Bad Wurzach in alten Ansichten Band 2

Bad Wurzach in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Otto Frisch
Gemeente
:   Bad Wurzach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4945-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wurzach in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Nach wie vor ist es interessant, in alten Fotoalben zu blättern oder vergangenen Stadtansichten nachzuspüren. Nachdem nun schon über ein Jahrzehnt seit der Herausgabe des ersten Bandes 'Bad Wurzach in alten Ansichten' verstrichen ist, wird die Hoffnung wohl berechtigt sein, daß auch ein zweiter Band dieser Art die Aufmerksamkeit der Bad Wurzacher Bevölkerung erwecken könnte.

Um eine einheitliche Linie in beiden Bänden einzuhalten, wurden die Bilder in der vorliegenden Sammlung etwa so angeordnet, daß sie weitgehend eine begleitende Ergänzung der ersten Publikation darstellen. Aus diesem Grunde wurde auch gelegentlich durch einen Verweis auf entsprechende Bilddokumente aus Band 1 aufmerksam gemacht.

Da die Gemeinde Gospoldshofen schon immer sehr eng mit der Stadt Wurzach verbunden war und ihr Rathaus 1909 in Wurzach erbaute, so wurde auch einiges interessante Bildmaterial aus dieser weiträumigen Ortschaft mit in den Reigen der alten

Ansichten in diesem Band aufgenommen.

Neben dem Aussehen der Gebäude und der Straßenzüge in der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende sind es auch einige markante Bürgergestalten, die hier dem Vergessen entrissen werden sollen. Dazu kommen ein paar Fotoaufnahmen von Vereinen, die schon lange wieder aus dem Kreis der heute noch bestehenden Vereinigungen verschwunden sind.

Mein besonderer Dank gilt all jenen Mitbürgern, die mir über die Jahre weg immer wieder die Gelegenheit gegeben haben, Einblick in ihren überkommenen Bestand von alten Fotos und Ansichtskarten zu nehmen. Im Laufe der Zeit ist auf diese Weise so viel Bildmaterial zur Kermtnis des Autors gelangt, daß es schwer fiel, daraus eine Auswahl zu treffen.

In diesem Band können wiederum einige Fotos (siehe Bild 4,8, 11, 19, 53 und 73) dem Wurzacher Maler Xaver Sonntag zugordnet werden. (Vergleiche Einleitung zu Band 1!)

Aus diesem Grund wird hier ein Portraitfoto von ihm etwa aus dem Jahre 1905 gezeigt. Das Umschlagbild stellt eine Ansichtskarte vor, die mit zu den ältesten aus Wurzach zählt. Der damalige Buchbinder Alois Waibelließ um 1895 eine ganze Anzahl von Ansichten aus der Stadt durch den jungen Franz Waldraff in Aquarelltechnik gestalten. Sie sind geprägt von dem kennzeichnenden romantischen Natur-Realismus, den der später bekannte Künstler in seinen Zeichnungen und Aquarellen zum Ausdruck brachte.

Verleger Alois Waibel arrangierte diese Ansichten immer wieder neu in vielerlei Variationen, so daß dadurch eine ganze Anzahl verschiedener Ansichtskarten entstanden ist. Darunter sind auch sogenannte Mondscheinkarten, die in dunkelblauem Farbton ge-

halten waren. Die für den Umschlag verwendete Ansichtskarte ist laut Poststempel am 31. Dezember 1898 als Neujahrskarte versandt worden.

Franz Waldraff, der Schöpfer dieser Ansichten, war am 14. April 1878 in Wurzach als Sohn von Domänendirektor Eduard Waldraff geboren worden. Wie sein Bruder Paul Waldraff (siehe Bild 37) war auch er künstlerisch sehr begabt. Im Jahre 1901 ging er nach Paris, wo er in der Art des Jugendstils arbeitete und hauptsächlich als Dekorateur bekannt wurde. Später übersiedelte er nach Südfrankreich, wo er am 22. September 1960 gestorben ist.

Gleich wie in Band 1 konnte zu den meisten Bildern eine Datierung angegeben werden, die teilweise aber einen beschränkten Unsicherheitsfaktor enthalten kann. (Siehe Band 1, Einleitung!)

Bad Wurzach, im März

OttoFrisch

1. Große Feststimmung herrschte in der ganzen Stadt, als am 20. Juni 1904 die Bahnstrecke RoßbergWurzach eröffnet wurde und der blumengeschmückte Zug in den neuen Bahnhof einfuhr. Im anschließenden 'Bahneröffnungsmahl' im Gasthof 'Rössle' spielte die Kapelle des 2. württembergischen Infanterie-Regimentes Nr.120 aus DIm den von ihrem Dirigenten G. Stork eigens komponierten 'Eisenbahneröffnungsmarsch Roßberg-Wurzach'. Dabei hat es diese Stichbahn trotz ihrer Kürze in sich, weil sie den schwierigsten Streckenteil im ganzen württembergischen Allgäu in Form der Roßberg-Steige aufweist. Die Eisenbahningenieure mußten hier nämlich einen Steigungswert von 1:35 anwenden. Gefürchtet war die Strecke deshalb bei Lokomotivführeranwärtern, weil sie gerne bei Prüfungen als Fahrstrecke ausgewählt wurde. (Foto 20. Juni 1904.)

2. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachte auch auf der Allgäubahn das Betriebsleben total durcheinander. Im dritten Kriegsjahr stockte die Lebensmittelversorgung. Häufig brachen Lokführer und Heizer während ihres schweren Dienstes infolge vom Unterernährung zusammen. Hier sehen wir die 'Marburg' , einst eine stolze Lokomotive aus der Maschinenfabrik Esslingen und 1871 gebaut. Um 1920 ist sie endgültig ausgemustert worden. Während der Lokführer unbekannt ist, sind vor der Lokomotive namentlich von links nach rechts zu erkennen: 1. Frau Frech, die Ehefrau des Bahnhofvorstandes in Wurzach, 2. Herr Gut, Oberschaffner und Zugführer, 3. Bahnhofvorstand Raphael Frech, 4. die beiden Töchter der Familie Gut: Maria und Rosa, Dem Ehepaar Frech war schon kurz nach Kriegsausbruch der älteste Sohn in der Seeschlacht bei den Falklandinseln gefallen. (Foto 1916.)

3. Die Inbetriebnahme der Bahnverbindung Roßberg- Wurzach brachte in der Stadt schon im Vorfeld einen gewissen Bauschub in Gang. Von 1903 bis 1910 wurden allein über zwanzig Wohnhäuser gebaut. Daneben nahm auch das Gewerbe einen Aufschwung, wie das Sägewerk Bökeler, die Schloßbrauerei und das Torfwerk im Oberried. Als ein Beispiel dieses Aufschwunges soll hier der stolze Neubau vorgestellt werden, den Oberamts- und Kataster-Geometer Richard Hettinger 1910/11 an der Ravensburger Straße 'in den Krautländern' errichten ließ. Für den Plan zu dem qualitätvollen und stilechten Gebäude zeichneten die Stuttgarter Architekten H. Fleischhauer und F. Veil verantwortlich. Im großen Grundstück hinter dem Haus wurde ein parkähnlicher Garten angelegt. Hier steht Richard Hettinger vor dem Rohbau seines Hauses. (Foto 1910.)

4. Nach der Bahneröffnung dachte man bei der Wurzacher Postverwaltung allmählich daran, die angemieteten Räume im 'Hohen Haus' zu verlassen und ein posteigenes Gebäude zu erstellen. Es gelang schließlich, einen günstig gelegenen Platz am Stadteingang zu kaufen. Am 20. Oktober 1925 konnte mit dem Bau des stattlichen Postamtsgebäudes begonnen werden. Um die Postkunden schon frühzeitig an den neuen Standort des Postamtes zu gewöhnen, ließ man alsbald nach Errichtung des Rohbaues dort einen kleinen 'Einfülltank' (Briefkasten) aufhängen. Der Neubau wurde arn 12. September 1926 bezogen. Die damalige Feststellung des Amtsvorstehers, daß das Gebäude eine Zierde der Stadt sei und allen billigen Anforderungen genüge, hat sich bis in die heutige Zeit weitgehend bestätigt. (Foto X. Sonntag 1926.)

5. Seit seiner Verheiratung am 18. Mai 1899 mit der Wurzacherin Sofie Gemeinder war Kar! Nusser als Postillion in Wurzach tätig. Am 16. November 1899 kaufte er in der Vorstadt das ehemalige Scharfrichterhaus. Seine Runde führte ihn jeden Tag von Wurzach über Wiesen - Baierz - Hauerz - Rupprechts - Dietmanns und Albers. Da jedoch der technische Fortschritt auch vor der Landpostzustellung nicht halt machte, wurden immer mehr Landpostkraftlinien eingerichtet. So schlug schließlich auch für die Pferdepost das letzte Stündlein. Am 31. Dezember 1935, dem Silvestertag, setzte sich Postillion Nusser in voller Uniform auf den Kutschenbock, um seine letzte Fahrt anzutreten. Aus diesem Anlaß hatte man den Fotografen bestellt. Postmeister Gustav Walz setzte sich ebenfalls zur historischen Aufnahme mit auf den Bock. (Foto 31. Dezember 1935.)

6. Im Jahre 1865 wurde am Eingang der Gartenstraße eine Scheuer neu erbaut, die am 12. Juli 1890 käuflich an das Händlerehepaar Kar! Anton und Victoria Gsell überging. Schon im Jahre 1861 hatte sich der Vater Karl Gsell als gelernter Seifensieder hier niedergelassen. (Siehe Band I, Bild 62!) In der Folge wurde das angekaufte Gebäude allmählich bewohnbar gemacht und 1905 ein Geschäftslokal samt Schaufenster eingebaut. Gsell handelte besonders mit Viktualien zum Beispiel mit Obst, Südfrüchten, Mostobst, Nüssen, Wildpret bis hin zu süßem italienischem Wein in Fässern. Davon zeugt hier das Faßlager vor dem Haus. Wahrscheinlich bot er auch frische Enten aus seinem Geflügelbestand oder junge Tauben aus seinem Taubenhaus den Kunden an. (Foto um 1909.)

7. Stadtbekannt als Original war Maria Anna Schreiber, die im Volksmund 'Budelbäs' genannt wurde. Sie war im Jahre 1859 als Kind armer Eltern geboren worden und schlug sich zeit ihres Lebens mit dem Hausierhandel recht und schlecht durch. Lange Zeit holte sie ihre Waren bei Händler Gsel!. Neben allerlei Obst und Gemüse handelte sie auch mit Fleisch, 'Mode' (Kaffee) oder Waschmitteln. Die Zeitung schreibt am 27. Mai 1929: 'Am Mittwoch kann Mari Schreiber hier, allbekannt unter dem Namen "Budelbäs", ihren 70. Geburtstag feiern. Die Jubilarin ist geistig und auch verhältnismäßig körperlich noch sehr rüstig. Tatsächlich schiebt sie ihr Vehikel, einen ausgedienten Kinderwagen, mit Obst, Gemüse usw. beladen von Haus zu Haus, um ihren Lebensunterhalt sauer und mit vieler Mühe zu verdienen, damit sie nicht der Stadt oder der Wohltätigkeit zur Last falle.' Sie starb hochbetagt am 16. April 1940. (Foto 1934.)

8. Das alte Zoll- und Wachhäuschen an der Herrenstraße wurde 1925 von Elektromeister Alfred Ehinger angekauft, abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. (Siehe Band J, Bild 8!) Auch die Nachfolger Bart und Fleischer übten das Elektrohandwerk aus, bis das Haus 1984 in die Gastwirtschaft 'Zum Schloßstüble' umgebaut wurde. Die am 18. Dezember 1961 abgerissenen Torpfeiler waren wahrscheinlich seit ihrer Errichtung um 1780 mit den Steinfiguren von St. Florian und St. Verena geschmückt. Am 8. September 1897 wurden sie jedoch durch neue Zinkgußstatuen von St. Josef und Maria aus dem Kunstatelier A. Mayer in München ersetzt. Zwischen den Torpfeilern, die aus Kalktuffstein wahrscheinlich aus dem Steinbruch bei Weißenbronn gebaut waren, fällt der Bliek direkt auf das Gebäude der ehemaligen fürstlichen Hofgärtnerei. (FotoX. Sonntagum 1930.)

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