Bützow in alten Ansichten Band 1

Bützow in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Wolfgang Schmidtbauer
Gemeente
:   Bützow
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6003-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bützow in alten Ansichten Band 1'

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Einleitung

Wie andere mecklenburgische Städte, besitzt auch Bützow keine Gründungsurkunde oder schriftliche Erwähnung der Verleihung des Stadtrechts; dennoch wird das [ahr 1229 als das späteste seiner Gründung angenommen. Vom 24. [anuar 1229 stammt eine Urkunde, in der BischofBrunward den Unterhalt eines zweiten Priesters an der Bützower Kirche sichert. Der Ort muß also schon von gewisser Bedeutung gewesen sein, wenn dort zwei Priester tätig waren. Mit völliger Gewißheit war Bützow im Iahre 1236 eine Stadt, wurden doch zu diesem Zeitpunkt die Grenzen ihres Grundbesitzes, des Stadtfeldes, festgelegt.

Ein Blick auf die Karte zeigt uns die außerordentlich günstige Lage der Neugründung. Geschützt durch See, Fluß und sumpfige Wiesen, war die Warnowinsel, auf der die Stadt entstand, nur aufDämmen zu erreichen. Zusätzlich befestigten die Bewohner ihre Siedlung im Westen und Norden mit einem Wassergraben, wahrscheinlich auch mit Palisaden; später wurden ein Mauerring mit Wehrtürmen und drei Stadttore mit Zugbrücken errichtet.

Nachdem die Residenz des Bischofs von Schwerin nach Bützow verlegt worden war, begannen 1263 Neubau und Befestigung der Burganlage auf einer kleinen Warnowinsel neben der Stadt. Als Bischofssitz und 'Vorderstadt' des Stiftslandes gewann Bützow zunehmend an Bedeutung. In seinen Mauern fanden die Beratungen der Stiftslandtage statt, und die Lage an der Kreuzung der wichtigen Handelsstraße von Dernmin nach Lübeck mit der schiffbaren Warnow trugen zur Belebung von Handel und Wandel bei.

Am 20. Juni 1549 wurde durch den Landtag an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg das Luthertum in Mecklenburg eingeführt, wobei die rechtliche Eigenständigkeit des Stiftslandes, das von diesem Zeitpunkt an durch einen evangelischen Administrator verwaltet wurde, erhalten blieb. Im Westfälischen Frieden erhielt die Schweriner Linie des her-

zoglichen Hauses als Ausgleich für Wismar und sein Umland, das an Schweden abgetreten werden mußte, das ehemalige Bisturn, von nun an Fürstentum Schwerin. Es blieb weiterhin ein gesondertes Territorium mit eigenem Landtag, der nach wie vor in Bützow srattfand. Diese Sonderstellung blieb auch beim Abschluß des Landesgrundgesetzlichen Erbvergleichs im Iahre 1755 erhalten und endete erst 1851. Jahrhunderten einer im wesentlichen stetigen Aufwärtsentwicklung folgten die Kriegswirren des 17. bis zum Anfang des 19. [ahrhunderts, von denen auch Bützow hart betroffen wurde. Vor allem der Dreißigjährige Krieg ließ die Einwohnerzahl der Stadt sinken, Handwerk und Handel niedergehen. Seuchen brachten weiteres Elend. Feuersbrünste wie der große Stadtbrand von 1716, der 143 Häuser einäscherte, bedrohten die wirtschaftliche Existenz vieler Bürger. Städtische und herzogliche Hilfe beim Wiederaufbau haben indes die negativen Polgen weitgehend mindern können,

Es ist hervorzuheben, daß die Landesherren bemüht waren, dem darniederliegenden Gemeinwesen auch durch andere Maßnahmen wieder aufzuhelfen: zu Beginn des 18. [ahrhunderts wurden französische Hugenotten in Bützow wohnhaft gemacht; von 1713 bis 1749 bezog Herzogin Sophie Charlotte das Schloß als Witwenresidenz; von 1760 bis 1789 war Bützow Sitz einer Universität, der 'Frldertciana': zwischen 1812 und 1879 war hier das Kriminalkollegium angesiedelt. Die Existenz eines Hofstaates, einer Universität rnit Professoren, Subalternen und Studenten, des Kriminalkollegiums mit seinen Beamten hoben die Stadt aus der Reihe anderer mecklenburgischer Städte heraus, brachten neue Verdienstmöglichkeiten für ihre Bewohner, ließen ein reges geistiges Leben entstehen und erhöhten ihre Anziehungskraft. Zahlreiche Handwerker, aber auch Tagelöhner aus dem Umland und weiter entfernt liegenden Orten, die sich eine Existenz aufbauen wollten, WUI-

den durch diese Bedingungen zur Ansiedlung ermutigt.

Damit wuchsen freilich die Probleme. Der Anteil der nicht selbständigen Beschäftigten lag 1764 bereits bei einem Drittel der erwachsenen Bewohner, jedoch sie waren von jeglicher Mitwirkung in städtischen Angelegenheiten ausgeschlossen. Tiefgehende soziale und politische Spannungen führten im Gefolge der Französischen Revolution zu Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Stadtobrigkeit, deren Hóhepunkt als der 'Gänsekrieg' des jahres 1794 bekanntgeworden ist, und die stetige wirtschaftliche Entwicklung Bützows nach der 'Pranzosentid' darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich der vorproletarische und proletarische Teil der Stadtbevölkerung mit seinen Emanzipauonsbestrebungen seit der Mitte des vorigen Iahrhunderts immer nachdrücklicher zu Wort meldete.

Die Bilder dieses Bandes spiegeln mit geringen Ausnahmen die Zeit zwischen 1890 und 1910 wider. Das waren für Bützow [ahre eines wirtschaftlichen Aufschwungs. Der Staatskalender nennt für 1890542 Häuser mit 1 322 Haushaltungen und 5 323 Einwohnern; zwanzig [ahre später sind es bereits 641 Wohnhäuser, 1 582 Haushaltungen und 5 874 Einwohner; das bedeutete eine Zunahme von 99 Häusern, 260 Haushaltungen und 551 Einwohnern. Die Zahl der industriellen Unternehmungen war im gleichen Zeitraum von sechs auf vierzehn gestiegen. Die genannten Iahre waren nicht minder von den Auseinandersetzungen mit der überlebten feudalen Ständeverfassung geprägt, nach der in Mecklenburg Bürger, Bauern und Arbeiter wie seit Hunderten von Iahren keine Möglichkeit besaßen, in die Staatsgeschicke einzugreifen. Kein Wahlrecht zum Mecklenburgischen Landtag, wohl aber zum Reichstag - die Kämpfe gegen diesen Anachronismus konnten leider nicht dokumentiert werden, da es an zeitgenössischen Bildern aus Bützow mangelte.

Wenn wir die Aufnahmen betrachten, die unsere Stadt vor einhundert [ahren zeigen, sollten wir die Vergangenheit nicht verklaren. Keiner von uns möchte wohl in eine Zeit ohne fließendes Wasser, ohne Elektrizität zurück. Unsere Großelterngeneration mußte hart arbeiten und vieles entbehren, das wir als etwas Selbverständliches ansehen. Ihr Leben verlief vielleicht ruhiger als unseres -leichter war es aufkeinen Fall.

An dieser Stelle gilt mein Dank allen, die mich freundlich unterstûtzten. Namentlich erwähnt seien die Damen Hilde Grambow, Ursula Kay, Hilde Koch, Elli Kricheldorf, Ursula Schade und Charlotte Schröder sowie die Herren Dr. Günter Camenz, Fritz Gramckow, Peter Hollien, Klaus-Dieter Rosenberg, Erhard Scheffler, Willi Schlosser, Karl Voigt und Horst Wittenburg, die historische Aufnahmen für diesen Band zur Verfügung stellten. Ein gleicher Dank gilt Frau Kerstin Rathsack und Herrn Heinz Homburg vom Heimatmuseum der Stadt, der HGW Hanse-Gas und Herrn Hartmut Böhnke.

1 Was erschien Buchbinder Koch, der die Ansichtspostkarte im [ahre 1897 verlegte, an Bützow denkwürdig zu sein? Neben Rathaus und Kriegerdenkmal, wohl in jeder mecklenburgischen Stadt zu finden, waren es das Gymnasium, der Bahnhof, das Kaiserliche Postamt und - die Landesstrafanstalt zu Dreibergen. Folgen Sie mir auf einem Spaziergang durch Bützow, wie es um die Iahrhundertwende aussah! Wir werden viel mehr an Bemerkens- und Liebenswertem entdecken. und sicher werden Sie das heutige Stadtbild mit anderen Augen sehen, wenn Sie Vergleiche mit der Vergangenheit ziehen können. Bitte einsteigen in einen

Zug der Großherzoglichen Friedrich - Franz- Eisenbahn, der uns nach Bützow bringen soll!

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2 Der Zug hält: Bützow ist erreicht. Die Eisenbahnstrekken Bad Kleinen-Rosteek und Bützow-Güstrow wurden am 13. Mai 1850 in Betrieb genommen, nachdem der erste Zug am Vortag unseren Bahnhof passiert hatte. Das ursprüngliche Empfangsgebäude lag dem heutigen gegenüber und war ein schmuckloser Bau. Von ihm ist nichts mehr erhalten, jedoch von der alten Streckenführung nach Güstrow bestehen noch der Bahndamm und die Brücke über die Nebel mit ihren genieteten Trägern. Nach Rostock oder Schwerin gab es Mitte des vorigen [ahrhunderts zweimal. nach Güstrow dreimal täglich eine Verbindung.

Das erscheint uns wenig:

aber damals bedeutete es. daß für unsere Stadt die Zeit der Postkutsche vorbei war und man von Bützow bequem 'in die Welt' reisen konnte.

3 Zwischen 1864 und 1886 wurde die Bahnstrecke über Güstrow hinaus nach Neubrandenburg IN eustrelitz mit Anschluß an das preußische Schienennetz verlängert. Bûtzow war damit ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt geworden. Das alte Empfangsgebäude genügte schon wegen seiner ungünstigen Lage den Anforderungen nicht mehr, und so wurde im Stil der Neorenaissance 1892/93 ein neues errichtet. Zwei wuchtige zweigeschossige Eckgebäude mit Wohnungen für Bahnbeamte begrenzten den flachen Mittelbau, in dem Diensträume, Schalterhalle und Wartesäle untergebracht waren. Ein 'Stationsvorsteher

1. Klasse' harte 24 Bahnbeamte unter sich, zu denen auch ein Güterbodenmeister, ein Gasanstaltsaufseher und ein Dampfpumpenwärter gehörten.

ffü!zow - 6ahnhof

4 Vom Bahnhof aus nähern wir uns durch die - wie kann sie anders heißenl Bahnhofstraße der Stadt. linden säumen den Damm, der schon im Mittelalter aufgeschüttet und mit Steinen gepflastert wurde, damit die Fuhrwerke ohne Schwierigkeiten die sumpfigen Wiesen passieren konnten. An dieser Stelle biegt die Warnow, von Südwesten kommend, in einem scharfen Bogen nordwestlich ab. An der Mühle, dem großen Gebäude rechts von der Bildmitte, teilt sie sich. Nach rechts fließt der Hauptstrom und treibt die Mühlräder, nach links zweigt das Ausfallwasser ab, das seinen Lauf in den Bützower See nimmt. Am linken Bildrand

ist das Gymnasium zu erkennen. Die Stiftskirche überragt die niedrigen Häuser und prägt die Silhouette der Stadt.

Blick von der Babnbofstrasse

5 In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hatte sich die Stadt schnell über den ehemaligen Mauerring hinweg ausgedehnt. Die Häuser am Anfang der Bahnhofstraße, die auf der Karte von 1909 zu sehen sind, entstanden nach 1880 an einer Stelle, an der sich bis in das 19. [ahrhundert hinein ein Ravelin - ein Außenwerk der Stadthefestigung - befand. Es harte sowohl dem Schutz der viergängigen Kornmühle wie auch des Wolker Tores gedient, das am Anfang des hier abgebildeten Abschnitts der Bahnhofstraße gestanden hatte. Beachtenswert ist die Breite des Fahrwegs; ein Bürgersteig befindet sich auch heute nur auf einer Seite; das

'Trottoir' bestand aus gelben Klinkern mit einer Einfassung aus Feldsteinen, die sich auf den Bützower Äckern zu Genüge fanden.

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Bahnhofstrasse

6 Aus der Zeit der Stadtgründung, dem 13. [ahrhundert, ist die Existenz von Mühlen in Bützow bezeugt. Ständige Auseinandersetzungen wegen des 'Wasserziels', der Stauhöhe der Warnow, gab es sowohl mit Rostock als auch den Wiesenbesitzern im oberen Warncwtal. Die alte viergängige Wassermühle wurde 1894 durch den noch heute stehenden Neubau ersetzt, das Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite 1895 errichtet. Im Vordergrund der Aufnahme von 1907 sind noch die pferdeschwemme und eine 'Wasch', ein Steg zum Waschespülen, zu erkennen. Seit 1894 war zusätzlich zu den unterschlächtigen Wasserrä-

dern eine Dampfmaschine als Antriebskraft in einem Anbau der Mühle aufgestellt worden; das letzte Korn wurde 1959 vermahlen.

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Mühle und Hafen

7 Man sollte es nicht glauben: Die Aufnalune aus den zwanziger [ahren beweist, daß Bützow einst eine Hafenstadt war! Bis hier war die Warnow schiffbar, allerdings sperrten in Rostock wie in Bützow die Staudämme der Mühlen die Durchfahrt. Nachdem 1886 die Schleuse am Rostocker Mühlendamm erbaut worden war, legten noch bis in die vierziger [ahre unseres jahrhunderts Kähne aus Lübeck und Hamburg hier an, wurde vom Bûtzower Hafen aus Getreide verschifft und Steinkohle für die Gasanstalt an der 'Schurenstelle' ausgeladen. Anfang der sechziger [ahre verkehrten noch kleinere FahrgastMotorboote auf der Warnow;

jetzt gehört der Fluß zur Trinkwassereinzugszone Rostocks und ist daher für Boote mit Verbrennungsmotoren gesperrt.

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8 Die Mühlenbrücke im Rücken, blieken wir in die Lange Straße, wie sie vor 1910 aussah. Hier hatte einst das Walker Tor gestanden, ein Doppeltor mit gotischem Giebel. Zwischen seinen beiden Torhäusern hatte eine feste Brücke über den Wallgraben und das Unterwasser an der Mühle geführt und eine Zugbrücke über einen weiteren Warnowarm jenseits der Mühle am Ravelin gelegen. Lange Straße 6, das zweite Haus auf der rechten Bildseite, war zwischen 1912 und 1930 Sitz der Ratsbuchdruckerei, in der die 'Bûtzower Zeitung' erschien. Hinter dem ersten Haus an der rechten Bildseite beginnen die Wallstraßen. Sie fol-

gen dem Lauf des alten Mauerrings. Am Ende der 5. Wallstraße gelangen wir stadtauswärts an das ehemalige Rühner Tor.

8ützow - lange-Stratle

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