Biedenkopf in alten Ansichten Band 1

Biedenkopf in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Elsa Blöcher
Gemeente
:   Biedenkopf
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4626-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Biedenkopf in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Ansichtskarten aus der Zeit von 1880-1930 bieten uns ein reizvolles Bild der alten hessischen Bergstadt Biedenkopf a.d. Lahn, das umso stärker wirkt, als es im Gesamteindruck unzerstört durch die Jahrhunderte hindurch erhalten geblieben ist, bis - um 1930 noch vorsichtig - in der Ackerbürger- und Handwerkerstadt die Maschine vordringt. Der Bliek auf die Fotografien vermittelt uns zugleich einen Gang durch die Geschichte Biedenkopfs. Das Bleibende im Stadtbild betonen alte Stiche und Zeichnungen, die, ab 1908 im Handel, auf Postkarten wiedergegeben sind.

Rand eines Kessels des oberen Lahntals, umschlossen von den bewaldeten Bergen der Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges, Durch einen Sattel von ihnen getrennt, erhebt sich vor der nördlichen Hauptkette ein Kegel, der die Burg trägt. In ihrem Schutz, auf einem Vorsprung am Hang des Schloßberges steht die Stadt, die erst im vorigen Jahrhundert bis zur Lahn und nach 1900 auf die rechte Uferseite hinüber wuchs. Am Schloßberg liefen die Wege aus dem Edertal zusammen, stießen auf die Straße von Marburg und zogen über zwei Brücken zu den Tälern und Pässen der rechten Lahnseite und weiter nach Wittgenstein, Nassau, zur mittleren Lahn und nach Südhessen.

Diese Lage gewinnt an Bedeutung, als die Landgrafen von Hessen in - Auseinandersetzungen mit den Nachbarn ihre Rechte im Gebiet der oberen Lahn durchsetzen wollen, Burg Biedenkopf vor der Lahn-Eder-Wasserscheide zur Sicherung ihrer Ansprüche ausbauen und der Siedlung Stadtrechte verleihen. Über 700 Jahre ist Biedenkopf mit der Geschichte Hessens und dem Geschick der Landgrafen verbunden.

Der Ort erscheint urkundlich zum erstenmal 1232 in den Berichten über Wunder am Grabe der Heiligen Elisabeth, als

auch Biedenkopfer Frauen Heilung suchend nach Marburg wallfahrteten. Als Stadt wird er zuerst 1254 genannt, im sicheren Besitz Sophies von Brabant beim Kampf um das Erbe ihrer Mutter, der landgräflichen Heiligen, für ihren Sohn Heinrich.

In die wachsende Stadt zogen Behörden des alten Amtes Dautphe, das zum Amt Biedenkopf der Marburger Regierung wurde. Vor den Mauern erstand seit etwa 1335 um den heutigen Marktplatz die Biedenkopfer Vorstadt durch Zuzug der Einwohner der vor der Stadt an der Lahn gelegenen Orte Druckershausen und Gunzenhausen, beide heute wüst. Burg und Stadt wurden in die Fehden dieser Jahrhunderte hineingezogen. 1374 wurde die Stadt eingenommen und niedergebrannt. 1405 lagen nach einem hessischen Sieg Gefangene in der Burg. Mit der Festigung und Befriedung der noch heute geltenden hessischen Westgrenze verlor die Burg an Bedeutung. Der Wildreichtum der Wälder loekte die Landgrafen zu zeitweiligem Aufenthalt. Schon um 1600 begann der Verfall. Die Einwohner der Stadt waren Ackerbürger und betrieben nebenberuflich ein Gewerbe, außer der häuslichen Spinnerei sehr früh Leinenweberei, Tuchmacherei und Färberei. Viehzucht und Jagd ermöglichten Gerberei und Lederveratbeitung, der Waldreichtum holzverarbeitendes Handwerk. Dazu kamen Nahrungsmittelgewerbe, Mühlen, Bäckereien, Metzgereien und ein Bierbrauerei. Eisenschmelzen und Hammerwerke an der oberen Lahn und ihren Nebenflüssen sind uralt und beschäftigten in der Stadt. Schlosser und Schmiede, Messerschmiede und Nagelschmiede, Die Wirtschaft wurde belebt durch 5 Jahrmärkte und den Wochenmarkt am Donnerstag.

Ein geruhsames Leben war wohl keiner Generation der

Biedenkopfer Bürger zuteil. Wiederholt suchte die Pest das Land heim. 1563 und 1611 wurde die Stadt von der großen Plage verschont und bot Teilen der Universität Marburg Zuflucht. Nach dem Aussterben der Marburger Linie der Landgrafen wurde auch Biedenkopf, mit dem Hinterland von beiden Erben beansprucht, während des Dreißigjährigen Krieges hart hineingezogen in den Streit zwischen HessenKassel und Hessen-Darrnstadt. Unachtsamkeit in einer Schmiede verursachte 1635 einen Brand, dem '55 der vornehmsten Bäue' (Merian) zum Opfer fielen. 1647 plünderten kaiserliche Truppen die Stadt und brannten alles nieder, im Ganzen 140 Häuser, selbst die Armen im Spital nicht verschonend. Ein Feuer am Jakobitag 1717 legte bis auf 12 Häuser die ganze Stadt in Asche, Das 'alte Stadtbild' gehört also mit Ausnahme nur weniger Einzelmotive der folgenden Wiederaufbau-Zeit an. Es blieb von da an bewahrt. Der Blüte der Stadt im 18. Jahrhundert wurde durch die Kriege mit Frankreich, die napoleonische Zeit und durch die wirtschaftliche Umwälzung ein Ende gesetzt. Um 1815 begann die große Auswanderung nach Nordamerika, welche die Stadt so weit zurückwarf, daß die Einwohnerzahl des späten 18. Jahrhunderts noch 1939 nicht wieder erreicht war. Inzwischen war 1651 das Hinterland endgültig von Marburg getrennt worden und an Hessen-Darrnstadt übergegangen. Bei der Neuordnung von dessen Verwaltung nach 1815 wurde Biedenkopf 1832 Kreisstadt, Verwaltungsmittelpunkt des Kreises Biedcnkopf, Als solche wurde es nach dem Deutschen Krieg 1866 von Hessen getrennt, Preußen angeschlossen und dem nassauischen Regierungsbezirk der neuen preußischen Provinz Hessen-Nassau zugeordnet. Das blieb so bis zum Ende des zweiten Weltkrieges.

Schon Darmstadt hatte, den wirtschaftlichen Belangen Rechnung tragend, um 1770 und erneut nach 1815 die Landstraßen um und in Biedenkopf zu festen Chausseen ausgebaut und damit vor allem der Hüttenindustrie des Umlandes Aufschwung gegeben, Die preußische Verwaltung schloß Biedenkopf durch den Bau der Eisenbahn 1883 an ihr Verkehrsnetz an. Die Stadt schritt nur langsam zu einer bescheidenen Industrialisierung. Seit der Jahrhundertwende suchte sie neue Entfaltungsmöglichkeiten durch ihr Bemühen um erholungsuchende Gäste. Die Werbung um Anerkennung als Luftkurort und Sommerfrische bediente sich auch der wachsenden Anzahl neuer Ansichtskarten.

Die Aufnahmen zu den ältesten Karten wurden von Ernst Ellenberger und - bald danach - von Buchhändler Max Stephani, für den die Fotografen Willi Maus und Ernst Eschemann arbeiteten, später von Berthold Weidemann und askar Stephani gemacht. Die Buchdruckerei Heinzerling, Druckerei Unverzagt brachten wie die Geschäfte von Ferdinand Kramer und Karl Zeiler Karten heraus, die meist auf Fotografien einschlägiger Unternehmen zurückgehen.

Biedenkopf hat sich nach 1945 vom Hasenlauf bis über den Frauenberg hinaus in alle seine Nebentäler und über die Berghänge ausgebreitet und lahnab am Stadtausgang ein Industriegelände aufgebaut, Im Mittelpunkt, den Bliek fangend, steht noch immer der Schloßberg mit der Burg, der Oberstadt und ihrer Vorstadt.

An der Arbeit beteiligten sich die Vorstandsmitglieder des Hinterländer Geschichtsvereins. Ihnen und allen, die ihr Bildmaterial zur Verfügung stellten, sei dafür gedankt.

1. Die Luftaufnahme, um 1935, ersetzt hier einen Stadtplan von Biedenkopf. Mittelpunkt der Oberstadt sind Kirche und Rathaus am alten Markt. An ihm vorbei zieht von der Niederpforte - Marienpforte her durch die Stadtgasse und Hintergasse zum Wallauer Tor - Eichtor die alte Durchgangsstraße. Vor dem Niedertor lag die Vorstadt mit dem - hier langgezogenen - Marktplatz, von dem sternförmig nach allen Seiten die Straßen ausgehen. Seit 1817 führt die Hauptstraße von Marburg her, die heutige Bundesstraße 62, durch die Hospitalstraße und biegt am Markt rechtwinklig in die Hainstraße, von der am Kartenrand - der Kiesacker zum Landratsamt ansteigt. Das Stadtgebiet südlich des Bahnhofsgeländes jenseits der Lahn fehlt hier.

2. Der Stich aus der 'Hessischen Chronic' von Dilich, Kassel 1605, zeigt das älteste erhaltene Stadtbild von Biedenkopf. Es ist zugleich der erste Versuch, für Biedenkopf ein solches Bild als Ansichtskarte wiederzugeben. Von den drei Türmen der Mauer steht noch der Hexenturm; er schützte das Eichtor, wie der Turm rechts an der Untergasse die Niederpforte. Außerhalb der Mauer, links vom Hexenturm ist die Nikolauskirche sichtbar. Die Karte ist mit einer 5-Pfennigsmarke der Reichspost freigernacht, am 20. August 1898 in Biedenkopf gestempelt und mit einem Eingangsstempel von Ludwigshütte vom gleichen Tag versehen.

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Biedenkopf im Jahre 1646.

Nach Merlan.

3. M. Merian schreibt in seiner Topographia Hassiae 1648 über 'Bidencopiae': ' ... Das Schloß liegt oben auff einem Berg. Die Statt, so jetzo gegen Mittag desselben Bergs liegt, hat hiebevor hinder demselben nach Mitternacht gelegen, wie dann selbiger Platz noch heutigen Tags die alte Statt genannt wird. Als Landgraff Henrichs, gebornen Hertzogs zu Brabant ältester Sohn Henrich mit dem Vatter in Widerwillen geraten, ... hat... er alldar auff dem Schloß residiret, vnnd die Stadt gegen Mittag, wie sie jetzo ligt, um das Jahr 1307 transferirt.'

BiedenkoDf um d. J. 1810. NACh einom Knpferstich ven F. C. ReÎJlermann (Reb. 1764 in 'Vetzlar, Rest. U34 iD Fr&nktnrt e, M.)

4. Fr. Chr. Reinermann hat, in seiner Heimatstadt Wetzlar weilend, zwischen 1811 und 1818 das Lahntal durchwandert und gezeichnet. 19 Aquatinta-Stiche, darunter Biedenkopf, hängen als Originale im Städtischen Museum zu Wetz1ar. Die Burg ist kleiner geworden, von Bergfried und Pallas beherrscht. Die Mauer läuft bergab zur Stadt, zum Hexenturm, der als einziger der Türme noch erhalten ist. Die langgestreckte Hintergasse führt auf den oberen Markt, wo noch die gotische Kirche mit spitzem Turm die Stadt überragt. Im Vordergrund liegt die Obermühle.

Biedenkopf vor 70 .Jahren

Nach einer zeichnung von P. Weber

5. Paul Weber (Darmstadt) sieht die Stadt von Osten her, lahnauf zu der Talenge zwischen Kahn und Pinnhecke hin, in der hier nicht sichtbar - die Ludwigshütte liegt. Die Oberstadt drängt sich auf der Bergnase vor dem Schloßberg zusammen; die lange Hintergasse ist verkürzt gesehen. Am Ausgang der Stadtgasse, mit dem großen ehernaligen Weinhaus beginnt die Vorstadt um den neuen Markt, der rechts in den Kottenbach übergeht; bergauf liegen die Häuser von Tauwinkel und Galgenberg, vorn links die ersten der Hospitalstraße. So sah die Stadt nach 1840 aus.

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6. Auf dem 'Gruß aus Biedenkopf' über das Lahnwehr zum Schloß hin hat sich 80 Jahre nach Reinermann wenig am Stadtbild geändert. Die alte Mauer zieht sich über der Vorstadt hin, deren Hainstraße im 19. Jahrhundert stärker ausgebaut wurde. Die Gangtreppe verbindet mit lOS Stufen Hainstraße und Untergasse; sie mündet oben zwischen den beiden Fachwerkhäusern mit hohem Giebel.

7. Zwei Buntbilder gehören zu den ältesten Ansichtskarten von Biedenkopf. Die Karte vom 13. Juli 1896 ist mit dem Abgangsstempel Biedenkopf und dem Eingangsstempel von Frankfurt-Sachsenhausen versehen; die Zeitangaben, 7-8 Uhr N = nachmittags und 10-11 Uhr V = vormittags lassen die Dauer des Weges erkennen, den die Post benötigte. Neben den fünf Einzelrnativen aus der Stadt fällt das Bild des Bauernmädchens, kenntlich an dem roten Stülpchen, in der bunten Tracht des Breidenbacher Grundes auf.

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8. Biedenkopf war eine Ackerbürgerstadt wie die meisten hessischen Kleinstädte. Die Nebenbilder hier sind auch Ausdruck der Verbundenheit der Kreisstadt mit dem bäuerlichen Umland und dessen Arbeit, die Trachten ein Hinweis auf die Vielfalt Hinterländer Volkskultur. Jedes Amt und jedes alte Gericht prägte und pflegte seine Eigenart in der Kleidung. Neben Pflug und Egge läuft - Zeichen des Fortschritts - schon die Lokomobile.

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