Bönnigheim in alten Ansichten

Bönnigheim in alten Ansichten

Auteur
:   Elisabeth Zipperlen
Gemeente
:   Bönnigheim
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2343-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bönnigheim in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Bönnigheim eine kleine schwäbische Alt-Stadt. Bönnigheim liegt auf einem recht fruchtbaren Hochplateau in 221 Meter überm Meer, zwischen den Ausläufern des östlichen Stromberges und dem Neekar und hat nun 6 253 Einwohner. Es ist eine alte, gewerbefleißige Stadt, die schon im Jahre 793 urkundlich als 'Punnincheim' erscheint. Als Enclave gehörte Bönnigheim zuerst zur Herrschaft des Klosters Lorsch und wurde im Jahre 1232 unter die Herrschaft des Erzstiftes Mainz gestellt; erst 1785 wurde es dem Herzogtum Württemberg einverleibt. Die Schreibweise wechselte oft, es werden allein 38 Schriftarten aufgeführt. Unsere enggebaute Altstadt mit seinem noch schmalen und winkeligen Gassen, hochgereckten Giebelhäusern, zum Teil mit Fachwerk, Türmen, Teilen der alten Stadtmauer, der Burg, einem Schloß (Bauten aus zum Teil romanischer und gotischer Zeit, der Renaissance und des Barocks), aber auch modernen Bauten, alles bunt durcheinandergewürfelt, hat sich ein besonderes Aussehen bewahrt. All das macht doch den Zauber aus, der auch die Neubürger mit Heimatgefühl zu erfüllen vermag. Es ist tatsächlich so,

daß jedes Jahrhundert unserer Stadt seinen Stempel aufgedrückt hat. So hat jede Stadt, jede Gemeinde ihr eigenes Gesicht und das Leben pulst überall anders. In unserer Stadt ist das Besondere die fast 400 Jahre währende Teilung der Altstadt in vier Sektoren. Während unter der Herrschaft Lorsch die Herren von Magenheim mit dem Ort belehnt wurden, traten unter Chur-Mainz um 1379 mehrere Adelsfamilien zusammen, und es kam in der im Mittelalter nicht ungewöhnlichen Form der Verwaltung, zum sogenannten Ganerbiat. Der Ort war bereits 1284 in einer Urkunde 'civitas' genannt, in Form eines Rechtecks, mit einer Mauer umgeben, durch zwei Tore wurde die 'Stadt' betreten; zwei Straßenzüge führten durch die Stadt, die Hauptstraße von Süd nach Nord, die andere von Ost gen West; so geschah es, daß um 1517 herum die Vierteilung kam, jeder Teil mit eigener Verwaltung und benannt nach den wichtigsten adeligen Lehensherren. Noch heute unterscheidet man innerhalb unserer Altstadt: das Gemminger, das Neipperger, das Sachsenheimer und das Liebensteiner Viertel. Bereits 1727 lockerte sich das Ganerbenverhältnis und der

damalige Mainzer Erzbischof von Schönborn gab seinem Schwager, der zugleich sein Kanzler war, dem Grafen Philipp von Stadion Bönnigheim als Lehen. Wenn auch hin und wieder Differenzen auftraten, so darf man bekennen, daß unsere Stadt nicht schlecht mit ihren Ganerben gefahren ist.

Im Jahre 1785 verkaufte Chur-Mainz die Stadt (es gehörten seit 793 noch Erligheim, der Michaelsberg und Halb-Cleebronn dazu) um 463 000 Gulden am Württemberg. In die Zeit des Ganerbiats fällt der Bauernkrieg 1525, wo die Burg zum Teil zerstört wurde. Das kirchliche Leben blühte schon vor der Reformation auf, die Kirche besaß bereits sieben Altäre mit sieben Pfründen, auch waren einige Klöster in und bei Bönnigheim. Unsere Stadt gehört zu den ersten Gemeinden in der Gegend, die sich zum 'Neuen Glauben' bekannten. Schlimmere Wunden als der Bauernkrieg schlug der Dreißigjährige Krieg (I 618-1648); immer wieder fielen Heerhorden aller Völker Europas ein, plünderten, mordeten und zündeten. Viel Not kam über unsere Stadt. Nach 1785 bis 1806 wurde Bönnigheim Oberamtsstadt, kam dann an

das Oberamt Besigheim, Die neue Landesverfassung von 1809 schuf das neue Oberamt. Am 19. April 1823 wurde ein Sohn der Stadt, Heinrich Rieber, zum ersten Stadtschultheißen ernannt auf Lebenszeit. Es folgte die Zeit, in der sich das Gemeinwesen bestens entwickelte. Die aus alter Zeit bestehenden Zünfte förderten das Handwerk, das Gewerbe, es wurde modernisiert, neue Unternehmen siedelten sich an. Wir haben nun Rückschau gehalten, kurze Striche mußten genügen, das Bild der Geschichte einer Landstadt im Schwabenland aufzuzeigen. Die nun folgenden alten Ansichten und Fotos sollen unsere Stadt in den Jahren bereits ab 1854 bis 1931 zeigen, die meisten Bilder zeigen aber Stadt und Menschen der Zeit ab 1889. Um ein vielfältiges Bildmaterial zu bringen, stellten Bönnigheimer Zeitgenossen gerne zum vielseitigen Bildmaterial Postkarten und Fotos zu Verfügung; ihnen gilt herzlicher Dank der Verfasserin und des Verlages,

1. Die Bönnigheimer evangelische Stadtkirche, auch Cyriakuskirche genannt, präsentiert sich uns auf diesem Bilde von der südlichen Seite; man erkennt, daß die Kirche auf einer kleinen Erhebung steht. Was auf diesem Bilde ganz besonders interessant ist, ist der kleine Teil eines Hauses, der von der Kirchmauer über die Straße zu einer Scheuer führte, und unter dem Haus konnten die Passanten wie auf einem öffentlichem Wege die Straße benutzen. Das Haus wurde 'Feuerwagen' genannt. Am 28. April 1906 brannte das Haus total ab, welches von zwei Familien, Fritz Etzel und Christian Staiger, bewohnt gewesen war. Die Eingänge zu diesem Hause hatten sich zum Teil über der Kirchmauer befunden, wo die Familie Enz residierte. Enge Bauweise und enges Zusammenwohnen bestimmten einst das altstädtische bürgerliche Leben.

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2. Was die Fotografen und die Verlage um die Jahrhundertwende mit den Postkarten alles fertig brachten, zeigt uns diese Postkarte. Es sieht so aus, als wenn kein Gegenüber von der Kirche zu sehen ist, auch nicht der 'Feuerwagen', Uns soll aber hier jenes Gebäude interessieren, welches rechter Hand vom Chor der Kirche zu sehen ist. Man nannte es Beghinenhaus; ab 1558 wurde die Lateinschule hineingelegt bis 1835, dann war es das Altersheim. so wie es sich hier zeigt mit dem Eingang gen Süden. Für unsere Stadt aber war dies Gebäude die älteste Zelle, eine Behausung der Herren von Binnecke, und wurde bereits im Jahre 1100 im Hirsauer Codex benannt. Links von der Kirche ist das noch heute erhaltene Gebäude zu sehen, das einstige Cyriakuspfründhaus, Die Linde am südlichen Eingang der Kirche ist bis heute noch erhalten geblieben. Das Stammhaus, wohl die Urzelle der Altstadt, ist leider der 'Neu-Zelt' zum Opfer gefallen.

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3. Der Notruf, der in heutiger Zeit durch unsere Lande geht, ob für das Kind im vorschulpflichtigem Alter von staatlicher und kommunaler Seite genügend getan wird, läßt uns an frühere Zeiten in Bönnigheim denken, wo bereits durch den hier amtierenden Pfarrer Dr. Ulrich Hahn um 1850 eine Kleinkinderschule errichtet wurde, hauptsächlich zur Entlastung der bäuerlichen Familien. Das erste Kinderschulhaus wurde am 13. November 1871 an der Bismarckstraße erstellt; der Stifter Immannuel Boehringer gab dazu 10000 Mark. Alle alten Bönnigheimer erinnern sich gerne an ihre erste Kinderschulzeit. Auf diesem Foto sehen wir Schwester Wilhelmine mit drei jungen Helferinnen. Es sind die Jahrgänge 1893 bis 1896, die hier ihr Augenmerk dem komischen großen Guckkasten schenken. Ein nachdenkliger Anblick: eine verflossene Generation. Eine lustige Episode. Schwester Wilhelmine war eine sehr liebe Schwester; sie konnte aber auch streng sein; als sie mal einen bösen Buben in den Keller steckte, beugte er für künftig vor, indem er der guten Schwester ihr Mostfaß auslaufen ließ.

4. Die beiden Postkarten dürften zu den ältesten Grußkarten von unserer Stadt Bönnigheim gehören. Die Grußpostkarte von der Bönnigheimer Stadtkirche aus dem Verlag von 'Hofphotograph' W. Klemm, Schwäb. Hall dürfte zu den ältesten Ansichtskarten aus Bönnigheim gehören, wie man erkennen kann. Nach der großen Innenrenovierung in den Jahren 1897-1899 durch den Mitbegründer der Nähseidenfabrik, Immanuel Boehringer, erkennen wir die neue Orgel aus der Orgelbaufirma Weigle mit drei klingenden Registern, drei Manualen, einem Pedal und 2 132 Pfeifen. Für diese Orgel mußte das Dach erhöht werden. Den wertvollen Hochaltar von 1494-1498 ließ Herr Boehringer ebenfalls gründlich restaurieren und vom Holzwurm befreien.

5. An der Nordseite der Stadtkirche ein Kunstwerk aus Holz: die Gefangennahme Christi; hier hatte die Stadtverwaltung eine Grünanlage geschaffen; vorher stand bis 1897 die Zehent-Stadtscheuer, an deren Südseite sich der 'Oelberg' befand, welcher dann an die Ostseite des Chores zur Aufstellung kam. Nach dem Bau der ersten Wasserleitung in den Jahren 1906-1908 stiftete Fabrikant Immanuel Boehringer das Wasserleitungsdenkmal auf dem einstigen Platz der Zehntscheuer. Es entstand nicht nur zur Verschönerung des Platzes, sondern auch als beredter Ausdruck der Freude über den Bau der Quellwasserleitung. Im Laufe der Jahre setzte der Moloch Verkehr und sonstige Einflüße dem Denkmal sehr zu und es wurde nach und nach abgetragen, der Brunnen wurde zerstört. Schon vorher wurden Säulen und Kuppeldach entfernt und die Figuren des Knaben auf der Schildkröte wurde ins Klärwerk verbannt! - Ein bis heute unerklärbarer Vorgang -.

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6. Gar manche Bönnigheimer trauern heute noch dem 'Innem' der evangelischen Kirche nach. 'Hier sind wir getauft, konfirmiert, getraut worden!' So sah das Innere unserer Kirche nach ihrer großen Renovierung 1899 aus, es zeigt uns jene Ansicht, die jeden Besucher sofort durch ihren sacralen Eindruck fesselte. Es ist der Bliek auf den Lettner, vor dem der Taufstein stand; auf dem Lettner die beiden alten Chorstühle. Die Kanzel wurde im Jahre 1866 anstelle einer steinernen Kanzel von 1566 erstellt. Der Pfosten, auf dem sie ruht, ist mit geschnitztem Weinlaub gekrönt. Über dem Schalldeckel erhebt sich ein durchbrochenes Spitztürmchen; innerhalb desselben steht ein geschnitzter Christus, mit der Rechten segnend und mit der Linken die Weltkugel tragend! Heute liegt das schöne Werkstück auseinandergenommen auf der Bühne über der Sakristei. Die gesamte Innenrenovierung verdankt Bönnigheim der Familie Immanuel Boehringer.

7. Wie mag dieses wohl für eine illustre Gesellschaft sein? In unserer Stadt wurde am 1. November 1925 das 400jährige Reformationsjubiläum gefeiert. Von Pfarrer Ernst Mayer ging die Anregung aus, das 400jährige Jubiläum festlich zu begehen. Die wiirttembergischen Kirchenfürsten und örtlichen Wiirdenträger waren zu diesem Festakt erschienen, denn nach den Forsehungen vom jungen Pfarrer Mayer gehörte unsere Stadt mit zu den ersten, die sich bereits 1525 der lutherischen Lehre zuwandten. In der Mitte steht Kirchenpräsident Dr. von Merz, Prälat Dr.Dopfel, hinter ihnen Dekan Klemm (Besigheim) und Stadtpfarrer Sigle (Bönnigheim), ohne Hut Pfarrer Ernst Mayer, dann Landrat Wandel und Stadtschultheiß Zipperlen.

8. An der Straße, die von Cannstadt über Bietigheim, Erligheim durch Bönnigheim gen Braekenheim einerseits und gen Heidelberg westwärts führte, erstellte ein Rotgerber um 1790 dieses Gebäude, welches in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts von Dr. Ulrich Hahn erworben wurde, welcher als 2. Stadtpfarrer hierin ein Knabeninstitut errichtete; es hatte internationalen Ruf erlangt. Nach den schweren Jahren von 1848 wurde es aufgelöst und im Jahre 1854 gründeten in diesern Gebäude Alois Amann und Immanuel Boehringer ein Unternehmen 'zum Zwecke der Fabrikation gezwirnter und gefärbter Seiden'. Dieses Unternehmen florierte so gut, daß das Stammhaus durch einen Anbau vergrößert werden mußte. Es ist heute das Stammhaus der Welt-Firma Amann und Söhne.

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