Biedenkopf in alten Ansichten Band 2

Biedenkopf in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Günter Bäumner
Gemeente
:   Biedenkopf
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5616-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Biedenkopf in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Biedenkopf in alten Ansichten vorzustellen ist nicht leicht, weil aus den ersten Jahrzehnten der Fotografie nicht mehr viele Aufnahmen vorhanden sind. Das liegt nun nicht etwa daran, daß es hier keine Fotografen gegeben hätte. Wir kennen vielmehr namentlich Ernst Ellenberger, Ernst Eschemann, Wilhelm Mauß, Max Stephani und Berthold Weidemann. Allerdings ist nicht immer zu ermitteln, aufwen die einzelnen Bilder zurückgehen. Zum Glück jedoch ließen die hiesigen Postkartenverlage Carl Heinzerling, Max Stephani und Carl Zeiler Ansichtskarten anfertigen, die bei Sammlern noch vorhanden sind. Es soll dennoch versucht werden, von den überlieferten Ansichten nur solche hier zu verwenden, die in den letzten Jahren bei anderen Gelegenheiten noch nicht veröffentlicht wurden.

Wenn die Aufnahmen in diesem Bildband mit dem Jahr 1914 enden, so hat das mehrere Gründe. Zum einen war bis zu diesem Zeitpunkt das Stadtbild - von wenigen Ausnahmen abgesehen - noch immer auf das alte Zentrum beschränkt, und das Leben der Bürger lief in altgewohnten Bahnen. Zum anderen

ist wohl jetzt die letzte Gelegenheit, noch von solchen Mitbürgern Informationen über die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu erhalten, die über ihre Eltern die damaligen Verhältnisse noch indirekt kennengelernt haben. Und schließlich könnte diese Zäsur den Anreiz bieten, zu einem späteren Zeitpunkt in einem weiteren Band die Veränderungen in den dann folgenden Jahrzehnten zu dokumentieren.

Die zu Beginn wiedergegebenen Zeichnungen sind nur eine Auswahl. Auf manchen vertrauten Stich wurde verzichter. urn dafür mit weniger bekannten Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert die Verbindung herzustellen zu den ersten Fotografien.

Den größten Teil nehmen dann Ansichten ein, die uns die Stadt erleben lassen, wie sie um die Jahrhundertwende aussah. Es folgen Aufnahmen von Begebenheiten jener Zeit. Abgeschlossen wird die Reihe mit Bildern, die uns die Bemühungen Biedenkopfs um den Fremdenverkehr vor hundert Jahren zeigen.

Die Texte wollen die Ansichten in die Lokalgeschichte einordnen und mit Aussagen zur Heimatkunde vor allem die jüngeren Leser mit Alt-Biedenkopf vertraut machen.

Als die ersten Fotos von Biedenkopf entstanden, hatte die Stadt schon eine bewegte Geschichte hinter sich, auf die hier einmal zurückgeblickt werden soll. Wie bei den meisten Orten liegen auch bei Biedenkopf die Anfänge im Dunkeln. Eine frühmittelalterliche Besiedlung unserer Gegend geht aus der Erwähnung einiger Dörfer hervor: Laisa 778, Dautphe 791 und Breidenbach 913. Die Wunderprotokolle im Zusammenhang mit der Heiligsprechung der Landgrafenwitwe Elisabeth nennen Biedenkopf erst 1232 als 'vicus', also Dort, in der Diözese Mainz. In den folgenden zwei Jahrzehnten erhielt Biedenkopf Stadtrechte. In einer von Elisabeths Tochter. der Herzogin Sophie von Brabant, unterzeichneten Urkunde lesen wir nämlich 'castrum et oppidum', d.h. Burg und Stadt. Das Stadtwappen erinnert noch heute an das Siegel aus dem Jahre 1266, und seit 1310 sind die Bürgermeister namentlich nachzuweisen.

Bald wurde Biedenkopf auch Gerichtsort und Sitz eines Amtmannes.

Für die Burg ist ein exaktes Erbauungsdatum ebenfalls nicht überliefert. Gewiß ist aber, daß sie der Sicherung landgräflicher Ansprüche gegenüber den Rivalen Mainz und Nassau diente, unter anderem während der Dernbacher Fehde. In ihrer Nähe fühlte sich die Bevölkerung geborgen, wenn Angehörige der verschiedensten Ritterbünde unsere Gegend durchzogen. In solch unruhiger Zeit, Mitte des 14. Jahrhunderts, siedelten sich die Bewohner der Nachbarorte Gonzenhausen und Druckershausen im Schutze der Burg an und erweiterten das ursprüngliche Stadtgebiet um die Vorstadt.

Die frühere Stadtmauer mit Türmen und Toren ist nur noch in wenigen Resten erhalten. Von den mittelalterlichen Kirchen und Kapellen hat nur die 1417 begonnene Hospitalkirche die Zeiten überdauert.

Die Erzeugnisse der Handwerker, in erster Linie der Tuchmacher, haben unsere Stadt ebenso bekannt gemacht wie die Produkte der Ludwigshütte. Einnahmen verschaffte der Stadt auch ihr großer Waldbesitz. Aus der Sicherung dieses wertvollen Eigentums ist im vergangenen Jahrhundert das alle sieben Jahre stattfindende Grenzgangsfest hervorgegangen.

Die Pest verschonte auch Biedenkopf nicht, und der Dreißigjährige Krieg hemmte mit Bränden und Plünderungen die Entwicklung der Stadt. Im Rahmen des großen Krieges wurden auch die Kämpfe um das Erbe des kinderlos verstorbenen Landgrafen Ludwigs IV. von Hessen-Marburg ausgetragen. Durch den Friedensschluß kam Biedenkopf mit seiner Umgebung an Hessen-Darmstadt und wurde dessen 'Hinterland' .

Kaum waren die Kriegswunden vernarbt, da fielen 1717 fast alle Gebäude einem Großbrand zum Opfer. Im Siebenjährigen Krieg litten unsere Vorfahren unter Truppendurchzügen und Einquartierungen. Etwa fünfzig Jahre später mußten auch Söhne unserer Stadt mit den Heeren Napoleons nach Spanien und Rußland ziehen. Verwaltungsreformen der Jahre 1821 und 1832 vereinigten die seitherigen Ämter zu Landkreisen.

Dadurch wurde Biedenkopf Sitz einer Kreisverwaltung und anderer Behörden. Bald danach kam es zu einem Niedergang der Tuchmacherei. Auch andere Handwerkszweige gerieten in den Sog dieser Krise. Die Folge waren Auswanderungen, durch die sich die Bevölkerungszahl auf etwa 2 900 halbierte. Im Bruderkrieg des Jahres 1866 gehörte Hessen-Darrnstadt zu den Besiegten und mußte das Hinterland abtreten, das im Regierungsbezirk Wiesbaden zum 'Bindestrich' der preußischen Provinz Hessen-Nassau wurde. War Biedenkopf ehedem über die bis ins Mittelalter nachzuweisenden Höhenwege mit anderen Landschaften verbunden, sorgten seit Anfang des 19. J ahrhunderts in den Tälern verlaufende Chausseen für die Verbindung mit anderen Gegenden. Der Bahnbau, 1883 abgeschlossen, erleichterte nicht nur den Güterverkehr, sondern machte auch die Bevölkerung mobiler. 1932 wurde der Kreis Biedenkopf als Folge einer preußischen Sparmaßnahme vorübergehend aufgelöst. Er erstand 1933 neu, jedoch verkleinert um die Edertalgemeinden und die Orte im Biebertal.

Bereits in den zwanziger Jahren erfuhr die Stadt eine Erweiterung ihrer Wohngebiete. Der Zuzug von Heimatvertriebenen nach 1945 und das Streben nach großzügigerem Wohnen machten es erforderlich, weiteres Bauland für den Wohnungsbau und für die Ansiedlung und Vergrößerung von Betrieben zu erschließen. Während Biedenkopf 1974 einerseits seine Kreisstadtfunktion verlor, da der Kreis Biedenkopf mit dem Landkreis und der kreisfreien Stadt Marburg vereinigt wurde, gewann es durch die Gebietsreform der Jahre 1971 und 1974 acht ehemals selbständige Nachbarorte hinzu und ist nun eine Stadt von 14 500 Einwohnern.

Zum Schluß soll nicht vergessen werden, denen zu danken, die Bilder leihweise zur Verfügung stellten oder durch sachkundige Angaben die Herausgabe dieses Bildbandes ermöglichten.

Biedenkopf, im Frühjahr 1993

Günter Bäumner

1. Wir beginnen mit dem wohl ältesten Bild von Biedenkopf, das sich mit dem Titel 'Burgbau' in der 'Landeschronik von Thüringen und Hessen' von Wigand Gerstenberg aus Frankenberg (1457-1522) findet. Die von unbekannter Hand stammende Federzeichnung deutet die für Biedenkopf-Bilder bestimmenden Gegebenheiten nur an: die Lahn, den Hain, die Stadtmauer mit Turm. die die Stadt beherrschende und beschützende Burg, die sich im Bau oder Umbau befindet. Gerstenberg zitiert zu diesem Bild aus der Riedeselschen Chronik die bekannte Stelle für das Jahr 1293: 'Unde also buwete lantgrave Otto das slos Biedencap forne uff den berg, das vormalss darhinder gelegen harte.'

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2. Gut ein Jahrhundert verging, bis wir im 'Thesaurus Philo-Politikus', besser bekannt als 'Politisches Schatzkästlein ' (1623-1631), von Eberhard Kieser und Daniel Meissner einen Kupferstich von Biedenkopfvor uns haben. Vermutlich sind die Herausgeber nicht auch die Zeichner und Radierer. Vielmehr muß angenommen werden, daß das Biedenkopf-Bild in Wilhelm Dilichs 'Hessischer Chronik' aus dem Jahre 1605 hier ebenso wie bei Matthäus Merian als Vorbild gedient hat. Von Kieser/Meissner hingegen stammen die lateinischen und deutschen Verse. Diese und die Tierdarstellungen haben keinen Zusammenhang mit der Stadtansicht. So wie auch bei den Ansichten anderer Städte handelt es sich um Lebensweisheiten und Belehrungen allgemeiner Art.

3. Es ist kaum zu glauben, daB diese Zeichnung aus der Zeit der Romantik stammt. Sie ist aber ganz eindeutig zu datieren, da sie zu einer Reihe hessischer Städteansichten gehört, die in den Jahren 1826 und 1827 entstanden sind. Der Künstler war Fritz Max Hessemer, 1800 als Sohn eines Baurates in Darmstadt geboren. Nicht nur in der Technik unterscheidet sich diese zarte Bleistiftzeichnung von der vorigen und der folgenden, sondern auch in der Abkehr von den mehr in die Breite gehenden Veduten. Deshalb konnte auch nur der Teil der Stadt dargestellt werden, der unterhalb des Schlosses liegt. Tuchmacherrahmen am SchloBberg verweisen auf den wirtschaftlichen Schwerpunkt jener Zeit. Hessemer hat seine Zeichnung angefertigt, bevor unter Oberbaudirektor Georg Moller, einem Onkel des Künstlers, die Burg restauriert worden ist.

4. Ein wenig bekarmter Druck von M. Vogler in Asehaffenburg nach einer Zeichnung von G. Stumpf zeigt uns die Stadt aus einem anderen Blickwinkel. Ein paar Daten zur zeitlichen Einordnung: Die 1845 fertiggestellte Stadtschule ist zu erkennen und daneben das Kreisratsgebäude (Hainstraße 67), die Schloßmauern tragen Zinnen, das 1857 erbaute Gefängnis im Mühlweg fehlt noch. Eine hölzerne Brücke über die Lahn erschließt nicht nur das jenseitige landwirtschaftliche Gelände, sondern dient auch einer besseren Verbindung nach Dautphe und Wolzhausen. Während es sich bei den Staffagefiguren und den Landschaftsdetails im Vordergrund nur um romantische Ausschmückungen handelt, dürften die Personen und die Rinder in der Bildmitte auf die inzwischen auf den 'Zirnmerplatz' verlegten Viehmärkte verweisen.

5. Leopold Wilbrand, der Zeichner dieses Bildes, 1843 in Gießen geboren, war Arzt in Biedenkopf. Auf dem alten Friedhof, heute Stadtpark, ruhen zwei seiner früh verstorbenen Kinder, und an deren Grab soll er diese Bleistiftzeichnung angefertigt haben. Neben der Altstadt sehen wir im Vordergrund das Viertel um Hospitalstraße, Galgenberg und Marktplatz und von diesem aus die Hainstraße bis zur Umdraht. Wilbrand, der 1889 als Polizeiphysikus in Frankfurt verstorben ist, hat um das Oval der Stadtansicht die Frauentrachten der Umgebung und Darstellungen der damals häufigsten Berufe angeordnet. Wilbrands Zeichnung ist auch gedruckt worden und wurde von vielen Auswanderern als Erinnerung an die Heimat nach Amerika mitgenommen.

6. Diese Zeichnung von A. Schmitson, gedruckt bei Naumann & Schroeder in Leipzig, ist in den Jahren entstanden, aus denen für Biedenkopf bereits die ersten Fotografien vorliegen. Das Bild ist nach 1883 zu datieren, denn von diesem Jahr ab fuhren die ersten Züge durch das Lahntal und hielten am ersten noch bescheidenen Bahnhof 'In der großen Pfütze. Ein Bliek auf die Kirche in der unverändert gebliebenen Oberstadt läßt uns die Entstehungszeit einengen, denn es handelt sich noch um die alte gotische Johanniskirche, die 1888 abgebrochen worden ist. Bemerkenswert sind die Kahlschläge, die den Zeichner wohl beeindruckt haben.

7. Mit dieser Federzeichnung von OUo Ubbelohde wollen wir die Reihe der graphischen Darstellungen abschließen. Der Betrachter aus Biedenkopfwird im Vordergrund dieses Bildes sicher die ihm vertraute Wiedergabe des Grenzgangsfestes vermissen. Der hier gezeigte 'Bliek auf das Biedenköpfer Schloß' stammt aus der Mappe 'Rings um Marburg .die 1907 im Verlag N.G. Elwert erschienen ist. Nicht zu übersehen ist die Beherrschung des Schwarz- Weiß-Kontrastes als wesentliches Darstellungsmittel im graphischen Werk Ubbelohdes, unverkennbar aber auch der Einfluß des Impressionismus. Zum Grenzgang des gleichen Jahres hat der seit 1897 in Goßfelden lebende Künstler den hier nur die heimatliche Landschaft wiedergebenden Bildvordergrund um die fröhliche Festgesellschaft ergänzt.

8. Diese aus den Jahren 1888-1891 stammende Aufnahme zeigt uns nur den westlich der Gangtreppe gelegenen Teil der Stadt, dafür aber einige Details genauer. Wir sehen ganz links das 1881 fertiggestellte Königliche Realprogyrnnasium, ein zweistöckiges Natursteingebäude mit rundbogigen Fenstern. Daneben steht die bereits 1845 eingeweihte Stadtschule , die damals auch noch von den Schülerinnen der Höheren Töchterschule , der Selekta, besucht wurde. Vor beiden erkennen wir die Turnhalle des Turnvereins 1862. Zu erwähnen ist, daß die Hainstraße nur auf der Bergseite bebaut ist. Am Schloßbergabhang sind Terrassen angelegt. auf denen früher Rahmen der Tuchmacher errichtet waren. Von dem turmartigen hölzernen Bauwerk, rechts im Bild, erklangen während des Neubaues der Stadtkirche die Glocken.

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