Datteln in alten Ansichten

Datteln in alten Ansichten

Auteur
:   Theresia Lücker-Mues
Gemeente
:   Datteln
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3063-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Datteln in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Ut de guedde aolle Tied, aber auch Zeit hat keine Bleibe

könnte man diesem Büchlein voranstellen. 'In alten Ansichten' soll Datteln hier in einer Spanne von 50 Jahren gezeigt und beschrieben werden, nämlich für den Zeitraum von 1880 bis 1930, für Datteln eine Zeit voller Ereignisse und Veränderungen.

Erstmals schriftlich erwähnt wird Datteln in der Bulle des Papstes Eugen lIL von 1147, der Name Datteln erscheint dort als Datlen, in anderen Handschriften van 1161 und 1207 heißt es Datilo. Beide Namensformen sind wohl aus Datilohn oder Dathalon entstanden. Der erste Bestandteil 'Datha' ist wahrscheinlich ein Personenname, er bedeutet soviel wie 'Versammlungsleiter', Die Endung loh, 100, 10 bedeutet etwa Lichtung, Hain. Der Name Datteln würde also ursprünglich bedeutet haben 'Am Wald des Versarnmlungsleiters' .

Der Ursprung· Datte1ns reicht jedoch wesentlich weiter zurück. Aufgrund zahlreicher Funde kann man davon ausgehen, daß es bereits um 800 vor Christus nicht unbedeutende Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet gab.

Auch Datte1ns ältere Geschichte ist reich an wechsel-

vollen Ereignissen. Diese im einzelnen darzulegen, ist nicht Aufgabe dieses Bändchens, das mehr Unterhaltung und Erinnerung sein soll. Doch ist zum besseren Verständnis der Bilder das eine und andere aus der Vergangenheit und der Zeit nach 1930 erläuternd beigegeben.

Bis um 1900 blieb Datteln ein Dorf mit überwiegend landwirtschaftlicher Struktur. Zu den Bauern waren seit Ausgang des Mittelalters die Kötter getreten. Mit der Zeit hatten sich auch verschiedene Handwerker niedergelassen, doch betrieben sie nebenbei Ackerbau und Viehzucht. Außer den Handwerksbetrieben gab es in Datteln einige Gewerbe, die man zur Hausindustrie rechnen kann, unter ihnen vor allem die Leineweber. Eine besondere Dattelner Eigentümlichkeit bildeten die Stuhlmacher, die sogar bis Anfang dieses Jahrhunderts ihre Ware nach auswärts auf die Märkte brachten. Erst der nach Norden vorrückende Bergbau änderte diese Entwicklung grundlegend und wandelte Datteln innerhalb weniger Jahre zu einer Zeehen- und Industriegemeinde. Für den Transport der Kohle und Kohleprodukte gab es bereits den ein paar Jahre vorher fertiggestellten Dortmund-EmsKanal. Der Ausbau eines ganzen Kanalsystems folgte,

so daß Datteln heute der größte Kanalknotenpunkt Europas ist.

Die fortschreitende Industriealisierung des Ruhrgebietes zog mehr Menschen an, sie kamen aus dem Rheinland, aus Mecklenburg, Hessen, Schlesien, Polen, Holland, Rußland. Um im Lärm des Bergwerks zu verstehen und verstanden zu werden, entstand aus einem Dutzend Mundarten und Sprachen der knappe und harte Revier-Slang: 'Wo gehsse' (Wohin gehst du), 'würze' (würdest du), 'hödomma' (hör doch mal). Auch in Datteln spricht man die 'Sprache des Arbeiters', und sie ist auch von denen - zumindest im Tonfall - angenommen, die nie den Lärm der Schlägel und Maschinen mit Zurufen übertönen mußten.

Trotz allem hat der Revier-Slang die um die J ahrhundertwende noch bei Bauern und Handwerkern erhaltene und gesprochene Plattdeutsche Mundart nicht völlig verdrängen können. Der 'Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein Datteln' hat sich die Erhaltung und Pflege dieser niederdeutschen Mundart, deren Hauptreiz in ihrer Anschaulichkeit und ihrem Reichtum an Bildern liegt, zur besonderen Aufgabe gemacht. Darüber hinaus will er aber auch altes

Brauchtum pflegen, das Interesse für die Heimatgeschichte wecken und dadurch die Heimatliebe erhalten. Und gerade dies soll auch das Anliegen dieses Buches sein.

Seit 1857 war Datteln ein selbständiges Amt, zu dem zunächst drei Gemeinden gehörten: die Dörfer Datteln, Flaesheim und Ahsen jeweils mit ihren Bauernschaften. 1926 wurde Oer-Erkenschwick dem Amte Datteln zugewiesen, das in dieser Form bis zur Auflösung des Amtes am 31. Dezember 1964 bestand. Stadtrechte bekam Datteln am 20. April 1936. Bei der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 wurden Ahsen und Horneburg in die Stadt Datteln eingegliedert. Dieser Bereich ist heute Datteln, und dieser Bereich soll in diesem Bändchen 'in alten Ansichten' gezeigt werden.

Allen, die mit alten Bildern und Auskünften, durch geduldiges Erzählen und Suchen und durch Mitarbeit das Erscheinen dieses Buches ermöglicht haben, sei an dieser Stelle eiri herzliches Dankeschön gesagt.

Unnu,

sett di dal un bekiek di't.

1. Eine Aufnahme um 1910 zeigt uns die alte Dorfkirche - ein spätgotischer Bau von 1500. Sie erhebt sich auf dem Grunde des alten Dorfschultenhofes, der früher Dat = Lo genannt wurde. Die Kirche ist dem heiligen Amandus geweiht. Beim Bau der Kirche ließ man den viereckigen romanischen Turm an der Westseite (vermutlich um 1250) stehen und setzte darauf die 32 Meter hohe Helmspitze, Der Turm bestimmte das Bild Dattelns und blieb dessen Wahrzeichen, auch als in neuester Zeit gewaltige Zechenkamine und Fördertürme gebaut wurden. Bei dem großen Luftangriff auf Datteln am 9. März 1945 wurde der gotische Turm zerstört.

2. Neben der Amanduskirche mit ihrem alten Friedhof wurde 1884 die Dorfschule errichtet. 1928 umfaßte sie zehn Klassenräume. Neun Lehrpersonen unter dem Schulleiter Schü1ting unterrichteten 354 Schüler. Spätestens zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Lehrer von den adligen Familien 'nebst den ehrenhaften Dorfes Eingesessenen und Bauern' gewählt und von der erzbischöflichen Behörde bestätigt. Schon damals gaben sie nebenbei auch Lateinunterricht. Ein Lehramtsbewerber begründete 1717 diese Tatsache so: Im Dorf wohnen ansehnliche Leute, die ihre Kinder studieren lassen und diese nicht in ihrer zartesten Jugend vom ABC-Buch in die Frombde schicken wollen und da ein schanes Kostgeld zu zahlen nätig hätten.

3. Das war ein großer Tag für die Mädchen des 2. und 3. Jahrgangs der Dorfschule! Mit Spannung haben sie schon ein paar Tage auf den Fotografen gewartet, Herausgeputzt, im Sonntagskleid und frischgebundener Haarschleife sind sie gewiß mit Hilfe ihrer Lehrerin Fräulein Ostermann, so lange 'aufgebaut', daß sie nach der Anstrengung auf das erlösende Wort 'Fertig' warten. Wer kennt sie noch? Peulers Elisabeth und Maria, Degemanns Lisbeth, Maria Freihoff, Strombergs Dorchen, Mia Wirxel, Bleimings Maria, Fine Schülting, Grete Kleegraf, Elisabeth Quinkenstein, Maria Burmann und Elisabeth Sonntag sind einige von ihnen.

4. Das alte Amtshaus wurde 1870 am Tigg (Altmarkt) errichtet, Gemeindevorsteher war damals (1857-1882) Amtmann Wiesmann. Mit nur ein bis zwei Mitarbeitern war er gleichzeitig Verwalter der Postagentur und Revisor der auswärtigen Sparkassen. Bei der Gemeindeverwaltung waren noch um 1900 bis zu acht Bedienstete beschäftigt, Durch den Einzug der Industrie in Datteln (Schacht I Emscher-Lippe 1902) erweiterte sich der Aufgabenbereich der Verwaltung ständig, so daß bereits 1910 die Zahl der Bediensteten um beinahe das Sechsfache gestiegen war. Heute beschäftigt die Stadt insgesamt 294 Personen (Stand 30. Juni 1983).

5. Der wachsende Aufgabenbereich der Amtsverwaltung machte 1906 für den Kassenbetrieb und 1907 flir das Bauamt die Anmietung von Räumen (Lohstraße 19) erforderlich. Als 1909 weitere Räume benötigt wurden, errichtete man neben dem Amtshaus eine besondere Baracke, deren Kosten 10.918,72 Mark betrugen. In der Baracke wurden das Steuer- und Meldeamt untergebracht. Trotz allem genügten diese Erweiterungsmaßnahmen nicht, so daß erste Verhandlungen für den Bau des 1913 fertiggestellten neuen Amtshauses stattfanden. Gegen Überlassung des Materials brach der Unternehmer Bösche 1929 das alte Amtshaus ab.

6. Seit dem 15. September 1899 stand Amtmann Johann Rudolf von Bülow - geboren in Frauenhof, Kreis Flensburg - als Nachfolger des aus dem Dienst geschiedenen Amtmanns Weiß an der Spitze der Verwaltung. Unter seiner Leitung entwickelte sich aus dem bis dahin rein ländlichen Datteln eine Industriegemeinde, deren rasches Aufblühen in Preußen einmalig war. Während seiner Amtszeit wurden zahlreiche Straßen ausgebaut sowie Volksschulen mit Turnhallen errichtet. Seit 1903 wurde Datteln mit Wasser, seit 1909 mit elektrischem Strom versorgt. Die Fertigstellung des neuen Amtshauses auf dem Gelände des alten Dorfschultenhofes gilt als das besondere Verdienst des Amtmanns von Bülow. Am 1. Juli 1919 trat er in den Ruhestand und starb in Datteln am 4. Januar 1922.

7. Die zunächst dem Leiter der Amtsverwaltung unterstellte Post wurde 1882 in das Haus des Apothekers Theodor Döttelbeck verlegt. Als Postamt lIl. Klasse stand ihm ein Postverwalter vor, der gleichzeitig die Orte Ahsen (bis 1883), Henrichenburg und Homeburg zu versorgen harte. August 1902 erhält Datteln sein eigenes Ortsfernsprechnetz mit sechs Anschlüssen, während es 1910 schon 85 Anschlüsse waren. Als die Posträume im Hause Döttelbeck zu klein wurden, errichtete die Witwe Döttelbeck auf ihrem Grundstück ein größeres Postgebäude, das sie dem Postamtsvorsteher gegen eine Jahresrniete von 1.920 Mark überließ. 1929 wird das Postamt an der Lohstraße von der Reichspost zu einem Preis von 51.666 RM käuflich erworben.

8. Eine Aufnahme aus dem Jahre 1927 zeigt das Haus Rohkämper an der Heibeckstraße. Rechts im Hintergrund sieht man noch das erste 'Pitterhäuschen' (Gefängnis) von Datteln, es war Eigentum der Gemeinde. Noch bis in die zwanziger Jahre stand dem Bürgermeister die Verwaltung der Ortspolizei zu. 1922 wurde die Sichterheits- und Kriminalpolizei des Dorfes Datteln verstaatlicht. Am Bildrand rechts ist die frühere Kaplanei (später Witte) zu sehen, Man wohnte damals recht 'vielseitig' im Hause Rohkämper. Mit einem 'Jüngsken, dat deit die guet!' ließ der Ortsgendarm hin und wieder jemanden unter der Pumpe im Hof nüchtern werden, und aus der Kaplanei nebenan konnte man schon am Samstag die Sonntagspredigt hören,

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