Birkenfeld in alten Ansichten Band 2

Birkenfeld in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Walter Göhl
Gemeente
:   Birkenfeld
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2602-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Birkenfeld in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Der zweite Teil von 'Birkenfeld in alten Ansichten' umfaßt die Zeit von etwa 1930 bis 1950, greift allerdings gelegentlich einige Jahre zurück oder voraus. Die historischen Einschnitte liegen einerseits in den letzten Jahren der Weimarer Republik und andererseits nach dem Zweiten Weltkrieg in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Aufgabe erwies sich aus verschiedenen Gründen als wesentlich schwieriger und zeitraubender als beim ersten Band. Das wurde bereits bei der Sammlung von Bildmaterial, Quellen und Auskünften von Zeitgenossen deutlich.

Bilder und Dokumente der NS-Zeit wurden vielfach von Privatpersonen wie von Behörden, Institutionen, Vereinen vernichtet, um der 'Entnazifizierung' oder straftrechtlicher Verfolgung nach dem Kriege kein Belastungsmaterial in die Hand zu geben. Vieles wurde auf Anweisung der Besatzungsmächte beseitigt oder beschlagnahmt. Auch die Bereitschaft zu mündlichen Berichten und Auskünften war nicht immer sehr groß. Ähnliches galt auch schon für den Beginn der NS-Zeit, als man vielfach Bilder und Dokumente einer demokratischen Gesinnung und Betätigung vernichtete. Zweimal in unserem Zeitraum wollten viele nicht dabei gewesen sein.

Bekanntlich ist auch in der Kriegs- und vor allem Nachkriegszeit nicht viel fotografiert worden. Dieses Hobby war gewöhnlich Männersache, aber die Männer waren meist in Krieg oder Gefangenschaft. Kameras und Filme waren Mangelware und oft von schlechter

Qualität. Vieles, wie zum Beispiel militärische Anlagen und Vorgänge, durfte nicht aufgenommen werden. Die Berufsfotografen schließlich waren von offiziellen Dokumentationsaufträgen und der Herstellung von Einzelporträts - vor allem Paßbildern - vollauf beansprucht. Eine Schwierigkeit lag auch darin, daß wirklich aufschlußreiche Bilder ohnehin sehr selten sind, da die meisten Fotos zwei weniger interessanten Kategorien zugehören, nämlich:

1. Bilder von offiziellen Veranstaltungen (Kundgebungen, Aufmärsche, Feiern, und dergleichen;

2. Amateuraufnahmen aus dem Privatleben, vor allem Familienbilder, zum Beispiel für die Angehörigen an der Front, die nicht von allgemeinerem Interesse sind.

Es galt demnach, vor allem auch die Fotos aufzuspüren, die für die Zeit typischer waren als das Offizielle oder das bloß Private, Familiäre. Noch stärker als beim ersten Band war die Sorge, daß die volle Realität finsterer Zeiten kaum ins Bild kommt. So gibt es zum Beispiel keine Fotos von Kampfhandlungen im Birkenfelder Raum; kein Bild von den schrecklichen Verwundungen, mit denen Soldaten von der Ostfront ins Birkenfelder Lazarett kamen; kein Bild vom schweren Gang des Pfarrers oder des Ortsgruppenleiters, der eine Todesnachricht überbringt; kein Bild von der Erschießung eines 'Deserteurs' (obwohl der Krieg längst verloren ist); kein Bild von Übergriffen der Besatzungsmächte. Auch von der Armseligkeit des täglichen Lebens: der jahrelangen

harten Arbeit für Frauen, Kinder, alte Leute, dem dürftigen Warenangebot in den Geschäften, den 'Hamsterfahrten' nach dem Krieg, gibt es kaum Aufnahmen.

Trotzdem ist zu hoffen, daß die Abbildungen ausreichen, um zu wehmütiger Verklärung der Zeit keinen Anlaß zu geben. Das bedeutet jedoch nicht, daß es, zumindest im persönlichen Bereich, keine 'besonnte Vergangenheit' gegeben hat. Man hat auch in schweren Zeiten gelebt, gehofft, geliebt; oft sogar echter, intensiver - etwa in kurzen Urlaubstagen. Mancher erinnert sich gerne an Beispiele von Kameradschaft, Menschlichkeit, Opferbereitschaft, die in satten Friedenszeiten seltener sind.

In den Jahren von 1930 bis 1950 haben sich Deutschland und die Welt mehr verändert als in dem halben Jahrhundert davor. Die dramatischen Entwicklungen ließen wenig Raum für eine eigenständige Lokalgeschichte. Dafür fehlte es alleine schon an den notwendigen finanziellen und wirtschaftlichen Grundlagen. So hat sich etwa das Stadtbild in diesem Zeitraum kaum wesentlich verändert. Auch die regionalen Veränderungen fanden gegenüber den kollektiven oder persönlichen Schicksalen wenig Beachtung: man hatte andere Sorgen. Das galt vor dem Kriege zum Beispiel für die Eingliederung der Stadt in das Amt Birkenfeld (1933) - wie nach dem Kriege für die erneute Ausgliederung (1949). Auch die Eingemeindung von Feckweiler und Burg Birkenfeld (1933) war kein großes Ereignis. Selbst das Ende der einhundert-

zwanzigjährigen Zugehörigkeit zu Oldenburg und der Anschluß an die preußische Rheinprovinz ging 1937 in der großdeutschen Euphorie eher unter. Auch die Umsiedlung der Familien vom Truppenübungsplatz Baumholder nach Birkenfeld ging recht sang- und klanglos vor sich. Heftigere Reaktionen rief die willkürliche Abtrennung des Amtes Nohfelden und von acht Gemeinden des Amtes Freisen in den Jahren 1946/47 auf Birkenfelder Seite hervor. Zu ändern war nichts mehr.

Unser kleines Buch erhebt nicht den Anspruch wissenschaftlich fundierter Heimatforschung, àuch wenn es um Genauigkeit bemüht ist. Noch weniger will es, um das fragwürdige Wort zu benutzen, Vergangenheit 'bewältigen'. Es will einen Eindruck von dem geben, was die Birkenfelder in jener Zeit bewegt hat. Vielleicht trägt es damit zu rechter Erinnerung im Sinne van Erich Kästner bei:

Die Erinn 'rung ist eine mysteriöse Macht und bildet die Menschen um:

Wer das, was schön war, vergißt, wird böse, Wer das, was schlimm war, vergißt, wird dumm.

Der Bildband verdankt seine Entstehung entscheidend der Mithilfe vieler Birkenfelder Bürger,'die nicht alle namentlich erwähnt werden können. Sie haben durch die Überlassung von Bildern, durch Auskünfte, Ratschläge und Kritik dieses Buch erst möglich gemacht. Ihnen gilt daher der Dank des Herausgebers.

1. Notlandung beim Befreiungsf1ug. Im Juni 1930 verließen die letzten französischen Besatzungsangehörigen die dritte und letzte Besatzungszone. (In Birkenfeld waren zuletzt noch vier Gendarmen.) Anschließend fanden in Birkenfeld, wie im ganzen linksrheinischen Gebiet, große Befreiungsfeiern statt. Am 5. Juli 1930 erfolgten 'Befreiungsf1üge' der deutschen Luftfahrt. Dabei überflogen 42 Flugzeuge die Stadt. Unser Bild vom 6. Juli 1930 zeigt eine Junkersmaschine, die der Wendemarke zu nahe kam und am Feckweilerberg notlanden mußte. Die Befreiungsf1üge haben nicht unerheblich zur Gründung des Birkenfelder Flugsportvereins beigetragen. Auf unserem Bild erkennt man die alte Morbacher Straße rnit der leider verschwundenen Lindenallee. links die Scheune von Willi Zwetsch, Heintze Bierkeller, noch weiter im Hintergrund Pulvert urm und Park. Der Feldschütz Johann Schon hat offenbar die Sicherung der Unfallstelle übernommen (dritter von links). An der Maschine erkennt man von links:

Günter Brenner, Frau Erna Jost, Minna Glaser, Liesel Veeck, Alfred Fettig, Manfred Jost und Adolf Sohns.

2. 600-Jahrfeier. Am Weihnachtsfest 1332 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer Birkenfeld die Stadtrechte. Trotz schwerer Zeit und starker politischer Spannungen wurden im August 1932 zur 600-Jahrfeier glanzvolle, bei den Älteren noch unvergessene Festtage veranstaltet. Stadtbürgerrneister Ruppenthal erklärte: 'Mehr als je gilt es heute, den Heimatsinn zu pflegen und die Bande der Zusammengehörigkeit aller innerhalb der Gemeinde fester zu knüpfen.' An der Spitze des historischen Festzuges schritten die Mädchen der Turnerinnenriege, hier bei der Formierung des Festzuges in der Schneewiesenstraße vor dem alten Gymnasium und Gefängnis. Linke Reihe von links: Helma Knapp, Leni Engel, Mine Heß, Anneliese Rühl und Gertrud Nagel. Mitte hinten: Gertrud Bock, Frieda Wernig und Helene Schöpfer. Mitte vorn: Hilde Müller und Elfriede Müller. Rechte Reihe von links: Gerda Krummenauer, Emma Heß, Erna Britzius, Erika Schrneier, Leni Sell und Minna Wernig.

3. Schinderhannes mit seiner Bande. In einem historischen Festzug durften Schinderhannes und Juichen mit der berüchtigten Räuberbande (hier mit einem gefangenen Kaufmann) nicht fehlen. Der Schinderhannes war öfters in Birkenfeld eingekehrt. Zu Beginn seiner kriminellen Laufbahn drang er einmal nachts in das Magazin einer Birkenfelder Tuchfabrik ein (Gärtnerei Sänger, heute Meiborg) und stahl einen Ballen Tuch, ohne von dem nebenan arbeitenden Buchhalter bemerkt zu werden. Der historische Schinderhannes, eigentlich Johann Bückler, wurde am 21. November 1803 in Mainz hingerichtet. Auf unserem Bild wird der Schinderhannes dargestellt von Willi Steinke ('Berliner Willi'), Juichen von Maria Conrad, geborene Faust, der gefangene Handelsmann von Hermann Sehte.

4. Luisenbund, 1933. Der Luisenbund, eine deutschnationale Frauen- und Mädchenorganisation, hatte im Birkenfelder Land eine beachtliche Mitgliederzahl. Obwohl sich die Nationalsozialisten der konservativen Kräfte zur Erringung der Macht gerne bedienten, versuchten sie schon bald nach der Machtübernahme die nationalen Jugendorganisationen aufzulösen. In der Birkenfelder Landeszeitung stand am 20. Juli 1933, daß sich der Luisenbund 'ab heute als aufgelöst' zu betrachten habe. Wer sich diesem nationalsozialisti· schen Verlangen nicht fügt, wird als Gegner der deutschen Volksgemeinschaft gebrandmarkt und dementsprechend behandelt. NSDAP Ortsgruppe Birkenfeld. Der Luisenbund wehrte sich entschieden, wurde aber doch nach wenigen Monaten 'gleichgeschaltet". Hier wie in den meisten anderen Fällen kapitulierte die Führung eher als die Basis gegenüber den Nationalsozialisten. Die größeren Mädchen von links nach rechts: Ilona Soine, Anni Warth, Grete Adami (mit Wimpel: 'Ich dien') und Paula Hahn. Die Kinder: lnge Wildberger, Liesel Walter, Albert Zwetsch, Brunhilde Sehte, Gretel Adami (vorn), Rosemarie Jung (hinten) und Heinz Engel.

5. Spießbraten im Turnhallenkeller. Bei der Jugendbewegung waren Alkohol, Nikotin und Sonntagsbraten eher verpönt: Erbsensuppe mit Klampfenbegleitung am Lagerfeuer war zünftiger. Die Herren vom Turnverein auf unserem Foto vom 20. Februar 1931 pflegen traditionelles, weniger asketisches einheimisches Brauchtum. Fritz Kellner, der Turnhallenwirt, prüft, ob der Braten schon gar ist, Julius Kunz assistiert mit der Taschenlampe. Mit gebotenem Ernst sind bei der Sache von links nach rechts: Wim Burgard, Friedrich Hubach und Hans Stender; stehend Sohn Kellner und Heinrich Hermann. Spießbratengesellschaften gehören sicherlich zu den zwei oder drei Motiven, die seit hundert Jahren in Birkenfeld am häufigsten auf Fotos erscheinen.

6. 1. Mai 1933 - Tag der nationalen Arbeit. Dieser Tag sah die erste Massenveranstaltung der NS-Zeit in Birkenfeld. Er wurde zum Feiertag des gesaniten Volkes erklärt, die Schranken zwischen Arbeitern und Unternehmern, Angestellten und Beamten, 'Arbeitern der Stirn und der Faust' sollten niedergerissen, die neue 'Volksgemeinschaft' demonstriert werden. Auf diese Weise wollte man den traditionellen Feiertag der Arbeiterbewegung umfunktionieren. Einen Tag spater fielen die Gewerkschaften der 'Gleichschaltung' zum Opfer. Der Tag hatte mit Gottesdiensten und viertelstündigem Glockenläuten begonnen. Er endete mit Übertragungen von Reden des 'Führers und Volkskanzlers' und des Reichsjugendftihrers. Auf dem Burgberg brannte ein Riesenfeuer, dessen Flammen auch einige 'undeutsche Werke' übergeben wurden. Unser Bild des Festzuges am Oldenburger Hof zeigt im Vordergrund Madehen des BDM (Bund Deutscher Mädchen), dann die 'Freischar Junger Nation' (Bündische Jugend) und schließlich die christlichen Pfadfinder. Die zwangsweise Eingliederung der Jugend in die nationalsozialistischen Organisationen begann schon bald nach den Umzügen des 1. Mai 1933.

7. SA marschiert - 1. Mai 1933. Die Zugordnung war folgendermaßen organisiert: 1. Ausschuß unter Führung des Ortsgruppenleiters der NSDAP, 2. Nationalsozialistische Betriebszellen, 3. Deutsch-nationaler Handlungsgehilfenverband, 4a. NS-Beamtenabteilung, 4b. andere Beamtenorganisationen, 5. Freiwilliger Arbeitsdienst, 6. Innungen und Berufsverbände, 7. Bauernorganisationen, 8. NSDAP und andere NS-Organisationen, 9. Stahlhelm, 10. Deutschnationale, 11. Kriegerverein und Kyffhäuser, 12. Gesangverein Sängerlust, 13. Männergesangverein, 14. Turnverein, 15. Segelflugverein, 16. Sportverein und 17. Feuerwehr. Unser Bild zeigt den Birkenfelder SA-Sturm. Die SS-Gruppe versah den Ordnungsdienst (vorne, grüßend, ein SS-Mann). Schon im nächsten Jahr wurde die SA nach dem sogenannten Röhmputsch zugunsten der SS und der Wehrmacht weitgehend entmachtet. Die Bevölkerung war aufgerufen, die Häuser zu schmücken und 'reichlich Flaggenschmuck anzubringen'. Davon ist auf unserem Bild nicht allzuviel zu sehen, auch die Ehrenbezeugung vor der Fahne durch den 'Deutschen Gruß' war offenbar noch nicht allgemein durchgesetzt.

8. Erntedankfest, 1. Oktober 1933. Geschickt inszenierte, glanzvolle Massenveranstaltungen, die sich besonders im Jahre 1933 häuften, sollten 'Gleichschritt' und eine ständige Hochstimmung erzeugen. So wurde auch das Erntedankfest zum Staatsfeiertag des Volkes. Das Motto war: 'Stadt - und Land - Hand in Hand.' Aus 51 Ortschaften des Birkenfelder Landes, von Selbach bis Oberbrornbach, kamen Abordnungen mit Fuhrwerken, die mit Feldfrüchten beladen waren oder Bereiche der ländlichen Arbeitswelt darstellten (Dreschen, Flachsspinnen, Imkerei und so weiter). Unser Bild zeigt einen Erntewagen, der von Feckweiler gestellt wurde. Von links nach rechts: August Faust (mit Pfeife), Paul Nauert, Anna Burger, Meurer (vorne), Viktor Scherer (stehend), Anna Grill, Wilhelm Meurer, Martha Faust, Erna Britzius, Wilhelm Burger (dem auch Pferde und Wagen gehörten) und Else Decker. Im Hintergrund erkennt man das Museum.

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