Bad Wildungen in alten Ansichten Band 1

Bad Wildungen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Gerhard Kessler
Gemeente
:   Bad Wildungen
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2803-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wildungen in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Die Stadt Nieder-Wildungen wurde im Jahre 1242 gegründet. Die wirtschaftliche Grundlage bildeten Ackerbau und Viehzucht, in enger Anlehnung daran entwiekelten sich ganz allmählich die ersten Handwerkszweige. Bereits im 14. Jahrhundert war der Ort wegen seiner Quellen bekannt, und um 1550 hatte sich ein reger Kur- und Badebetrieb entwickelt. Eine Skizze von 1572 zeigt wohl das erste Brunnenhäuschen des Sauer- oder Stadtbrunnens, heute Georg- Victor-Quelle.

Anfang bis Mitte des 17. Jahrhunderts war eine Zeit der höchsten Blüte des Bades. Viele Fürsten, Grafen und Edelleute karnen damals zur Kur nach Wildungen, 'so daß dero Zeit wohl 100 Chaisen beim Brunnen gewesen sind'. Doch in der nachfolgenden Epoche geriet das Bad immer mehr in Vergessenheit. Mehrere Versuche seitens des Landesfürsten, das Bad zu heben, schlugen fehl. Im Jahre 1855 wurde das Bad nur von 15 Kurgästen besucht. So trostlos wie der Zustand des Bades, war auch der der Stadt. Sie hatte ein 'unreinliches, schmutziges Aussehen, haushoch türmten sich die Dungstätten beiderseits der

schlecht- oder gar ungepflasterten Hauptstraßen'. Wahrlich keine günstigen Voraussetzungen für die unter Leitung von E. Cuntze zur Wiederbelebung des Bades gegründete Aktiengesellschaft. Wie wenig optimistisch die Wildunger selbst das neue Unternehmen ansahen, zeigte sich an der Tatsache, daß von den 1 000 Aktien nur fünf von einern Wildunger Bürger gezeichnet wurden. Tatkräftig ging die Gesellschaft daran, die Zustände zu ändern. Alle Quellen wurden neu gefaßt, neue Kuranlagen geschaffen, ein Hotel errichtet, ein bereits vorhandenes erweitert. 1867 besuchten bereits 1 041 Gäste das völlig neu entstandene Bad, um die Jahrhundertwende waren es ungefähr 7 000. Davon karnen 1 000 Gäste aus dem Ausland, über 300 allein aus Rußland. 1906 wurde aus Nieder-Wildungen Bad Wildungen.

Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges begann eine neue Glanzzeit, die in den zwanziger Jahren fortgesetzt wurde. Der Aufschwung, den das Bad seit 1856 genommen hatte, blieb nicht ohne Rückwirkung auf die Stadt. Ein wahrer Bauboom entwickelte sich, das Kurviertel entstand, die Altstadt erhielt ein besseres

Aussehen, neue Arbeitsplätze bewirkten einen ständigen Zuzug, bald hatte sich die Einwohnerzahl verdoppelt.

Die ersten fotografischen Ansichten von Wildungen, die zum Verkauf bestimmt waren, entstanden in den Fotoateliers von E. Fath und F. Schubert in Wildungen. Auch der Buchhändler und Drucker Paul Pusch bot um 1890 Fotos dieser Art an. Es handelt sich um Ablichtungen der damaligen Kuranlagen und Hotels. Die Bilder hatten einen kartonierten Rücken und waren wohl für Alben gedacht, Andenken, die sich die Gäste mitnahmen. Nach 1900 entstanden die eigentlichen Ansichtskarten in Postkartenformat. Nun schien auch ein Interesse an Motiven aus der Altstadt zu bestehen, denn der Verleger Pusch brachte eine Serie 'Alte Fachwerkbauten in der Altstadt' auf den Markt.

Aufgrund der regen Nachfrage, die auch schon damals bei den Kurgästen bestanden haben muß, gibt es eine große Anzahl von alten Ansichten von Wildungen, so daß mir die Zusammenstellung für dieses Buch recht schwer gefallen ist. Ieh habe mich bemüht, ein mög-

lichst ausgewogenes Verhältnis zwischen Altstadt und Bad zu erreichen. Auch war es mein Anliegen zu zeigen, wie die Entwicklung eines Gebäudes dem jeweiligen Einfluß des Zeitgeschmacks unterworfen ist.

Viele Ansichten mögen bei den älteren Betrachtern Erinnerungen an ihre Jugendzeit wachrufen. Den Jüngeren mögen sie die Vergangenheit der Badestadt deutlich machen. Die Bildtexte sind als Untermalung gedacht, als eine kurze, unterhaltsame Information für die, die das Dargestellte nicht mehr aus eigener Anschauung kennen. Sie sind entstanden unter Benutzung der gängigen Literatur und vor allem aus Unterhaltungen mit alten Wildungern, und ich möchte an dieser Stelle noch einmal den Damen und Herren danken, die mir in manchen Stunden viele Einzelheiten zu den jeweiligen Bildern mitgeteilt haben.

Die Fotos stammen aus der Rudolf-Lorenz-Stiftung, der Postkartensammlung Pusch des Wildunger Heimatmuseums und der Postkartensammlung von Frau Anni Rörig geborene Funk, Bad Wildungen.

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1. Wohl eine der ältesten Aufnahmen der Stadt Nieder-Wildungen. Noch steht vor dem Lindentor die 1596 erbaute und 1882 abgebrochene Kapelle zum Heiligen Kreuz. Nach Westen hin zieht sich der 1542 angelegte Friedhof. Am Kirchplatz sind das 1875 abgerissene Pfarrhaus, die Pfarrscheune und das 1904 beseitigte Küsterhaus zu sehen. Die mittelalterliche Stadt ist kaum über den sie seit Jahrhunderten umgebenden Mauerring hinausgewachsen. Ihre Bewohner leben noch in kleinstädtischer Zurückgezogenheit. Die Entwicklung des bescheidenen Landstädtchens zu einem Kurort von europäischem Ruf, der Wandel von Nieder-Wildungen zu Bad Wildungen in 1906, liegt noch in weiter Ferne.

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2. Jahrhundertelang bestimmte ein Brunnen das Aussehen des Marktplatzes. Seit altersher wurde er mit Wasser der heutigen Georg-Victor-Quelle gespeist. Da dieses sich zum Koehen jedoch nicht gut eignete, hatte er zusätzlich noch einen Süßwasserzulauf. Eine große Petroleumlampe beleuchtete den verschlafenen Platz. Sie hing an einer Drahtseilkonstruktion und mußte zweimal täglich mittels einer Winde vom Lampenwächter zur Wartung herabgelassen werden. 1m Haus rechts der Apotheke führte J.c. Helwig einen kleinen Allerweltsladen. In einern bescheidenen Glaskasten neben der Eingangstür wurde die Ware ausgestellt. Das genügte, damals hatten die Wildunger noch wenig Ansprüche.

3. Der Zeitgeschmack änderte sich, Wildungen entwickelte sich zu einem Kurort, und der kleinstädtisch wirkende achteckige Kump paßte nicht mehr in das Bild der aufstrebenden Stadt, Er wurde 1892 durch einen aufwendigen Springbrunnen ersetzt, der dem Platz einen Hauch von Weltstadt geben sollte. Mit dem Zapfen von Mineralwasser am Marktplatz war es vorbei, der neue Brunnen führte nur noch Süßwasser. Auch die Geschäftswelt verschloß sich nicht den Zeichen der Zeit. Die kleinen Minilädchen und mit ihnen die Schaukästen genügten den Wildungem nicht mehr. Die unteren Etagen wurden in moderne und ftir damalige Verhältnisse anspruchsvolle Verkaufsräume mit großzügigen Schaufensterfassaden umgestaltet.

Wegaerstrasse

4. Einen sehr geruhsamen, ja verträumten Eindruck vermittelt uns dieser Bliek in die Wegaer Straße, heute Brunnenstraße. Die Bank vor dem Gasthof 'Deutsches Haus' lädt zum Verweilen ein. Wieviel Kleinstadtpolitik wird auf ihr beredet worden sein? Dem Geschmack der Zeit entsprechend, liegen die stattlichen Bürger- und Geschäftshäuser unter Putz. Noch ahnt man nicht, welche prächtigen Fachwerkkonstruktionen und Balkeninschriften auf ihre Wiederentdeckung warten. Carl Schmidt hatte sein Haus 1910 zu einem modernen Geschäftshaus umbauen lassen.

5. Der Name einer Straße spiegelt oft die Entwicklung einer Stadt und den Zeitgeist. Ursprünglich hieß die Straße Obergasse, dann Wegaer Straße, Brunnenstraße, Adolf-Hitler-Straße und heute wieder Brunnenstraße. Doch immer war sie Hauptgeschäftsstraße. Was hat sich doch seit der Aufnahme geändert! Das Promenieren mit Kinderwagen ist schwieriger geworden. Die formschönen Laternen sind durch nüchterne Peitschenlampen ersetzt worden. Reklamevorrichtungen haben die aufwendigen Markisen verdrängt. Die Raine im oberen Bereich mußten dem Verkehr weichen, nur Walters Rain blieb bestehen. Zum Pfingstfest war es in Wildungen Sitte, die Hauseingänge mit frischem Birkengrün zu schmücken.

Bad Wildungen - Am Markt

6. Für den heutigen Betrachter ein ungewohnter Anblick des Marktplatzes. Kein Verkehrsgetümmel, kein parkendes Auto versperrt den Bliek auf das 1850/51 in klassizistischem Stil errichtete Rathaus und den Marktbrunnen. Ohne Furcht und Hast konnte der Fußgänger die Straßenseite wechseln. Nur drei Wildunger besaßen zur Zeit der Aufnahme ein eigenes Automobil. Doch wie schnell änderten sich die Verhältnisse. Bereits 1935 mußten Brunnen und gußeiserne Gaslaterne dem ständig wachsenden Verkehr weichen. Der Marktplatz wurde dem technischen Zeitalter angepaßt. 1936 stifteten die Vereinigten Elektrizitätswerke einen dreiarmigen Lichtmast aus Beton. Ein moderner Baustoff hielt Einzug in die alte Stadt. Links im Bild die Schaukästen des Fotoateliers Böttcher, gegenüber das Etagengeschäft Wertheim, ein Tuchgeschäft.

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~ ~ 7. Haus Brunnenstraße Nr. 20, jetzt Teil der Altstadtpassage. Alten Wildungern ist es noch als Hammerschlags Haus bekannt. Zur Zeit der Aufnahme beherbergt das Haus den Laden der Sally Goldschmidt - 'Putz und Modewaren' wegen vorgerückter Saison bietet sie ihre Ware zu bedeutend herabgesetzten Preisen an, Die Buchdruckerei und Buchhandlung gehört Max Lorenz, Vater des Buchhändlers und Heimatforsehers Rudolf Lorenz. Die Familie Lorenz erwarb in späteren Jahren das Nachbarhaus No. 18.

8. Der Heimatforscher Rudolf Lorenz (1907-1979) im Hinterzimmer des Wildunger Heimatmuseums, dessen Leiter er viele Jahre war. Bereits in jungen Jahren widmete er sich mit großer Hingabe der Erforschung seiner Heirnat. Zeitlebens galt seine besondere Liebe der Vor- und Frühgeschichte. Zu einem wahren Fundus für jeden Historiker sind seine geschichtlichen Sammlungen geworden. Seinem Wunsch entsprechend, gründete seine Witwe Luise Lorenz 1983 in ihrem gemeinsamen Haus, dem früheren Burgmannensitz der Familie von Rodenhausen in Altwildungen die Rudolf-Lorenz-Stiftung.

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