für Urach die Weichen in eine neue Zukunft gestellt wurden. Verändert hat sich das Stadtbild. Die Amanduskirche hat einen neuen Turm und an der Espachstraße in der katholischen St. Josefs-Kirche ein Pendant bekommen. Der Marstallkasten ist verschwunden. Er hat dem Neubau des Amtsgerichts Platz gemacht. Neue Wohngebäude sind entstanden. Die wesentlichste Veränderung aber sieht man erst bei sehr genauer Betrachtung: über die Dächer der Stadt ragen Fabrikschornsteine! Eine leistungsfähige und trotz der Schornsteine umweltfreundliche Industrie ist entstanden. Am rechten Bildrand erkennen wir die ersten Bauten der 1889 gegründeten 'Mechanischen Kleiderfabrik Kempel & Leibfried'.

6. Am 27. Dezember 1873 dampfte das 'Zügle' der Ermstalbahn erstmals zwischen Metzingen und Urach hin und her. Fleißig und braverledigte es die ihm obliegenden Aufgaben bis die Konkurrenz immer stärker wurde. Heute befördern Linienbusse die im Tal wohnenden Menschen auf der Straße. Auch Güter werden immer mehr von Lastwagen transportiert. So ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis das Ietzte, seit 1969 'verdieselte' Zügle durchs Ermstal fährt.

7. Trotz erheblicher Bemühungen von Stadtverwaltung und Industrie ist es nicht gelungen, einen Weiterbau der Bahnlinie bis Münsingen zu erreichen. Lange mußten die Uracher auch warten bis endlich im Jahre 1935, rund dreißig Jahre nach unserem Photo, ein richtiges, solides Bahnhofsgebäude entstand.

8. Die Ermstalbahn brachte neue Gaste nach Urach. Das alte Residenzstädtchen und die Landschaft um Urach, die Uracher Alb, wurden entdeckt. In Urach erkannte man die Zeichen der Zeit. Die Stadtverwaltung, Verschönerungsverein und Km-Comité begarmen Urach zu einern Frerndenverkehrsort auszubauen. Ein dichtes Wanderwegenetz erschloß die Landschaft. Hotels und Gaststätten wurden renoviert und neue karnen hinzu. Urach polierte sein Stadtbild auf. Im Jahre 1883 eröffnete Sanitätsrat Dr. Richard Klüpfel an der Neuen Straße ein Sanatorium (Bildrnitte), das 1901 in einen Neubau am Hochberg (heute Städtisches Alters- und Pflegeheim) verlegt wurde.

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