Berliner Lokale in alten Ansichten

Berliner Lokale in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Gustav Sichelschmidt
Gemeente
:   Berlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1553-7
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Berliner Lokale in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Die Berliner Gastronomie ist einem anspruchsvollen Weltstandard eigentlich stets auf den Fersen geblieben. Sie hat dadurch Entscheidendes zum internationalen Ansehen der Stadt beigesteuert. Die ethnisch keineswegs homogene Bevölkerung liebte augenscheinlich quer durch alle soziale Schichten menschliche Kommunikation mehr als ein kontemplatives Verharren im Intimbereich. Vergleichsweise früh strebten bereits die Herren der Schöpfung in die Tabagien, die weidlich vom königlichen Verbot, sich auf der Straße dem feudalen Laster des Rauchens hinzugehen, profitierten. Diese waren dann wohl auch die eigentlichen Keimzellen jener Kneipen, Budiken und Destillen, in denen auch die wirtschaftlich weniger Privilegierten ihren immer ungewöhnlichen Berliner Durst stillen und sich am Tresen hinter den alles vernebelnden Rauchwolken der nicht immer erheiternden Berliner Wirklichkeit entziehen konnten. Im biedermeierlichen Berlin scheint der unsterbliche Nante keineswegs eine exzeptionelle Erscheinung gewesen zu sein. Wo immer er auch sein Unwesen trieb, stets folgte ihrn ein Kometenschweif feuchtfröhlicher Saufkumpane, die sich ihre eigene epikureische Lebensphilosophie zusammengebraut hatten.

Eine Stadt mit einer so betonten Arbeitsatrnosphäre konnte dergleichen harmlose Exzesse augenscheinlich noch schadlos verkraften. Ihre Bewohner waren ehrlich bemüht, ihren Arbeitsfetischismus auf eine erträgliche Weise zu kompensieren, so daß die schiere Vergnügungssucht in dieser Siedlung zuweilen dann noch

wahre Siedegrade erlangte. Berlin erwies sich bald als ein Dorado für alle Provinzialen, die einmal die Maske bürgerlicher Wohlanständigkeit an der Garderobe ablegen und vom opulenten Angebot der Berliner Vergnügungsindustrie nutznießen wollten. Über die Anrüchigkeit mancher Erscheinungsformen dieser Lustbarkeiten waren sich die Chronisten der Wilhelminischen Ära durchaus einig, und über die hanebüchenen Zustände links und rechts der Friedrichstraße pflegte man nur hinter der vorgehaltenen Hand zu raunen.

Der Imaginationskraft der cleveren Berliner Gastronomen, die sich auf die individuellen Bedürfriisse ihres potentiellen Publikums stets rechtzeitig einzupendeln verstanden, kann man nur hervorragende Zensuren erteilen. So machten sich zum Exempel bereits im 18. Jahrhundert französische Emigranten daran, im Tiergarten ihre ebenso populären wie prosperierenden 'Zelte' zu errichten, und dem zugereisten Breslauer Joseph Kroll verdankte Berlin jenes Haus, das durchaus seinen Stern im Baedeker verdient hätte, da es ein Nonplusultra an gastronomischen Effekten darstellte. Unvergessen bleiben auch die Verdienste jener Wiener Konditoren, die mit der Errichtung ihrer Wiener Cafés, in denen man sich ungeniert der Zeitungslektüre hingeben konnte, akkurat den Geschmack der Berliner Gourmands trafen.

In der Palette kulinarischer Angebote dürfen die Ballhäuser, Bars, Weinstuben und Biergärten so wenig fehlen wie die Etablissements vor den Toren der

Stadt, deren Besitzer auf den noterischen Lufthunger der Berliner reflektierten. Sonntags pflegten sich nämlich ganze Menschenkarawanen in Bewegung zu setzen, um mit Kind und Kegel diese Lokale zu bevölkern und bei selbstgebrautem Kaffee über ihre Kuchen- und Stullenpakete herzufallen. Im übrigen hatte jeder gestandene Mann in Berlin einem der vielen Starnmtische anzugehören, an denen die Amateurpolitiker in vorgerückter Stunde ihre beachtenswerte Suada zu einem rhetorischen Feuerwerk aufleuchten ließen. Wer sich aber zur Jugend .rechnete, frönte dem alten Brauch, wenigstens einmal in der Woche irgendwo das Tanzbein zu schwingen oder, wie es später hieß, eine kesse Sohle aufs Parkett zu legen.

Die Abbildungen dieses Bandes von Ansichtskarten der Jahrhundertwende stellen exemplarisch einige Glanzpunkte der Berliner Gastronomie jener Jahre dar, die in unserer nostalgischen Phantasie aufzuleben beginnen. Als die preußische Metropole dann schließlich zur Reichshauptstadt avancierte, geriet auch der Berliner Tourismus in den Sog eines veritablen Gründungsfiebers und versuchte, anderen Städtchen den Rang abzulaufen. Berlin wurde mit einem Schlage eine Reise wert, und der Slogan 'Berlin bei Nacht' tönte wie ein Fanal der Anrüchigkeit, der auf abenteuerliche und lebensgierige Touristen elektrisierend wirkte. Ganz gewiß hatte man den Mund nicht zu voll genommen, wenn man für das, was man staunenden Gästen anzubieten hatte, weltstädtischen Rang be-

anspruchte. Man hatte auch auf diesem Gebiet zumindest für Deutschland eine Monopolstellung bezogen. Jeder, der auf sich hielt, mußte einmal in Berlin gewesen sein, um mitreden und von frivolen Erinnerungen zehren zu können.

Wen immer auch der Hafer stach, einmal wider den Stachel viktorianischerPrüderie zu löcken, der wurde in Berlin, in dem die Demimonde, wie man damals noch dezent die Halbwelt zu umschreiben pflegte, mitrnischte bestens bedient. Er konnte inkognito sich in der Welt des Tingel-Tangels, des Chantants, der Cabarets und der Nachtcafés wie ein Weltmann bewegen, ohne um sein bürgerliches Renommee fürchten zu müssen. Er konnte sich auch an dem noch unverbrauchten naiven Charme dieses Parvenüs von einer Stadt delektieren, die vor Vitalität zu bersten schien und denen ihr Souverän 'herrliche Zeit en' vorausgesagt hatte. Noch feierte man die Feste, wie sie fielen. Doch während man einen Karneval in Permanenz zu feiern gedachte, bereitete sich unter der Oberfläche bereits der große Eklat einer Weltkatastrophe vor. Das meiste von dem, was die folgenden Abbildungen noch einmal reflektieren, ist inzwischen in Schutt und Asche versunken, aber es hat noch immer seine schöne Präsenz in den Erinnerungen an die sogenannte gute alte Zeit , die wir heute im verklärenden Licht unseres nostalgischen Übereifers nicht ganz zu Unrecht aufwerten.

1. Die einzelnen Berliner Ratskeller hatten einen spezifischen Stil bürgerlicher Solidität entwickelt, an den auch der Gastronom des neuerbauten Berliner Rathauses anknüpfen konnte, als sich nach Fertigstellung des 'roten Rathauses' in der Königstraße im Jahre 1869 die Pforten des Berliner Ratskellers öffneten. Da er im Brennpunkt des Berliner Lebens lag, zählte er viele Politiker und Künstler zu seinen Stammgästen.

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2. In einem der noch erhaltenen alten Berliner Häuser mitten in Alt-Berlin, Hoher Steinweg 15, war in ungemein stimmungsvoller Atmosphäre Schipmanns Weinstube untergebracht. Die Kellerräume mit ihren Spitzbogen stammten aus dem 14. Jahrhundert. Die Küche des Hauses war noch mit einem Rauchfang ausgestattet.

3. Landré, Sproß einer alten Hugenottenfamilie, gründete die erste Weißbierstube Berlins in der Stralauer Straße am Molkenmarkt in Zusammenhang mit seiner irn gleichen Hause befindlichen Weißbierbrauerei. Nach Abbruch des Stammhauses siedelte das Unternehmen in die ehemaligen Werkstätten Christian Daniel Rauchs in die Klosterstraße über.

LIINDRt.S IVEfSSBfERSTUBEN Inh.: Hans Zinde Benin C 2, Klosterstr. 76

Fernruf: Berotine E 1. 0231.

WIRTSHAUS "ZUM PRÄLATEN", BERLIN C. 25, AM ALEXANDERPLATZ

4. Das Wirthaus 'Zum Prälaten' befand sich in der Königstraße unter dem Stadtbahnbogen des Bahnhofs Alexanderplatz. Das im Jahre 1884 eröffnete Lokal wurde gem von Brautpaaren, die vom Standesamt kamen, aufgesucht.

Concertheus "Translafeur" 'Berlin <3'., A.!exanderstr. 40.

Täglich Concert!

Dirigent: Componist S. Translateur.

5. Konzerthäuser, in denen voll besetzte Orchester einem breiten Publikum gute Unterhaltungsmusik darboten, erfreuten sich im Berlin der Iahrhundertwende eines großen Zuspruchs. Besonders populär wurde das 'Konzerthaus Translateur' in der Alexanderstraße, in dem der nicht unbekannte Komponist Translateur selbst den Taktstock schwang. Der Dirigent siedelte später in das feudale 'Rheingold' am Potsdamer Platz über, wo es täglich ab 18 Uhr die populären Translateur-Konzerte gab.

6. 'Schützes Weinstuben' im alten Winkel am Molkenmarkt, auch 'Bullettenkeller' genannt, waren in den Kellern eines alten Berliner Hauses untergebracht. Hier gab es als Spezialität eine Krebssuppe, die nur ein- oder zweimal im Jahr gekocht wurde und zu der man sich zeitig vorher anmelden mußte. Das Lokal, dessen Gästebuch unzählige illustre Namen aufwies, fiel der Spitzhacke zum Opfer und siedelte 1931 in die Mo1kenstraße 10 über, wo es ausgebombt wurde.

7. Das wohl romantischste Berliner Gasthaus war das Restaurant 'Zum Nußbaum' in der Fischerstraße, das zu Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut wurde und noch Heinrich Zille inspirierte. Der alte Nußbaum vor der Haustür soll noch 1925 Walnüsse getragen haben. Im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges wurde auch dieses Relikt aus dem alten Berlin zerstört.

ALT-BERLIN. Rpsfaurant zum !V~óa(jm. Fischerslr. Ecke Höllnischestr. ErlJdvt 1S1JT.

8. Im Jahre 1892 eröffnete August Aschinger seine erste Bierquelle in der Neuen Roßstraße 4. Von hier aus traten die Lokale des kleinen Mannes ihren Siegeszug durch ganz Berlin an. 1913 gab es bereits fünfzig Aschinger-FiJialen, in denen täglich mehr als eine Million der bekarmten Aschinger-Brötchen gratis ausgegeben wurde.

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