Bilder von Schützenfesten in Grevesmühlen 1903-1939

Bilder von Schützenfesten in Grevesmühlen 1903-1939

Auteur
:   Eckart Redersborg
Gemeente
:   Grevesmühlen1903-1939, Bilder von Schützenfesten in
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5393-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bilder von Schützenfesten in Grevesmühlen 1903-1939'

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EINLEITUNG

Schützenfestl Bei diesern Wort schwelgten früher alle Einwohner mecklenburgischer Städte und größerer Dörfer in bewegten Worten und mit leuchtenden Augen. So war und ist dies auch für Grevesmühlener im Alter über 65 Jahre, die sich gern an Schützenfeste bis zum Jahre 1939 erinnern. Dann trat eine 52jährige Zwangspause ein. Der seit 1653 in Grevesmühlen bestehende Schützenverein trägt, aus welchen Gründen auch immer, den Namen 'Schützenzunft'. Sicherlich dominierten darin schon damals Handwerker verschiedener Zünfte, die sich aber wiederum in Grevesmühlen 'Ärnter' nannten.

1652 hatten die Älterleute der Schützenzunft den mecklenburgischen Landesfürsten zu Schwerin um die Erteilung eines neuen Privilegs gebeten, demzufolge muß bereits ein älteres Privileg vor dem Dreißigjährigen Krieg existiert haben. Herzog Adolph Friedrich gewährte diese Rechte am 22. Juni 1653.

Immer wieder erneuerten und modifizierten die Landesherren das gegebene Privileg, z.B. 1750, 1776 und zuletzt 1787, in seinen Grundstrukturen blieb es aber über Jahrhunderte unverändert. Das Patronat führte der jeweilige Landesfürst, bis zum Verzicht durch den ehemaligen Großherzog Friedrich Franz IV. am 10. September 1919, danach bis 1939 der Bürgermeister der Stadt.

Folgende Bedingungen galten bereits 1776 und im wesentlichen bis 1939: Das 'Königschießen' war nur einmal im Jahr an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gestattet. Dafür bürgerte sich im 19.120. Jahrhundert der Zeitraum zwischen dem 10. und 20. Juli ein, wobei der Bürgermeister den genauen Termin festlegte. Daneben konnte das 'Gewinnschießen' erfolgen, zuletzt auch in der Form, einen 'Volkskönig' zu ermitteln, also den besten Schützen außerhalb der Schützenzunft.

Zum Reglement der Schützenzunft gehörte es, daß die Ratsherren abgeholt und abends nach Hause gebracht wurden. Der Magistrat wählte aus drei Vorschlägen zwei Älterleute, die dieses Amt auf Lebenszeit behalten konnten.

1786 wurde festgelegt, zukünftig nicht mehr nach 'dem Vogel' zu schießen, sondern auf die Scheibe. 'Zum Schieß-Tage wird ein für allemal der Dienstag nach Johannis bestimmet und angesetzet', wobei als Johannistag der 24. Juni gilt. Später nutzte man Termine, die drei Wochen nach diesem Datum lagen. Wegen der großen Mitgliederzahl der Schützenzunft gestattete der Magistrat schon damals, das Königschießen an zwei Tagen und das Gewinnschießen am dritten Tag abzuhalten. Innerhalb der Grevesmühlener Schützenzunft existierten drei bzw. vier verschiedene Gruppierungen, auch Korps genannt, die sich mit der wirt-

schaftlichen Entwicklung herausbildeten. Zwischen ihnen bestanden sicherlich bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts Standesschranken, die sich dann aber mehr und mehr verwischten. Die älteste Formation stellte die Alte Garde dar, der ursprünglich nur Handwerker angehört haben werden. 1833 wurde das Jägerkorps gegründet, in dem wohl zunächst studierte Einwohner (z.B. Apotheker, Ärzte , Rechtsanwälte) dominierten, deren Anteil mit der Stadtentwicklung wuchs. 1870 entstand das Blauschärpenkorps, in erster Linie eine Formation für das finanzkräftige Bürgertum (u.a. Kaufleute). Außerdem gab es die Graujoppen als eine Untergruppierung der Alten Garde. Die Zusammensetzung des Jägerkorps war bis 1939 am uneinheitlichsten, weil ihm u.a. Akademiker, Geschäftsleute, Handwerker, Angestellte und Arbeiter angehörten.

Diese Korps unterschieden sich durch ihre Kleidung. Die Mitglieder des Blauschärpenkorps trugen schwarze Fracks mit weißer Weste und eine blaue Schärpe sowie einen schwarzen Zylinder. Das Jägerkorps besaß Uniformen mit großen Epauletten für die Offiziere. Offiziere trugen einen büschelbesetzten Zweispitzhut (Spitze nach vorn und nach hinten) oder Tschako, Untergebene einen büschelbesetzten Zylinder oder eine einfache Feldmütze. Die Alte Garde hatte ebenfalls

schicke Uniformen, als Kopfbedeckung diente ein Dreispitzhut (vorn breiterer Schirm , hinten eine Spitze), die Graujoppen trugen eine graue Uniformjacke und einen Filzhut.

Zu den Prunkstücken der Schützenzunft zählten eine 1801 vom Herzog Friedrich Franz l. verliehene Fahne, eine 1845 vom Großherzog Friedrich Franz Il. anläßlich seines Eintritts in die Grevesmühlener Schützenzunft für das Jägerkorps gestiftete Fahne und eine 1853 angeschaffte Standarte. Sie blieben bis 1939 erhalten, gingen dann aber verloren.

Jedes Korps hatte während der 'Königschußtage' bestimmte Vorschriften zu beachten. Den Hauptanteil erfüllte das Jägerkorps. Am Sonntag vor dem Königschuß veranstaltete es um 14 Uhr am Schützenhaus ein Preisschießen, ab 16.00 Uhr absolvierte es auf dem Tannenberg Exerzierübungen und probte den Parademarsch. Gegen 19.00 Uhr rückte es zum Pellkartoffelessen ins Hotel 'Zum Großherzog', dem Stammlokal des Jägerkorps, ein.

Am Sonntag luden die beiden Älterleute die Spitzen der Behörden persönlich zum Fest ein. Ein Bote der Schützenzunft, 'Scheffer' genannt, der zugleich beim Königschuß als 'Schiebenkieker' fungierte, suchte alle Schützenbrüder in ihrer Wohnung auf und forderte sie zur Teilnahme auf.

Zwischen 1903 und 1939 sind dafür die Schützenbrüder Neurath und Bumann bekannt.

Am Tag vor dem Königschuß fand das Ständchenblasen start, ausgeführt von den Kapellen der Alten Garde und des Jägerkorps, dargeboten den Kommandeuren und den Älterleuten, oftmals auch für andere Einwohner der Stadt. Abends erfolgte ein Ummarsch mit Musik und Fackelbegleitung vom Sedanplatz über Markt und Schützenhaus bis zur Mühlenstraße. Bei der abendlichen Bierprobe erhielten die Älterleute und Kommandeure in ausgewählten Gastwirtschaften unentgeltlich Bier. Am Königschußtag ertönten morgens 5 Uhr die ersten Böllerschüsse, abgefeuert vor dem Schießhaus und vor den Türen des Schützenkönigs des Vorjahres, der Älterleute und der Kommandeure. Das Jägerkorps holte um 7 Uhr den Kommandeur ab, der Schützenkönig des Vorjahres wurde von seinem Korps abgeholt, dabei erfolgte jeweils eine Bewirtung für die Schützenbrüder.

Einen Höhepunkt stellte die Königsparade auf dem Marktplatz dar, vorbei an den Honoratioren der Stadt und dem Schützenkönig des Vorjahres, die auf der Treppe des früheren Amtshauses (nach 1951 Polizei) standen. Traditionsgemäß hatte jedes Korps seinen bestimmten Standplatz: Die BIauschärpen nahmen vor der Marktapotheke

Aufstellung, an der Nordseite des Rathauses standen Alte Garde und Graujoppen, vor dem Hotel 'Zum Großherzog' waren die Jäger angetreten. Der Schützenkönig ging mit den Älterleuten und Kommandeuren die Fronten der unter präsentiertem Gewehr Stehenden ab, während die Kapellen den Präsentiermarsch intonierten. Jägerkorps, Blauschärpenkorps und Alte Garde marschierten dann zum Festplatz, die beiden ersten bildeten am Schützenhaus Spalier, durch das die Alte Garde und der Schützenkönig schritten. Danach erfolgte das Königschießen. Parallel dazu herrschte an den vielen Buden und Karussells im Lustgarten Hochbetrieb, ebenso in den Gastwirtschaften.

Um 13.00 Uhr fand im Saal des Schützenhauses die 'Königstafel' statt, ein Festessen für den König, die Älterleute, die Kommandeure und deren Adjudanten sowie für weitere Schützenbrüder der drei Korps. Um 16.00 Uhr wurden die Damen der Schützenbrüder und die übrige Bevölkerung vom Sedanplatz abgeholt und zum Festplatz geführt. Dieser Festzug bot durch Reiter und geschrnückte Wagen ein abwechselungsreiches, prächtiges Bild.

Der neue Schützenkönig wurde am zweiten Königschußtag nach 17.00 Uhr ermittelt. In Grevesmühlen konnte tatsächlich nur der König

werden, der den besten Schuß abgegeben hatte. Dessen Proklamation fand abends 19.30 Uhr im Schützenhaus statt. Als Zeichen seiner Würde erhielt er die Königskette, die nach 1945 verlorenging. Um 20.00 Uhr erfolgte nochmals ein Vorbeimarsch auf dem Markt.

Der Betrachter der Bilder möge bedenken, daß der Schützenkönig des einen Jahres in erster Linie auf Fotos erst im nachfolgenden Jahr festgehaltenwurde.

Zu den Ritualien der Schützenzunft zählte auch das Willkommen-Trinken für die neu in die Zunft aufgenommenen Mitglieder durch die Älterleute und die Deputierten der drei Korps. Freitags kamen die Schützenbrüder mit ihren Frauen zum Schützenball, meist ging es bis zum Sonnenaufgang, mit einer Kaffeetafel endete dieses Fest.

Den Abschluß des Schützenfestes für die Schützenbrüder bildete am Sonnabend der sogenannte Heringsschmaus. Am Sonntag fand dann das Volksfest statt, das seit ca. 1861 gefeiert wurde. Dazu kamen viele Menschen aus den umliegenden Dörfern, die während der Woche keine Zeit hatten.

Das letzte Grevesmühlener Schützenfest fand im Jahre 1939 statt. Wenige Wochen später begann der Zweite Weltkrieg, in dem mancher Schützenbrüder an der Front fiel. Nach Kriegsende wurden

ca. vierzig Grevesmühlener Männer in das berüchtigte Lager 'Fünfeichen' bei Neubrandenburg verschleppt, von denen dort zehn Grevesmühlener ums Leben kamen, unter ihnen die Schützenbruder Schlossermeister Friedrich Duwe (Älterrnann), Ackerbürger Heinrich Drews, Kaufmann Karl-Heinz Jancker, Förster Hans Meyer (Gostorf), Holzkaufmann Hans Never, Bierverleger August Rukopf und Finanzbeamter Ernst Wilde.

Am 20. Oktober 1990 erfolgte die Neubelebung der 'Grevesmühlener Schützenzunft von 1653'. Böttchermeister Karl-Jochen Bössow, 1. Ältermann, erfüllte damit ein Vermächtnis des 1967 gestorbenen Ältermanns, Seilermeister Robert Neu.

Dieses Buch entstand mit Unterstützung der Familien ehemaliger Schützenbrüder, die Fotos zur Verfügung stellten, und einiger Mitglieder der gegenwärtigen Schützenzunft, die bei der Erarbeitung der Texte ihr Wissen einbrachten. Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt.

Möge dieses Buch einen Beitrag zur Traditionspflege innerhalb der Grevesmühlener Schützenzunft von 1653 leisten und gleichzeitig die Verbundenheit mit Grevesmühlen fördern.

Eekart Redersborg

1. 1903. Der mecklenburgische Herzog Adolph Friedrich erteilte der Schützenzunft zu Grevesmühlen am 22. Juni 1653 ein Privileg. Aus diesem Grund feierte Grevesmühlen das 250jährige Jubiläum der Schützenzunft von 1653. Die Ansichtskarte zeigt das Blauschärpenkorps in der Wismarschen Straße.

2. 1903. Auf das Jubiläum hatte sich die ganze Stadt intensiv vorbereitet. In unrnittelbarer Bahnhofsnähe hielten Schützenbrüder an einem vor Uters Gasthaus errichteten Ehrentor Wache. 'Willkommen, Schützenbrüder!' lautete die Inschrift, mit der auswärtige Schützenzünfte begrüßt wurden.

3. 1903. Am 'Königschußtag' traten die einzelnen Korps der Grevesmühlener Schützenzunft auf dem Marktplatz an. Dazu gehörten die Blauschärpen, die Jäger, die Alte Garde und die Graujoppen, die der Alten Garde untergeordnet waren. Auf dem Foto sind die Musikkapelle und die Mitglieder der Jäger vor der Marktapotheke zu sehen.

4. 1903. Vor dem 'Schützenhof versammelten sich nicht nur die Mitglieder der Schützenzunft. Alten und jungen Grevesmühlenern und den Gästen aus nah und fern bot sich ein interessantes Geschehen. Rechts neben dem 'Schützenhaus' ist der Pavillon sichtbar, der den Schützenbrüdern als Schießpavillon diente. Die ehemalige Schießbahn ist noch heute am Rand des Lustgartens erkennbar.

5. 1903. Bei allen Schützenfesten hatten die vielen in Grevesmühlen bestehenden Gaststätten Hochkonjunktur. Im Garten des 'Schützenhofs' trafen sich die Mitglieder der Schützenzunft mit ihren Damen, jeweils an den eigentlichen 'Königschußtagen'.

6. 1903. Zum 250jährigen Jubiläum der Grevesmühlener Schützenzunft kamen auch Vereine aus anderen mecklenburgischen Städten. Dazu gehörte ein Schweriner Schützenverein, in der Mitte dessen Schützenkönig mit Königskette.

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