Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 2

Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Albert Burkhardt
Gemeente
:   Berlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6378-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

'Aus dem SpinnerdorfFriedrichshagen ist allmählich eine Berliner Sommerfrische und endlich ein "Seebad" geworden. Die herrliche Lage am See, die frische, erquickende Luft, welche vom Wasser und den nahen Nadelwäldern herüberströmt, eine bequeme Verbindung mit der Hauptstadt, dies alles trug dazu bei, die fridericianische Kolonie zu einem stattlichen Villenorte heranwachsen zu lassen, der alljährlich viele Hunderte Leidender und Ozonbedürftiger gastlich aufnimmt. Friedrichshagen ist sogar für gewisse Bruchteile der Berliner Bevölkerung Modesache geworden, und es ist vorgekommen, daß Geschäftsfreunde und gute Bekannte beim Anbruch der Sommerferien in Berlin gerührtAbschied vor ihrer Abreise "nach der Sec" nahmen, um sich nach acht Tag en mit verlegenem Gruße in der Lästerallee des "Secbades" Friedrichshagen auszuweichen.'

So schilderte der Schriftsteller August Trinius im [ahre 1889 in seinem Buch 'Die Umgebungen der Kaiserstadt Berlin' das aufstrebende Dorf am Müggelsee. Ein beliebtes Ausf1ugsziel, ein Villenvorort und Luftkurort - und doch waren 1890 erst zwei Straßen gepf1astert, die 'Lästerallee' Friedrichstraße (heute Bölschestraße) und die Seestraße (Müggelseedamm). Die Neberi'srraßen' waren einfache Sandwege, und jeder Regenguß verwandelte sie in Schlammwege. Es bedurfte schon der Tatkraft des Gemeindevorstehers Wilhelm Klut (1848-1909), der 1893 sein Amt antrat und Schritt für Schritt die Entwicklung Fried-

richshagens zu einem modernen Erholungsort so deutlich voranbrachte, daß sich die Zahl der ständigen Bewohner in wenigenJahrenfastverdoppelte: 1888: 6181,1900: 11 289.

Der Ort trug ja zwei Gesichter: Verlief das Leben in der 'Saison ' mit den vielen Gästen fröhlich und beschwingt, ging es, wenn die hellen warmen Monate vorbei waren, etwas anders zu. Um 1880 kam an einem Wochentag die Freundin einer Friedrichshagenerin aus Berlin zu Besuch - und erregte Aufsehen. Warum? Man steckte die Köpfe zusammen, drehte sich nach ihr um und rief: 'Kiek mal, eene mit'n Kleed!' Hier gingen eben die Frauen in der Woche, von Montag bis Sonnabend, nur in ArbeitskitteIn ....

Wenn wir die Zeit vor 50-100 [ahren wiederauf1eben lassen, folgen wir wie in Band 1 (erschienen 1995) dem 'klassischen' Weg von Bahnhof auf der Hauptstraße und Nebenstraßen zum Müggelsee, am Nordufer nach Rahnsdorf, dann zurück und mit der Fähre über die Spree (der Tunnel kam erst 192 7), weiter zu den Müggelbergen, zum Langen See und Seddinsee und schließlich nach Müggelheim an der Großen Krampe.

Danken möchte ich für die Bereitstellung von Bildvorlagen dem Heimatmuseum Berlin- Köpenick (Bilder Nr. 23, 57, 65, 66,68,70,72), dem Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (44), Frau Theodora Basedow (14, 39,41), Frau

Ingeborg Bernhardt (24), Frau Waltraud Warnest (19, 20), Herrn Herbert Arlt (37, 38), Herrn Dr. ]ürgen Burmester (17, 18), ferner Frau Monika Hemmer und den Herren Herbert Arlt(t), Gerhard Rusch und HeinzTelto für freundliche Unterstützung.

Albert Burkhardt

Den bunten Reigen von Bildern und Texten, die manches in Band 1 ergänzen und weiterführen, eröffnet nun ein Loblied, das der damals in Erkner lebende Lyriker Alexis Claude 1898 im ersten 'Fûhrcr durch Friedrichshagen' anstimmte:

o liebes Stückchen mörk'scher Sand, Umspület von der Müggel Wogen, Umgürtet von des Waldes Rand,

Du hast den König, der dich fand,

Und auch mein Herz mir nicht betrogen!

Du stolzer, majestöt'scherWald!

Wie gern hör' ich dein ernstes Rauschen, Das gar so wundersam verschallt!

o gönne mir, eh' es verhallt,

Den Wunder-Liedern still zu lauschen.

o liebes Stückchen mdrkscher Erd', Das aller Herzen zu sich ladet, Wenn Lenzes-Luft ihm wiederkehrt, Wie bist du Gold und Perlen wert, So reich von Gottes Hand begnadet!

Wess' uns das Herze voll ist - gelt? Wir möchten's allen Menschen sagen Und so auch ich, wies mir gefällt, Dies liebe, traue Stückchen Welt,

Gott grüße dich, mein Friedrichshagen!

1 'Friedrich der Große gründet Friedrichshagen' nannte Professor Woldemar Friedrich (1846-1910) sein 1898 entstandenes Wandgemälde. Ist die Darstellung auch nicht wahr, so ist sie vom geübten Historienmaler doch gut erfunden: Ein Offizier händigt Neuankömmlingen Dokumente aus, rechts hat Seine Majestät hoch zu Roß die Siedler willkommen geheißen. Im Hintergrund Kolonistenhäuser, Kiefern, der Müggelsee - so ähnlich könnte es hier bald nach der Ortsgründung (29. Mai 1753) bei der Ansiedlung zugegangen sein. Vielleicht hat König Friedrich Il. den nach ihm benannten Ort auch selbst besucht, nur ist uns davon nichts über-

liefert worden. Das Wandgemälde im Großen Saal des Niederbarnimer Kreishauses in Berlin, Friedrich-Karl-Ufer 5 (heute Kapelleufer) , südöstlich vom Lehrter Bahnhof, ging bei der Zerstörung des

Hauses im Zweiten Weltkrieg verloren.

2 'Sommerfrischen in der Mark' nannte sich 191 Sein 'Auskunftsbuch der Centralstelle für den Fremdenverkehr Groß-Berlins'. Hundert Orte warben um Berliner Besucher und strichen ihre Vorzüge gebührend heraus.Unter den jeweils erreichbaren Ausflugszielen erscheinen bei den Orten einzelne Hinweise, bei Friedrichshagen heißt es einfach 'die ganze Umgegend' was noch heute, achtzig [ahre später, durchaus zutrifft. Den vereinheitlichten Kurztexten haben 2S Orte imAnhang individuell aufgemachte 'Selbsranzeigen' folgen lassen. Friedrichshagen beteiligte sich daran in gelungener Form, die vom damals modernen Jugendstil inspiriert war.

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3 Am 9. März 1888 war Kaiser Wilhelm 1. fast 91 jährig verstorben. Noch im selben [ahr setzten ihm die Gemeindeväter dieses Denkmal (Bild von 1907) auf einem runden Platz im Kurpark. In der Mitte eines achteckigen Beetes stand aufbraunem Granitsockel die von der Friedrichshagener Bildgießerei Gladenbeck angefertigte Bronzebüste. Die drei Wege im Hintergrund führten zurTrinkund Promenadenhalle, wo die Kurgäste ein köstliches Angebot erwartete - Mineralbrunnen, Molke und, als Krönung, frische Milch direkt von der Kuh, damit sie spürten, wo sie hier waren: auf dem Lande. Offenbar hatten die Gäste aber auch andere Wünsche.

1897 wurde dann für den 'Ausschank von Bier und Cognac' an die Trinkhalle noch ein Restaurant angebaut.

4 Bei einer gründlichen Umgestaltung des Kurparks im Herbst 1930 wurde etwas ganz Neues geschaffen: ein Naturtheater. Eine leicht ansteigende Rasenbühne ohne Dekorationen, ohne Kulissen, die Natur allein umrahmte die Künstler, ebenso die Zuschauer auf 800 Sitz- und 200 Stehplätzen. Zur Eröffnung Pfingsten 193 1 wurde 'Ein Sommernachtstraum' von Shakespeare mit der Bühnenmusik von Mendelssohn Bartholdy aufgeführt. Als das hinterTaxushecken verborgene Orchester die zarten Töne der Ouvertüre erklingen ließ, stimmten sogleich die Vögel des Waldes mit ein. Laut singend und zwitschernd, gehörten sie nun zu den stän-

digen Akteuren dieses Theaters in der Natur, das eine begeisterte Aufnahme fand. Auf dem Bild von 1935 gibt es noch eine Beleuchtungsprobe. Gleich werden die Zuschauer ihre Plätze einneh-

men, und das Spiel kann beginnen.

5 Nun haben wir der Bahnstrecke den Rücken gekehrt und uns der schnurgerade nach Süden verlaufenden Hauptstraße zugewandt. Wo heute an der Kreuzung Bölschestraße- Fürstenwalder Damm Ampeln den lebhaften Verkehr regeln, damit auch Fußgänger unbeschadet die Straßen überqueren können, mündete um 1904 (unser Bild) von rechts die Cöpenicker Straße in die Friedrichstraße. Wie geruhsam ging es damals zu! Außer den an der Endstation wartenden Wagen der Pferdebahn, bereits 'Straßenbahn' genannt, ist weit und breit kein Fahrzeug in Sicht. Ungestört postieren sich die Kinder dem Fotografen. Ganz links erscheint das

beliebte 'Waldhaus' des GastwirtsTheobald Männchen, die erste einer langen Reihe von Gaststätten, von denen uns einige noch begegnen werden.

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6 Ehe wir der Friedrichstraße weiter folgen, werfen wir einen Blick zurück, zum Bahnübergang aufStraßenniveau. Das Bild wurde kurz vor der Jahrhundertwende aufgenommen, denn 1900 begann das Hochlegen der Bahngleise mit der Verlegung des hier sichtbaren Bahnhofs von der Ostseite auf die Westseite der Straße. Wieder wartet die pferdebahn auf das Abfahrtsignal, wieder stehen Leute unbekümmert mitten auf der Hauptverkehrsstraße und blicken in die Kamera. Das erste Gebäude in der Häuserzeile (Bildmitte ) ist die Gaststät te 'Waldhaus' . Rechts daneben steht das 1898 fertiggestellte Kaiserliche Postamt (das 1929 einen Klinkeranbau erhielt).

Noch deutlicher als aufBild 5 erkennen wir die stattlichen, heute völlig verschwundenen Vorgärten.

7 Unterdessen sind wir auf der Friedrichstraße ein gutes Stück vorangekommen und haben auf der Westseite das Rathaus erreicht (Nr. 87, Ansichtum 1930). Links sehen wir den Eingang und die Fenster des Ratskellers, im hohen Erdgeschoß links von derTür das Fenster des Meldeamts, rechts die Fenster des Steueramts und des Sekretariats, über derTür beginnt der dreifenstrige Erker des Standesamts. 1899 errichtet, diente das im besten Sinne repräsentative Bauwerk bis 1920 seinem Zweck und ist seit etwa 1950 Sitz der Ortspolizeibehörde. Das geschützte Baudenkmal wird gegenwärtig umfassend restauriert. Auf der östlichen Straßenseite ragt der Turm des Hauses Nr. 66 (Ecke

Kurze Straße, heute Am Goldmannpark) empor. Wegen seiner auffälligen, mit einer 'Laterne' versehenen Schweifoder Zwiebelhaube kann man ihn auch als 'Zwicbclturm' bezeichnen.

8 Das Denkmal Friedrichs des Großen stand auf dem Nordwestteil des Marktplatzes. In Band 1 erschien es bereits auf dem Einband, doch soll es auch hier nicht fehlen, da es 1945 entfernt und später eingeschmolzen wurde. Nach der feierlichen Grundsteinlegung am 3 1. Mai

1903, anläßlich des 150jährigen Bestehens van Friedrichshagen, wurde es 1904 eingeweiht. Es stellte nicht den 'Alten Fritz' dar, sondern den jüngeren König, also zur Zeit der Ortsgründung, in damaligerTracht, mit Zopfund Gehstock, und der Sockel war entsprechend im Rokokostil gestaltet. Auf dieser Strichzeichnung von Frieda Wiegand ist hinter dem Denkmal

noch der kunstvolle gußeiserne Zaun zu erkennen, der bei einer späteren Veränderung der Anlage (Band 1, Bild 21) abgebaut wurde.

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