Cham in alten Ansichten Band 2

Cham in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Hermann Steiner
Gemeente
:   Cham
Provincie
:   Zug
Land
:   Schweiz
ISBN13
:   978-90-288-6642-3
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Cham in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

Dieses Büchlein möchte Thnen einen kleinen Einblick in die Zeit von 1900 bis 1950 geben. Die ältere Generation der Großwallstädter wird zahlreiche bekannte Gesichter und längst veränderte Häuser entdecken, die viele Erinnerungen wachrufen.

Durch etliche Fotos in diesem Buch wird auch bewiesen, daß Großwallstadt schon immer ein reges Vereinsleben hatte und nochhat.

Für die Entwicklung bäuerlicher Wirtschaft ist die Lage Großwallstadts am Ausgang der Rhein-Main- Tiefebene an und für sich recht günstig.

Die Gemarkung mit ihrem beachtlichen Anteil an Wald war vor dem Dreißigjährigen Krieg größer als heute. Auch das Dorf selbst dehnte sich weiter gegen Süden aus, wie es der Name der alten Fährgasse und noch manche Ausgrabungen bei Hausbauten in dieser Gegend bestätigen. So wurde Großwallstadt - bedingt durch seine natürliche Lage - eine reine Bauerngemeinde.

Dieser Zustand änderte sich in den achtziger [ahren des vergangenen Jahrhunderts nut dem Aufkommen der Kleiderindustrie in Aschaffenburg. Für die umliegenden Dörfer gab es nun Beschäftigung, auch in Großwallstadt fand die neue Mode erst langsam und in geringem Umfang Eingang. In einigen Bauernhäusern war die Kleiderindustrie zunächst nur ein Nebeneinkommen, eine reine Handarbeit.

Bei Iosef Scheer und Mathäus Markert wurde dann eine Schnei-

derei eröffnet, die auch Lehrlinge beschäftigte. Dann ging es schnell aufwärts: Im Iahre 1929 gab es bereits 100 HeimarbelterFamilien, die sich mit der Schneiderei befaßten, im jahre 1935 schon 166 und 1950 waren es bereits 350 Familien, die von der Kleiderindustrie lebten. Festgehalten ist diese Zeit im Großwallstadter Heimatmuseum.

Eine Statistik aus dem Jahre 1950 ergibt folgendes Bild des damaligen Wirtschaftslebens:

Schneider

52 %; 28 %;

10 % (vieleArbeiter fanden damals Lohn und Brat bei der 'Glanzstoff , die heuteAkzo Faser AG heißt);

Sozialrentner 5 %;

Selbst. Gewerbetreibende 4 %;

Öffentliche Dienste 1 %.

Damit Hand in Hand ging eine rapid steigende Erhöhung des Lebensstandards, die heutzutage einen Stand erreicht hat, der mit den früheren Verhältnissen keinem Vergleich mehr standhält.

Bauern Arbeiter

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den Bürgern Großwallstadts, die diesen Bildband in Form von Gesprächen und Bereitstellung der Fotos erst ermöglicht haben.

1 'Großwällster Dialekt'

Auf dieser Ansichtskarte, die aus dem jahre 1930 stammt, sehen wir oben Großwallstadt aus derVogelperspektive. Links unten sind die pfarrkirche und vorne das pfarrhaus zu sehen. Beide Gebäude sind im Laufe der Zeit renoviert worden. Rechts unten ist das Kolonialwarengeschäft August Eppig zu sehen, das auch heute noch als Geschäftshaus besteht und natürlich renoviert wurde.

aofel- eine Handvoll Holz Aowwaonnao - Feldpfad,

Kuchenendstück babbellao - sprechen, reden babbisch - klebrig

Baorrem - Speicher Bennell- Faden

Biggsao - Dose

Blaoz Kuchen

bloggao - pflücken Bobbelschao - Baby Braombes - Brei

bräsijen - eilen

Brussern - Brotkrümel Bummä - Milchflasche Butzao - Regenschauer Dabbes - Ungeschickter Dibbao - Topf

Duddel- Schnuller

gäbschnitzisch - gerne etwas

hergeben

Gafelappes - Schlabberlätzchen Gaoschel- Kehle

Gaschel- Peitsche

Gedao - Patin

geflennt - geweint

geschallt - gezankt

Guzjao - Bonbon

Habschao - Gemüse

Häffschao - Topf

Häggelschao - kleine Hacke Humbao - Tasse

Hungälappes - Geizhals Kaonell- Dachrinne

Käsch - Kirche

Kiffell- Kinn

Kläjbschao - Pfeife

Klotzachao - Spiegeleier

Zu Omas Zeiten kannte man in Großwallstadt nur den 'Großwällster Dialekt', der inzwischen dem Versuch des Hochdeut sehen gewichen ist.

Da man voraussehen kann, daß unser Dialekt wohl aussterben wird, habe ich hier aus einer Dialekt-Wärter-Sammlung einige herausgegriffen, die sich lohnen in diesem Band aufgehoben zu werden:

knaugao - nicken

Kräjstao - geröstete Kartoffeln Krumbijen - Kartoffel Kummen - Gurken Kwätschao - Zwetschgen leggen - gießen

Lumbao - Lappen

Maonnao - Korb

Nunnen - Nachmittag Pätschao - Pfad

Päzimao - Ameise

Pitschao - Pfütze

Prengao - Wanne

Raonzao - Ranzen

rätschao - reden

Rinnao - Wasserrinne

Rodes - Rathaus

Schaolao - Tasse

schaoufe1- gemein

schebbao - schöpfen Scheesao - Kinderwagen Scheijen - Scheune Schinnplattao - Wunde Schlabbao - Hausschuh Schliffen - Stachel Schnebbao - Rand Schnibbel- Schnipsel Schwaddem - Rauch Schwemm - Pilze Seggell- Tasche Staotsweck - Mitbringsel Stäschao - Treppe steiwen - stützen Stibbschao - Stube Stiggel- Stück Holz trebbelao - tröpfeln

2 Altar

Der Altar auf diesem Bild ist in der katholischen Kirche in Heubach bei Groß-Umstadt zu sehen. Was er mit Großwallstadt zu tun hat sei hier erzählt:

Als im Jahre 1 755 in Großwallstadt gebaut wurde, hatte man die 1596 erbaute Kirche abgerissen. Da die neue Kirche viel größer wurde, war der alte Altar zu klein. Für 55 Gulden wurde er daraufhin im Iahre 1755 an die Gemeinde Heubach verkauft und dort in der Dorfkirche, die von den Katholiken und den Calvinern gemeinsam genutzt wurde, wieder aufgestellt.

Als die Katholiken dann um die Jahrhundertwende eine neue Kirche bauten, nahmen sie den ursprünglich aus Großwallstadt stammenden Altar mit. Dort steht er heute noch.

Heubach liegt an der Straße Groß-Umstadt-Höchst im Odenwald und hat nur eine Zufahrt. Damals war es ein kleines Dorf, heute hat es 1 700 Einwohner, jedoch drei Konfessionen und auch drei Gotteshäuser, und zwar für die Katholiken, die lutherische Konfession und die Calviner.

3 Pfarrkirche

Hier sehen wir die pfarrkirche in Großwallstadt. In der feierlich geschmückten Kirche wird zum Beispiel auch das Fronleichnamsfest gefeiert. Jedes jahr an Fronleichnam muß ich daran denken, wieviel sich im Laufe der [ahre hier verändert hat:

So wurde man beispielsweise im Gegensatz zu heute früh morgens um sechs Uhr schon durch die Musikkapelle geweckt. Vom HofstetterTörchen aus wurde während des Gottesdienstes (Wandlung) mit einer dort stehenden Kanone geschossen. Weder steht die Kanone noch da, noch wird heute anläßlich Fronleiclmam geschossen.

Großwallstadt liegt am Main. Auf der gegenüberliegenden Mainseite liegt Kleinwallstadt, zu dem der Ort Hofstetten gehört. Die Hofstetter sind im Gegensatz zu den Großwallstädtern fast alle evangelisch. Die wenigen Katholiken, die dort wohnten, hatten also keine eigene Kirche und mußten deshalb unsere Kirche benutzen, die auf der Mainseite einen kleinen Seiteneingang hat. Da dieser von den Hofstettern benutzt wurde, heißt es seitdem das 'Hofstetter Tórchen'.

Frûher wurden an Fronleichnam die Hauptstraße und die Kirchgasse von den Bauern mit Heu bedeckt, das nach der Prozession ' geweiht', wieder abgeholt und unter das Dach gelegt wurde. Auf dem Prozessionsweg wurden vier Altäre aufgebaut, an denen - begleitet durch einen Kanonenschuß vom Hofstet-

ter Törchen - Halt gemacht wurde. Die Anwohner hatten den gesamten Prozessionsweg und ihre Eingänge, Tore und Fenster mit zahlreichen schönen frischen Blumen geschmückt, die sie am Abend zuvor besorgt hatten. Das ganze Dorf war dafür auf den Beinen und organisierte Gefäße und Blumen. Das ist auch heute noch so.

Im Gegensatz zu heute machte früher die Prozession noch einmal am darauffolgenden Sonntag denselben Weg, so daß es große Mühe machte, die Blumen bis dahin frisch zu halten. Waren sie verwelkt, konnte man auch Kübelpflanzen und Blumenstöcke hinstellen. Nachmittags gabs beim Rosenwirt in der Gartenwirtschaft ein Konzert.

Heute macht der Streß anscheinend auch vor dem Fronleichnamsfest nicht halt, denn es gibt nur noch einen Altar auf dem Marienplatz und die Prozession macht den Weg nur einmal.

4 Kommunionkinder 1892

Auf diesem Bild sehen wir die Kommunionkinder des Jahrgangs 1892. Im Hintergrund sieht man die Grotte mit der Muttergottes-Statue, Früher stand diese Grotte im Kindergartenhof vor der Anstalt, während sie heute im Kirchhof neben der ÖlbergkapelIe steht.

Damals gingen die Kinder im Alter von 10 [ahren zur ersten Heiligen Kommunion - man schrieb das [ahr 1902. Nachfolgend, in der oberen Reihe, von links nach rechts, die Namen der Kinder: Heinrich Schmitt, Ludwig Hohm, Kilian Giegerich, Rudolf Büch1er und Adolf Adrian.

Mittlere Reihe, von links nach rechts: Alfons Schnabel, Leo Kóhler, Luitpoid Markert, ütto Deckert und Iohann Sam.

Untere Reihe, von links nach rechts: Cölestine Sam, Elisabeth Hess, Eugenie Sam, Rosa Klug, Rosa Eppig, Regine Giegerich und Elisabeth Sam.

Die Kinder waren damals schon sehr geschmackvoll in langen Kleidern aus Atlasseide gewandet. Auf dem Kopf trugen sie ein wachsüberzogenes Blumengesteck, das mit Haark1ammern gehalten wurde.

Die Buben trugen schwarze Anzüge mit einem wachsüberzogenen Blümchen am Revers und einen Hut auf dem Kopf.

Das Fest der Heiligen Kommunion wurde damals im engsten Familienkreis, 'daheim in der guten Stube' gefeiert. Große Geschenke waren nicht üblich.

5 Kommunionkinder 1944

Dieses Bild zeigt die Kommunionkinder des Jahrgangs 1944. Im Alter von 9 [ahren gehen die katholischen Kinder eine Woche nach Ostern, am sogenannten Weißen Sonntag, zur ersten Heiligen Kommunion.

Auf diesen großen Tag in ihrem Leben werden sie bereits im Religionsunterricht vorbereitet. Die auf diesem Bild gezeigten Kinder durften am 19. Dezember 1952 zum erstenmal beichten und erhielten am 12. April 1953, am Weißen Sonntag, die Heilige Kommunion.

In die festlich geschmückte Kirche ziehen dann in weißen Kleidern und mit Kränzchen im Haar die Mädchen und in dunkeiblauen Anzügen die Buben ein. Alle halten sie eine große Kerze in der Hand. Ihre Plätze in der Kirche sind reserviert.

Nach dem Gottesdienst wird zu Hause mitVerwandten, Freunden und Bekannten den ganzen Tag lang gefeiert. Die Kinder erhalten viele Geschenke und erleben einen unvergeßlichen Tag. Am darauffolgenden Montag, für den die Mädchen noch einmal ein neues dunkles 'Beikleid' bekommen haben, ist noch einmal ein Gottesdienst für die Kommunionkinder. Die dritte Klasse unternahm ein oder zwei Wochen danach einen Tagesausflug. Dann erst konzentrierten die Kinder sich wieder auf den Schulunterricht.

Auf dem Bild sind in der unteren Reihe, von links nach rechts,

zu sehen: Die Lehrerin Margarete Derzbach, Ursula Fecher, Gisela Adrian, Annemarie Markert, Margot Giegerich, Karlheinz Klug, Ehnar Brückner, Alfred Kroth, Maria Lieb, Gudrun Markert, Edgar Finn, Hans Geis, Albrecht Rachor, Heidi Adrian, Helga Friedrich, Brigitte Elbert und Pfarrer Lorenz Ott. Mittlere Reihe, von links nach rechts: Marianne Haun, Brigitte Bartel, Rosemarie Markert, Elisabeth Hartlaub, Irmtrud Hohm, Anneliese Schmitt, Roswitha Röhling, Liesel Markert, Renate Krämer, Margret Sam und Walburga Schroth.

Obere Reihe, von links nach rechts: Burkard Kroth, Edgar Adrian, Karlheinz Eppig, Wilhelm Specht, Armin Schnabel, Hubertus Weiler, Iosef von der Linden, Werner Herdt, Oskar Schmitt und Gerhard Zeng el.

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