Bad Wildungen in alten Ansichten Band 2

Bad Wildungen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Gerhard Kessler
Gemeente
:   Bad Wildungen
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5364-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wildungen in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Vor acht Jahren wurde der erste Band 'Wildungen in alten Ansichten' herausgegeben, der auf großes Interesse in der Bevölkerung stieß. Irn Vordergrund dieses Bandes stand die Entwicklung vom Ackerbürgerstädtchen zum bekarmten Badeort. In Bild und Text wurde weitgehend die Entwicklung des Kurviertels und der Kureinrichtungen vorgestellt. Ziel des zweiten Bandes ist es, ein anschauliches Bild der Veränderungen innerhalb des mittelalterlichen Stadtringes zu vermitteln. Bewußt wurde ausschließlich auf Ansichten aus der Altstadt und unmittelbar vor dem ehemaligen Brunnentor liegender Gebäude zurückgegriffen. Zur Verdeutlichung der Veränderungen werden von einigen Häusern zwei Aufnahmen aus der Zeit vor und nach der Jahrhundertwende gezeigt, die ahnen lassen, welch frischer Wind damals unser altes Städtchen durchwehte.

Wildungen war ein typisches Landstädtchen, dessen Bewohner überwiegend Handwerker oder Kaufleute waren und durchweg als Nebenerwerb noch etwas Landwirtschaft betrieben. Man hatte seine Kühe und Schweine, vielleicht auch nur eine Ziege , die die notwendige Milch, Butter und das Fleisch lieferten. Von ein paar Äckerchen bezog man das Fruchtkorn. Das Stadtinnere vermittelte ein eher ländliches als städtisches Gepräge. Vor den Fachwerkhäusern, die früher überwiegend verputzt waren, um die Steinhäuser der Wohlhabenden zu imitieren, standen landwirtschaftliche Wagen und Gerätschaften. In den Häusern herrschte drangvolle Enge. Die Räurne waren eng und niedrig,

zwei, drei Zimmer beherbergten nicht selten ein halbes Dutzend Menschen, und zusätzlich vermietete man im Sommer noch eine Bettstelle an einen Musiker oder andere Saisonarbeiter. Die Werkstatt des Kleinhandwerkers befand sich meist in der Küche der Familie oder im Hausflur (Huksern). Unter dem sehr steilen Dach lag ein mehrstöckiger Heu- und Fruchtboden. Wochenlang engten im Spätsommer Leiterwagen die Straße ein und in mühevoller Arbeit wurde mit einem 'Luchenseil' die Ernte an der Hauswand emporgezogen. Ein Drittel der ca. 300 Häuser hatte zwei oder drei Eigentümer, wodurch die Besitzverhältnisse sich recht schwierig gestalteten. So gehörten oft einzelne Räume einer Etage und auch die Stellflächen im Stall verschiedenen Leuten, die sich wohloder übel zusammenraufen mußten. Günstiger gestaltete sich das Zusammenleben in den Doppelhäusern entlang der Brunnenstraße, sie hatten separate Haustüren und Treppenaufgänge und nur der große gewölbte Keller wurde gemeinschaftlich genutzt. Menschliche und tierische Abfallstoffe wurden in Abortgruben und Dungstätten gesammelt und zu gegebener Zeit zum Düngen auf die Felder und Gärten gebracht. Die Miststätten vor den Häusern - im Somnier Turnrnelplatz von Fliegenschwärmen - erreichten im Winter oft eine Höhe von I 112 Metern. Wenn der Mist schließlich fortgefahren war, sammelte sich in den Gruben Jauche und Regenwasser. Der Überlauf floß durch eine offene Rinne quer durch die Stadt dem Meerschlund zu. Die Straßen waren ebenfalls in einem

schlechten Zustand. An einer Seite der Brunnenstraße war etwa 20 cm höher als die Fahrbahn ein Trottoir von Sandsteinplatten angelegt. Vor den Häusern standen Bänke, auf denen die Kaufmannsfrauen saßen und auf Kundschaft warteten. Auch im Bereich der ehemaligen Stadttore befanden sich Sitzgelegenheiten, die im Volksmund treffend 'Faulenzerbank' und 'Lügenbank' genanntwurden.

Die Gründung des deutschen Kaiserreichs und vor allem der Anschluß an das Eisenbahnnetz brachten der Stadt einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung, wobei die Entwicklung zum Kurort immer entschiedener in den Vordergrund trat. Ein neuer Abschnitt in der Geschichte unseres Ackerbürgerstädtchens begann, der auch das äußere Erscheinungsbild grundlegend verändern sollte. Junge Kaufleute lernten ihr 'Geschäft' in Kasseloder anderen Großstädten und kehrten mit neuen Ideen in ihre Heimatstadt zurück. Die Raine und Treppen vor den Häusern wurden beseitigt, um jetzt in Straßenhöhe Raum für größere Ladeneinbauten zu gewinnen. In rascher Folge entstanden Neubauten vor den Toren der Stadt, wo die Zweit- und Drittsöhne der Altstadtfamilien sich eine eigene Existenz aufbauten. Wer ibest (irgend) was uff sich hielt, machte, daß hä in de Allee kaam. Das aufblühende Beherbergungsgewerbe brachte den dahinschlummernden Handwerkszweigen reichlich Beschäftigung. Galoppierende Grundstückpreise ließen so manchem für sein bisher mageres Stück

Land im neuen Kurviertel einen gehörigen Batzen Geld in den Schoß falJen.

Rasch veränderten sich die allgemeinen Verhältnisse in der Stadt. 1898 entstand die Gasanstalt, gußeiserne Laternen ersetzten die Petroleumlampen. 1906 wurde der Schlachthof gebaut, und kein Stück Vieh durfte mehr auf der Gasse getötet werden. Ein Segen im hygienischen Bereich waren 1907 der Bau der Kanalisation und der Kläranlage. Schließlich öffnete 1911 sogar ein öffentliches Freibad seine Tore.

Jahrelang standen Fortschritt und Umbau im Vordergrund der Stadt. Heute heißt es, das Vorhandene zu erhalten, zu pflegen und behutsam zeitgemäßen Ansprüchen anzupassen. Das Nebeneinander von Kurviertel und Fachwerkwelt bildet den ganz besonderen Reiz unserer Stadt und ruft immer wieder sowohl bei Einheimisehen als auch bei Gästen Begeisterung hervor.

Der vorliegende Band möchte zu einem kleinen Spaziergang durch das beschauliche Wildungen vergangener Tage einladen. Die Grundlage der Texte basiert auf mündlichen Erzählungen betagter Wildunger. Sie wurden ergänzt durch Hinzuziehung der gängigen Literatur von Reichardt und Kesting und handschriftlicher Aufzeichnungen von Rudolf Lorenz. Das Bildmaterial stellten mir dankenswerterweise viele Bürger der Stadt, sowie die Rudolf-Lorenz-Stiftung und das Heimatmuseum zur Verfügung.

1. Oberhalb des steil abfallenden Wäschebachtals erstreckt sich geschützt hinter der sicheren Ringmauer die Stadt Wildungen. Die Aufnahme entstand vor 1880, denn noch existiert neben der Notpforte das 1881 eingeweihte Gebäude von Webers Kindergarten nicht. Noch umgeben Kraut- und Obstgärten die mittelalterliche Stadtanlage. Der älteste Wehrturm, der 'Rote Hahn', wird erst 1967 seine ursprüngliche spitze Turmhaube wiederbekommen. Das Gebäude rechts im Bild an der Waldschmidtstraße gehörte Maurermeister Schalier, heute Wahl. Entlang des Bachlaufs reihten sich damals sieben Loh- und Weißgerbereien. Von links nach rechts sind zu erkennen: Die Lohgerbereien Fischer, später Hotzfeld-Illies, und Are, die Weißgerberei Höbener, deren Nachfolger Moritz Walter war (BacchusKeller) und die Lohgerberei Schleiermacher (heute Bierbörse ).

2. Diese Aufnahme dürfte ca. 1870 entstanden sein. Sie zeigt den Bereich des Lindentors mit der 1596 erbauten Kirche 'Zum heiligen Kreuz', die 1882 abgerissen wurde. Seit den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Neubauten vor den Toren der Stadt. Inmitten von Obstgärten sehen wir das 1859-1862 errichtete 'Armen- und Krankenhaus', aus dem später das Altersheim 'Helenenhof" wurde (Standort Bürgerhaus). Auch die Brunnenallee ist teilweise bebaut. Das Gebäude links mit dem turmartigen Anbau ist das Haus Dr. Krüger (erbaut 1866/67), heute Standort Kreissparkasse. Das Haus Huneek ist gerade im Rohbau. Deutlich hebt sich am Waldrand das 1856/57 errichtete Badelogierhaus ab. Zwischen 1852 und 1857 wurde zur Überquerung des tiefen Wildetals der Riesendamm aufgeschüttet. Die Arbeiten hierzu übernahmen für 8 lOO Taler J. Fischer und Bierbrauer Minke.

3. Die Bebauung der Brunnenallee vollzog sich relativ schnell. Mit einer Sondergenehmigung hatte Regierungsrat Kleinschmitt bereits 1824 als erster ein zweistöckiges Wohnhaus unmittelbar vor dem Brunnentor errichten dürfen (heute Elektro-Wilke). 1865 entstand daneben das 'Hotel zur Post' und 18661868 ließ Theodor Kratz ein Brauereigebäude mit vorgelagerter 'Bayrischer Bierhalle' und separatem Logierhaus bauen (später Hotel Astoria und Bayrischer Hof). Beide Gebäude waren der Bequemlichkeit wegen durch eine Veranda verbunden. Nachfolgende Werbung entstand 1885: Das Hotel empjiehlt sich durch seine geschützte, freie Lage mit großem schönen Garten, gut ausmöblierte Zimmer, table d'hátet, déjeuner, souper, Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, sowie reingehaltene Weine und ein gutes Glas Bier bei aufmerksamer Bedienung, miißige Preise, Omnibusverbindung nach den Quellen und an den Eisenbahnzug.

4. Das erste Postlokal in der Stadt wurde 1834 cingerichtct, nachdem das waldeckische Postwesen unter preußische Verwaltung gestellt worden war. Es befand sich anfangs stets in dem Privathaus des jeweiligen Vorstehers. 1867 wurde der Postbetrieb in das 'Gasthaus zur Post' verlegt und wechselte 1878 in das von Louis Höhle neuerbaute Haus am Eselspfad über (heute van ZwolI). Das Hauptpostgebäudc, wie es vielen Wildungern noch in Erinnerung ist, wurde 1887/88 zwischen der Stadtmauer und dem sogenannten 'Kleinen Hagen', der danach den Namen 'Poststraße' erhielt , errichtet. 1907 erfolgte eine Erweiterung nach beiden Seiten, den westlichen Abschluß krönte nun ein Turmaufbau. Die imposante Sandsteinornamentik wurde 1955 beseitigt und das Gebäude erhielt sein heute eher nüchtern anmutendes Aussehen.

5. Nachdem die Eisenbahnlinie von Wabern nach Brilon eingerichtet worden war, wurde im Februar 1909 die Personenpost von Wildungen nach Korbach eingestellt. Die letzte Postkutschenfahrt hielt der Wildunger Fotograf Böttcher für uns im Bilde fest. Es zeigt in der ersten Reihe von links nach rechts die Herren Herbener, Schmidt, Beeker, Rethmeier, Erd, Paul, Kimm, die Postillone Kraut, Wagener; auf der Treppe von links nach rechts, Heek, Holl Mohrhenne, Mitze , Ludwig, Frese, Klapp, Wilhelm, Weber, Wagener, Schröter, Volkwein, Finger, Zimmermann, Pentzel, Rabethge , Mogk , Stiel, Vogt, Schleiermacher .Münch; im Fenster unter anderen Danzglock und Engelbach.

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6. Im Jahre 1876 eröffnete das erste Kaufmannsgeschäft außerhalb der Ringmauer seine Pforte. Gebaut wurde das sehr ansprechend wirkende Gründerzeitgebäude von C.C. Schleiermacher als Mitgift für seine Tochter. Sie hatte kurz vorher Carl Friedrich Rothauge, einen Sproß des bereits 1834 gegründeten Kolonialwarengeschäfts C.R. Rothauge (heute Hobbyhaus Hommel), geheiratet. Unter dem Firmennamen C.F. Rothauge bestand das Manufaktur- und Modewarenhaus bis 1955 fort. Allgemein geschätzt waren die guten Stoffe des Hauses, die 'ein Leben lang' hielten. 1955 erfolgten größere Um- und Anbauten und die Ladenräume wurden von der Lebensmittelkette 'Rheika' gemietet. Die vorliegende Aufnahme entstand im Dezember 1936.

7. Die Werbeanzeige aus dem Jahre 1891 zeigt, was die ehrenwerte Kundschaft aus Stadt und Land und der geschätzte Kurgast aus fernen Landen in Wildungen in jenen Tagen erstehen konnte.

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8. Das schmale Haus am Eingang zur Altstadt war das Pförtnerhaus am Brunnentor. Es wurde 1855 für 300 Taler an den letzten Pförtner verkauft. Sein Sohn, Seiler Griesche, veräußerte es an Karl Grünert, der zwecks Platzgewinnung Teile der Stadtmauer beseitigte, einen Laden einbaute und dort eine Kaffee-, Thee- und Dessen-Biickerei eröffnete. Bestellungen auf Torten, Aufsätze, Gefrorenes etc. werden sofort und auf das Geschmackvollste ausgefûhrt, verspricht eine Anzeige aus dem Jahre 1891. Der aus Bergfreiheit stammende Bäckermeister Chr. Schneider übernahm 1907 das Geschäft. Er war 1906 nach längerem Aufenthalt in St. Petersburg wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Um die Aufmerksamkeit der zahlreichen russischen Kurgäste zu erlangen, ließ Schneider an der Außenfront seines Ladens in kyrillischer Schrift 'Konditorei und Bäckerei' anbringen, was 1914 bei einigen Mitbürgern Empörung hervorrief; man verdächtigte ihn sogar der Spionage.

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