Beckum, Neubeckum und Vellern in alten Ansichten Band 2

Beckum, Neubeckum und Vellern in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Dr.phil. Martin Gesing
Gemeente
:   Beckum, Neubeckum und Vellern
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5480-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Beckum, Neubeckum und Vellern in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Der vorliegende Band enthält eine kleine Zusammenstellung alter Postkarten und Fotos von Beckum, Neubeckum und Vellern. Ausgewählt wurden Bilder aus der Zeit zwischen 1880 und 1935, die in repräsentativer Weise das Leben der damaligen Zeit wiedergeben. Dies betrifft das Stadtbild als Ganzes, aber auch einzelne Straßenzüge oder auch markante Gebäude, die sich durch ihre besondere Architektur im Stadtbild abheben. Ergänzt wurden einige Fotos, die das Alltags-, Berufs- und Vereinsleben dieser Jahre veranschaulichen. Die zum Teil sehr seltenen Aufnahmen stammen aus einer Zeit, in der Neubeckum und Vellern noch eigenständige Gemeinden waren. Die Bilder dokumentieren heute den individuellen Charakter dieser Orte, die 1975 zur Stadt Beckum eingemeindet wurden. Ihre unterschiedliche Entstehung und Entwicklung gehen aus der jeweiligen Ortsgeschichte hervor.

So ist in Beckum noch heute am Verlauf der innerstädtischen Straßen der Grundriß der alten Ackerbürgerstadt erkennbar. Beckum wurde gegründet am Schnittpunkt alter Handelswege. Die drei Bäche (Lippbach, Siechenbach und Kollenbach), die in der Stadt zur Werse zusammenfließen und aus denen die frühe Siedlung das lebenswichtige Wasser bezog, wurden in das Stadtwappen aufgenommen. Im Jahre 1224 erhielt Beckum Stadtrecht. Durch große Gebietsankäufe im Verlauf des 13. und 14. Jahrhunderts entwickelte sich Beckum zu einer typischen westfälischen Ackerbürgerstadt. Die Einwohner lebten und arbeiteten als Bauern, wohnten aber nicht auf dem Lande, sondern als Bürger innerhalb der schützenden Stadtmauer. Diese Lebens- und Arbeitsweise führte zu einer besonderen Hausform, den sogenarmten Ackerbürgerhäusern, die halb als Bauernhaus mit großem Tennentor und halb als Bürgerhäuser gebaut wurden. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts hielt sich die hohe Bedeutung Beckums als Ackerbürgerstadt.

Drei verheerende Stadtbrände in den Jahren 1655, 1657 und 1734 vernichteten den Großteil dieser alten Häuser und entzogen vielen Bürgern, besonders den Ackerbauknechten und Tagelöhnern, die Existenzgrundlage. Die Einwohnerzahl Beckums sank auf etwa 200 herab, nachdem sie im hohen Mittelalter schätzungsweise 2 000 betragen hatte. Aus den Brandresten errichtete man einige neue Ackerbürgerhäuser, die natürlich bescheidener ausfielen als ihre Vorgänger. Einige alte Aufnahmen zeigen, daß um die Jahrhundertwende auf der Weststraße und der Südstraße noch zahlreiche Ackerbürgerhäuser standen. Heute sind nur noch wenige dieser für Beckum typischen Häuser erhalten. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmte die Kalk- und Zementindustrie das wirtschaftliche Leben der Stadt, die bis dahin das Dasein eines kleinen und unbedeutenden Landstädchens führte. 1872 wurde das erste Zementwerk, die Rheinisch-Westfälische Industrie AG, in Betrieb genommen. Bis 1930 wurden im Raum Beckum 32 Zementwerke gebaut, so daß man beim Bliek auf die Hausdächer mit Recht sagen konnte: 'Et stüff!' Viele der ehemaligen Tagelöhner wanderten von der Landwirtschaft in die 'Zementbuden' ab. Sie bildeten den Grundstock der sogenannten Steinkühler. Die zu bescheidenem Wohlstand gelangten Zementarbeiter errichteten ihre Häuser zumeist an , den Ausfallstraßen nach Norden, in der Nähe ihrer Arbeits- ' stätten. Die reichen Bürger und vor allem die 'Zementbarone' dokumentierten ihren Wohlstand natürlich durch entsprechend größere Wohnhäuser, die teilweise zu regelrechten Villen ausgebaut wurden. Diese Bauphase bildet nach der Jahrhundertwende neben den Ackerbürgerhäusern einen zweiten bedeutenden Abschnitt der innerstädtischen Bebauung. Es entstanden große Wohn- und Geschäftshäuser im historischen Stil, die mit prachtvollen Stuckarbeiten verziert wurden. Antike Giebel, Säulen,

Blumenranken, fratzenhafte Ungeheuer und sogar eine ägyptische Sphinx schmücken die reichgegliederten Fassaden dieser Häuser. Besonders schöne Beispiele dieses Baustils stehen auf der Nordstraße.

Bezeichnenderweise entwickelte sich diese Straße zur wichtigsten Geschäfts- und Handelsstraße der Stadt. Denn im Norden lag der für die Industrie so bedeutende Bahnhof, der 1878 erbaut worden war. Er brachte den Anschluß an die 1847 in Betrieb genommene Köhl-Mindener Bahnlinie. Diese hatte zunächst nur eine kleine Station erhalten, den Bahnhof Beckum-Ennigerloh in der Bauerschaft Werl. Durch die stetig steigende Kapazität der Zementwerke und den insgesamt steigenden Warenverkehr entstand am Bahnhof eine kleine Siedlung, die sich alsbald sprunghaft ausweitete. 1847 lebten hier 349 Einwohner, 1895 bereits 1 300. Im Jahre 1899 schließlich ging aus der Ansiedlung eine neue Gemeinde hervor, die den Namen Neubeckum erhielt. Weithin sichtbares Wahrzeichen Neubeckums war die katholische Kirche, die viele Jahre hindurch keinen Glockenturm besaß, sondern lediglich ein provisorisches Glockengebäude .

Vellern wird bereits in Urkunden des 11. Jahrhunderts erwähnt. Die romanische Kirche und der um 1640 errichtete Korn- und Fluchtspeicher waren möglicherweise Bestandteil einer burgähnlichen Siedlung, die mit Wall und Gräften geschützt war und den Rittern von Vellern gehörte. Im Jahre 1426 wird der Vellerner Haupthof 'dat Steenhus' genannt, was auf eine wehrhafte Anlage schließen läßt. Der Bereich um die Kirche trägt die Bezeichnung 'Burg'. Alte Katasterkarten geben den Verlauf der mehrfachen Gräften zu erkennen. Sie waren bis vor wenigen Jahren noch in Teilen erhalten. Um alle Bauten in den Schutz der Gräften einzubeziehen. rückten die Wohn- und Bauernhäuser bis unmittelbar an die Kirche heran. Da der Vellerner Pastor von kirchlichen Einkünften allein nicht leben konnte, mußte er zu-

gleich als Landwirt tätig sein. 1745 errichtete man ein großes Fachwerkhaus, das den Geistlichen als Wohn- und Stallgebäude diente. Der behutsame Umgang mit dem Ortsbild 'sicherte Vellern nicht nur mehrfache Würdigung in dem Wettbewerb 'Unser Dorf soll schöner werden', sondern auch die neidlose Anerkennung, die 'schöne Tochter Bekkurns' zu sein.

Der kurze Bliek auf die Geschichte von Beckum, Neubekkum und Vellern zeigt, daß alle drei Ortsteile verschiedenen Beweggründen ihre Entstehung verdanken. Diese führten zu einer unterschiedlichen, aber eben eigenständigen Entwicklung der Ortsbilder, die dadurch einen unverwechselbaren Charakter erhielten. Pflege und Erhalt des städtebaulichen Charakters sind hohe Ziele der Denkmalpflege. Deren Arbeit wird durch das ständige und wachsame Bemühen der Heirnat- und Geschichtsvereine der drei Ortsteile unterstützt.

Die hier zusammengestellten Bilder sind natürlich auch ein nostalgischer Rückblick auf die 'gute, alte Zeit', die ein betuliches und ein beschauliches Leben ermöglichte. Es darf aber nicht übersehen werden, daß gerade diese Zeit eine Phase großer wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen und Umwälzungen war, die sich in hohem Maße auf das städtische und dörfliche Leben ausgewirkt haben. Dies gilt für das Enstehen erster Großbetriebe, die Umstellung des 'Straßenlebens' von der Pferdekutsche auf die Benzinkutsche, die geänderten Ansprüche an das Wohnen und Arbeiten in der Stadt und vor allem für den sprunghaften Anstieg der Einwohnerzahl. All diese Veränderungen, über die unsere Geschichtsbücher genauere Auskunft geben, haben auch das Gesicht unserer Städte verändert. So soll dieses Buch auch dazu beitragen. die städtebauliche Entwicklung der letzten hundert Jahre verstehen zu helfen und den Bliek für kommende Veränderungen zu schärfen.

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1. Ansicht der Stadt Beckum von 1647. Kupferstich des Schweizer Verlegers und Kupferstechers Matthäus Merian (1593-1650) in seinem Buch 'Topographia Westphaliae. Das ist Beschreibung der vornembsten und bekantisten Stätte , und Plätz, im Hochlöbl: Westphälischen Kraiße'. Der Stich zeigt Beckum von Süden noch vor den drei großen Stadtbränden von 1655, 1657 und 1734, durch die der alte Stadtkern fast völlig zerstört wurde. Die fruchtbaren und wohlgepflegten Äkker vor den Stadttoren sicherten den Reichtum Beckums bis ins hohe Mittelalter.

2. Der Marktplatz vor 1879. Das Rathaus (Kern 15. Jahrhundert, heute Stadtmuseum) wurde 1879 um ein Geschoß aufgestockt und mit einem neugotischen Schaugiebel versehen. Eine Stadtbeschreibung um 1760 besagt, daß im Rathaus die Brandgerätschaft, die Bürgerfahnen und Trommeln und das städtische Archiv aufbewahrt wurden: 'Die Stadt lebt hauptsächlich vom Ackerbau und Fuselbrennerey, letztere wird hier sehr stark getrieben ... '

BECKUM i.W.

Totalansicht

3. Ansicht der Stadt von Süden. Links das 1902 nach Plänen des Münsteraner Regierungsbaumeisters Hertel erbaute Elisabethhospital. Im Vordergrund die ebenso benannte Elisabethstraße, an der 1916 das Königliche Amtsgericht erbaut wurde.

4. Untere Nordstraße, links das ehemalige Hotel 'Zur Post' (erbaut 1857/58), das von Hermann Josef Samson geführt wurde. Von 1814 bis 1900 war hier die Poststation untergebracht, später auch das Finanzamt und Teile der Stadtverwaltung (heute Modehaus Holtmann ).

jjeGkum i. W.

Mark1plàtz mit Rathaus

5. Der Beckumer Marktplatz nach dem Umbau des Rathauses 1879. In dem Gebäude waren nun Stadtverwaltung, Amtsgericht, Stadtsparkasse und Polizeistation untergebracht. Schmucke Bürgerhäuser rahmen das altehrwürdige Haus und bewirken die anheimelnde Atmosphäre des Marktes. In der Mitte rechts befindet sich das alte Café Tenkhoff, links die ehemalige Gastwirtschaft C.B. Schrulle (heute Buch-Gelhard).

6. Ab den dreißiger Jahren wird Beekurns 'gute Stube' langsam vom Auto erobert. Die Fassade des Rathauses wurde 1937 renoviert und baulich vereinfacht. Über dem mittleren Bogen befinden sich die Sandsteinplastiken der Ortspatrone St. Stephanus und St. Sebastian (um 1500).

7. Das Hotel 'Zum goldenen Engel' auf der Nordstraße war bis in die fünfziger Jahre hinein eine renommierte und weithin bekannte Adresse für anspruchsvolle Gäste. Das aus dem 18. Jahrhundert stammende, mit Schiefer verkleidete Gebäude war ein gutes Beispiel für ein typisches Landstadthotel.

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Besitzer August Jiirgens ~ ;"{;4"

. Beckum i. Westf.

8. Der gediegene Festsaal des 'Goldenen Engels'. Neben zahlreichen privaten Feiern fanden hier auch die Feste der Freiwilligen Feuerwehr und der Schützenvereine statt. Der handschriftliche Vermerk 'Eine schlechte Aufnahme!' auf der Karte besagt, daß das hier etwas nüchtern wirkende Ambiente in natura offensichtlich besser war.

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