Calbe an der Saale in alten Ansichten Band 1

Calbe an der Saale in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Hanns Schwachenwalde
Gemeente
:   Calbe an der Saale
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5172-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Calbe an der Saale in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Das vorliegende Büchlein will anhand alter Fotos und Ansichtskarten einen Überblick über unsere Stadt Calbe an der Saale geben, wie sie sich in den Jahren vor 1900 und danach darstellte. Calbe, damals zur preußischen 'Provinz Sachsen' gehörig, liegt heute im Herzen des Landes Sachsen-Anhalt.

Zur Zeit unserer Großeltern hatte die Stadt rund 12 000 Einwohner, die sich um die Jahrhundertwende nach Jahren angestrengter Arbeit einen gewissen Wohlstand verschafft hatten. Alles in allem herrschten in Calbe bis zum Ersten Weltkrieg recht geordnete Verhältnisse.

Grundlage für den Wohlstand war neben einer prosperierenden Tuchindustrie die sehr leistungsfähige Braunkohlengrube 'Alfred', viele reichlich beschäftigte Handwerker und die damals kräftig aufstrebende Landwirtschaft. Rund 300 Bauern, Kleinbauern und Ackerbürger schufen sich in fleißiger und oft recht mühsamer Arbeit eine gesicherte Existenz. Der ertragreiche Schwarzerdeboden wurde weitgehend für den Anbau von Gurken, Zwiebeln, Frühkartoffeln, Zuckerrüben und Mohrrüben genutzt. Wegen der großen Mengen produzierter Zwiebeln, die in Calbe als 'Bollen' bezeichnet werden, wurde die Stadt alsbald 'BollenCalbe' genannt. Die Erträge waren so gut, daß sich mancher Wohnhaus, Scheune oder Stall neu bauen konnte.

Mit der allgemeincn positiven Entwicklung ging auch ein Aufblühen der verschiedenen Gewerke in der Stadt einher. Die vielen Handwerker waren reichlich beschäftigt, zumal da auch die Stadtverwaltung infolge gestiegener Einnahrnen eine rege Bautätigkeit in Gang setzte. Neue Schulen wurden gebaut, Straßen neu gepflastert, eine neue zentrale Wasserleitung und ein modernes Kanalsystem wurden geschaffen, die elektrische Straßenbeleuchtung installiert, diverse Anlagen mit Spazierwegen eingerichtet und vieles andere mehr.

Die Lebensverhältnisse der Bürger unserer Stadt entwikkelten sich um die Jahrhundertwende günstig und wurden als angenehm empfunden. Dabei sollte man aber beachten, daß die damaligen Lebensumstände unseren heutigen Maßstäben nicht entsprechen können. Man lebte damals einfacher und zufriedener. Auch in kultureller Hinsicht wurde damals manches geboten. Etliche Vereine betrieben ein lebhaftes Vereinsleben. Viele Calbenser waren Mitglieder von Sportvereinen, in die auch die heranwachsenden Jugendlichen einbezogen waren.

Oft und gern wurde gefeiert, dazu stand für solche Anlässe und auch für andere Gelegenheiten eine von der Stadt unterhaltene Musikkapelle zur Verfügung. Daß die Calbenser gern feierten, geht wohl auch auf die Tatsache zurück, daß in Calbe schon immer viel Bier getrunken wurde. Hier hatten etwa 100 Jahre zuvor über hundert Bauern das Recht, Bier zu brauen. Vor 1900 konzentrierte sich nun das Braugeschehen auf einige Dutzend Brauer, die ihr Bier in ihren Gaststuben oder Gastwinschaften feilboten. So konnte jeder Calbenser das Bier seines Geschmacks in dem entsprechenden Bierlokal, seinern 'Stammlokal', genießen. Dem Bierdurst der Bürger und wohl auch der Gemütlichkeit in den Restaurationen entsprechend existierten um 1890 rund siebzig haupt- und nebenberufliche Gaststätten in Calbe.

Es wurde damals nicht nur gern getrunken, sondern auch gern und kräftig gegessen. Eine Calbenser Spezialität als Brotaufstrich war die echte Calbenser Zwiebelwurst, hierzulande Bollwurst genannt. Sie fand wegen ihres würzigen Geschmacks alsbald eine weite Verbreitung auch außerhalb Calbes. Sie ist übrigens heute noch eine beliebte Calbenser Spezialität!

Der Besuch in Geschäften und Gaststätten erfolgte nicht nur von Einheimischen, sondern auch von Auswärtigen, die

hier in der Kreisstadt (Calbe war schon ab 1815 Kreisstadt) etwas kauften oder auf den Ämtern etwas zu erledigen hatten. Die Stadt war schließlich auch ein wirtschaftliches Zentrum in unserer Region, und das schon seit mehreren Jahrhunderten. Schon 1381 besaß Calbe die Marktrechte. Das äußere Zeichen dafür war der seit dieser Zeit schon existierende Roland, der auf dem Marktplatz über das Marktgeschehen wachte und Symbol für eine selbstbewußte Stadtgemeinde war. (Aus nichtigen Gründen stand er zur Zeit unserer Großeltern zweckentfremdet am Nordgiebel der Knabenvolksschule !)

Ein wirtschaftliches Zentrum wurde Calbe besonders im 18. Jahrhundert, als sich hier ab 1680 auf Grund der fortschrittlichen preußischen Gewerbepolitik das Tuchmacherhandwerk ausbreitete. Zeitweilig gab es hier über 120 Tuchmachermeister mit rund 100 Gesellen und 50 Jungen. Um 1900 produzierten acht Tuchfabriken große Mengen Wolldecken verschiedener Art. Rund tausend Beschäftigte fanden hier Lohn und Brot.

Nicht nur die Bewohner der einst von Mauern umschlossenen Stadt Calbe profitierten von der florierenden Wirtschaft, sondern auch die Bewohner der beiden Vorstädte Bernburger Vorstadt (1898 noch 2500 Einwohner) und Schloßvorstadt (1898 rund 600 Einwohner). Die Vereinigung der drei Städte erfolgte im Jahre 1899 und wurde mit großer Begeisterung gefeiert. Hauptinitiatoren dieser Vereinigung waren der Regierungspräsident von Arnstedt und der Bürgermeister Mittelstaedt.

In dieser Zeit waren Bemühungen des Magistrates um Ansiedlung von neuen Industriebetrieben erfolgreich. Die ständig größer werdenden Mengen an zu verarbeitenden Zuckerrüben führten zur Errichtung der damals sehr modernen Zuckerfabrik in der Nienburger Straße. Im Jahre 1905 nahm nördlich unserer Stadt das erste Gelatinewerk

Europas seinen Betrieb auf. Es gewann für die Stadt in bezug auf die Vermehrung von Arbeitsplätzen von Jahr zu Jahr eine größere Bedeutung.

Insgesamt nahm die Stadt auch durch die gute Lage an zwei Eisenbahnlinien eine recht günstige Entwicklung. Das änderte sich dann spürbar in den Jahren des Ersten Weltkrieges und vor allem danach, als in ganz Deutschland eine allgemeine Rezession einsetzte. Mit einem Verlust von vierhundert Gefallenen und Vermißten hatte Calbe im Krieg einen hohen Blutzoll entrichten müssen. Etliche Familien, in denen nun der Ernährer fehlte , waren hart betroffen. Nach wenigen Jahren einer leidlichen Besserung der wirtschaftlichen Lage in der Stadt lähmte schließlich die Inflation das gesamte Wirtschaftsleben in der Stadt und wirkte sich negativ auf jeden einzelnen aus. Bis 1930 sank der Lebensstandard in den Familien unserer Großeltern rapide ab. Viele Familien lebten nur noch von einer recht kargen Arbeitslosenunterstützung oder Sozialhilfe von jeweils rund 50 Reichsmark monatlich! Die Betriebe haben sich damals unter großen Einschränkungen und Einbußen gerade noch so am Leben erhalten können.

So haben unsere Großeltern neben Zeiten des Aufstiegs auch die deprimierenden Zeiten des Niedergangs erleben müssen. Die Situation in dieser schwierigen Zeit beleuchtet der Magistratsbericht von 1930 recht treffend. Er gibt aber letztendlich auch Hoffnung: 'Das vergangene Jahr gehört zu den schlimmsten Katastrophenjahren, die jemals die hiesige Wirtschaft heimgesucht haben. Wenn in der Krise die meisten Unternehmungen sich bisher einigermaßen zu behaupten vermochten, so ist dies ein überzeugender Beweis von ihrer besonderen Lebensfähigkeit.'

Hanns Schwachenwalde

1. An den Anfang der Darstellung der Stadt Calbe sei eine Luftaufnahme gestellt, die um 1930 gemacht wurde. Sie zeigt den ältesten Teil der Stadt Calbe. Etwa in der rechten unteren Ecke befand sich um 919 ein sogenannter Königshof, den König Heinrich I. als Grenzbefestigung gegenüber den ostwärts der Saale wohnenden Wenden errichten ließ. In seinem Schutz siedelten sich damals nach und nach die ersten Bewohner an. Die Stephanikirche ist im 15. Jahrhundert erbaut worden, ein Sakralbau, der der Bedeutung der Stadt im ausgehenden Mittelalter entsprach. Im Hintergrund sieht man die Saale und dicht davor einen alten Wachturm, in Calbe 'Hexenturm' genannt.

Ballon des t1agdeburger verein tur Luftschiffahrt (Secuon ( e .otto von Guericke" über (albe a. S

2. Anläßlich einer Ballonfahrt im Jahre 1928 wurde diese Aufnahme gemacht. Sie zeigt die Innenstadt von Süden her. Die Häuser im Mittelgrund, die direkt an der Saale stehen, nennt der Volksmund 'KleinVenedig', weil sie so dicht am Wasser stehen. Deutlich erkermbar ist die Saalemauer, deren rechts fortlaufender Teil mit Häusern überbaut wurde, weil seinerzeit in der Stadt kein Bauland mehr zur Verfügung stand. Im Hintergrund sieht man wieder den Hexenturm, von dem aus im Mirtelalter der Schutz des hier befindlichen Saaleübergangs gewährleistet wurde. Hexenturm heißt er, weil in ihm 1634 die Hexe Ursula Wurm gequält und gefoltert wurde.

Marktpiatz

3. Der Marktplatz kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Die großräumige Anlage des Marktplatzes stammt schon aus dem 14. Jahrhundert. Die hier sichtbaren großen Kaufhäuser mit ihren geräumigen Speicherböden gehörten sehr angesehenen Calbenser Kaufmannsfamilien. An der Ecke befand sich die Bäckerei und Conditorei von R. Perl, der seinerzeit delikate Backwaren anbot. Links sieht man das Geschäft der jüdischen Familie Saalmann. Dies wurde später von Willy Heinemann übcrnornrnen, der sich als Branddirektor der Stadt große Verdienste erwarb. Die Taegers zogen später in das Geschäftshaus neben der Post.

----

------- -

---

-...- .-

--

4. Noch von großen Kastanienbäumen umsäumt, zeigte sich der Marktplatz auf seiner Ostseite zu einer Zeit, als man dort schon keine Märkte mehr abhielt. Nach dem Ersten Weltkrieg fanden hier die Kundgebungen der verschiedenen Parteien und Gruppierungen statt. Repräsentativ stellt sich das Rathaus vor, ein Bau, der 1877 neu errichtet wurde, nachdem das alte Rathaus, das an der gleichen Stelle stand, abgebrannt war.

.?

5. Über den Marktplatz hinweg führte seit altersher die Hauptstraße der Stadt. Sie gehörte zur Fernstraßenverbindung zwischen Magdeburg und Halle bzw. Leipzig. Viele Fuhrleute machten in Calbe Zwischenstation und fanden auf dem Marktplatz auch die entsprechenden Gasthöfe. Wer über die Saale nach Gottesgnaden wollte, fuhr oder lief von hier durch Brückners Mühlengrundstück zur Fähre. Im Hintergrund der kleine altertümliche Laden von Alwine Zoder, wo es Kurzwaren zu kaufen gab.

""I

Calbe a. S: ~.

Hotel zur Sónnèj13~itzllr W. Ha~edorn)

6. Eines der Etablissements am Markt war das Hotel 'Zur Sonne'. Es hatte als solches bestanden von 1782 bis etwa 1930, seitdem wird es als Wohnhaus genutzt. Mit solchen Bierwagen versorgten Bierhändler oder auch die Brauereien selbst die in Calbe ansässigen zahlreichen Gasthöfe und Restaurants. Dahinter sieht man die Reisekutsche des Hotels, mit der die Gäste vom und zum Bahnhof befördert wurden. Da die Gastronomie nicht allzugroße Gewinne abwarf, unterhielt Wilhelm Hagedorn zugleich eine Weinhandlung einschließlich Sektkellerei.

7. In der Südecke des Marktplatzes lädt noch heute der Gasthof 'Zum Braunen Hirsch' zur Einkehr ein. Dieses älteste Fachwerkhaus unserer Stadt kann schon auf ein Alter von 340 Jahren verweisen. Hier fanden die Fuhrleute 'Ausspann und Logis', d.h. sie konnten auf dem Hof ihre Wagen unterstellen und die Pferde in einem Pferdestall unterbringen. Zur Zeit unserer Großväter war der 'Braune Hirsch' Treffpunkt der Handwerksmeister, die hier ihr Frühstück einnahmen, auch manchmal länger zechten! - Bei Gastwirt Rennwanz war es immer gemütlich! Der 'Braune Hirsch' ist auch heute noch ein beliebtes Speiserestaurant!

Calbe a. Saale

Mark.lplalz mil ihrnburgEr·Slr~ae

.~

8. Im ersten Teil der Bemburger Straße setzte sich die Reihe der Geschäfte des Marktplatzes fort. Manche von ihnen bestanden jedoch nur aus einer Geschäftsstube, in der in einem fast unübersehbaren Nebeneinander alle möglichen Dinge des täglichen Lebens zum Verkauf standen. Für jeden Käufer hatte man Zeit für ein Schwätzchen, in dessen Verlauf dem Kunden weitere günstige Kaufangebote unterbreitet wurden. An Reklame mangelte es bei keinem Geschäftsinhaber, teils waren es Emailleschilder, teils schwarze Tafeln, auf denen mit Kreide das aktuelle Angebot vermerkt war.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek