Delitzsch in alten Ansichten

Delitzsch in alten Ansichten

Auteur
:   Christel Moltrecht
Gemeente
:   Delitzsch
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5698-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Delitzsch in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Delitzsch - eine Kreisstadt und administratives Zentrum im gleichnamigen Landkreis, liegt im Nordwesten des Freistaats Sachsen sowie des Regierungsbezirks Leipzig. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kreuzen sich hier zwei Bahnlinien, die Leipzig-Magdeburger (1858) und die Halle-SorauGubener (1871) Eisenbahn.

Um die Jahrhundertwende macht diese Landstadt auf den Betrachter noch einen recht verträumten Eindruck. Während die beiden Bahnlinien weit außerhalb an der östlichen und südlichen Stadtgrenze verlaufen. treffen sich die Landstraßen aus Nord-, Süd- und West-Ost-Richtung bereits seit Jahrhunderten im mittelalterlichen Stadtgebiet. Das nahe Handelszentrum Leipzig unterdrückte die frühen Bestrebungen des städtischen Kaufmannsbürgerturns, eine eigenständige Wirtschaft aufzubauen. Als alter Wettinischer Sitz eines markgräflichen Schössers auf der ursprünglichen Burganlage beim heutigen Schloß erlangte die mittelalterliche Delitzscher Stadtkommune bereits im 15. und 16. Jahrhundert eine gewisse wirtschaftliche Blüte aus Zunfthandwerk und als Nahhandelszentrum für umliegende Landgemeinden in zum Teil fruchtbaren Lößackerland.

Über einhundert Jahre später machte der Dreißigjährige Krieg jedoch alle Ansätze einer weiteren

wirtschaftlichen Entfaltung zunichte. Lediglich die umfangreiche Schloßerneuerung zugunsten eines Witwensitzes der Sachsen-Merseburger Herzöge am Ende des 17. undzu Beginn des 18. Jahrhunderts brachte einen bescheidenen Abglanz des sächsischen Hofstaats in die Stadt mit erweiterten Handwerks- und Gewerbeleistungen für dieses Duodezfürstenturn. Nach dem Aussterben dieser Seitenlinie der Wettiner im Jahre 1738 verlor Delitzsch jedoch auch diesen spätfeudalen Alterssitz herzoglicher Witwen.

Bis zu den periodisch das Land zerrüttenden Kriegszügen - von der Mitte des 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts - gab es für Delitzsch und seine Zunfthandwerker keinerlei Chance zu wirtschaftlicher Neuorientierung auf Manufakturen, wie sie beispielsweise in der nahen Muldestadt Eilenburg schon früh in Blüte standen. Lediglich der magere Verdienst aus der Heimarbeit des Strumpfstrickerund Strurnpfwirker- Verlagswesens und später des Zigarrenmachens bot den ärmeren Schichten hiesiger Stadt- und Dorfbevölkerung eine bescheidene Existenzgrundlage .

Wenige Jahre vor 1900 siedelten sich in dieser Landkreisstadt erste landwirtschaftlich geprägte Fabriken an, so eine Dampfwalzenmühle, eine Dampfmolkerei und eine Zuckerfabrik, die die

Zuckerrübenerträge umliegender Anbaugebiete verarbeitete. Diese Betriebe fanden ihren Standort größtenteils am südlichen Stadtrand, direkt an der Halle-Eilenburger Bahnstrecke gelegen. Hiervon zeugt eine Junkers Luftbildaufnahme von 1930 (Abb. 71), die zugleich die noch unbebauten Feldund Loberauenflächen zwischen WaJlgraben und Fabrik- bzw. Bahngelände erkennen läßt. Eine Totalansicht (Abb. 70) vom Delitzseher Wasserturm ergänzt diesen Bliek, Der Lober, einziges Fließgewässer der Stadt, umfloß diese seit alters, von Süden kommend, erst in ost-westlicher, am Schloß dann in west-östlicher Richtung, um vom Stadtpark aus das Stadtgebiet in Richtung Bitterfeld zu verlassen. An ihm waren im Mittelalter zahlreiche Wassermühlen gelegen (Abb. 28,72), bis sich im 19. Jahrhundert am Lober mehrere Freibäder ansiedelten. (Abb. 73). Dem Lober verdankt auch der WaJlgraben seine stete Wasserfülle (Abb. 11,25-27, 29, 32, 33). Die Quelligkeit der Niederung mit reichen Moorablagerungen führte am Ende des 19. Jahrhunderts zum Bau des Moorbades (Abb. 33). Aber auch der seit vielen Jahrhunderten sprudelnde eisenhaltige 'Heiligbrunnen' (Abb. 40, 41) veranlaßte die Stadtväter zu Bemühungen um den Status eines Kurbades, der aber schließlich den Orten Düben und Schmiedeberg zugestanden wurde.

Die architektonischen Denkmale aus dem Mittelalter zählen bis in die Gegenwart zu den dauerhaften Besonderheiten der Stadt Delitzsch. An dem funktional weitgehend intakten Marktplatz stehen noch heute ein repräsentatives Rathaus und weitere Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sie überstanden die verschiedenen Abrißbemühungen der sechziger und neunziger Jahre, so daß sich das Bild der Jahrhundertwende hier wie aber auch in vielen Straßen der Alt- und Neustadt in wesentlichen Zügen erhalten konnte. Diese mittelalterliche Stadt wird durch ein interessantes Turmensemble (Abb. 35, 70), eine abwechslungsreiche Dachlandschaft sowie die Kleinteiligkeit ihrer Quartiere (Abb. 16-19, 44, 62-64) charakterisiert. Zahlreiche Gebäude sind in ihrem Inneren vierhundert Jahre alt, während sich manche Fassade dem Zeitgeschmack des 18. und 19. Jahrhunderts anglich und gegenwärtig leider starken Modernisierungen ausgesetzt ist. Bedeutungsvoll für das Architekturbild der Stadt ist die sechshundert Jahre alte Wehranlage, die die Altstadt zwischen Halleschem und Breitem Turm mit 1,5 km Länge umzieht. Ihr ehemaliger strategischer Aufbau aus Mauergasse, Stadtmauer, Zwinger, Graben und Wallläßt sich nach Jahrhunderten noch heute mühelos erkennen. Diese Anlage hat im mitteldeutschen Raum wenig Vergleichbares. Ihre Be-

wahrung verdankt die Stadt den spät angesiedelten kapitalistischen Unternehmungen außerhalb von Alt- und Neustadt. Damit blieb das mittelalterliche Stadtbild, dessen Türme im flachen Land weithin sichtbar sind, in weitgehend ungestörter Gliederung erhalten.

Geht man davon aus, daß sich eine frühmittelalterliche Burgsiedlung vor dem heutigen Schloßterrain ursprünglich nach Süden zum Halleschen Turm und in östlicher Richtung zur Stadtkirche hin ausbreitete, so folgten die Straßenachsen der Ritterstraße (Abb. 15) und Holzstraße (Abb. 24) sowie die Hallesche Straße zum Markt (Abb. 16) der historischen Stadterweiterung des 12. und 13. Jahrhunderts in west-östlicher Richtung. Das militärisch-politische Zentrum lag wohl vom 8. bis 10. Jahrhundert in slawischer Zeit im westlichen Schloßgelände, während sich der frühdeutsche Burgward und die Vorburg des 11. und 12. Jahrhunderts auf das gesamte Schloßgelände ausdehnten.

Zwischen dem Halleschen Turm und dem Markt dürfen wir bis ins 13. Jahrhundert hinein die Keimzelle für die erste selbständige Delitzscher Stadtkommune vermuten. Ihre räumliche und architektonische Abrundung erfuhr diese dann zum 15. und 16. Jahrhundert mit einem geschlossenen Mauerring (Abb. 22,26) zwischen Halleschem (Abb. 11,

13) und Breitem Turm (Abb. 19-24), mit der PeterPauls-Kirche als geistigem, dem Markt als wirtschaftlichem und dem Rathaus als administrativem Zentrum.

Sowohl Peter-Pauls-Kirche als auch die Stadttürme und der Kern des Schloßturms verkörpern die mittelalterlichen Bauleistungen der gotischen Epoche. Der Jahrhunderte währende Aufbau einer für damalige Verhältnisse gewaltigen Wehranlage aus Backsteinen und eiszeitlichen Geröllen und Findlingen um die gesamte Altstadt beweist die wirtschaftliche und finanzielle Potenz der Delitzscher Bürgerschaft.

Innerhalb dieser schützenden Wehranlage befanden sich die W ohn- und Produktionsstätten der verschiedensten Zunfthandwerker zumeist unter einem Dach und innerhalb eines bescheidenen Grundstücks. Im 15. und 16. Jahrhundert verlegte man einige Gewerke, die das Müller- und Gerberhandwerk mehr in die Vorstädte, zum Rosental und zum Gerberplan. Die überkommenen Bürgerhäuser der Altstadt stammen in ihrer Mehrzahl, so auch am Markt, aus dem 16. bis 18. Jahrhundert (Abb. 5, 8). Lediglich im Baukern des heutigen Rathauses (Abb. 3-5) lassen sich historische Architekturteile und gewölbte Innenräume aus dem 15. Jahrhundert nachweisen. Weniges erinnert an die Zeit der Renais-

sance, obwohl das 'Ritterhaus' (Abb. 15), das Stadtschreiberhaus und das 'Schöne oder Bürgermeisterhaus' (Abb. 17, 18) zweifellos bemerkenswerte Architekturbeispiele des 16. Jahrhunderts sind.

Auch das Hauptgebäude des Delitzscher Schlosses (Abb. 36-39) wird in seiner Grundgliederung noch von der Formensprache der Renaissance geprägt. Seine repräsentativsten Elemente, wie das zentrale Sandsteinportal (Abb. 38) und die ausladende Turmhaube, spiegeln den spätbarocken Stil des ausgehenden 17. Jahrhunderts wider.

Das 18. Jahrhundert schlägt sich in einigen Wohnund Wirtschaftsbauten der Alt- und Neustadt (Abb. 5-9, 11, 39,45, 46, 61) und der Stadtmühle beim Rosental (Abb. 28) nieder.

Vom 19. Jahrhundert zeugen anschaulich nur noch wenige eindrucksvolle Bürgerhäuser am Markt (Abb. 5-8), in der Breiten Straße (Abb. 19) und am Wallgraben (Abb. 34), unter ihnen aber herausragend die spätklassizistische Fassade des Delitzscher Rathauses (Abb. 3-5) und das ehemalige Torhaus (Abb. 30) am Leipziger Tor.

Ganz anders verhält es sich bei den über das ganze Stadtgebiet verteilten mehr öffentlichen und Gesellschaftsbauten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit ihren charakteristischen Klinkerfassaden, kombiniert mit Werksteinfassungen und

Bruchsteinsockeln, so zum Beispiel beim Ehrenberg-Gymnasium (Abb. 52), den Schulbauten (Abb. 52, 55, 56), dem Postgebäude (Abb. 60), dem Frauengefängnis (Abb. 2, 39), dem Krankenhaus (Abb. 58) und dem Lehrerseminar (Abb. 54). Auffallend in der Alt- und Neustadt, besonders aber in den unmittelbaren Randbereichen des Stadtterritoriums, ist das reiche Großgrün auf Straßen und Plätzen. Es entwickelte sich ganz natürlich aus der die Stadt durchziehenden Loberaue, aus der Zwinger- und Wallbepflanzung sowie den Parkanlagen des 19. und 20. Jahrhunderts. Dabei sind die Schloßallee, die aufwendige Marktbepflanzung und der Stadtpark herausragende landschaftsgärtnerische Leistungen. Diese erhaltenen Grünzonen verbinden die sich in Jahrhunderten geformten Stadtteile zu einer Einheit. Ihr vorgelagert sind seit dem frühen 20. Jahrhundert großflächig angelegte Kleingartensiedlungen analog den mittelalterlichen Kohlgärten.

Christel Moltrecht

1. Zu den frühen Delitzseher Postkarten gehört diese Potpourrikarte mit markanten Gebäuden und Denkmalen. Trotz ihrer bilderbuchartigen Naivität sind die Realschule, die Knabenbürgerschule und die Marienkirche mit dem Schulze-Delitzsch-Denkmal mühelos zu erkennen. Die Gesamtansicht der Stadt - vom Halleschen Turm aus betrachtet -Jäßt bei aller Vereinfachung das Wesentliche der Straßenführung, die Türme und die Kleinteiligkeit der Stadt deutlich werden.

Schloß.

2. Auf dieser mehrteiligen Karte erblickt man auf dem linken oberen Bild das lange verschwundene Eingangsportal an der Schloßwache des ehemaligen Frauengefängnisses. Es war bis 1926 im Delitzscher Schloß untergebracht. Die Höhere Töchterschule bezeichnet das Gebäude des ältesten noch bestehenden Schulhauses in der Schulstraße. Jahrzehnte trug es den Namen Schulze-Delitzsch-Schule.

3. Diese Darstellung zeigt uns den Marktplatz in winterlicher Pracht. Dominant das im Jahre 1849 neugestaltete Rathaus, in dessen Dreiecksgiebel eine Justitia auf die Funktion des Hauses auch als Gerichtsgebäude hinweist. Am rechten Bildrand sieht man die Adlerapotheke, die 1817 von Karl August Christian Freyberg erworben wird. Dort nimmt die später weltbekannte Firma für Schädlingsbekämpfungsmittel 'Delicia' ihren Anfang.

DEUT ZSC.

Mar_t . t R.

4. Mittelpunkt auch dieser Abbildung ist das Rathaus. Hinter den großen rundbogigen Fenstern im Obergeschoß befindet sich der Stadtverordnetensitzungs- und frühere Gerichtssaal. Das rechts neben dem Rathaus befindliche Gebäude erfuhr inzwischen eine Jugendstilumbauung mit Türmchen, geschweiftem Giebel und verändertem Erdgeschoßbereich. Die Mitte des Marktplatzes zierte ein am 1. September 1895 geweihtes Siegesdenkmal, das 1933 in eine städtische Anlage versetzt und in den sechziger Jahren völlig abgetragen wurde.

5. Der Marktplatz nach Osten zeigt noch die ursprüngliche und kleinteilige Bebauung, wie sie bis in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts bestand. Das repräsentative Rathaus überragt alle umliegenden Bürgerhäuser. Die im Jahre 1890 neuangepflanzten Linden markieren das Geviert des Marktes mit der Siegessäule im Zentrum. Am Horizont der Breite Turm.

6. Die mehrstöckigen Häuser an der Ostseite des Marktplatzes beherbergten von jeher Gastwirtschaften. Im Restaurant 'Zum goldenen Ring' besaß Delitzsch sein erstes Kino. An die Stelle der ehemals renommierten Gasthöfe 'Roter Löwe' und Hotel 'Zum Schwan' tritt in der Gegenwart ein neuerbauter Büro- und Wohnkomplex, der das gesamte Ouartier zwischen Leipziger Straße, Holzstraße, Kreuzgasse und Zscherngasse grundlegend verändert. Im Eckhaus zur Zscherngasse befand sich die Bäckerei Alfred Werner, später die Bäckerei Kalms. Das Haus Markt 1 am rechten Bildrand war 'Walthers Restaurant'.

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