Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1

Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Albert Burkhardt
Gemeente
:   Berlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6028-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1'

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Einleitung

'0 ihrTage von Friedrichshagen' IhrWanderungen am Müggelsee und durch die Müggelberge. Ihr seligen Stunden vertraurnten Hindämmerns in der Kiefernheide, gemeinsamen Schaffens und ernster Arbeit am eigenen Selbst ... Stadtmüde waren wir alle, unser Sehnen ging aufs Land ... Es verging kaum ein Tag, an dem wir uns nicht einander bereicherten.' Der da so schwärmte, hieß Heinrich Hart, und sein Bruder Iulius stimmte ein: 'Denke ich eurer, 0 Tage von Friedrichshagen, da wir an den Wassern des Müggelsees saßen, so steigt es wie ein Weinduft um rnich auf, ... wo wir, ein unbeschworener Bund der Fróhlich-Freien, durch geistige U11d berufliche Sympathien rniteinander verknüpit, unter Sang und Saitenspiel der Natur, der Kunst und der Liebe freigebig opferten ... In meinen Erinnerungen leuchten die Friedrichshagener [ahre meines Lebens und später die [ahre einer "Neuen Gemeinschaft" am Schlachtensee nur wie eine glücklich-selige Insel auf da man "das höchste Glück der Erdenkinder" genossen hat.'

Gerät jemand beim Erinnern an einen Ort in solche Begeisterung. muß dieser Ort wohl etwas Besonderes an sich haben. 'Irn Gewühl derWeltstadt und doch weit, weit fern von ihr '. sagte ]ulius Hart, 'Natureinsamkeit bei brausender Weltstadt' hieß es bei Bruno Wille. Diese Äußerungen der bier ansässig gewesenen Schriftsteller treffen heute wie damals zu. Der eigentümliche Reiz Friedrichshagens besteht in seiner Ambivalenz, seinern

'Doppelwesen' : Am östlichen Rand Berlins gelegen, trägt es noch großstädtische und doch bereits ländliche Züge. In diesem Übergangsbereich von Stadt und Land treffen Gegensätze aufeinander und bilden ein andauerndes und anregendes Spannungsfeld. Ist ein solcher Ort zudem von Mutter Natur deutlich bevorzugt worden auf drei Seiten in Wald eingebettet, im Sûden sich zum Großen Müggelsee hin öffnend, mit der markanten Silhouette der bewaldeten Müggelberge am Horizont-, dann wird die Schwärmerei der Schriftsteller, die ab 1890 aus Berlin hierher übersiedelten, verständlicher.

Noch etwas kam hinzu: Hier konnten sie nach Herzenslust 'spinnen', waren sie doch in ein Dorf der Spinner geraten. Wenigstens war das Anno 1 753 so vorgesehen, als es am 29. Mai von König Friedrich 11. gegründet worden war, speziell für 'ausländische' Kolonisten, die hier spinnen sollten, einen guten Wollfaden, versteht sich. In der Mark Brandenburg wurden auf Anordnung des Preußenkönigs für Bauern und Handwerker über hundert Siedlungen, in unserem Gebiet auch noch Gosen, Neu Zittau, Müggelheim und Grünau, angelegt, als das Land durch Kriegsfolgen geschwächt war. Ende 1 755 war die neue Siedlung fast fertig. In zwei langen Reihen standen an der vom Seeufer schnurgerade nach Norden verlaufenden Dorfstraße je 25 Doppelhäuser, aus Lehmfachwerk errichtet und mit Rohrdach versehen. Das letzte dieser Häuser, Friedrichstraße 7, wur-

de ] 897 abgerissen. Vor allem im Südteil der heutigen Bölschestraße erinnern eingeschossige Häuser, obwohl massiv umgebaut und mit Ziegeln gedeckt, an das ursprüngliche Siedlungsbild.

In der Mitte der Dorfstraße entstand durch Zurücksetzung der Häuser ein viereckiger Platz ('Karree'), auch für ein Schul- und Bethaus mit Schulgarten und Friedhof. Am Südende lag schon vor der Ortsgründung das Anwesen Alte Ziegelscheune. Dort, am Nordufer des Müggelsees, führte die Post'straßc' von Berlin nach Erkner, Fürstenwalde und Frankfurt (Oder). Seit I 7] ] verkehrten Postkutschen auf dieser Linie, zweimal wöchentlich in jeder Richtung. Nur mühsam kamen sie auf dem sandigen, ausgefahrenen Waldweg voran. Da bot der Krug in der Alten Ziegelscheune eine willkommene Gelegenheit zum Verschnaufen und Erfrischen für Menschen und Pferde. Nun aber wurde dieser Hoffür den Schulzen von Friedrichshagen ausgebaut, mit Ställen, Schlacht- und Backhaus, während der Krug am westlichen Anfang der Dorfstraße einen neuen Platz fand (später 'Gesellschaftshaus') .

Die Siedler kamen vor allem aus Böhmen, zum Beispiel Ramboseek, Kolaneck, Kobazeck, Karlitscheck, Petraneck, Wantzelick, Zech, Lerche (ursprünglich Skrziwaneck), ferner aus Sachsen (Selwitzki, Kiene!, Ramm), Württemberg (Behrenstecher, Geisenhofer, Kauderer, Effinger, Walliser, SpeiteI, Zepp), Hessen

(Poppe, Maus). Jede Familie bekam ein halbes Doppelhaus (mit Küche, Stube, Kammer und Stall für eine Kuh), dahinter einen Morgen Gartenland (2 550 m-), später einen Morgen Wiese, und durfte die Kuh auf die gemeinsame Weide treiben.

Sie spannen fleißig die von einem Berliner Fabrikanten gelieferte Baumwolle, doch stellte sich bald heraus, daß der Erlös zu gering war. Nun suchten sich die Männer eine einträglichere Arbeit und überließen das Spinnen ihren Frauen und Kindern. Kritisch wurde es, als die Maschinenspinnerei aufkam und sie

] 802 ihr letztes gespOlmenes Bamnwollgarn ablieferten. Arbeiteten die Männer meist die Woche über als Maurer und Zimmerer in Berlin, blieb den Frauen nur übrig, sich um Erträge aus der kleinen Landwirtschaft zu bemühen. In ihrer Not gingen sie auch in den Wald, um Reisig zu sammeln und daraus Besen anzufertigen, die sie mit Hundewagen nach Berlin auf den Markt brachten. So kam Friedrichshagen in den Ruf eines armen Besenbinderdorfes, während heutzutage dem Besucher in lange hier ansässigen Familien nicht ohne Stolz versichert wird: 'Wir gehören auch zu den alten Besenbindern: '

Als] 849 eine Haltestelle der] 842 in Betrieb genOITlmenen Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn eröffnet wurde, entdeckten es die Berliner bald als Ausflugsziel und Sommerfrisehe. Endlich setzte der ersehnte Aufschvvung ein, der sich in den Einwohnerzahlen widerspiegelt: ] 755: 22]; 18] 7: 46] ;

1852: 1172; 1888:6181; 1900: 11289; 1919: 14850.Heute leben in Friedrichshagen und dem Ortsteil Hirschgarten 16 600 Menschen, und wer hier einmal Wurzeln geschlagen hat, trennt sich nur dann von dem schönen Erdenfleck, wenn es gar nicht anders geht.

1920 wurde Friedrichshagen, bis dahin Gemeinde im Kreis Niederbarnim, nach Berlin eingemeindet und ist seitdem ein Ortsteil des Bezirks Köpenick.

Zur Entwicklung in der Zeit von 1880 bis etwa 1930 sollen nun Bilder sprechen, denn ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausendWorte.

Dank für freundliche Unterstützung gebührt Herrn HeinzTelto, 1904 hier geboren, dem Heimatmuseum Köpenick (52, 69, 72 links, 73-75) und dern Märkischen Museum Berlin (11). Besonders dankbar bin ich Herrn Friseurmeister HerbertArlt, der in Friedrichshagen aufgewachsen und von 1958 bis 1 991 im Frisiersalon Bölschestraße 50 tätig gewesen ist. Beizeiten begann er mit der Sammlung van Ansichtskarten und Fotos, die er dann aufTafeln in den Schaufenstern zur Freude vieler Passanten zeigte. Aufmerksam lauschte er den Erzählungen seiner Freunde und Kunden, wovon so manches ebenso wie seltene Bilder aus seinem Bestand diesem Buch zugute gekommen ist.

Albert Burkhardt

1 Der alte Balmhof, erbaut 188] am bereits 1849 eröffneten Haltepunkt, lag auf der Ostseite des ebenerdigen Straßenübergangs. Mit dem Bau der Bahnüberführung (1900) verlegte man den Bahnhof auf die Westseite. Ab 189] schnaufte eine eingleisi ge Dampfbahn mit viel Qualm und Getöse von hier zum Müggelsee. Wegen scheuender pferde der Lieferwagen und nach einem Unfall wurde sie l 894 von einer zweigleisigen Pferdebahn (im Vordergrund) und diese wiederum ] 906 von einer elektrischen Straßenbalm abgelöst. Das Bild wurde demnach etwa 1895 aufgenommen. Durch die Krummendammsche Heide jenseits

der Bahn führt die Chaussee nach Dahlwitz, mit Kurven am und im Erpetal, weshalb sie ' der krumme Damm' hieß und dem sich bis nach Schöneiche erstreckenden Waldgebiet den Namen gegeben hat.

2 Anlagen im Kurpark um 1930. Im Jahre 1880 war es soweit, die Zeiten harten sich geändert. Was war aus dem abgelegenen, armseligen Spinnerdorf geworden? 'Ein klimarischer Luftkurort im besten Sinne des Wortes, wo nicht nur der Körper, sondern auch Herz und Gemüt gesunden und sich laben können.' So der 'Fûhrer durch Friedrichshagen' von 1898, der die schone, idyllische Lage, die gute, ozonreiche Luft, das gesunde, eisenhaltige Tnnkwasser, den Müggelsee, den Wald und die herrliche weitere Umgebung pries. Mit Erfolg:

Zu Tausenden kamen die Gäste, pardon: Kurgäste, und flanierten auch gern unter den Klängen der täglich konzer-

tierend en Kurkapelle durch den nördlich vom Bahnhof angelegten Kurpark.

3 Einen Kurpark hatten auch andere Orte, die etwas auf sich hielten. Ein Naturtheater gab es aber nur in Friedrichshagen. Es wurde im Kurpark ab Juli 1930 auf einer abseits vom Verkehr gelegenen Wiese vor einer natürlichen Kulisse hoher Kiefern geschaffen und Pfingsten 1931 eröffnet. Jubelten nachmittags Kinder dem Froschkönig, Winnetou oder Schneeweißehen und Rosenrot zu, so waren abends Erwachsene begeistert von den 'Räubern', von 'Was ihr wollt' (Inszenierung: Heinrich George) oder dem 'Zigeunerbaron' (Inszenierung: Walter Felsenstein) . Was konnte es

Schöneres geben als 'Der Widerspenstigen Zähmung' im Mondschein oder einen 'Sommernachtstraurri' beim schmetternden Gesang der Amseln und Nachtigallen? Was von der im Krieg leider

verfallenen Anlage noch übrig war, wurde 1948 zu Tennisplätzen umgebaut.

4 Das Gattenrestaurant 'Hubertus', hier um 1916, befand sich ebenfalls nördlich vom Bahnhof aber dem Kurpark gegenüber. Davor beginnt seit dem 28. August 1910 eine Straßenbahnlinie (1 000 mm Schmalspur). Zuerst führte sie bis Schöneiche Schloß, ab 24. November 1912 weiter nach Kalkberge zum Marktplatz arn Kesselsee. Ihre 'Benzolineu' (rauchende und fauchende Benzollokomotiven) wurden am 30. Mai 1914 durch elektrische Triebwagen ersetzt.

Seit 1977, als im alten Kalkberger Zentrum (Redenstraße) die Häuser einer Erweiterung des Kalkbergbaus weichen mußten, fährt dort die Bahn auf anderer Strecke die Barnimhöhe hinauf bis

nach Alt -Rüdersdorf 'Hubertus' war bis etwa 1965 in Betrieb, dann wurden die altersschwachen Gebäude abgerissen. Ihre Stelle nimmt jetzt ein Kiosk mit Biergarten ein.

Gru~ au. dem Re.tauranl "HU8ERTUS"

oh. B. ??? Fr edtldubbsle.n·Ber· ern bohnhQf

5 Diese Karte schrieb ein Jüngling an sein 'liebes Frl. Helena' am 13. Februar 1904. Wie gut, daß Helena sie aufgehoben hat: Soeben in Friedrichshagen eingetrofIen, haben wir den noch recht neuen Bahnhof verlassen. Was nun? Erst eine Stärkung beim dieken GastwirtTheobald Männchen in seinem 'Waldhaus' oder gleich in die Pferdebahn, um mit 1 PS in Richtung Müggelsee davonzutraben?

Das am Anfang der Friedrichstraße erbaute 'Waldhaus' (links) hat noch bis Mai 192 9 gestanden.

Rechts daneben wurden 1898 das Kaiserliche Postamt (Nr. 70) und 1 92 9 der Klinkeran-

bau des Postamts (Nr. 69 a) errichtet.

6 Das Konfitürengeschäft van Gertrud Borchert, Friedrichstraße 67, Ecke Kurze Straße (Am Goldmannpark) , um 1920 aufgenommen, ist manchem noch als 'Sûße Ecke' in Erinnerung. Während früher kleine und große Naschkatzen hier oft den eiligen Schritt verhielten und einrraten, weil sie der süßen Versuchung einfach nicht zu widerstehen vermochten, harrt das 1 872 errichtete Haus gegenwärtig mit vermanerten Fenstern seiner baulichen Überholung. Friedrichshagen ist zum Stad terneuerungsgebiet erklärt worden, in der Bölschestraße und ihren Nebenstraßen sind vor-

bereitende Untersuchungen für eine umfassende Sanierung irn Gange.

7 So sah die vom Bahnhof nach Süden verlaufende Lebensader Friedrichshagens, die Friedrichstraße, 30 m breit und 1 115 m lang, um

1 91 0 aus. Zuvor war sie eine sandige Dorfstraße mit scharrenden Hülmern, schnatternden Enten, weidenden Ziegen. Jeden Morgen wurden die Kühe ausgetrieben, fast jeder Anwohner hatte eines oder mehrere dieser nützlichen Tiere im Stall. 1891 wurde die Friedrichstraße gepf1astert. Links mündet die Kurze Straße (Am Goldmannpark), rechts ein Stück weiter die Lindenallee. Nur bis zu dieser reichte die Dorfanlage von 1753, der nördlich an-

schließende Teil wurde erst im 19. [ahrhundert bebaut. Das Eckhaus links, NI'. 66, stammt aus dem Iahre 1895. Mit seiner aufwendigen historistischen Fassade und dem Achtecktürmchen, gekrönt

von Schweifhaube und Laterne, ist es noch heute eine wahre Augenweide.

[rieàrichshaçen

panorama von der Friediichslrasse gesehen

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