Bad Windsheim in alten Ansichten Band 2

Bad Windsheim in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Michael Schlosser
Gemeente
:   Bad Windsheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6346-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Windsheim in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

'Irn weiten Aischgrund ruht ein stilles Eden' - so beginnt ein kleines Gedicht eines Gastes aus dem 'Kurhotel zu Windsheim' , das am 18. August 1906 in der 'Windsheimer Zeitung' abgedruckt wurde und das man sicher als das erste öffentliche, zudem positive, Urteil eines Kurgastes des noch jungen Sol- und Mineralbades bezeichnen darf

Wie dieses Windsheim aussah, wie die Lebensverhältnisse dort waren, versucht das vorliegende Buch den Leserinnen und Lesern, Einheimischen wie Gästen, näherzubringen. Die dazu ausgewählten Bilder und die Texte beschreiben einen zusammenhängenden Rundgang durch die Altstadt und ihre nächste Umgebung, der von Osten eintreffend beginnt und dort auch wieder endet. Wer sich die Mühe oder vielleicht sogar dasVergnügen machen wollte, könnte also ohne weiteres mit dem Buch in der Hand diesem Spaziergang folgen und dabei das Solund Mineralbad von damals mit dem (1961 zum Bad erhobenen) Kurort von heute vergleichen.

Mit der ältesten hier wiedergegebenen Fotografie von 1867 knüpft das Buch übrigens nicht nur zeitlich nahtlos an die historischen Gesamtansichten an, die von der ersten 'Contrafactur' 1576 über die bekannteste und wohl schönste Ansicht von Matthäus Merian d. Ä. 1648 bis zur letzten dieser Darstellungen 1898 den Ort fast ausschließlich vom gleichen Blickwinkel aus, von Osten bzw. Nordosten, dargestellt haben. Neben den Postkarten und Fotografien von Straßen, Plätzen und Ereignissen sollten auch die Erläuterungen dazu das Leben im damaligen Windsheim veranschaulichen. Wenn ein Rückblick aufZusammenhänge mit der stolzen Vergangenheit des Ortes, der bis 1284 Stadt und bis 1295 Reichsstadt geworden ist und diesen Status erst 1802 verloren hat, mitunter auch reizvoll erschien, so lag der Schwerpunkt daher natürlich aufSchilderungen von Begebenheiten und Daten aus der hier behandelten Epoche. Hinzu kommen Zitate aus Erinnerungen von

Zeitzeugen. Ergänzt werden die Bildlegenden durch baugeschichtliche Notizen und Hinweise aufHausbewohner, ohne daß es aber das Ziel sein konnte, stets 'alle' Bauveränderungen und Namen bis hin zu heutigen Verhältnissen, die man ohnehin vor Augen hat, aufzuführen, zumal ein Anreiz ja auch im eigenen Vergleichen von Einst und Jetzt liegen sollte. Ein erster Band über 'Bad Windsheim in alten Ansichten' ist seit 1983 in diesem Verlag in drei Auflagen erschienen. Er zeigt den Ort in einem der Zeit entsprechend vom Bahnhof ausgehenden Rundgang. Da dort beispielsweise die Kurbadentwicklung in mehreren Bildern geschildert wurde, konnte sie diesmal etwas kürzer behandelt werden. Die mit der Gebietsreform eingemeindeten heutigen Ortsteile Bad Windsheims wurden im ersten Band jeweils mit einer historischen Aufnahme kurz porträtiert und deshalb hier nicht nochmals vorgestellt; außerdem sind inzwischen einige eigene Veröffentlichungen mit alten Ortsansichten herausgegeben worden, anderen die vielleicht noch geplant sind, sollte nicht vorgegriffen werden.

Wurden im ersten und im nun vorliegenden zweiten Band zwar Abbildungen gleicher Straßenzüge und Gebäude verwendet, was sich selbstverständlich gar nicht umgehen ließ, so jedoch keine wirklich identischenAufnahmen. Ebenso konnte die eine oder andere Überschneidung bei stadt-oder baugeschichtlichen Daten der vollständigeren Bildkommentierung halber nicht immer vermieden werden. Selbst in diesen Fällen wird der aufmerksame Leser aber noch manche neue Information entdecken, wie überhaupt wiederum die Texte einige neue stadtgeschichtliche Details enthalten. Beide Bände über 'Bad Windsheim in alten Ansichten' können also jeweils für sich gelesen und benutzt werden, beide ergänzen sich aber auch gegenseitig.

Wichtigste Quellen waren die handschriftlichen Chroniken im Stadtarchiv und die bereits erwähnten Erinnerungen von Zeitzeugen, die in den

Kirchweih-Ausgaben der 'Windsheimer Zeitung' von 1956 bis 1967 veröffentlicht wurden; wörtliche Zitate hieraus sind durch Kursivdruck kenntlich gemacht. Außer der im ersten Band genannten Literatur wurden vor allem folgende Neuerscheinungen benutzt:

Konrad Beda!, Fachwerk vor 1600 in Franken, 1990;Willi Döbler, Housgeschichte der ehemaligen 30 Windsheimer Bmuereien, 1991; Stefan Eckardt, Das Medizinalwesen der Reichsstadt Windsheim, 1991; Günter Lucas, Gips als historischer Außenbaustoff in der Windsheimer Bucht, 1992; Horst Steinmetz/Helmut Hofmann, Die juden in Windsheim nach 1871, 2.Aufl., 1994;JosefWysocki/Manfred Pix,Aufstieg über Hindernisse, 1988.

Für die wie immer zuverlässig ausgeführten Repro-Arbeiten habe ich der Firma 'Foto & Studio Hecke!' sehr zu danken, für die Genehmigung zur Veröffentlichung älterer Fotografien dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv München (Verkehrsarchiv 7971, Bild 2) und dem Historischen Verein Alt -Windsheim e. V (Bild 4 und 20).

Setzte sich der erste Band noch mit einer einzigen Ausnahme ausschließlich aus privaten Leihgaben zusammen, konnte diesmal zum weitaus größten Teil aus der seither neu angelegten, umfangreichen Fotosammlung des Stadtarchivs geschöpft werden. Sie verdankt ihr Entstehen nicht nur gelegentlichen Erwerbungen von Original-Fotografien und Postkarten, sondern auch zahlreichen Privatpersonen, die im Lauf der letzten rund fünfzehn Jahre ihre Bilder zur Reproduktion ausgeliehen oder sie sogar ganz überlassen haben. Mich an dieser Stelle nur bei denjenigen namentlich zu bedanken, deren Bildmaterial schließlich in diesem Buch Verwendung fand, würde die vielen übrigen Leihgeber und Stifter übergehen; sie alle aufzuführen, ist andererseits leider unmöglich. Ich möchte daher hier nicht einzelne Personen hervorheben, sondern all denjenigen ganz herzlich danken, die in den letztenjahren, in welcher Form auch immer, ihre Bilder aus dem alten Windsheim

dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt haben. Sie alle haben dazu beigetragen, daß dieseAnsichten dort bewahrt und erhalten werden können als ein Porträt unserer Heimatstadt aus vergangenen Jahrzehnten. Vielleicht mag das vorliegende Buch zeigen, welchen Wert ein solches Bildarchiv für die Dokumentation der Stadtgeschichte besitzt. Wenn es den einen oder anderen sogar dazu veranlassen sollte, seine alten Fotografien oder Postkarten der Sammlung des Stadtarchivs zugänglich zu machen, wäre das ein besonders erfreuliches Ergebnis.

So bleibt nunmehr zu hoffen, daß es gelungen ist, hiermit in Bild und Text einen lebendigen Eindruck zu vermitteln vom Leben in Windsheim in den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende.

BadWindsheim, im September 1996 Michael Schlosser

1 Windsheim in den [ahrzehnten um die [ahrhundertwende - ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte des damals rund 3 500 bis

3 700 Einwohner zählenden Ortes, der die Entwicklung von der Ackerbürgerstadt des 1 9. zur modernen Stadt des 10. Jahrhunderts und zum 'Sol- und Mineralbad' brachte. In diese Epoche fallen der Abbruch der Stadtmauer und der Anschluß an das Eisenbahnnetz, die Einführung von elektrischem Licht, Telefon, Zentralheizung und Rundfunk, der Bau einer Wasserleitung und damit das Ende der mittelalterlichen Brunnen, die Gründung von Gipsfabriken und anderen Betrie-

ben, nicht zuletzt aber die Erschließung von Mineralquellen und die Errichtung eines Kurhauses.

2 Im Vordergrund dieser fotografischen Rarität, die Windsheim im Frühjahr 1867 von Nordosten zeigt, erkennt man eine 'Rippe' aus Gipsstein, wie man sie offenbar beim Gipsabbau als natürliche Gartenmauern und als Windschutz stehen ließ. Entlang dem Feldweg in der Mitte, heute die Schützenstraße, wurde Hopfen angebaut. Dahinter erhebt sich die Stadtsilhouette mit Seekapelle, Rathaus und Kilianskirche, umgürtet von der noch vollständig erhaltenen Stadtmauer mit drei ihrer einst zwanzig Türme: in der Mitte derjenige am Ausgang der Fuchsengasse, dann der Schäferturm und ganz rechts noch zu sehen der Pulverturm.

3 Der Schäferturm am Ausgang der Schäfergasse aus der Gegenrichtung in einem Gemälde des Windsheimer Hofrates Dr. Hagen. So sehr die Katze auf dem Dachfirst im Vordergrund links auch den Blick bannen mag, nicht übersehen sollte man die zwei Personen, die vom Wehrgang her stadteinwärts blieken. Der Zeitungschronist sprach damals von der' des unter ihrem Dache angelegten, vor Regen und Sturm schützenden Spazierweges halber hochgeschätzten Stadtmauer.' Und noch

1 956 erinnerte sich ein alter Windsheimer, daß man durch die vielen Schießscharten herrliche Ausblicke auf die nähere Umgebung und die riesigen Obstbäume in den Wallgärten hatte.

4 Irn Iahr 1875 kam das Ende des äußeren Wahrzeichens aus Windsheims reichsstädtischer Vergangenheit. Nachdem imAugust (beim 'Deiningersgarten') und im NovemberTeile der insgesamt unhaltbar baufällig gewordenen Stadtmauer eingestürzt waren, genehmigte das Bezirksamt den Abbruch, da ihr Erhalt der Stadt finanziell nicht mehr zuzumuten war. Die Steine konnten teilweise für den Grundbau der geplanten ersten Eisenbahnlinie, aber auch zum privaten Hausbau verwendet werden. Bei der Bewertung dieser Zusammenhänge aus heutiger Sicht wird außerdem fast immer übersehen, daß bei der Eröffnung der Bahnlinie 1876 die Stadtmauer im Süden noch bestand. Auch ei-

nige derTore und Türme, die man zunächst erhalten wollte, wurden erst in den Folgejahren bis 1883 abgebrochen.

5 Das Luftschiff über Windsheim wurde Ende der zwanziger [ahre ungefàhr von der gleichen Stelle aus wie die Ansicht von 1867 mit der Stadtmauer aufgenommen - ein symbolhafter Gegensatz. Stolz notiert die Stadtchronik am 12. Oktober 1928: Das Luftschiff 'Graf Zeppelin' hat auf seiner Amerikafahrt den beliebten ElisenLebkuchen aus der Konditorei Arnold als Dessertgebäck an Bord.Wir freuen uns, daß heimiseher Gewerbefleiß und edle Backkunst mi tten im großen Weltgeschehen ihren guten Ruf bestehen, undWindsheim neben seinen sonstigen Berühmtheiten auch hier eine neue aufzuweisen hat. Als erstes Café in Windsheim war 1904 in der Rothenburger Straße das Café Sommerer eröffnet worden. 1905 folgte das Café Arnold in der Stellergasse.

6 Am l.Juni 1890 wurde die neueTurnhalle mit Festzug, Schüler- und Riegenturnen und öffentlichem Konzert feierlich eingeweiht. DerTurm diente der freiwilligen Feuerwehr, die 1863 aus den Mitgliederreihen des Turnvereins hervorgegangen war, zu Übungen und zum Trocknen der Schläuche. Nachdem 1877 schon das Seetor, das von hier aus gesehen links davor gestanden hatte, zum Abbruch freigegeben worden war, präsentierte sich seitdem die Stadt dem von Osten her zur Seegasse Eintreffenden mit dieser Ansicht. Hinter derTurnhalle liegt der Ochsenhof, ein Getreidespeicher von 1537, der heute das sehenswerte 'Reichsstadtmuseum im Ochsenhof' beherbergt.

7 Kaum betritt man in der Seegasse die Altstadt, stößt man, einst wie heute, auf die erste von vielen einladenden Möglichkeiten zur Einkehr. Ursprünglich hieß dieses Gasthaus 'Zum Roten Ochsen' und gab vielleicht auch dem Ochsenhof gegenüber seinen Namen. Das alte Wirtshausschild von 1740 ist im Reichsstadtmuseum noch zu sehen. Daß das Gasthaus 'so jäh über Nacht seinen Namen wechselte', erzählte man früher, 'hat seinen Grund in der Körperbeschaffenheit des ehemaligen Ochsenwirtes, der wegen seines großen Kopfes den Spott seiner Zeitgenossen auszuhalten hatte.' Als übrigens 1924 die 'J ugendwanderherberge' vom neuen Schulhaus in den Ochsenhof verlegt wurde, lieferte die Stadt dazu die Decken und Strohsäcke.

8 Die Seegasse mit der Seekapelle. Der vor dem ersten der drei 1749 bis 1751 von Stadtbaumeister [ohann Michael Krauß im sogenannten Markgrafenstil erbauten Häuser stehende Brunnen wurde in dieser Form 1892 an Stelle eines hölzernen Pumpbrunnens errichtet. Das Ende der mittelalterlichen Wasserversorgung mit zuletzt zehn laufenden und siebzehn Pumpbrunnen, die der garnen Stadt nicht nur ein angenehmes Aussehen, sondern auch den Bürgern zu ihrer täglichen Haushaltung einen treffli chen Nutzen gaben, wie ein Chronist 1 746 bemerkte, kam mit der Erbauung einer modernen Wasserleitung, die nach langwieriger Quel-

lensuche 1907 grundsätzlich und 1909 als Detailprojekt beschlossen und schließlich 1 911 in Betrieb genommen wurde.

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