Beckum, Neubeckum und Vellern in alten Ansichten Band 1

Beckum, Neubeckum und Vellern in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Phil. Egon Ahlmer
Gemeente
:   Beckum, Neubeckum und Vellern
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2342-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Beckum, Neubeckum und Vellern in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

In diesem kleinen Buch mit Ansichten von Beckum, Neubeckum und Vellern aus der Zeit unserer Großeltern soll der rasche Wandel sichtbar gemacht werden, der sich seit der letzten Jahrhundertwende bis in das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts allgemein und speziell in der heutigen Stadt Beckum vollzogen hat. Indem Ansichtskarten aus der Zeit zwischen 1880 und 1930 den damaligen Zustand der Stadt Beckum und der früher selbständig gewesenen Gemeinden Neubeckum und Vellern veranschaulichen, wird der Leser und Betrachter angeregt, den heutigen Zustand mit dem damaligen zu vergleichen und für sich zu entscheiden, ob die in über einem halben Jahrhundert vollzogenen Veränderungen seine Zustimmung finden können.

Für eine solche kritische Untersuchung bietet sich die Fotografie an, deren Entdeckung und Anwendung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein wertvolles Mittel der Dokumentation geworden ist. Die Ansichtskarte, heute fast ausschließlich bei Ferien- und Urlaubsaufenthalten verwendet, war vor der Zeit des Telefonverkehrs das beliebte Mittel zur Übermittlung kurzer Nachrichten und Grüße und hatte dazu den hohen Wert einer Information über den Ort, in dem

der Absender wohnte oder sich vorübergehend aufhielt. Alte Ansichtskarten sind begehrte Objekte für Sammler geworden. In zunehmendem Maße werden sie heute nachgedruckt und in Bildbänden wieder an das Tageslicht geholt, um den Menschen unserer Zeit die Vergangenheit vor Augen zu führen. Das Bedürfnis einer solchen Rückschau ist um so größer geworden, als dem Fortschritt unaufhaltsam das Alte und auch das Bewährte geopfert wird.

Die sogenannte Sanierung unserer Städte und Dörfer wurde nach Beseitigung der im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden ein zukunftweisendes Programm zur Verbesserung der Wohnverhältnisse in den Altbaugebieten. Allzu oberflächlich betriebene Planungen zur Neugestaltung der alten Ortskerne mit dem Ziele der Flächensanierung haben in vielen Städten und Dörfern zur Vernichtung wertvoller Bausubstanz geführt. Der Verlust ansehnlicher und architektonisch gelungener Wohnhäuser aus früheren Jahrhunderten, ja ganzer Ensembles, muß vielerorts als Verlust der Identität einer Stadt und eines Dorfes beklagt werden, ihres spezifischen Charakters und ihrer an Gebäuden ablesbaren Geschichte.

Inzwischen erkennen die Städteplaner die eigenen

Fehler, doch setzen sich die 'Sanierungsmaßnahmen' fort, wenngleich in dem Bemühen, an die Stelle alles ausradierender Flächensanierung die Objektsanierung zu setzen, nämlich das Erhaltenswerte zu schützen und neue Gebäude weitgehend dem Denkmalswürdigen anzupassen. Der Bürger verfolgt mit kritischen Augen diese Veränderungen in seiner Stadt und wehrt sich mehr und mehr gegen unbedachte Planungen. Diesen Bliek zu schärfen ist eine der Aufgaben dieses Buches.

Es mag dazu beitragen, die Identität der heutigen Stadt Beckum, zu der inzwischen das Kirchspiel Beckum, Vellern und Neubeckum gehören, zu ergründen, nämlich der Vergangenheit nachzuspüren und aus den in alten Fotos dargestellten Straßen und Häusern die damaligen Lebensverhä1tnisse und -gewohnheiten der Vorfahren abzulesen.

Die Stadt Beckum dankt ihre Entstehung an den die Werse bildenden Bächen einer frühmittelalterlichen Siedlung der Sachsen, die, aus dem Norden kommend, die Franken im 7. Jahrhundert vertrieben hatten. Über diese geschichtlichen Ereignisse gab das im Jahre 1959 von Anton Schulte entdeckte und von Wilhelm Winkelmann freigelegte Gräberfeld mit der

eindrucksvollen Bestattung eines sächsischen Fürsten königlichen Ranges Auskunft. Seine Nachfahren siedelten sich im Raume der heutigen Pfarrkirche St.-Stephanus an. Ausgrabungen in den sechziger Jahren haben Reste der Vorgängerkirchen und unter ihnen die wahrscheinlich Anfang des 9. Jahrhunderts errichtete erste Kirche aus Holz zutage gefördert.

Im Mittelalter entwickelte sich Beckum, das 1224 die Stadtrechte erhielt und mit seinen Befestigungen der Erhaltung der bischöflichen Landesherrschaft im südöstlichen Zipfel des Bistums Münster diente, zu einer privilegierten Stadt des Handels und der Zünfte, die sich vielfachen Anstürmen widersetzte, der Reformation letztlich trotzte, den Dreißigjährigen Krieg überstand und als typische Ackerbürgerstadt erst mit der Industrialisierung dank seiner Kalkböden sein Gesicht und seine wirtschaftliche Struktur völlig veränderte.

Zahlreiche Stadtbrände, der letzte große Brand im Jahre 1862, haben wiederholt das Bild der Altstadt beeinträchtigt, die sich heute im wesentlichen in ihren Häusern des 18. bis 20. Jahrhunderts präsentiert. Das 1899 gegründete Neubeckum stellt sich dagegen als typischer Ort der Gründerzeit dar.

1. Die 'gute alte Stadt Beckum', die mit diesen Illustrationen einer Ansichtskarte um die Jahrhundertwende allen 'gehorsamsten Gruß entbietet', hat sich zu keiner Zeit der ihr angedichteten 'Beckumer Anschläge' geschämt, die ihr den Ruf einbrachten, das westfälische 'Schilda' zu sein. Indem sie jene ihr zugesprochenen Schildbürgerstreiche besonders zur Zeit des weithin berühmten Beckumer Karnevals auf den Schild hob, handelten die an tiefsinnigem Humor nicht armen Bürger nach der Weisheit: 'Wer sich nicht selbst zum besten haben kann, der ist gewiß nicht einer von den Besten'. Beiderseits einer Stadtansicht von 1517 Abbildungen von den 'Beckumer Anschlägeri': vom 'Biäkemer Raothues-Pütt' und der künstlichen Sonnenuhr.

j)eckum i. W.

Das Raüuuss vor seinem Umbau im jahre 1879

2. Aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammt das aus gotischen Bauelementen betont schlicht gestaltete Rathaus im Zentrum der Altstadt. Es sollte nach mittelalterlichem Prinzip den Bereich der Kirche vom Marktplatz trennen. Die beiden Giebel im Osten und Westen, geschmückt mit gotischen Fialen, zeigen an, daß ursprünglich das Rathaus isoliert auf dem freien Platz stand. Die Frontseite zum Markt erhielt als einzigen Schmuck die steinernen Figuren der beiden Stadtpatrone Stephanus und Sebastianus. 400 Jahre blieb das Rathaus unverändert, bis im Jahre 1879 für die Erweiterung der im Rathaus untergebrachten Räume des Amtsgerichts ein Umbau erforderlich wurde.

3. Die Urngestaltung des alten Rathauses brachte die Frontseite des jetzt auf Repräsentation zielenden Gebäudes dem Marktplatz zugewendet, Unter Verzicht auf die beiden gotischen Giebel wurde 1879 das Haus um ein Stockwerk erhöht. Dabei wurde durch neugotische Dekers optisch ein Mittelrisalit oberhalb des ersten Obergeschosses ausgebildet mittels vertikal verlaufender Lisenen und horizontaler Gesimsbänder. Außer den Räumen für die eigene Verwaltung und das Amtsgericht nahm das wesentlich erweiterte Rathaus jetzt auch die Stadt-Sparkasse auf, die sich bis dahin im Hause des Rendanten Gerhard Illigens befunden hatte. Von 1890 bis 1902 war auch das Katasteramt im Rathaus untergebracht.

4. Im Jahre 1937 wurde das Beckumer Rathaus erneut einer durchgreifenden Renovierung unterzogen. Dabei verschwanden weitgehend die neugotischen Dekorationen des Giebels und ergab sich eine strenge Stilisierung im Sinne gotischer Bauweise, die dem ursprünglichen Gebäude gerecht wurde, wenngleich vom alten Rathaus nur die Bogenhalle mit ihren sechs viereckigen Pfeilern verblieb. Der Marktplatz, der die drei Hauptstraßen der Innenstadt aufnimmt, zeichnet sich auch heute noch durch seine Geschlossenheit aus. Schön gestaltete Bürgerhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts umschließen das Rathaus und ergeben, wie es dieses Foto aus den dreißiger Jahren zeigt, eine anheimelnde Ensemblewirkung eigener Art. Damals gehörte noch das Café Tenkhoff zu den alten Häusern, die Nord- und Weststraße trennten.

5. Vor der Beseitigung des Cafés Tenkhoff (links im Bilde) beherrschte das im klassizistischen Stil errichtete 'Hotel zur Post' die obere Nordstraße, ein architektonisch besonders gelungenes Gebäude mit einer repräsentativen Freitreppe für das Hotel und die dort von H.J. Samson geführte Posthalterei. Im Jahre 1920 erwarb die Stadt dieses Haus und vermietete es an die Finanzverwaltung zur Einrichtung eines Finanzamtes, um dessen Standort sich auch andere Städte im Kreise Beckum beworben hatten. Das Finanzamt verblieb in diesem Hause bis nach dem Zweiten Weltkrieg und bis zum Einzug in den Neubau an der Elisabethstraße. Alsdarm übernahm die Stadtverwaltung für eigene Zwecke das ehemalige 'Hotel zur Post', das heute mit Front zum Markt wirkungsvoll den Mittelpunkt der Stadt betont.

6. Auch von der Weststraße kommend, bot der Marktplatz zur Jahrhundertwende dank dem ovalen Grundriß den Eindruck einer im Mittelalter erblühten Stadt, deren wohlgestaltete Bürgerhäuser das Selbstbewußtsein der Kaufleute und Handwerker widerspiegelten. An die Stelle der früheren Bürgerhäuser am Markt entstanden im 18. und 19. Jahrhundert im Stile jener Zeit ebenso ansehnliche Wohnund zugleich Geschäftshäuser von Bürgern, die zugleich auf ihren im Stadtfeld gelegenen Weiden und Äckern als Landwirte tätig waren. Das den Menschen einst sichere Geflihl für die richtigen Proportionen ging gelegentlich bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert verloren, wie es das allzu eigenmächtige Haus links im Bilde verrät.

Gru au Beekurn .

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7. Aus den Fenstern des Cafés Tenkhoff am Markt bot sich Anfang des 20. Jahrhunderts dieser Bliek auf die Nordstraße, die damals eine bevorzugte Wohnstraße ohne nennenswerten Verkehr war. Die Zahl der in Beckum zugelassenen Kraftfahrzeuge konnte man an einer Hand ablesen. Auf dem holprigen Kopfsteinpflaster verursachten lediglich die Pferdefuhrwerke gewohnten monotonen Klang von Hufen und Rädern. Die für eine Kleinstadt aufwendigen Ackerbürgerhäuser an der Hauptstraße der Innenstadt zeigten noch nicht die heute üblichen großen Schaufenster mit stattlichen und attraktiven Auslagen. Die Kaufleute begnügten sich mit kleinen Läden innerhalb ihrer im Erdgeschoß liegenden Wohnräume.

Beekurn

Nordstraße

8. Unauffällig reihte sich die rechts im Bilde sichtbare Synagoge der jüdischen Gemeinde in die Wohnhäuser auf der Ostseite der oberen Nordstraße ein. In diesem Hause befand sich auch die Schule der jüdischen Kinder, für deren Einrichtung die Synagoge im Jahre 1867 erweitert wurde. Für das Jahr 1699 führen Urkunden drei Juden in Beekurn an. 1743 wurden sechs und 1767 acht jüdische Familien in Beekurn gezählt, im Jahre 1919 bereits 104 jüdische Bürger, die sich hohen Ansehens erfreuten und in guter Nachbarschaft mit den christlichen Mitbürgern lebten, bevor sie zur Emigration gezwungen oder in Konzentrationslager deportiert wurden. Ein Gedenkstein am Wilhelmsplatz sowie die von der Stadt gepflegten Gräber auf dem jüdischen Friedhof sind Mahnung für kommende Generationen.

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