Bergisch Gladbach damals und heute

Bergisch Gladbach damals und heute

Auteur
:   Willi Fritzen
Gemeente
:   Bergisch Gladbach
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5511-3
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bergisch Gladbach damals und heute'

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Sprudelt, Segen bringende Quellen Die ihr spetset die fleißige Strunde

(An der Quelle der Strunde in Herrenstrunden erinnert diese in Stein gehauene Inschrift daran, daß der Ursprung Gladbachs im Bachlauf begründet ist.]

EINLEITUNG

Will man der Entwicklungsgeschichte Gladbachs auf die Spur kommen und ergründen, wo die Wurzeln der Ortsgeschichte zu finden sind, muß man sich nach Herrenstrunden, dem östlichen Zipfel der Stadt Bergisch Gladbach, begeben; genauer gesagt, die Quelle der Strunde aufsuchen. Hier, wo in einem weitläufigen Quellgebiet die Strunde das Licht der Welt erblickt, steht nach meiner Meinung die eigentliche Wiege Gladbachs. Denn die Gründung der Stadt ist aufs engste mit der segensreichen Wasserkraft der Strunde verknüpft.

Wie wir wissen, bestand der Hof Gladbach (er stand da, wo sich heute das ehemalige Gymnasium an der Odenthaler Straße befindet) aus einem Herrenhaus und der dazugehörigen Mühle, der sogenannten Gladbacher Mühle. Der Name Gladbach soll ja dann im Laufe der Zeit vom Hof auch auf die umliegenden Siedlungen übergegangen sein. Hier spielt die Strunde nach meiner Meinung wie-

der eine entscheidende Rolle. Ohne die Wasserkraft der St runde wäre es zu der Hofgründung gar nicht erst gekommen, womöglich würde unsere Stadt heute Paffrath heißen.

Die Strunde ist Namensquell und Lebensader zugleich. Und gerade deshalb hat die einstmals als 'Deutschlands fleißigstes Flüßchen' gelobte Strunde ihr heutiges Schicksal nicht verdient. Man hat sie weitgehend aus der Stadt verbannt.

Mit der Entwicklung dieser Stadt aufs engste verbunden ist auch der 1826 gegründete FeinpapierKonzern Zanders. Das Unternehmen Zanders, jahrzehntelang größter Arbeitgeber, hat dieser Stadt wie kein anderes Unternehmen seinen Stempel aufgedrückt. Die Spuren sozialen und kulturellen Wirkens der Familien- und Firmendynastie Zanders sind überall in Bergisch Gladbach sichtbar. Aber, so müßte man nachhaken, wäre der Unternehmer Zanders auch nach Gladbach gekommen, wenn es die fleißige Strunde nicht gegeben hätte? Ich glaube kaum. Als Resümée meiner kleinen Betrachtung komme ich zu der Feststellung: 'Der Ursprung Gladbachs liegt im Bach begründet. '

Hier noch einige Anmerkungen zur Fotografie in Bergisch Gladbach. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hielt auch die Lichtbildnerei (zu Beginn der 1840er Jahre in Frankreich erfunden) seinen Einzug in unsere Stadt. Der Volksschullehrer Vinzenz

Feckter (1847-1916), an der Volksschule in Paffrath angestellt, war wohl der erste Amateurfotograf in unserer Stadt. Ihm verdanken wir die ersten fotografische Aufnahmen von Bergisch Gladbach, Bensberg und Umgebung. Dem Herausgeber dieses Buches ist es gelungen, über eine Familie, die früher mit Vinzenz Feckter befreundet war, als Feckter ihre Kinder unterrichtete, eine große Anzahl seiner Bilder zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt zu bekommen. Diese Aufnahmen Feckters stellen

heute einen wichtigen stadthistorischen Beleg dar. Die Bedeutung der um die Jahrhundertwende entstandenen Feckterschen Fotos besteht darin, daß sie Alltägliches aus der dörflichen Umwelt festhielten. Sie sind daher von hohem dokumentarischem Wert.

Ich hoffe und wünschte mir, daß der vorliegende Bildband allgemeines Interesse finden möge.

Bergisch Gladbach 1992

Willi Fritzen

Eine Bildbeschreibung vom alten Gladbach vor der Jahrhundertwende

1. Fürs erste werden viele Betrachter mit dem ersten Bild dieses Buches nichts anzufangen wissen. Und da mir bewußt ist, daß die Existenz dieses Fotos kaum einem Bürger dieser Stadt bekannt ist, zeige ich dieses einmalige Dokument nicht ohne Stolz sogleich als erstes Foto.

Die Aufnahme zeigt ein Stück mitten aus dem Herzen der werdenden Stadt zu Anfang des Jahres 1895. Offenbar ist sie aus dem Schalloch des Kirchturms von St. Laurentius heraus gemacht worden und zeigt die Westseite des Marktplatzes nebst der unteren Wilhelmstraße (heute Hauptstraße und Fußgängerzone) mit seinem weitläufigen Hinterland. Sicherlich wird auf die Fachwerkgruppe (1) (Bildmitte rechts) zunächst geschaut werden. Dort, wo heute ein zusammenhängender Block großer Geschäftshäuser steht, befand sich früher die uralte Hofschaft 'Am Rost', eine von den vielen, aus denen der Stadtkern im Laufe der Jahre zusammengewachsen ist. Man sieht eine kleine Ecke des noch primitiven Marktplatzes davor. Links, wo die Paffrather Straße von der Wilhelmstraße abzweigt, steht die zu jener Zeit 'weltberühmte' Bude (2) der weitbekannten, volkstümlichen 'Brornbachsmöhn', die hier Zigarren, Kautabak, Süßholz, Johannisbrot, 'Klitsch' und andere Leckereien für große und kleine Mäuler feilhielt. Sie mußte später ihren Standort an die alte, hohe Kirchhofsmauer verlegen und fand hier schließlich ihre Ablösung durch die neue 'Budendynastie' Keppel.

Das vordere Fachwerkhaus war im Jahre 1816 als erstes Schulhaus der Laurentiuspfarre gebaut worden und hat bis 1862 genügen müssen, wenn auch 1837 der steigenden Kinderzahl wegen ein zweiter Schulsaal in dem alten bergwärts gelegenen Haus 'am Reif' an der Laurentiusstraße eingerichtet werden mußte. 'Am Roß' wohnten und wirkten die Lehrer Engelbert Blechmann und Peter Josef Küster. Unter Peter Josef Weingarten wurde dann 1862 die neue Schule 'im Gronauerfeld', deren Gebäude auf dem Bild hinter dem im Sommer 1894 vollendeten katholischen Pastorat (3) sichtbar wird, gebaut. Der Pfarrer Ludwig Fußbahn hatte diese errichten lassen, nachdem er bis dahin das nebenan liegende alte, 1708 errichtete hochgiebelige Pfarrhaus (4) bewohnt hatte.

Zwischen den Gebäuden 1 (Schule) und 4 (Pfarrhaus) verlief einstmals die Mülheimer Straße, die von Mülheim über Gronau links an der Kirche vorbei im Zuge der heutigen Laurentiusstraße nach Odenthai führte. In dem ehemaligen Schulgebäude gründete der Schuhmachermeister Johann Langel 1877 ein Geschäft. Eine letzte Berühmtheit erlangte das Haus am Roß im Jahre 1892, als hier fünf Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus Aachen einzogen, ehe sie im Februar 1895 das neuerrichtete Krankenhaus 'Maria Hilf' auf dem 'Boeker Berg' zur Betreuung übernahmen. Der Volksmund gab dem Gebäude den volkstümlichen Namen 'et Klüsterchen' (Kloster). Auf dem unbebauten Gelände zwischen der alten Schule (1) und der abzweigenden Paffrather Straße (5) begannen kurz nach der Erstellung des Fotos die Ausschachtungsarbeiten für ein großes Geschäftshaus. In dem 1895 begonnenen Bau errichtete 1896 der Kaufmann Fritz Kiel an der 'Kiels Eek' eine Konserven- und Fischhandlung, die sich jedoch nur zwei Jahre halten konnte und dann in den Besitz des noch heute bestehenden Bekleidungs-Kaufhauses Franz Büttgen (Abbildung 6) überging.

Rechts daneben entstanden in rascher Folge die Häuser von Albert-Hubert Niedenhoff, Lambert Büchel und Sanitätsrat Or. Rohde zur Paffrather Straße hin. Sie löschten das trauliche Bild schließlich ganz aus. Wenden wir uns nun der linken Straßenseite zu. Am linken Bildrand erkennt man noch ein Stück des einstigen Parks vor der Zanderschen Villa, heute 'Städtische Galerie Villa Zanders'. Der auf einem Steinsockel aufgesetzte Eisenstangen-Zaun sprang weit vor in den allzu schmalen Bürgersteig. Jedes Haus der langen Zeile hat noch die weit vorgebaute Treppe; denn der Grundwasserstand ließ keine sehr tiefen Keller zu. Vorne liegt der 'Bergische Hof' (6) (siehe auch Abbildung Nr. 70), ein weitbekannter Gasthof mit seitlicher Veranda, Eigentum des Stadtverordneten und Kalkfabrikanten Theodor Zimmermann, der ihn nacheinander an verschiedene Wirte verpachtet hatte. Nach der Jahrhundertwende wurde der Gasthof aufgegeben und

nun verlegte Otto Biesenbach (Abbildung Nr. 71) ein Möbelgeschäft dorthin. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier ein Neubau errichtet mit dem Coop-Geschäft.

Erwähnenswert ist sicherlich auch das Haus Wilhelmstraße NI. 34 (7), das Haus von Josef Lange), Kiesgrubenbesitzer, dessen Sohn Karl hier eine Handlung mit Leder, Schuhmacherbedarfsartikeln und Kolonialwaren betrieb, ebenso das Kontor der Schladertal-Kalkwerke (siehe Abbildungen Nr. 99 und Nr. 100) von Hambüchen und Langelleitete.

Zusammenfassend läßt sich resümieren: Wie stillliegt doch die Straße da! Ob der Frost alle Menschen in die Häuser neben den Ofen bannt? Nur vorn 'am Roß' haben sich etliche Leute aufgestellt; sie wissen offenbar um die geplante Aufnahme. Ein einziges Gefährt ist auf der Straße zu sehen; es scheint eine Kalkkarre zu sein, die in dieser Form längst verschwunden ist. Dieses Bild von 1895 ist sicherlich eines der ältesten Fotos, die von Bergisch Gladbach existieren.

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2. Wenn man, von Bensberg kommend, den Stadtteil Alt-Bergisch Gladbach aufsuchen will, trifft man im Bereich der ehemaligen Schnabelsmühle zunächst auf diese Häuserkulisse. Das linke Gebäude mit dem Flachdach ist das ehemalige Finanzamt, und das andere war über viele Jahrzehnte Sitz der Kreisverwaltung. Beide Gebäude wurden von der Stadt erworben; hier sind heute Teile der Verwaltung untergebracht. Ein kurzes Stück weiter ist man bereits im Kernbereich der Gladbacher Innenstadt.

3. Diese Luftaufnahme aus den fünfziger Jahren zeigt die Innenstadt von Bergisch Gladbach. Auf dem Berg steht noch das alte Krankenhaus 'Maria Hilf' (s.Abb. 35 und 37). Der neue Verwaltungstrakt der Kreisverwaltung ist bereits gebaut und der Komplex 'Bergischer Löwe' hat noch sein früheres Aussehen. Interessant ist sicherlich der Straßenverlauf zwischen dem 'Bergischen Löwen' und der Villa Zanders. (Siebenstern-Fotokarte vom Rheinland Flugdienst GmbH, Düsseldorf. Freigeg. d.d. Reg.Präs. Düsseldorf 04/50.)

4. Ein Foto von 1899. Es zeigt die Laurentiuskirmes auf dem Gladbacher Marktplatz. Rechts im Bild Stallungen und Wirtschaftsgebäude des alten Gasthofes 'Zum Bock'. Dahinter, ebenfalls in der rechten Bildhälfte, ein Gemüsebeet vom Krankenhausgarten. An dieser Stelle wurde 1905/06 das Gladbacher Rathaus errichtet.

5. So sah der 1819 angelegte Marktplatz vor dem Bau des Rathauses aus. Das Foto wurde aufgenommen aus einem eingezäunten Gartengelände am Fuße des Krankenhausberges, auf dem heute das Rathaus steht. Im Vordergrund erblicken wir den von Richard Zanders gestifteten und 1901 aufgestellten Löwenbrunnen des Münchner Bildhauers Prof. Adolf von Hildebrandt (18471921). Nicht nur die durstige Bevölkerung nahm diese Verschönerung des Ortsbildes gut auf, auch die Fuhrleute aus dem Bergisehen führten ihre Pferde an diese günstig gelegene Tränke. Der Brunnen wurde seitdem immer wieder versetzt, zuerst beim Rathausbau (s. Bild 59). Am Gartenzaun der Villa Zanders entlang führte die Verbindungsstraße Wilhelmstraße (jetzt Hauptstraße), mit Abzweiger zur Laurentius- und Paffrather Straße. Im Hintergrund der Zanders-Park mit einer großen Toreinfahrt. Rechts im Bild: Büttgens Eek, gegenüber das Hotel-Restaurant 'Bergischer Hof' der Familie van Haaren (s. auch Abb. 70 und 116).

6. Wie bereits bei der Bildbeschreibung zu Nr. 1 erwähnt, errichtete der Bauherr Fritz Kiel an der sogenannten 'Kiels Eck' 1896 eine Konserven- und Fischhandlung, die sich aber nur zwei Jahre lang halten konnte. Danach ging das Gebäude an den Textilkaufmann Franz Büttgen über. Das daneben liegende Geschäftshaus Erben Langel (Ladeninhaber Franz Eich) ging später in den Besitz von Albert Hubert Niedenhoff über, der das Geschäft um eine Schreibwaren- und Devotionalienhandlung erweiterte. In der Bildmitte , neben den beiden Kindern, erkennt man noch ein Wetterhäuschen, das viele Jahre lang den Marktplatz zierte.

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