Belsen und Bad Sebastiansweiler in alten Ansichten

Belsen und Bad Sebastiansweiler in alten Ansichten

Auteur
:   Karl Schauber
Gemeente
:   Belsen und Bad Sebastiansweiler
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1858-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Belsen und Bad Sebastiansweiler in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Belsen wird erstmals im Jahr 1342 in einer Urkunde des Johannes von Genkingen, sowie 1362 im 'Monumenta Zollerana' genannt. 1441 wird der Ort von der Grafschaft Zollern getrennt und kommt endgültig zu Württemberg. Die späte urkundliche Nennung täuscht. Aufgrund seiner vorchristlichen Fundstätten erhält der Belsener Raum historisches Gewicht und ist als ältester Stadtteil Mössingens anzusehen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts noch registrierte man hier 23 Hügelgräber aus der Hallstattzeit (750-500 vor Christus), die, nördlich des Orts liegend, durch überbauung eingeebnet wurden. Mit der spätkeltischen Viereckschanze auf 'Beibruck', nach Maßen eine der größten, können wir auf ein weiteres Bodendenkmal der vorchristlichen Periode verweisen. Auch die römische Ära hinterließ ihre Spuren. Zeitlich näher liegt die um die Mitte des 12. Jahrhunderts erbaute, den heiligen Maximin und Johannes geweihte Kirche, welche die zweite an dieser Stätte und eine der ältesten im Lande ist. Mit den beiden wohl in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts abgegangenen hochmittelalterlichen Siedlungen St. Johannisweiler und Steinhofen, wie auch dem 100 Jahre später verschwundenen Butzenbad, seien weitere siedlungsgeschichtliche Zeugen vor Augen geführt. Wie die geheimnisvolle Symbolik am Giebel der Kirche, gibt auch der Name Belsen Rätsel auf. Eingedenk der einst hier verehrten keltischen Gottheiten Beli, Belenus und Belisama ist die sprachliche Verwandtschaft geradezu auffallend und daher eine Ableitung aus dem Keltischen wahrscheinlich. In diesem Zusammenhang ist auch die noch lebendige Belsener Mundart mit ihren Eigenheiten zu sehen, die ihresgleichen suchen.

Die topographische Lage unter dem Nordabfall der Alb und eines sich in nordwestlicher Richtung erstreekenden Aus-

läufers, gereicht dem Feld- und Obstbau zu guten Bedingungen. Der jahrhundertealte Anbau von Kirschen, zeitigte ein blühendes Brennereiwesen. Belsens Entwicklung läßt trotz mancherlei Überlieferungen Fragen offen. So liegen über den scheinbar frühen Verlust seiner Selbständigkeit keinerlei Dokumente vor. Daß es einst eigene Markung hatte, ist verbürgt, Obwohl über größere Anteile der Gesamtmarkung verfügend, gehörte der Ort seit langem 'lebendig und tot nach Mössingen'. Aus einer Rodesiedlung hervorgegangen, soll das spätmittelalterliche Belsen aus sieben Höfen bestanden haben. Zu einem Hof damaliger Zeit zählten mehrere Scheuern und Gebäude. Die Höfe sind im alten Ortskern noch unschwer zu rekonstruieren. Der geringe Bevölkerungszuwachs gibt dieser These recht. 1523 zählte man 17 männliche Einwoher zwischen 17 und 60 Jahren, indes Mössingen das sechsfache aufweist. 1654, nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, sind es 143 und erst 1680 etwa 200. Dies macht deutlich, daß der Ort schlecht vorankam und in Stagnation verharrte. Pestseuchen, Epidemien, Hunger- und Notjahre warfen ihn immer wieder zurück. Dazu kamen Krieg und Brandschatzung. Das begütertere Belsen wurde von dem größeren Mössingen in die Zweitrangigkeit gedrängt. Mössingens Filial zu sein, politisch und kirchlich sein Schicksal zu teilen, das bewirkte Spannungen und stetes Aufbegehren. Schon 1589 forderte der Ort einen eigenen Pfarrer oder Helfer. Zwar bestand mit Schultheiß und Gemeinderat eine eigene Kommunverwaltung. Ihre Kompetenz indes war beschränkt. Als verlängerter Arm des Mössinger Schultheißen, der lange im Rang eines Unteramtmanns stand, war sie diesem unterstellt. Mit einem eigenen Friedhof 1825, und der 1842 erfolgten kirchlichen Lostrennung von Mössingen, war

dem streitbaren Belsen ein Teilerfolg beschieden.

Der Zeitabschnitt von 1880-1930 wurde durch bedeutsame Ereignisse eingeleitet: Mit dem Bau eines Pfarrhauses wurde Belsen 1866 selbständige Pfarrei, und mit Eröffnung der Bahnlinie Tübingen-Hechingen erhielt es 1869 verkehrsmäßigen Anschluß. Im Frühling selbigen Jahres raffte eine Scharlachfieber-Epidemie in wenigen Wochen 30 Kinder dahin. Konstanter Fortschritt und Schicksale prägten die kommenden Jahrzehnte. 1875 erschlug der Blitz eine Witwe und Mutter von zehn Kindern. 1882 erschien die erste 'SteinlachZeitung' und am 4. Dezember 1890 war Einweihung der neuen Schule im Oberdorf. Im Juli 1899 tötete ein Blitz zwei kirschenpflückende Knaben. Jakob Speidels Molkereieröffnung (1903), Indienstnahme des Bahnhofs (1904), Einführung des elektrischen Lichts (1911), ein schweres Erdbeben im November selben Jahres und die Errichtung einer Postagentur (1913) waren herausragende Ereignisse vor 1914. Den Ersten Weltkrieg mit Entbehrung, Not und Leid durfte das Dorf selbst unbeschadet überstehen. 1920 erklang wieder ein komplettes Kirchengeläute. Eine starke Nachfrage führte im selben Jahr zur Gründung einer Gemeinnützigen Baugenossenschaft, die 1931 wieder aufgelöst wurde. In diesen elf Jahren entstand jenseits der Bahnlinie im 'Viehweg' ein völlig neuer Ortsteil. 1921/22 erhielt Belsen die Wasserleitung und 1925 eine neue Verbindungsstraße nach Mössingen. Jene von starker Rezession gezeichneten Jahre bewogen manchen zur Ausreise in die U.S.A. Mit Notstandsmaßnahmen versuchte man die Arbeitslosigkeit zu überbrücken. Gemach nur bahnte sich eine Normalisierung an. Die allgemeine Entwieklung leitete bereits geraume Zeit eine Umschichtung der sozialen Struktur ein. Infolge der Realteilung und einer

immer größeren Streuung des Grundbesitzes, wird vielen die Existenzgrundlage entzogen. Sie waren gezwungen, sich anderem Erwerb zuzuwenden und die Landwirtschaft nebenbei zu betreiben. Das Angebot der Industrie fand dadurch vermehrte Annahme. Auch die wenigen Erwerbsbauern sind einer wachsenden Erschwernis ausgesetzt.

Bad Sebastiansweiler ist, sieht man von dem moderne städtebauliche Züge tragenden, geschichtslosen Bästenhardt ab, der jüngste Stadtteil Mössingens. 1790 von dem Belsener Bäcker und Wirtssohn Sebastian Streib an der kurz zuvor gebauten Schweizerstraße (B 27) gegründet, hat man nach anfänglicher Bemühung erst durch Prof. Autenrieth die Heilkraft des Schwefelwassers erkannt und genützt (um 1830). Nach reichem Besitzerwechsel und steter baulicher Ergänzung trat besonders unter der Basler Mission eine enorme Entwieklungsphase ein. Die stärksten Schwefelquellen Europas zu besitzen, verschaffte dem Bad Popularität und geschäftlichen Auftrieb. Mit dem Bau des 'Sonnenheim' (1927), der Kapelle (1930), eines Gartencafés und dem Gästehaus 'Albblick' (1960) gewann es Profil. Die unter Auswertung medizinischer Erkenntnisse angewandte moderne Therapie garantiert einen hohen Versorgungsstand, Die 1976 in Dienst genommene Kurklinik verhalf Sebastiansweiler zu landesweiter Bedeutung. Das historische Sebastiansweiler indes steht nicht mehr. Expertenurteile führten im März 1982 zum Abbruch des an der B 27 stehenden Hauptgebäudes.

Aufgabe dieser Dokumentation will sein, die Zeit von 1880 bis 1930 in Erinnerung zu rufen. Allen, die in irgend einer Weise zu ihrer Verwirklichung beitrugen, sei an dieser Stelle Dank gesagt.

1. Inneres der Kirche. Das Bild zeigt den Zustand nach der 1911 erfolgten Renovierung. Nach einer Zwischenerneuerung 1949 erfuhr der Raum 1960 unter Leitung des Landesdenkmalamts eine gründliche Umgestaltung. Die Reste der Vorgängerkirche wurden freigelegt, konserviert und zugänglich gemacht, sowie Decke und Wände vorn Putz befreit. Damit wurde der Absicht der Romanik, den Stein reden zu lassen, entsprochen. Die Entfernung der Seitenempore und Erweiterung der Mittelempore, wie auch der Neueinbau von Gestühl, Decke und Kanzel, wurden dem Raum zum Gewinn. Altar und Taufstein karnen in Chorturm, beziehungsweise Nordecke des Kirchenschiffs. Das Fenster über der Südpforte verschwand, ebenso die Inschriften daselbst und über der Orgel. Die Walker-Orgel von 1843 hat 1963 nach kurzer Zwischenlösung einer Köberle-Orgel Platz gemacht.

2. Pfarrer Duncker und sein Kirchengemeinderat. Pfarrer Max Duncker, der auf 14 Jahre gesegneten Wirkens in Belsen zurückblieken durfte, erhielt 1912 einen Ruf als neuernannter Stadtpfarrer nach Neckarsulm. Im September desselben Jahres stellte er sich nach dem Abschiedsgottesdienst mit seinem Kirchengemeinderat vor der Westfassade der Kirche zum Erinnerungsfoto. Wir sehen in der hinteren Reihe von links: Kirchenpfleger Martin Gauger, Michael König (Steuereinnehmer), Pfarrer Duncker, Elias Baur (Aubelias), Mesner Jakob Steinhilber und Michael Speidel. In der vorderen Reihe, ebenfalls von links: Peter Reeß, Georg Streib, Gustav Adolf Dieth und Martin Maier. Martin Gauger und Jakob Steinhilber haben ihren Dienst als Kirchenpfleger beziehungsweise Mesner über mehrere Jahrzehnte treu und pflichtbewußt ausgeübt,

3. Kriegerehrenmal. Im Jahr 1920 weihte die Gemeinde das zum Gedenken ihrer 53 im Ersten Weltkrieg 1914-1918 gefallenen Söhne geschaffene Ehrenmal ein. Das aus Dettenhäuser Sandstein gefertigte achteckige Monument trug, neben verschiedenen Emblemen, wie Stahlhelm, Eisernem Kreuz und eichenlaubumrankter Granate, die Namen der Gefallenen samt Geburts- und Todesjahr. Von Form und Farbe her fand der Stein optische Anpassung an die altehrwürdige Kirchenfassade. Veteranen- und Militärverein hielten das Gedenken an ihre Kameraden durch eine alljährliche Gedenkfeier wach. Später zum 'Heldengedenktag' erhoben, bekam diese Feier eine dem Dritten Reich angemessene Form. 1961, nach Erstellung der Friedhofkapelle, wurde der Gedenkstein entfernt. Die Gefallenen beider Weltkriege fanden in deren Vorhalle auf drei Bronzetafeln gebührende Verewigung.

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4. Glockenablieferung. Im Ersten Weltkrieg wurde die Heimat teils mit harten Maßnahmen belegt. Darunter fiel auch die 1917 erfolgte Ablieferung der Glocken. Belsen mußte seine zwei größten Glocken zum Opfer bringen, dagegen ist von einer Ablieferung der Orgelpfeifen, wie in anderen Orten, nichts bekannt. Erst mit der kirchlichen Selbständigkeit bekam Belsen 1843 eine zweite Glocke. Die dritte und größte wurde 1869 angeschafft und am 15. November aufgehängt. Die von der Firma Kurz in Reutlingen gegossene Glocke läutete das erstemal mit ihren Schwestern zusammen am 21. November selbigen Jahres. Glocken waren die Stimme Gottes. Beim 'Uffa Märga läuta' entblößten die Alten einst ihr Haupt und sprachen ein Gebet. Links neben der großen Glocke steht Zimmermann Steeb aus Mössingen, rechts und dahinter die Zimmerleute Johannes Geiger und Christian Saur, Belsen.

5. Gedenktafel an der Orgel. 80 Jahre lang hing an der alten Orgel eine künstlerisch wertvolle Gedenktafel, zu Ehren der im deutsch-französischen Krieg 1870/71 Gefallenen. Von den 20 Ausmarschierten ließen zwei ihr Leben (Johann Martin Wagner, Johann Michael Reeß), einer blieb vermißt (Johann Conrad Dürr), drei Verwundete sind wiedergenesen und die restlichen 14 durften unverwundet und glücklich heimkehren. Pfarrer Eduard Köstlin, welcher vom 9. September 1866 bis 7. Mai 1879 hier amtierte, gab die von ihm gestiftete Tafel bei einem Tübinger Universitätsangestellten namens Wüst in Auftrag. Ihre feierliche Enthüllung geschah im Herbst 1872. Seit dem Einbau einer neuen Orgel zu Beginn der fünfziger Jahre ist das historische Dokument verschwunden.

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6. Spielende Kinder. Mitten im Ersten Weltkrieg, nämlich 1916, und in kindlicher Unbekümmertheit spielt in einem Obstgarten ein knappes Dutzend Buben 'Soldatenleben', oder belsemerisch 'Soldäterles', Schirmmütze und Pickelhaube, Säbel und Gewehr, Wiegengaul und Ulanenhelm, Standarten und Zelt - und um für den notwendigen Lärm zu sorgen, Trommeln und Trompete -, das sind die Utensilien einer naiven Kinderseele. Heute wäre ein solches Gebaren undenkbar, der Tribut an zwei schreckliche Kriege hat eine Wandlung vollzogen. Die Soldat spielenden Buben waren für den Ersten Weltkrieg zu jung. Daß 25 Jahre danach ein zweiter kommen würde, der sie für viele Jahre in den Soldatenrock zwang und teils ihr Leben forderte, das freilich konnten die Kinder nicht ahnen.

7. 'Maia-Häusle'. Ein von Typ und Anlage her einmaliges Häusle stand vor etlichen Jahrzehnten gleich unterhalb dem Pfarrhaus. Die Geschichte des dreigiebeligen, in T-Form erbauten Landsitzes verschafft alsbald Klarheit: Die 1828 geborene, ledige Ursula Schäfer, genannt 'Schäferuschel', wanderte 1862 in die U.S.A. aus. Später kehrte sie zurück und ließ dies Häusle im Stile eines amerikanischen Kleinbürgerhauses als AIterssitz erbauen. Seinen Namen aber bekam es von Maria (Maja) Dieth, einer späteren Besitzerin und Tochter des Anwalts Gustav Adolf Dieth, die nach ihrer Verheiratung länger daselbst wohnte. Außer ihr hatte das Häusle in diesem Jahrhundert mehrere Eigentümer. In den fünfziger Jahren unter Richard Bosch erfuhr es durch Erweiterung des Grundrisses eine wesentliche Veränderung. Der Giebel zur Straßenseite wurde abgetragen. Die farbige Gestaltung wie auch die Anlage des Gartens verrieten amerikanische Gewohnheiten.

8. s'Kiifers Haus. Der 1864 geborene und 1939 verstorbene Jakob Steinhilber führte in seinem an der Ecke Barbelsen-, Weiribergstraße stehenden Haus jahrzehntelang eine Küferwerkstätte. Die im Hof aufgeschichteten Faßreifen und Dauben, wie auch die Fässer geben hiervon Zeugnis. Das der Herstellung von hölzernen Flüssigkeitsbehältern dienende Handwerk stand einst in hoher Blüte. Der Sohn David führte die Berufstradition fort. Heute ist Belsen ohne Küfer. 1935 baute Jakob Steinhilber mit Schwiegersohn Karl Textor (1917 fotografiertes) Haus um. Textor fiel im Zweiten Weltkrieg (1944). Tochter Rosa und besenders Enkel Gerhard Textor gaben dem heutigen Anwesen seine stattliche Form. Küfer Steinhilber ließ 1935 nach dem Umbau folgenden Spruch in seine Hauswand meiseln: 'Wünsch mir einer was er will, so geb ihm Gott nochmal soviel!'

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