Brunnenstadt Gerolstein alte und neue Bilder

Brunnenstadt Gerolstein alte und neue Bilder

Auteur
:   Josef P. Böffgen
Gemeente
:   Gerolstein, Brunnenstadt
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1707-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Brunnenstadt Gerolstein alte und neue Bilder'

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EINLEITUNG

'Le ceeur a ses raisons q ue la raison ne connaît pas.' Ich weiß nicht, wo dieses Wort von Pascal steht und sein Wortspiel ist auch im Deutschen nicht wiederzugeben: 'Das Herz hat seine Gründe von denen der Verstand nichts weiß.' Antoine de Saint-Exupéry sagt dasselbe im 'Kleinen Prinz': 'Das, worauf es ankommt, ist für die Augen unsichtbar, man sieht nur mit dem Herzen gut.' Auf den konkreten Fall der Heimat angewandt könnte man das Wort abwandeln: Die Augen sehen nur die Landschaft, nur das Herz sieht die Heimat.

Nur das Herz sieht die Heimat - das war schon Auswahl- und Gestaltungsprinzip des Bandes 'Gerolstein in alten Ansichten', der auf Anregung des Verlages 'Europäische Bibliothek' im Rahmen seiner Reihe Städtebilder ' ... in alten Ansichten' erschien und von der Bevölkerung sehr gut aufgenommen wurde. Dieser Band will als Nachfolgeband bis in unsere Zeit gehen. Er erscheint auf Anregung der Stadtverwaltung Gerolstein und aus Anlaß der 25-Jahrfeier der Wiederverleihung der Stadtrechte an Gerolstein im Jahre 1953. So bilden die beiden Bände zusammen eine kleine Bilderchronik unserer Stadt in den letzten hundert Jahren. Das scheint umso schwieriger, je näher man an die Gegenwart kommt. Wer will heute schon sagen, was Bestand haben wird und deshalb verdient, im Bilde festgehalten zu werden?

Aber nicht nur hier liegt die Schwierigkeit, Wenn dieser Band die Jahre ab 1930 dokumentieren will, so liegt der schwierigste Teil dieser Arbeit gleich am Beginn dieses Zeitabschnittes, im zwölf Jahre lang dauernden 'Tausendjährigen Reich'. Es geht nicht an, so zu tun, als habe es diese Zeit

nicht gegeben. Es geht auch nicht an, so zu tun, als seien alle nur harmlose Mitläufer gewesen. Nein, seien wir ehrlich: es gab auch in Gerolstein 'Hyänen', Es gab aber auch Trager der braunen Uniform, die gerade weil sie es waren, viel Unheil verhindern konnten. Stellvertretend für alle sei der ehemalige Ortsgruppenleiter Dip!. Ing. Josef Endris genannt.

Es kann sich hier nicht darum handeln, ein abschließendes Urteil über jene unheilvolle Zeit zu geben. Selbst unsere Geschichtler stellen darin nur erste Versuche an. Was hier beabsichtigt ist, ist nur, einzelne Episoden festzuhalten, und das von einem, der seit 1935 in räumlicher Distanz von dem ganzen Geschehen in der Schweiz lebte, der aber kein anderes Hakenkreuz je getragen, als das an seinem Uniformrock als Soldat. Aber selbst die wenigen Jahre verbissener Wahlkämpfe und zwei Jahre NS-Herrschaft in Deutschland waren Zeit genug, um ein paar typische Episoden zu erleben. So zum Beispiel, daß ein bulliger SA-Mann sich auf mich stürzte, um mir das Christusmonogramm - Zeichen der katholischen Jugend - vom Revers des Rockes zu reißen und wutschnaubend auf den Boden zu schleudern.

Aber auch dies konnte ich selbst erleben: Die Sturmschar eine Formation der katholischen Jugend - zog an einem Sonntagvormittag zwischen den Gottesdiensten in Marschordnung durch die Hauptstraße. In der Höhe von Moog's Haus (jetzt Möbel Wirtz) kamen von unten ein paar Hitierjungen in Uniform. Sie gingen, wie natürlich auch wir, mitten auf der Straße und machten der Marschformation keinen Platz, sondern gingen mitten hindurch. Das sah - und nun

darf ich wieder einen Namen nennen - 'Berg Stoffel' (Christof Duppich). Er zögerte nicht, sondern nahm seine kräftigen Hände, verteilte an die Hitlerjungen ein paar saftige Ohrfeigen und sagte dazu nur: 'Ich werde euch zeigen, wie man Gerolsteiner Jungens belästigt!'

Solange es möglich war, kam ich jeden Sommer ein paar Wochen nach Hause. Mein Vater hatte inzwischen einem jüdischen Ehepaar zwei Zimmer vermietet: Moritz Levy. Deren Kinder waren in Israel. Ich weiß nicht, wer es war, aber irgendjemand hatte zu meinem Vater gesagt: 'Setz doch den Juden an die Luft.' Antwort meines Vaters: 'Ich bin immer noch Herr über mein Haus und lasse darin wohnen, wen ich will.' Meine Aufgabe war es dann, Briefe zwischen Israel und Deutschland, zwischen Ehepaar Levy und deren Kindern hin und her zu besorgen.

Der Spuk ging vorüber, wenn auch nicht spurlos. Als der Krieg zu Ende war, lag unsere Stadt zu siebzig Prozent in Trümmern. Ratlos standen wir da und hielten in den Händen nichts als die Schlüssel unserer zerstörten Häuser.

Daß es in allem Elend und Leid des Krieges auch Grenzen kommunaler Willkür, vor allem auch Grenzen der Christentumsfeindlichkeit gab, zeigte die Bevölkerung von Gerolstein, vor allem 'Rejinne Jupp', im Jahre 1940 am Beispiel der Kreuzigungsgruppe am Rathaus. Hier genügt der Hinweis. Den genauen Hergang habe ich anderswo dargelegt ('Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Gerolstein', Jahrgang 4, Nummer 46 vom 13. November 1976).

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war es wieder wie

200 Jahre vorher: Zuzugsgenehmigung nach Gerolstein bekam damals nur, wer einen Beruf nachweisen konnte. 1945 bekam sie nur, wer einen Arbeitsplatz in Gerolstein hatte. Während zunächst einmal nur beschädigte Wohnungen bewohnbar gemacht wurden, begann der Wiederaufbau erst nach der Währungsreform (20. Juni 1948). Was aus dem 'Kopfgeld' von DM 40 geworden ist, nicht nur bei uns, sondern allüberall, das hat man zunächst das deutsche 'Wirtschaftswunder' genannt. Es ging in verschiedenen 'Wellen' über uns hinweg: Freßwelle, Bekleidungswelle, Reisewelle und so weiter. Wellen haben es - wörtlich verstanden - in sich. Nicht immer sind es 'frutti di mare' (eßbare Muscheln), die sie ans Ufer spülen; manchmal ist es Treibholz, und nur im Märchen sind es verwunschene Prinzessinnen, die als Frösche mit goldener Krone erscheinen und auf das Zauberwort warten, das sie verwandelt.

Was haben die 'Wellen' uns gebracht? Wir können hier nur ein paar Bilder zeigen von der Entwicklung unserer Stadt. Nicht auf dem heutigen baulichen Stand liegt der Akzent, sondern auf dem Geschehen der letzten 50 Jahre und vor allem bei den Menschen, die unsere Heimat gestaltet haben. Auf die kommt es zuerst an. Ohne äußere Leistungen abwerten zu wollen - uns interessiert hier nicht zumindest die Gesinnung aus der heraus alle ihr Bestes getan haben, denn: Das Auge sieht nur die Landschaft, nur das Herz sieht die Heimat.

1. Mein Gerolstein

Kennst du das Städtelein, das die Sage umwob, wo Krater gespien und die Lava zerstob?

wo Felsen wuchsen und Eichenhain?

Das bist du, mein Gerolstein.

Kennst du das Städtelein, dem mein Herze schlägt?

Bin ich in der Ferne, das Sehnen sich regt!

Zu Füßen der Berge, du Heimat mein!

Das bist du, mein Gerolstein.

Kennst du das Städtelein in dem herrlichen Tal?

Dich grüß' ich in Treue nun allzumal!

Mein Lied soll dir singen, dir heut' allein:

Du Perle der Eifel, mein Gerolstein!

Carl Breuer

Siehe auch Bild 69.

2. 'An dem Kyll zwischen Bettburg oder Bittburg, Schönecken und Gerrestein (so alle drey auch für Städtelein gesetzt werden, wir aber davon nichts berichten können).' So schreibt Mattäus Merian der Jüngere 1675 in den "Topographien', das heißt einer großen Sammlung von Städteansichten. Obwohl also Merian über Gerolstein nichts zu berichten weiß, war 'das uhralte, von weiland Manfredo von Hennegau erbaute Schloß ... eine der schönsten gräflichen Residenzen des Landes'. Aber nicht mehr lange: am 5. August 1691 wurde es durch kurpfälzische Truppen zerstört und nicht wieder aufgebaut. So wie hier im Bild präsentierten sich uns die Ruinen, bis auch diese durch Bomben des Zweiten Weltkrieges größtenteils niedergelegt wurden. Im Vordergrund der herrliche Steingarten von Rektor Dohm 'im Bungert'.

3. Im Jahre 1904 malte Adolf Link, Kunstlehrer an der Akademie zu Düsseldorf, dieses Haus als typisohes Eifelhaus. Es ist das 'untere Schneggisch-Ho-us' (das untere Schneider'sche Haus) im 'Kluster' (Kloster) in Lissingen. 1921 wurde es durch einen Neubau ersetzt - heute käme es in ein Freilichtmuseum. Dr. Blum berichtet in seinem Werk 'Entwicklung des Kreises Daun' (1925) daß 1868 Strohbedachung noch die Regel war. Schon vorher hatte man vom Fachwerk zu massivem Steinbau gewechselt. Auch damals gab es schon so etwas wie 'Unser Dorf soll schöner werden', denn schon 1904 empfiehlt der Landrat von Daun 'den Baulustigen die Besichtigung von Musteransichten für Burger- und Bauernhäuser zur Verschönerung der ländlichen Bauweise' (Dr. Blurn, Seite 203).

4. Anfang der dreißiger Jahre war der Stadtkern das eigentliche Gebiet des Handwerks und des Handels, während sich die bäuerlichen Betriebe mehr und mehr am Stadtrand ansiedelten. Der Erste Weltkrieg hatte eine große Verarmung gebracht. Es bedurfte harter Anstrengung, eine kinderreiche Familie - das war die Regel - durchzubringen. Bargeld war knapp. Als ein bekarmter Handwerker an einem Samstag aus der Kirche kommend einen Wechsel unterschreiben sollte, sagte er zu seiner Frau: 'Kätt, schre-jf do-u, esch wohr bischde!' Eine andere Frau war bekannt dafür, daß sie mit Wechseln zahlte, die dann meist platzten. Als Meister Jakob wieder einmal einen Wechsel angenommen hatte und seine Frau ihrem Unmut darüber Luft machte, meinte der Dreikäsehoch von Söhnchen, ohne zu wissen, was er sagte: 'Die Frau ist eben in den Wechseljahren!'

5. Eine wenigstens kleine Landwirtschaft gehörte fast zu jedem Haus, auch wenn der Haupterwerb aus anderer Beschäftigung kam. Der Handwerker wie der Beamte - wenigstens wenn er alteingesessen war - hatte ein oder zwei Kühe, eventuell auch noch ein paar Ziegen (sogenannte 'Beamtenkuh'), Bäuerliche Kleinbetriebe waren die Regel. Nur selten ging ein lebensfähiger landwirtschaftlicher Betrieb ungeteilt in die Hände eines einzigen Erben, meist wurde er unter alle Kinder aufgeteilt, bis er so klein war, daß eine Familie nicht mehr davon leben konnte. So war die Realteilung ein großes Hindernis für die Entstehung oder Erhaltung lebensfähiger Höfe. Dabei stellten Ackerbau und Viehzucht in der Eifel ungleich härtere Forderungen als in anderen Teilen unserer Heirnat, bedingt durch das Klima und den kargen Boden.

Foto: Paffenholz

6. Der letzte Heuwagen der jeweiligen Jahresernte wurde mit einem bunten Strauß an der Leiter geschmückt (hier: Krämer, 1935). Schon wenige Jahre später hatte die Landwirtschaft der Eifel eine schwere Belastung zu tragen durch die Vorbereitungen des Zweiten Weltkrieges, vor allem als die Kyllstellung gebaut wurde zur letzten deutschen Offensive, der Rundstedt-Offensive (1944). Vier Kilometer Panzergräben, zwölf Kilometer Drahthindernisse allein in der Gemarkung Gerolstein gingen oft durch bestes Acker- und Wiesenland und brachten beachtliche Ausfälle an Nutzland und Ertrag. Noch 1948 war die Feldbestellung behindert, die Gräben 1949 noch größtenteils vorhanden.

Foto: Maucher

7. Im Winter ruhte die bäuerliche Arbeit oder spielte sich ganz im Hause ab. So zeigt dieses Bild der Oberen Marktstraße die stille Geruhsamkeit, die dann einkehrte. Man hatte Zeit nicht nur für die notwendigen Reparaturen an Wagen und Maschinen, sondern vor allem für einander, für Familie, Nachbarschaft und die Freunde. Dann wurden alte Geschichten lebendig, denen wir Kinder gespannt lauschten: Ritter, Grafen und Kaiser, Klausner und Köhler erstanden vor uns, böse Weiber und grobe Männer, Hexen, Heinzelmännchen und Schalksnarren trieben ihr Unwesen. Wenn wir dann eine unserer Burgen besuchten, wenn wir in die Felsen kletterten, wenn wir durch dunkle Wälder, stille Moore und über einsame Höhen wanderten, dann war alles belebt von den Gestalten, die in unserer Phantasie aus den Begebenheiten längst vergangener Tage lebten.

8. Als Joharm Coßmann, genannt 'Schäferjohann' 1936 mit fast 92 Jahren starb, war mit ihm nicht nur 'der älteste Einwohner unseres Kurstädtchens', so schrieb die Zeitung, sondern auch 'der älteste Schäfer Deutschlands' dahingegangen. 60 Jahre lang ging er diesern seinem naturverbundenen Berufe nach. Er war aber nicht nur der älteste, sondern auch der letzte Schäfer von Gerolstein. Erst in unseren Tagen kann man ab und zu wieder einen Schäfer bei seiner Herde beobachten. 1912 baute 'Schäferjohann' sein Haus, damals weit außerhalb von Gerolstein, bei seinem Schafstall. Er wartete damit, bis seine jüngste Tochter (Frau Kirst) aus der Schule war, um ihr den weiten Schulweg zu ersparen. Als der Pastor einmal seinen Hund lobte wegen seiner Treue und Geschicklichkeit, meinte 'Schäferjohann': 'Ja, Herr Pastor, wenn Sie die Hölle nicht hätten und ich nicht meinen Hund, dann wären wir beide arme Hirten.'

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