Bad Wurzach in alten Ansichten Band 1

Bad Wurzach in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Otto Frisch
Gemeente
:   Bad Wurzach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2655-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wurzach in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Die Stadt Wurzach, seit 1273 urkundlich nachgewiesen, war im Mittelalter ein kleines Ackerbürgerstädtchen, wurde 1675 Grafensitz, kam 1806 an das Königreich Württemberg, sank in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Landstädtchen mit bescheidenen Zentralfunktionen ab und gewann ab 1936 durch seinen Ausbau als Moorbad Anschluß an heutige Entwicklungen. In den Zeitraum der Stagnation fallen die ausgewählten Ansichten und umfassen mit wenigen Ausnahmen die Zeit von 1880 bis 1930. Die Situation spiegelt sich zum Beispiel auch in der fast gleichbleibenden Einwohnerzahl wider, die von 1880 bis 1930 von etwa 1 200 auf 1 500 anstieg, während es heute um 4 000 Einwohner sind. Von einem kennzeichnenden Vorgang berichtet der 'Wurzacher Anzeiger' am 24. März 1894: Letzte Woche machte ein hiesiger Bürger eine Wette von 10 Mark und zwei Flaschen Wein um die ganze Stadt, jedes Haus einschließend, in 20 Minuten zu laufen. Tatsächlich schaffte es der 54jährige Mann, die Stadt in 18 1j2 Minuten zu umrunden.

Die beginnende Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte sich mit ihrem steigenden Angebot an Fertigwaren und dem Anwachsen des Konsumverlangens dadurch bemerkbar, daß immer mehr

Ackerbürger in ihren Häusern Geschäftsläden einbauten und die Landwirtschaft in die Hinterhöfe verbannten oder ganz aufgaben. Diese Umstellung war weitgehend um 1900 abgeschlossen. Hinweise dazu finden sich im dargelegten Bildmaterial. Heute sind alle Bauernanwesen aus dem Stadtkern verschwunden. Neben Umbauten waren es vor allem Brände, die das Stadtbild veränderten, zählte man doch von 1865 bis 1930 über fünfzig Brandobjekte. In den Jahren nach 1945 waren es Spitzhacke und Modemisierungswelle, die Spuren hinterließen.

Die ersten Ansichtskarten von Wurzach waren gezeichnet, zum Beispiel Bild 65, geschaffen von dem Wurzacher Waldraff. Weitere Wurzacher Zeichner sind hier Georg Scherbacher mit Bild 20 und Kar! Wild mit Bild 56. Der erste Fotograf ist in Wurzach Maler Joseph Anton Schley, der sich auf einer Rechnung vom 15. Juni 1860 als 'Photograph' bezeichnet und 1866 drei Fotos an die Gräfin liefert. Er kennzeichnete kein Foto (Bild 76). Sein Sohn Josef bot noch 1904 auf die Bahneröffnung 1000 Aufnahmen des Bahnhofes zum Verkauf an. 1862 kam der Goldarbeiter und Fotograf Alois Seefelder hierher. Er versah sporadisch seine Fotos mit einem Stempel:

Es konnte ihm kein Foto in dieser Sammlung zugewiesen werden.

Fotoartikel gab es schon 1900 in der Drogerie M. Hauber zu kaufen, wurde doch laut Annonce ein 'Photographen-Apparat nebst Trockenplatten, Fixierbad, lichtempfindliches Papier, und Lehrbuch, schönste Bilder gebend' schon um 2,50 Mk angeboten. Bild 6 dürfte ein 'Hauber-Foto ' sein.

Am 21. Juli 1904 fügt Maler Xaver Sonntag seinem Geschäftseröffnungsinserat an: N.B. Zugleich gebe bekannt, daß ich mein seither betriebenes Nebengeschäft in photographischen Aufnahmen aller Art in verbesserter Weise nach wie vor weiter betreibe.

Seine Fotografentätigkeit setzte also um 1900 ein. Er machte viele Aufnahmen, kennzeichnete aber nur wenige mit Stempel, Einprägung oder diesem Schild:

!~~4~ Er baute sich 1907 ein Haus ~ (Bild 5). Von ihm stammen =====.---- viele Fotos, aber nur 8, 50, 60,63, 74 sind ihm sicher zuschreibbar.

Wurzacher Ansichtskartenverleger um 1900 sind:

Buchbinder Waibel ab 1890, Buchdrucker Unold ab 1892, Kaufmann Hauber um 1894, Buchdrucker

Marquart ab 1897 und Buchbinder Rothenhäusler um 1904.

Die Datierungen konnten oft nur durch indirekte Hinweise ermittelt werden, so daß mit der Bezeichnung 'urn' ein Unsicherheitsfaktor von plus oder minus 1 Jahr bis höchstens 4 bis 5 Jahren einzurechnen ist. Da erst 1975 die Bad Wurzacher Chronik mit vielen alten Aufnahmen erschienen ist, so wurde hier bewußt eine Ergänzung zum Chronikbildmaterial angestrebt. Auch wurden einige Korrekturbemerkungen dazu bei Bild 14, 20, 68 aufgenommen. Die Bildfolge erschließt die Stadt von West nach Ost etwa so, wie sie um 1905 ein mit der Bahn angereister Besucher erkunden konnte. Angeschlossen sind Bilder aus dem Arbeits-, Freizeit- und Vereinsleben.

An dieser Stelle sei den Mitbürgern aus Bad Wurzach für die bereitwillige Überlassung ihres Bildmaterials herzlich gedankt. Einen ganz besonderen Dank möchte ich meiner Frau aussprechen, die unermüdlich beim Ausfindigmachen von interessanten Fotos tätig war und die ganze Arbeit mitgeprägt hat.

Bad Wurzach im August 1978

Otto Frisch

1. Der Inbegriff des Fortschritts bestand für die Bürger um die Jahrhundertwende im ersehnten Bahnanschluß. Ihre Bemühungen darum setzten im Jahre 1862 ein und zogen sich durch vielerlei Projekte bis zur Genehmigung des Bahnanschlusses nach Roßberg ins Jahr 1902 hin. Wurzach wurde deshalb von den Nachbarn noch lange nur 'Der Bahnhof genannt. Im Spätsommer 1903 arbeitete man mit Hochdruck am Aufbau des Stationsgebäudes. Kaum war es errichtet, so wurden schon 'die neuesten Ansichtskarten von Wurzach mit neuem Bahnhof' angeboten und verbreitet. Nach der Eröffnung der Stichbahn am 20. Juni 1904 konnte niemand mehr einen Wurzacher mit der verschmitzten Frage ärgern: 'Sie, wo geht der nächst We ag auf de' Bah'hof?'

WURZACH

Bahnhof

2. Die hübsch gezeichnete Ansicht des Bahnhofes von 1905 aus dem Atelier Eugen Felle Isny zeigt den kompletten Bautenbestand. Heute sind der Lokschuppen und die 'Sommerhalle' abgerissen. Die Bahnhofrestauration, durch die Herrschaft Zeil-Wurzach erstellt, wurde unter ihrem Pächter Franz Kley am 21. Mai 1904 eröffnet. Terrasse und Türmchen sind ebenso beseitigt worden wie die Inneneinrichtung im Jugendstil. Kaum war der Bahnhof in Betrieb, so schreibt der 'Anzeiger von Wurzach': Die neueröffnete Bahn Roßberg Wurzach übt bereits ihre belebende Wirkung auf den Verkehr aus. Vor allem scheint sicn der Güter- und Frachtverkehr lebhaft zu entwickeln und Am Bahnhof Wurzach entwickelte sich geradezu ein großstädtisches Treiben.

3. Mancher bunte Festzug mit Fahnen, Musik und den unentbehrlichen Festjungfrauen bewegte sich nach der Bahneröffnung bei feierlichen Abholungen stadteinwärts. Der Weg führte vorbei an freiem Gelände, denn damals befand sich noch kaum ein Haus an dieser Strecke. Ein Holzsteg überbrückte hier noch den Parkkanal, der ab 1969 bis auf eine Bodenmulde aufgefüllt wurde. Nur das barocke Gebäude der ehemaligen Hofgärtnerei aus dem 18. Jahrhundert stand hart am Inselchen beim Schloßgarten. Sonnenorientiert hatte einst das Parterre als Orangerie gedient, und das Gewächshaus war noch 1857 vergrößert worden, während im oberen Teil der Hofgärtner gewohnt hatte. Nach der Aufgabe der Gärtnerei ließ man 1902 auch im Parterre eine Wohnung einbauen.

4. Der Viehhändler Philipp Strobel baute 1910 gegenüber dem ehemaligen Hofgartengelände an der damaligen Essendorfer Straße ein stilvolles Haus mit Ökonomie. So schloß sich im Laufe der Jahrzehnte langsam die Lücke zwischen Stadt und Bahnhof. Sogar eine kümmerliche Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen war installiert worden. Mit zunehmendem Autoverkehr verschlechterte sich aber der Straßenzustand sehr. Ein Leserbrief von 1926 vertritt dazu die Meinung, die Straße vom Bahnhof zur Stadt sei ein prachtvolles Dureheinander von zähem Schmutz und freundlich winkenden Wasserlachen, so daß man sich keine große Mühe zu geben hat, ihrem Winke zu folgen, denn es ist stockdunkel und man watet zierlich von einer Lache in die andere. Aufnahme 1911.

5. Im Jahre 1874 baute als erster der Geometer Theodor Weiger am Schnittpunkt zwischen Waldseer und Essendorfer Straße ein Gebäude, dem erst 1907 das Haus von Malermeister und Fotograf Xaver Sonntag mit seinem Balkon über dem Eingang folgte. Weiger's Haus ging 1910 in den Besitz von Theodor Baur über, der eine Fahrrad- und Nähmaschinenhandlung einrichtete. Im Jahre 1927 kam eine 'Olex Sicherheitstankstelle' hinzu. Das Haus ist 1959/1960 aufgestockt worden, und die Tankstelle wurde 1975 aufgegeben. Das Postgebäude ist erst 1925/1926 an der Stelle der Personengruppe rechts erbaut worden. Leider sind die zehn mächtigen Kastanienbäume, die den Platz des heutigen Omnibusbahnhofes umsäumten, dem Zahn der Zeit und dem Verkehr gewichen. Aufnahme um 1908.

6. Nachdem die Stadtbefestigungen aufgegeben waren, wurde der alte Stadtgraben an der Westseite aufgefüllt. Am Schnittpunkt der so entstandenen Gartenstraße mit der Waldseer Straße erbaute sich als erster 1838 Johannes Gaier ein Haus mit Seifensiederei. Dazu kam 1853 eine malerische Fachwerkscheuer, die 1976 abgebrochen wurde. Erst nach 1860 folgten weitere Häuser auf dieser linken Straßenseite, dort wo sich vorher die kleinen Krautgärten der Bürger befunden hatten. Die einseitige Bebauung ließ den Spruch aufkommen, hier würden die Pfannkuchen nur auf einer Seite gebacken. Das Gaier'sche Haus kam über Hafner Ebel 1889 an Anton Koch. Durch Töpfer Josef Koch, bekannt als Original, erhielt das Haus schließlich den Namen 'Töpferhaus'. Foto 1927.

7. Die stattlichste Linde Oberschwabens hat das Städtchen Wurzach aufzuweisen, so stellt das Schwäbische Baumbuch 1911 die Siechenlinde am Leprosenberg vor. An ihre markante Gestalt knüpfte sich seit vielen Jahrhunderten ein Kranz von Sagen, die zum Teil auf die Geschichte des Leprosenhauses zurückgehen, dessen Kapelle auf der Höhe sichtbar ist. Auf dem Bilde besitzt die Linde noch zwei Hauptäste, von denen der linke um 1935 dann zur Hälfte abgestorben und nach und nach abgebrochen ist, so daß der Baum in den letzten dreißig Jahren eine unvergeßliche Silhouette besaß. Am 18. Juni 1966 entwurzelte eine Sturmbö den uralten Zeugen, und die Stadtgemeinde hat als Ersatz am gleichen Platz am 20. Juli 1973 eine Neupflanzung vorgenommen. Vermutlich Foto Hauber.

8. An der Einfahrt zur Oberstadt erkennt man noch die Geländer der Brücke, die hier einst über den Stadtgraben in die Herrengasse von 1780 führte, Zwei kräftige Torpfeiler und daran anschließende niedrige Mauerteile zwangen auch die Fußgänger, die Fahrbahn zu benutzen, bis im Jahre 1929 die Mauer durchbrochen und ein Gehweg angelegt wurde. Das Wach- und Zollhaus rechts wurde von Elektromeister Ehinger 1925 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Auch der Walm daneben ist 1957 beseitigt worden. Die Pfeiler sind 1961 dem Verkehr gewichen. Neben Postbote Magnus Schiele darf als zweiter von rechts der kleine Josef Koch, der spätere 'Töpfer' genannt werden. Aufnahme X. Sonntag um 1906, Verlag Karl Rothenhäusler jr.

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