Berlin in alten Ansichten

Berlin in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Gustav Sichelschmidt
Gemeente
:   Berlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1842-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Berlin in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Die Entdeckung der kulturhistorischen Bedeutung alter Ansichtspostkarten hat deren Marktwert in relativ kurzer Zeit beträchtlich in die Höhe getrieben. Mit wachsender Zahl der Sammler werden sie inzwischen an der Antiquitätenbörse hoch notiert. Seit geraumer Zeit nutznießen diese unscheinbaren Objekte der Sammelleidenschaft von der Nostalgiewelle, von der sich nicht eben wenige frustrierte Zeitgenossen in jene Zeit zurücktreiben lassen, die man durch so euphemistische Attribute wie gut und alt aufgewertet hat. Man rettet sich, wie es scheint, aus jener Welt aus Beton und Stahl, in der wir leben, in Großvaters Zeiten, die von Hektik und Problernatik unserer Tage noch verschont blieben, Nach Jahrzehnten absoluter Geschichtsblindheit dokumentiert sich der Zivilisationsüberdruß einer neuen Generation von gebrannten Kindern in dem existentiellen Bedürfnis, sich mit den Versatzstücken der Belle Epoque zu umgeben,

Gerade das aus verstaubten Regalen hervorgekramte Anschauungsmaterial alter Ansichtspostkarten erfüllt heute geradezu die Funktion eines seelischen Gesundbades. Bei den Senioren stellen sich wohltuende Reminiszenzen an eine Zeit ein, die man heute schon nicht mehr durch einen forcierten Illusienismus zu verklären braucht. Diese Karten sprechen in einer frappierenden Unmittelbarkeit zu uns. Sie werden mit Recht als farbiger, lebendiger und strahlender Abglanz einer besonnten Vergangenheit empfunden. Selbst auf die Welt des kleinen Mannes, der damals noch keineswegs die Ressentiments der Unterprivilegierten zu kultivieren pflegte, fällt noch ein Hauch von jenem nostalgischen Glanz, in dem wir uns heute sonnen.

Gerade am Exempel einer so dynamischen Stadt wie Berlin läßt sich für die Wilhelminische Ära die starke komrnunikative Kraft von Ansichtskarten nachweisen. Das in diesem Band vorgelegte Material wirkt jedenfalls wie ein imaginäres

Museum einer Epoche, der man trotz aller latenten inneren Brüchigkeit heute Glanz und Glorie zugesteht. Berlin entwickelte sich damals mit einer atemberaubenden Rasanz zur drittgrößten Stadt der Welt, zur wahrscheinlich 'interessantesten Metropole Europas und nicht zuletzt zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum eines Landes, das seiner Hauptstadt die entscheidenden Impulse zu verdanken hatte.

Allerdings, Berlin konnte nicht auf eine so respektable Tradition wie andere europäische Städte verweisen. Aber es hatte seine spezifische Atmosphäre, die dem Berlinischen in der Welt eine unwiderstehliche Anziehungskraft verlieh. Als überzeugendes Indiz für die wachsende Attraktivität Bedins können diese Ansiehtskarten dienen. Sie reflektieren noch etwas von der Seele des alten Berlin, das sich auf kärglichem Boden sein Lebensrecht in einer nicht immer wohlmeinenden Welt erringen muïste, Das geschah zweifellos mit einem zuweilen etwas ruppigen Arbeitsfanatisrnus, aber erfreulicherweise auch mit Mutterwitz, Selbstironie und einer guten Portion Schnodderigkeit, die nun einmal zu den unauswechselbaren Ingredienzien des Berliner Volkscharakters gehören.

An dieser Stelle soll und braucht keine Berlin-Apologie betrieben zu werden. Diese bescheidenen Bilder sprechen für sich selbst und für den Genius dieser Stadt, über die seither so gnadenlos die Stürrne der Geschichte dahingerast sind. Bei aller verhaltenen Melancholie über die Vergänglichkeit alles Irdischen bleibt uns dann doch das intellektuelle Vergnügen erhalten, wieder einmal unbekümmert durch eine langst versunkene Welt zu flanieren und ein Stück Stadtbiographie nachzuvollziehen. Dieses geistige Abenteuer ist heute wahrscheinlich überhaupt nur noch an Hand von alten Ansichtskarten zu bestehen; denn viele der in makabren Bombennächten unbarmherzig ausradierten Straßenzüge sind nur durch sie

wieder zu rekonstruieren. Jede von ihnen ist ein unfreiwilliges Belegstück für die Tatsache, um wievieles ärmer wir seitdem geworden sind. Insgesarnt stellen sie ein nüchtern registrierendes Inventarverzeichnis einer Stadt dar, die wie eine Traurnwelt in Schutt und Asche versunken und die dennoch nicht so demoralisiert ist, um vor der Geschichte zu kapitulieren.

Es ist nicht die Absicht dieses Bandes, den Betrachter auf topographische Entdeckungszüge durch das alte Berlin zu locken oder ihm zum wievielten Male längst bekannte oder noch erhaltene architektonische Glanzstücke der Stadt zu präsentieren. Dieses Buch hätte vielmehr seine Mission dann erfüllt, wenn es ihm gelingen würde, den Zeitgeist von damals unverfälscht einzufangen. Insofern beabsichtigt es eine lautlose Reverenz vor dem Genius loci und vor dem ungebrochenen Lebenswillen der Einwohner, die schon Goethe als einen "verwegenen Menschenschlag" apostrophieren konnte. Daß sich unseren Nachfahren, die sich wohloder übel rnit der sterilen Architektur unserer Reißbrettquartiere arrangieren müssen, eine gewisse Wehmut bei Betrachtung einer noch intakt erscheinenden Welt bemachtigt, will uns auch als Rückfall in eine nostalgische Sentimentalität als durchaus legitim erscheinen. Jeder hat das Recht, in irgendeinem verborgenen Winkel seines Herzens einen Platz für ein wenig heile Vergangenheit zu reservieren. Keiner braucht sich seiner musionen zu schämen, Ihre Kultivierung ist schließlich ein Akt menschlicher Selbstbewahrung.

Ein Bildband wie dieser kann selbstverständlich nur partiell Ausschnitte aus dem Panorama des Wilhelminischen Berlin darbieten und die Schatten der Vergangenheit, dezent kommentierend, aus der versöhnenden Distanz von Jahrzehnten heraufzurufen versuchen. Er ist sowohl an die Adresse der autochthonen Berliner, welche die Götterdämmerung ihrer Stadt erlebt und überstanden haben, als auch an die jener

Exilberliner, die immer noch einen Koffer in Berlin haben, und schließlich an die der gelernten Berliner gerichtet, die längst in diese immer noch dynamische Siedlung integriert sind. Nicht zuletzt ist dieser Band einer Jugend dediziert, die rechtens einen gewissen ZiviIisationsüberdruß artikuliert und die in einer total entrnythologisierten Welt ohne Mühe den magisohen Zauber des alten Berlin entdecken dürfte. Denn jenseits von allem epherneren Geschehen decken diese Karten immer wieder das Bleibende, das Ewig-Menschliche, auf. Letztlich stellt dieser Versuch eines Einstiegs in die Berliner Vergangenheit demnach eine Huldigung an den Stadtgeist Berlins dar, der auch trotz aller gewaltsamen Metamorphosen auch heute noch präsent ist. Selbst der brutale Kahlschlag eines Bombenkrieges hat daran so wenig ändern können wie eine problematische Stadtsanierung, die sich im nachhinein als schmerzlicher Tiefschlag gegen den guten Geschmack herausstellt. Die notorische Unfähigkeit, den Organismus einer Stadtlandschaft aus seinen inneren Dispositionen heraus künstlerisch weiterzuentwickeln, stellt den Stadtplanern und damit unserer Zeit kein eben erhebendes Zeugnis aus. Über dieses Fiasko täuschen auch die monotonen Deklamationen unserer Denkmalschützer keineswegs hinweg. Es kann nur ein verstärkter Anlaß sein, immer wieder die Zeugen der Vergangenheit heraufzubeschwören. Sie wenigstens bieten noch absolute Maßstäbe städtebaulicher Perfektion, dem gegenüber ein nur noch pragmatischer Funktionalismus zur leeren Pose verkümmert. Als Dokumentation für einen gerecht abwägenden Vergleich will dieser Bildband letztlich als eine Rückblende in die Vergangenheit, ohne die auch eine Stadt als lebendiger Organismus nicht existieren kann, verstanden sein.

BERLIN

Panorama

1. Auch für die Reichshauptstadt, deren Einwohnerzahl von 1880 bis 1900 um das Vierfache auf zwei Millionen anwuchs, blieb das "Königliche Viertel" rings um das Schloß das Herzstück des nach allen Seiten hin wuchernden Stadtorganismus. Berlin war nicht nur die Stadt der Mietskasernen und der architektonischen Fehlleistungen, sondern repräsentierte in seinen historischen Teilen einen von Schlüter und Schinkel geprägten "preußischen Stil" und konnte als Hauptstadt durchaus mit anderen europäischen Metropolen konkurrieren.

BE RL/ . KGL. SCHLOSS.

2. Das Berliner Schloß, von 1451 bis 1918 Residenz der Hohenzollern, erhielt seine endgültige Gestalt im Wesentlichen von Andreas Schlüter, der den Gebäudekomplex zu einem gewaltigen Rechteek von 200 Meter Länge und 120 Meter Breite zusammenballte. Dieses eindrucksvollste und gewaltigste Bauwerk der Stadt brannte bei dem schweren Luftangriff vom 3. Februar 1945 mit Ausnahme des Westtrakts völlig aus und wurde ein Jahrfünft später dem Erdboden gleichgemacht.

9ERL N S~H ??. OSSPLATZ M'" NEPTU 'SBRU. E.

3. Den Neptunsbrunnen schuf Reinhold Begas 1891 nach dem Vorbild von Berninis rörnischen Brunnen. Er zeigt Neptun, auf Felsen thronend, und unter ihm Tritonen, Putten und Wassertiere. Auf den Rändern sitzen die Syrnbolfiguren für Rhein, Elbe, Oder und Weichsel. Unter seiner festen Vermauerung blieb der Begas-Brunnen auf dem Schloßplatz während des Krieges unbeschädigt. Im Frühjahr 1969 wurde er nach einer Restaurierung neben der Marienkirche wieder aufgestellt.

Berlin

National-Denkmal Kaiser Wilhelm des Grollen

4. Der Lustgarten war wegen seiner günstigen Lage zwischen den beiden Spreearmen schon immer ein bevorzugter Versammlungsort der Berliner. Hier befand sich zur Zeit des Großen Kurfürsten noch der Schloßgarten. Unter dem Soldatenkönig wurde das Areal in einen Exerzierplatz umgewandelt. Später entstand an dieser Stelle die Domkirche, und in den Jahren von 1824 bis 1828 errichtete Schinkel hier das Alte Museum. Das bronzene Reiterstandbild Friedrich Wilhelms lIl. wurde beim Einzug der Truppen im Juni 1871 enthüllt. Später sah der Platz viele der großen politischen Demonstrationen des Jahrhunderts.

JIuseum - Denkmal Friedricli lVi/helm lIl.

5. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal gegenüber der Westseite des Schlosses stellt nach dem Entwurf von Reinhold Begas den alten Kaiser vor einem halbkreisf'örrnigen Hallenbau hoch zu Roß dar. Er wird von einem gewaltigen weiblichen Friedensgenius geleitet. Wegen der vielen Tierplastiken und Löwengruppen hieß dieses inzwischen völlig abgetragene Denkmal im Volksmund "Daniel in der Löwengrube".

BERUH. Dom mit Soldaten.

6. An der Steile der friderizianischen Domkirche ließ Wilhe1m 11. von 1894 bis 1905 von Julius von Raschdorf den Neuen Dom im Stil der italienischen Hochrenaissance errichten. In der Domgruft ruhen der Große Kurfürst, König Friedrich 1., Friedrich Wilhelm 11. und Prinz Louis Ferdinand. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde der Dom seit 1951 durch ein Notdach vor dem völligen Verfall geschützt. Inzwischen sind die Renovierungsarbeiten in Angriff genommen worden.

Berlin

Aufziehen der hlo sswach

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7. Die Schloßwache pflegte täglich urn halb eins vom Brandenburger Tor rnit Musik zur Hauptwache und von da aus zum Schloß zu marschieren. Nach Ablösung im Schloß fand eine Regimentsmusik im Lustgarten statt, die ihre Anziehungskraft auf Berliner und Fremde nicht verfehlte. Der alte Kaiser beobachtete die Wachablösung vom "historischen Eckfenster" seines Arbeitszimmers in seinem Palais neben dem Opernhaus.

~russ aus Berlin

Unter den Linden

8. Die 1,5 Kilometer lange und 60 Meter breite Prachtstraße Unter den Linden war im 16. Jahrhundert noch ein Teil der Landstraße durch den Tiergarten über Lietzow nach Spandau. 1680 legte die Kurfürstin Dorothea die Lindenallee an, die der wohl schicksalsvollsten deutschen Straße ihrem Namen verlieh. Unter Friedrich den Großen erhielt sie ihre spätere Form durch die Artlage des Forum Fridericianum mit dem Opernhaus, der Hedwigskathedrale und der "Kommode". Im Zweiten Weltkrieg schwer beschadigt, wurden viele der alten Häuser abgerissen und durch neue ersetzt.

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