Binz in alten Ansichten

Binz in alten Ansichten

Auteur
:   Reinhardt Jager
Gemeente
:   Binz
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5795-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Binz in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Man schreibt den 15. Juli 1912. Wir beide, Sie, lieber Leser, und ich, sind gemeinsam auf dem Weg nach Binz, dem bekarmten Bad auf der Insel Rügen vorausgesetzt allerdings, Sie besitzen ein wenig Phantasie. Wir haben schon in Berlin den gleichen Zug bestiegen, sind in Stettin auf den Salondampfer 'Kronprinz Wilhelm' übergewechselt und werden in zwanzig Minuten unser Ziel erreichen. Schon fahren wir hinein in die weitgeöffnete Bucht, die Prorer Wiek. Drüben in der Ferne grüßen bereits die weißen Villen des Ostseebades freundlich zu uns herüber. Der Ort, auf beiden Seiten umrahmt von herrlichen Wäldern, liegt hingestreckt zwischen dem Meer und einem idyllischen Binnensee, dem Schmachter See.

Jetzt nähern wir uns den Prinz-HeinrichLandungsbrücken. Mit ihren 560 Metern Länge gehört die Brücke zu den größten der Ostseeküste. Nun macht unser Schiff am Anleger fest. Die Schaufeln des Raddampfers haben ihre Arbeit eingestellt. Gleich können wir von Bord gehen.

Ich hoffe, daß Ihnen die Fahrt gefallen hat. Wir hätten ja auch den Zug benutzen können. Schließlich besitzt das Bad durch die Kleinbahnstrecke PutbusGöhren Anschluß an das internationale Eisenbahnnetz. Aber unsere Seereise war doch erheblich bequemer. Also schieben wir uns im Strom der anderen Urlauber langsam auf die Brücke. Sehen Sie,

dort drüben steht ein Hausdiener. Er wird unsere Koffer in unsere Pension bringen. Rufen wir ihn also heran!

Ja, von hier aus hat man einen schönen Bliek über den Strand, der sich rechts und links der Brücke hinzieht. Diese auf Pfählen ruhenden Holzbauten sind Farnilien-, Damen- und Herrenbad. Nur von dort aus darf man zum Baden ins Meer hinaus. Aber jetzt haben wir das Ende der Brücke erreicht, müssen nur noch das Brückenhaus passieren. Schauen Sie einmal geradeaus! Die Verlängerung dieses riesigen Landungssteges ist die Wilhelmstraße, die Hauptgeschäftsstraße. In den Villen mit: den reichverzierten Fassaden - man nennt das 'Bäderarchitektur' bieten Ihnen viele kleine Läden Strand- und Badeutensilien.

Nun sind wir auf der Promenade. Sie zieht sich fast drei Kilometer zwischen Strand und Häuserreihe hin. Kilometerlang sind auch die Baumreihen auf beiden Seiten der Strandpromenade - eine richtige Allee. Wir müssen von der Brücke nach rechts abbiegen, um unsere Unterkünfte zu erreichen. Ich kann in der Ferne schon mein Hotel 'Fürst Blücher' erkennen, ein Haus mil herrlich verzierten Loggien und Balkonen. Und ein Türmchen auf dem Dach darf natürlich nicht fehlen. Hätten Sie gedacht, daß vor etwa dreißig Jahren hier am Ufer noch dichter Wald seine Äste in den Himmel reckte?

Wenn auch schon um 1830 die Gäste des Fürsten zu Put bus hier gebadet haben, sogar Hütten und Badekarren ihnen zur Verfügung standen - Binz wurde doch erst 1884 offiziell Ostseebad. Vorher war es jahrhundertelang ein armseliges Fischerbauerndorf in einem windgeschützten Tal in der Nähe des Schmachter Sees. Sie lächeln und glauben nicht, daß es in dieser Gegend Berge und Täler gibt, Schauen Sie doch einmal zum südlichen Ufer der Bucht hinüber! Sehen Sie, wie gewaltig sich das Kliff aus dem Meer erhebt? Diese von schönstem Buchenwald gekrönten Höhen sind Erinnerungen an das Eis der letzten Kaltzeit. Es hat gewaltige Geröllmassen hier abgelagert, Berge und Täler geschaffen - und in einern dieser Täler ließen sich vor etwa siebenhundert Jahren slawische Siedler nieder. Ja, Sie haben natürlich recht; der Boden, auf dem wir uns jetzt befinden, ist nicht in der Eiszeit entstanden. Diese sandige Nehrung hat das Meer erst vor wenigen Jahrhunderten angeschwemmt, und der Wind schuf aus diesem feinen Material meterhohe Dünen.

Aber jetzt darf ich Sie bitten, einen Bliek auf das Gebäude zu unserer Linken zu werfen! Das ist das neue Kurhaus. Es hat erst vor vier Jahren seine ersten Gäste empfangen. Inzwischen ist es das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Binz geworden. - Doch nun möchte ich mich von Ihnen verabschieden. leh bin am Ziel. Leben Sie wohl!

So oder doch so ähnlich, lieber Leser, hätte sich die Ankunft der Badegäste in der'ersten Hälfte unseres Jahrhunderts abspielen können. Viele der Kaufleute, Juristen, Offiziere, Künstler und deren Familien wählten den Weg über das Wasser, um zum 'Sorrent des Nordens' zu gelangen. Während sie am Ende des neunzehnten Jahrhunderts noch im Dorfkrug und auch wohl in der guten Stube der Fischerbauern Ouartier bezogen, fanden sie zwanzig Jahre später große, modern eingerichtete Hotels vor. Der elektrische Strom machte das Leben leichter und freundlicher. Die Kanalisation sorgte für die notwendige Hygiene. Straßen, als Alleen angelegt, lösten die ungepflasterten, sandigen Wege ab. Das Kurhaus mit seinen Restaurants" Tanzsälen, Bars, dem Theatersaal und dem Lesezimmer wurde Treffpunkt der gutsituierten Gäste. Die Kurverwaltung bemühte sich um ständige Abwechslung. Kurkonzerte, Strandfeste, Schönheitswettbewerbe, Theateraufführungen und Bootsregatten lösten einander ab. Wen wundert es, daß Binz bald das meistbesuchte Bad auf Rügen war? Diese Entwicklung vom kleinen, verträumten Dorf zum international bekannten Badeort soll für Sie auf den folgenden Seiten in Wort und Bild nachvollzogen werden.

IX

Also auf nach Bint, wo in glücklicher Verbindung die Freude an erbabener Natur und ein ungebundenes, wirklicb fröhliches, geselliges Lèhen uns lür die wenigen Wqcben, die uns das Jahr an Ferien schenkt, einzecl dee Alltag vergessen lassen.

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1. Unsere Abbildung - einer Werbeschrift aus dem Jahre 1936 entnommen - und die romantische Beschreibung von 1911 möchten dem Leser einen Überblick über die Lage des Ostseebades Binz geben: 'Vor dir liegt Binz. Kaum überschaubar für das Auge, ein lichter, schimmernder Kranz stattlicher Villen, aus denen der schloßartige Bau des Kurhauses emporwächst, davor die 3 km lange, mit schattigen Bäumen umsäumte Strandpromenade. Links die steilen, dichtbewaldeten Höhen der Granitz, rechts mit Föhren besetzte, goldschimmernde Dünen, hinter denen die Forsten der Prora sich auftürmen.' Es sei noch erwähnt, daß der Badeort im Westen durch den Schmachter See, der eine in der Eiszeit entstandene Vertiefung ausfüllt, begrenzt wird.

2. Der Südosten des Gemeindeterritoriums wird eingenommen von einem Hügelland, dessen Höhen bis zu 107 Metern ansteigen. Eismassen der letzten Kaltzeit haben diese Moränenlandschaft geformt. Herrlicher Laubwald, die Granitz, bedeekt die landwirtschaftlich nicht nutzbaren Kuppen und Täler. Dort, wo Meer und Moräne zusammentreffen, hat das nagende Ostseewasser ständig der Insel Boden entrissen und einen Steilhang geformt. Nur bei starken Stürmen erreichen die Wellen heute noch das Kliff. Dadurch konnte es sich auf weite Strecken begrünen. Dennoch wirken Frost, Sickerwasser und Wind auf den Hang ein und verändern ihn ständig. Zwischen Meer und Kliff zieht sich der schrnale, mit Geröll bedeekte Blockstrand entlang.

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3. Während der Süden und der Südosten des Badeortes von den eiszeitlichen Höhen der Granitz begrenzt werden, schließt sich im Nordwesten die vorwiegend flache Dünenlandschaft der Schmalen Heide an. Nach mehreren geologischen Hebungen und Senkunken des Ostseeraumes bestand Rügen letztenendes aus einer Hauptinsel und einer Reihe unterschiedlich großer Nebeninseln. Das im Laufe der Jahrtausende bei Sassnitz abgetragene Material wurde durch das Meer am südlichen Teil Jasmunds angeschwemmt und so allmählich eine Landverbindung zwischen Jasmund und der südöstlichen Moränenlandschaft geschaffen. Kleinere Inseln wurden in diesen Prozeß der Nehrungsbildung einbezogen. Nach Abschluß dieses Vorganges war eine nach Nordosten weit geöffnete Bucht - die Prorer Wiek - entstanden. Die Lage des Badeortes an diesem herrlichen Meeresteil hat sicher erheblich zu der schnellen Entwicklung des Ostseebades beigetragen.

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Villa "Seerose"

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.. Seefrieden"

4. Während der letzten Kaltzeit schürfte eine Gletscherzunge eine langgestreckte Rinne aus, die sich nach dem Abtauen des Eises mit Wasser füllte. Dadurch entstand eine tief ins Land reichende Bucht der Ostsee. Vom Meer abgelagerte Sandmassen schlossen später diese Bucht von der offenen See ab. Als Rest verblieb ein Binnensee, der Schmachter See. Dieses fischreiche Gewässer lieferte sicher schon vor Jahrhunderten Binzer Einwohnern ihre Nahrung. Doch auch die Gäste fühlten sich später an und auf dem See sehr wohl. Gern wurde in gemieteten Ruderbooten das gegenüberliegende Ufer angesteuert, um dort in einem Pavillon Kaffee und Kuchen zu genießen. Im Winter gewannen die Gastwirte Eis, das, im tiefen Keller aufbewahrt, im Sommer ihre Lebensmittel kühl hielt.

5. Binz wurde im Jahre 1318 zum erstenmal urkundlich erwähnt. Die Lage auf dem eiszeitlichen Geschiebelehm gestattete seinen Bewohnern Akkerbau und Viehhaltung. Die Nähe des Schmachter Sees ermöglichte den Fischfang. Fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb Binz ein kleines, unbedeutendes Dorf. 1853 lebten hier 149 Einwohner in fünfzehn Wohnhäusern. Zu ihnen gehörte auch dieses alte Gebäude. Da die Vorfahren der letzten Eigentümer bereits 1835 in einer Einwohnerliste aufgeführt wurden, ist die Existenz dieses in der Dorfstraße gelegenen Fachwerkhauses zu der Zeit wohl anzunehmen. Darauf weisen auch Höhe und Umfang des Hausbaumes hin. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Haus abgetragen.

6. Im Nebenberuf haben die landarmen Kossaten und Häusler wohl immer schon gefischt. Später hat sich für viele das Verhältnis der Berufe umgekehrt. Die Fischerei wurde zum Hauptberuf und das Stück Land am Rande des Ortes nebenbei bewirtschaftet. Mit seiner Hilfe konnte man zusätzlich Schweine und Ziegen halten. Man fing Hering, Aal, Lachs, Steinbutt und Flunder mit Stellnetzen, Angeln und den großen Reusen. Die Fischer hatten sich zu vier Kommunen zusammengeschlossen, die als die 'Roten', die 'Türken', die 'Kösterkomrnune' und die 'Blücherkornmune' bezeichnet wurden. Viele der Fischer hatten Spitznamen. Sie riefen sich 'Dreifuß', 'Admiral', 'Lornpti' und 'Blasenkopf . Diese Namen trugen sie ein Leben lang.

7. Aale und Heringe wurden vorwiegend in riesigen Reusen gefangen. Aalreusen stellte man im Herbst und die Heringsreusen im Frühjahr auf. Kapitalkräftige Fischer schlossen sich zu Reusenkommunen oder Reusenkompanien zusammen. Ärmere dagegen fischten mit Angeln und Stellnetzen. Die Reusenfischer nutzten nurdie Herbst- und Frühjahrszeit und arbeiteten im Sommer im Erholungsgewerbe. Arme Fischer mußten auch während der Saison ihr tägliches Brot auf dem Meer verdienen. Das Bild zeigt eine Kommune aus der Zeit um 1930. Ihr gehörten unter anderen die Fischer MiIlermann, Klöckner, Meußlind und die Gebrüder Möller an. Für die junge Urlauberin inmitten der 'urwüchsigen' Männer war diese Aufnahme sicher eine angenehme Erinnerung an ihren Aufenthalt in Binz.

8. Auf dem Foto aus dem Jahre 1894 ist das zweitälteste Hotel in Binz abgebildet. Wie es zu seinem Bau kam, schildern Brömel und Hege in ihrem Buch 'Erlebtes Rügen' so: 'Bis 1876 bestand der ganze Ort aus 17 kleinen Fischerhäusern und dem strohgedeckten Krug von Halliger, in dem die ersten Gäste wohnten. Am Strande standen zwei Hütten, gerade groß genug, sich darin auszukleiden. 1876 wurde das erste Hotel gebaut, aber erst 1878 kam ein Mann nach Binz, der die Gunst der Stunde und der Örtlichkeit mit sicherem Bliek erkannte. Kurzentschlossen heiratete er die Witwe des Krügers, riß die alte Bude ab und baute an ihrer Stelle ein Hotel. Die kleinen Badehütten ersetzte er durch ein Herren- und ein Damenbad von je acht Zeilen.' Dieser Mann, ausgestattet mit Geschäftssinn, Risikobereitschaft und Weitbliek. hieß Wilhelm Klünder.

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