Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Poel, Die Insel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6755-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10'

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Einleitung

Fast sind wir während unserer zehnten Reise zur Insel Poel geneigt, einige Urlaubstage für die Hansestadt Wismar zu opfern. Denn viel Wissenswertes haben wir inzwischen über diese Stadt aus Reiseführern erfahren. In den Prospekten "Mecklenburgl Städte - Ostseebäder - Sommerfrischen" von 1 91 3 I 14 und "Meyers Reisebücher/Deutsche Ostseeküste" von 1924 werden erstaunlich viele Informationen vermittelt.

Da heißt es eingangs:

"Wismar liegt am südlichsten Punkte der durch die Insel Poel und den Untiefen Hannibal und Lieps geschützten Wismarschen Bucht, die einen der besten und sichersten Häfen der Ostseeküste bilder."

Und einige Zeilen tiefer liest man unter derTeilüberschrift "Handel und Großindustrie" Folgendes:

"Haupteinfuhr: Nordische Hölzer, Granit, Rohrdraht, Mais, Getreide, Kalk und Steinkohlen. "

"Hauptausfuhr: Zucker, Malz, Getreide, Drahtwaren und Koks." Erstaunt sind wir auch über die Fülle an Betrieben in dieser Stadt, die kleingedruckt fast eine Viertelseite dieses Reiseführers füllt. So sind aufgeführt:

"Eine Eisengießerei mit Maschinen - undAutomobilfabrik, drei weitere Maschinen - und Feuerspritzenfabriken, eine Waggonfabrik, vier Säge - und Hobelwerke, eine Papierfabrik, zwei Zementwarenfabriken, eine Drahtgitter - und Drahtwarenfabrik mit Drahtzieherei, drei Dachpappen - und Asphaltfabriken, eine Holzschuhfabrik, sechs Ziegeleien, eine Malzfabrik, eine Brennerei und eine Zuckerfabrik. Die letztere ist eine der größten Norddeutschlands und auf die Verarbeitung von täglich 31 000

Zentner Rüben eingerichtet". Im Bild 2 wird mehr über die Zuckerfabrik zu erfahren sein.

Spätestens hier unterbrechen wir unsere Lektüre, denn der Hinweis über die Bauten, Altertümer und Sehenswürdigkeiten dieser schönen Hansestadt füllen viele Seiten. Wismar wird also noch auf unseren Besuch warten müssen, denn schließlich gehört die Insel Poel zu unserem Reiseziel, die laut Meyers Reisebüchern (1924) "neuerdings als Seebad besucht wird"

Wir verlassen den Wismarer Bahnhof und überlegen, ob für die Weiterreise der Wasserweg oder die Landstraße gewählt werden soll. Die Entscheidung fällt leicht, nachdem uns im Reiseführer "Wismar" aus dem [ahre 1912 I 13 Folgendes mitgeteilt wurde:

"Eine lohnende kleine Seefahrt bietet ein Ausflug nach der Insel Poel. Eine Stunde Dampferfahrt. Preis hin und zurück: Wochentags 80 Pfennig, Sonntags 70 Pfennig. Dreimal (in der Badezeit fünfmal) täglich. Sehr schöner Blick auf die Stadt Wismar. Auf Poel ist die Besichtigung der Kirche empfehlenswert. Spaziergänge zum "Schwarzen Busch", dem einzigen Gehölz auf der Insel, oder nach der Lotsen - und Rettungsstation Timmendorf mit Leuchtturm bieten Ausblicke auf die offene See und bei klarem Wetter auf die holsteinische Küste. In Kirchdorf, dem Hauptort der Insel, sind zwei gute Gastwirtschaften von Völter und Lembke. Auch bei Timmendorf und Brandenhusen und an einigen anderen Stellen ist Logis möglich. Am Strand "Schwarzer Busch" bieten zwei Kurhotels guteTagesunterkunft, sowie Sommerpension (pro Woche ohne Getränk 32 - 3 5 Mark) und Badegelegenheit. "

Ja, Badegelegenheit, das wird auch auf Poel Ende des 19. [ahrhunderts groß geschrieben. Wenn anfangs auch noch mit Prüderie und Geschlechtertrennung. Doch bedeutend offener ging man schon miteinander um als zu Dr. Vogels Zeiten, der uns mit seinen BaderegeIn aus dem [ahre 1817 köstlich amüsiert:

"Das Bad hat nach Leibesöffnung undAusleerung des Magens zu erfolgen - Nicht bei niederdrückenden Gemütsbewegungen, wie Verdruss, Ärger, Zorn, Angst und Kummer den Fluten anvertrauen. Der Badende sollte sich mit Frohsinn, Heiterkeit, Vertrauen und Hoffnung in die Arme des Neptun werfen und mit Singen, Pfeifen und Deklamieren von Versen sich ins Wasser senken - Auch die allgewaltige Tyrannei der Mode bei Damen führt zu bedeutenden Entblößungen und bringt ihre Liebenswürdigkeit in Gefahr."

Ob diese Regeln allgemeines Gehör fanden, soll uns weniger interessieren. Eine Empfehlung aber wird der Badegast sicher ohne Murren befolgt haben: " ..... nach dem Bade ist es heilsam, ein Gläschen "Hoppelpoppel" zu sich zu nehmen (Hoppelpoppel: eine Art Eierpunsch aus Eidotter, heißem Wasser, Rum und Zucker)."

Uns erwartet wieder einmal die herrliche PoeIer Natur mit Möwengekreische- Amselgesang - Spatzengezeter - Meisengepiepe - Bienensummen - Fliegenbrummen - Wellenrauschen und Wölkchenwandern. Und auch auf das Nichtsmüssen - Nichtswollen - Nichtstun und Kloensnacks (Schwätzchen) mit alten Poelern freuen wir uns.

Jiirgen Pump

Ein herzliches Dankeschön allen Personen, die mir bei meinen Forschungen mit Auskünften, Hinweisen und Fotos hilfreich zur Seite standen. Besonderer Dank gilt:

Anneliese Baumann (Poel), Ulrich Brenning, Prof. Dr. (Rostock), Ilse Büchse (Wismar) , Gretel Juderjahn (Wismar) , Astrid und Gert KenzIer (Wismar) , lrmgard Kitzerow (Poel),

Urda Kitzerow (Poel), Ursula Lumma (Wismar), Gabriele Lockner (Poel), Ulrich Möller (Poel), Christian Molzen (Wismar ), Kurt Piotrowski (Velbert), Fritz Reich (Poel), Helga Reimann, lnken und Heinrich Ripke (Neukloster) , Irmgard Rozal (Poel), Alfred Szibbat (Poel), Ilse Schiemann (Poel), Martin Schmallowsky (Poel), Carl-Christian Schmidt (Bad Doberan), Manfred Schönefeld (Glücksburg), Udo Schonert (Bad Freienwalde), Barbara Schröder (Poel), Adolf Susemihl (Rostock), lna- Maria TendIer (Poel), PeterVoss (Wismar) , Waltraud Walter (Wismar), Jürgen Westphal (Poel), Jonny Wilcken (Poel).

Für die orthografische Durchsicht danke ich Frau Gabriele Schulz (Poel) .

Jiirgen Pump

1. Schon während unserer Bahnfahrt in Richtung Wismar waren wir mit den Gedanken bereits wieder auf unserer geliebten Insel. Informationsmaterial hatten wir ausreichend zurVerfügung und erfuhren immer wieder Neues über Poel.

Obwohl erste Sommergäste sich bereits 1839 in Timmendorf erholten und 1844/46 das "FreimüthigeAbendblatt" die Insel zu Badezwecken empfohlen hatte, kann aber erst das Iahr 1899 als Beginn der touristischen Erschließung gelten. Es ist bekannt, dass der Hofbesitzer Peter Paetow aus Brandenhusen in diesem Iahr bereits jeden Winkel seines Hofes an Gäste vermietete. Die Urlauber erreichten diesen Ort mit dem PoeIer Dampfer, der dort seine Fahrgäste ähnlich wie aufHelgoland ausbootete. Paetow verfügte übrigens in seinem Testament eine "Peter-Paetow-Stiftung", welche hilfsbedürftigen Seeleuten, wie alten Matrosen, Steuerleuten, Schiffern, deren Witwen und ehelichen Kindern Hilfe bot und die ab dem Iahr 19 08 in Kraft trat.

Hilfreich in punkto Fremdenverkehr mag sicher der Eintrag eines Gastes in einem Fremdenbuch gewesen sein, der nüchtern feststellte, dass Poel im Lande noch gänzlich unbekannt sei. Dies wird den Poelern ein Ansporn gewesen sein, sodass sie die Ärmel schnell hochkrempelten. Es begann eine quirlige Zeit und den ersten Nachweis über das "Ostseebad Insel Poel" erhalten wir durch den PoeIer Badeverein, der, wie hier im Bild, eine Broschüre mit dem Prädikat "Ostseebad" herausgegeben hatte. In dieser Publikation wurde dem Fremden etwas zur Geschichte der Insel, die Verbindungen dorthin, von der Unterbringung sowie der Beköstigung mitgeteilt. Richtig zur Sache ging es aber ab dem Iahr 1928, als jährlich farbige Broschüren erschienen. Diese Publikationen hatten eine Stärke von bis zu 3 5 Seiten, auf denen ausgiebig über die Geschichte der Insel, über Ausflüge und Poels Klima mit seinen Heilwirkungen berichtet wurde. Auch erfuhr der Leser etwas über die Geschichte Poels und vor allem wurden Bekanntmachungen der Badeverwaltung mit den Hinweisen über Gasthöfe, Pensionate, Privatquartiere und Abfahrtszeiten der Dampfer und Kraftomnibusse mitgeteilt. Finanziert wurde die Broschüre durch Inserate der Gewerbetreibenden über reichlich 2 0 Seiten hinweg. Ein bedeutend abgespeckter farbiger Katolog erschien dann noch Ende der 193 Oer Jahre mit 12 Seiten, in dem den schlechten Zeiten angemessen nur noch das Nötigste mitgeteilt wurde.

2. Bevor wir unsere Dampferfahrt zur Insel antreten, weckt ein weiß getünchtes, flaches Gebäude am Alten Hafen unsere Neugier. Man kennt hier bereits unseren Wissensdurst und bereitwillig berichtet der Hafenmeister über die Geschichte dieses Schuppens:

Von der Insel Poel aus gelangten bis zur Errichtung der festen Brücke 1927 größere Mengen an Produkten aller Art auf dem Wasserwege nach Wismar. Anfangs waren es Böter, die hauptsächlich zu den Erntezeiten Sackgetreide an den großen Lagerspeicher der Firma G.W Loewe am Alten Hafen brachten. Aber auch die Seegrashandelsfirmen, wie Gahlenbeck, Isaak und Trendelburg in Wismar, benutzten die PoeIer Böter. Erst mit der Gründung und Inbetriebnahme der ZuckerfabrikAktiengesellschaft in Wismar 189 0, woran sich auch die PoeIer Großbauern beteiligten, benötigte man zumAbtransport der Zuckerrüben Fahrzeuge mit einem größeren Laderaum. Zuvor hatte man am 28.Juni 1890 dem PoeIer Hofbesitzer Paetow von Brandenhusen den Transport von Rüben mit Segelbooten gestattet, um die Herstellung von Prähmen aus Kostengründen zu vermeiden. Doch die Fabrik sah sich schnell gezwungen, selber auf der Wismarer Schiffswerft von Carl Barmann zwei hölzerne Prähme von 12 Meter Länge und einem Rauminhalt von 40 Kubikmetern bauen zu lassen. Mit dem Schleppen dieser Prähme hatte die Zuckerfabrik den Wismarer Schiffer Paul Langhoffbeauftragt, der den hölzernen Fahrgastdampfer "PauI" besaß (s.Band 6, Bild 7). Die Fahrt wurde im Oktober 1891 aufgenommen. Im Jahre 1900 nahm der Schiffer Gustav Steinhagen mit seinem Dampfer "Poel" die regelmäßige Verbindung zwischen Kirchdorf und Wismar auf Auch er betätigte sich in der Frachtfahrt. Er konnte PoeIer Bauern gewinnen, Rüben, Getreide und Kartoffeln nach Wismar zu verfrachten. Das kam den Vertretern der Zuckerfabrik entgegen, denn sie wollten ohnehin ihre kleinen Prähme aufgeben. Steinhagen erwarb von Hans und Joachim Evers in Wismar deren eisernen Leichter, der vordem als Passagierschiff "Moltke" und "Blitz" gelaufen war. Später kamen noch zwei weitere Prähme hinzu, die unter der Bezeichnung "P II" und "P nr' eingesetzt wurden. Diese Prähme hatten sich für den Rübentransport gut bewährt, da sie mit Greifern gelöscht werden konnten. AufWaggons geladen, gelangten die Rüben zur Zuckerfabrik. Landwirt Otto Eggers von WeitendorfHofbesaß ebenfalls eine eiserne Kastenschute, die er "Anny" getauft hatte. Schon fünf]ahre nach Gründung der Gesellschaft war die Belegschaft auf 230 Beschäftigte angewachsen. Insgesamt 7 0 Gutsbetriebe im Kreis Wismar bauten auf einer Fläche von 132 0 Hektar Zuckerrüben an. Der Wismarer Hafen erlebte einen traumhaften Aufschwung mit hohen Gewinnen. 1913, mit Abstand das beste Iahr seit der Gründung, wurden 20 000 Tonnen Zucker auf dem Seeweg ausgeführt.

Erster Direktorwar seit dem 15. Februar 1890 Sostmann. Ihm folgte ab 1895 Metge, der dann am lTuli 1907 die Geschäfte an Heitzsch übergab. 1915 folgte Wilhelm Meyer.

Am 31. Oktober 1936 wurde die Aktiengesellschaft umgewandelt und firmierte ab nun unter demTitel .Zuckerfabrlk Wismar, Bock & Co., Kommanditgesellschaft, Seestadt Wismar" .

Hier auf dem Foto vom Jahre 1936 sehen wir den großen Zuckerschuppen im Alten Hafen. Auf dem Gleis vor dem neugotischen Backsteinbau des Zollamtes steht ein entladener Zuckerwaggon und unmittelbar davor liegt der Segler "Pidder Lüng" vertäut. Wer genau hinschaut, wird am Giebel des Schuppens die Inschrift "Zuckerfabrik Wismar" erkennen. Diesen Schuppen errichtete man 1895/96, nachdem ein kleinerer, am 21. April 1891 erbaut, mit einem Fassungsvermögen von 25 000 Zentnern nicht mehr ausreichte.

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3. Schaut man vom Zuckerschuppen über den Alten Hafen hinweg zur "Koppelseite", so fällt einem dort links im Bild besonders ein imposantes Gebäude auf, das als Getreidespeicher im Iahre 1905 von der Stadt Wismar erbaut wurde und die Raiffeisengenossenschaft in Nutzung nahm.

Das verhältnismäßig kleine Gebiet des in Sumpfland auslaufenden Geländes der Hafenkoppel nutzten die Fischer einst zum Trocknen ihrer Netze und zur Lagerung der Boote. Dazwischen weideten wohl auch Schafe. Das an der Koppelseite neu errichtete Säge- und Hobelwerk der Firma Rohrdantz & Co. wurde zwei Jahre nach dem Speicher am 8. Oktober 1907 in Betrieb gesetzt. Seit dem Jahre 1909 trat W Gehrcke und Sohn die Nachfolge an. Den Speicher und dieses Werk errichtete man übrigens bereits auf Neuland. Ein 20 000 Quadratmeter großes Terrain war hier durch Aufschüttung von Baggererde entstanden. Die Fahrrinne des Wismarschen Hafens konnte bis dahin nur von Schiffen bis zu 1 7 Fuß (entspricht 5,61 Meter) Tiefgang passiert werden. Aus diesem Grund und auch gleichzeitig, weil es an Lösch - und Lagerplätzen mangelte, entschloss man sich im August 1902 zur Anschaffung neuer Baggerfahrzeuge. Es waren ein Dampfbagger für neun Meter Wassertiefe, ein schwimmender Elevator und sechs Baggerprähme. Die so entstandene Fläche "Koppelseite" wurde dann noch im Jahre 1913 nach Nordwesten hin als Holzhafen erweitert.

Diese Aufnahme, wohl Ende der 193 Oer Jahre entstanden, zeigt auch hinten rechts den Ohlerich-Speicher und weiter vorne den Thormann/LoeweSpeicher.

4. Wenn auch die Qualität des Bildes sehr zu wünschen übrig lässt, ist es dennoch ein bedeutendes Zeitdokument.

Der Bau des Silospeichers der Firma Ohlerich und Sohn veränderte das Aussehen des Wismarer Hafens Mitte der 193 Oer Jahre ganz erheblich. Da die Lagerkapazität von Getreide in jener Zeit offensichtlich nicht mehr ausreichte, begann man Anfang Juli 1935 mit dem Bau eines wuchtigen Speichers und kündigte in der Presse die Fertigstellung dieses Gebäudes bereits für März 1936 an. Durchschnittlich waren an diesem Bauwerk 100 Arbeiter beschäftigt, die aufgrund desTermindrucks auch nachts arbeiteten. Zunächst musste aber der Baugrund vorbereitet werden. Hierfür wurden 280 Kiefernstämme von 17 Meter Länge und 35 Zentimeter Dicke als Fundament in den Boden eingerammt. Diese Hölzer mussten dann den Baukörper tragen, der aus Eisenbeton entstand und mit Mauersteinen umkleidet wurde. Für 5000 Tonnen Fassungsvermögen hatte man diesen Speicher konzipiert, das entsprach etwa einer Einlagerung von etwa 100 000 Zentnern Getreide in 27 SilozeIlen auf6 Schüttböden. Das Eigengewicht dieses Giganten errechneten die Planer mit 6000 Tonnen und an Baustoffen waren bis zum Richtfest am 16. Ianuar 1936 folgende Mengen verarbeitet worden:

200 Tonnen Eisen, 1200 Tonnen Zement, 3500 Tonnen Kies und 550 000 Stück Mauersteine.

Vom Zeitpunkt des Richtfestes bis zur endgültigen Fertigstellung dieses Gebäudes blieb den Erbauern von Ianuar bis März nur noch wenig Zeit. Schließlich mussten noch die technischen Gerätschaften wie Trocknungs -, Begasungs-, Belüftungs - und Fernthermometeranlagen installiert werden. Außerdem waren Elevatoren nötig, die dem Transport im Innern des Speichers dienten. Hinzu kam eine automatische Sauganlage zur Be - und Entladung von Seeschiffen. Die Aufnahme des eingerüsteten Speichers vom Ianuar 1936 ist dem Wismarer Fotografen Prüß zu verdanken.

5. Noch haben wir Zeit, vor unserer Dampferfahrt in einigen Broschüren zu blättern. Dabei fällt uns eine schöne Zeichnung auf, die die Erinnerung an die imposante Kabelkrananlage der Wismarer Werft wachruft (s. Band 8, Bild 73). Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Hansestadt Wismar der Grundstein zum Bau einer Schiffswerft gelegt. 13 Kollegen begannen im Jahre 1946 mit einer kleinen Reparaturwerft, aus der sich später dann die MathiasThesen-Werft entwickelte. Aufgaben dieser Werft waren Schiffsreparaturen, Instandsetzungen und Ausrüstungen. Zunächst wollte man in der Schlachthalle des Seegrenzschlachthauses arbeiten, fand aber mit den Bauten an der Kopenhagener Straße geeignetere Möglichkeiten zur Produktion. Die Schiffsreparaturen mussten an den verfallenen Brunckow-Kaianlagen ausgeführt werden. Schnell stieg die Anzahl der Beschäftigten, sodass Ende 1946 bereits 698 Kollegen gezählt wurden. Allerdings musste unter schwersten Bedingungen ohne Kaianlagen, Kräne und Versorgungsanlagen gearbeitet werden. Neueingestellte Kollegen waren zum Teil sogar gezwungen, ihr eigenes Werkzeug mitzubringen. Wohnraum für die Arbeiter schaffte man durch den Umbau der Kasernen in der Philipp-Müller-Straße. Dort wurden auch eineTischlerei sowie eine Elektro- und Kraftfahrzeugwerkstatt eingerichtet. Bettgestelle, Schränke und Haushaltsgeräte fertigten die Bewohner in der Werft selbst. Ab dem Iahr 1947 erhielt die Werft den offiziellen Namen "Schiffsreparaturwerft Wismar, VEB". Die vorhandenen Anlagen und Gebäude entsprachen aber schnell nicht mehr den Anforderungen und so wurde die ehemalige Waggonfabrik in der Kanalstraße am 1. Juli der Werft angegliedert. Die Belegschaft vergrößerte sich von 1629 Kollegen auf 3 600. Doch die dezentralisierte Lage der Werft führte zur unproduktivenArbeit und man entschloss sich zum Bau einer neuen Werft im Gelände am Westhafen. Dort, wo noch Kühe und Schafe weideten, begannen im Iahre 1949 die Bauarbeiten. Kräne und eine moderne Kaianlage standen nun in kürzester Frist zur Verfügung und die Belegschaft erhöhte sich auf 7000 Beschäftigte. 1951 erfolgte die Grundsteinlegung fûr Schiffsneubauten und in diesem Iahr, am 13. Oktober, erhielt die Werft ihren neuen Namen "VEB Mathias- Thesen-Werft". Eine neue SchifThauhalle wurde gebaut und im N ovember 1953 nahm man die Kabelkrananlage in Betrieb, die in zwei Bauabschnitten (1953/1957) gebaut wurde. Am 18. Juli 1953 kam es zum ersten Stapellauf des Flussfahrgastschiffes "Tschkalow", das fûr die Sowjetunion bestimmt war.

6. Bevor wir den Alten Hafen verlassen, begegnet uns der Dampfer "Walfisch", der in den Stettiner Oderwerken im Iahre 1905 erbaut worden war und der Stadt Wismar alsTonnenleger, Eisbrecher, Schlepper und sogar als Feuerlöschfahrzeug diente. Der Dampfer ist 18,90 Meter lang und besitzt eine zweifach Expansionsmaschine mit 165 PS Leistung. Das Schiff wurde bis 1919 von einer fünfköpfigen Besatzung unter Kapitän Wilhelm Ahrens geführt. Danach hielten die Kapitäne Heinrich Ahrens, Wilhelm Lehmann, Hans Kahl, Hans Barnekow und Hans Kruse diesen Dampfer in Fahrt.

Im Zeitrafferstil hier einige Ereignisse aus dem langen Leben dieses Schiffes: Im Winter 1924/2 5 birgt der Dampfer den in der Fahrrinne vor Brandenhusen bei Eisgang gesunkenen und dem Fischer RudolfFreitag gehörenden Kutter "Anna". ImApril1926 gerät der Dampfer .Jnscl Poel" um exakt 07.30 bei Nebel von Kirchdorfkommend neben der Fahrrinne zwischen Wendorf und dem Wismarer Westhafen auf Grund und kommt durch den Schlepper "Walfisch" glücklich wieder frei. Im Sommer des Jahres 1926 bekämpft der Schlepper bei den Holzlagerschuppen der Firma W Gehrcke einen Brand im Achterschiff des Dampfers "Dollart" . Im Frühjahr 1 9 2 7 führt das Schiff die Bergung des vor der dänischen Insel Langeland gestrandeten Wismarer Seegrasleichter "Wilhelm Trendelburg" durch. Der" Walfisch" übersteht den Zweiten Weltkrieg und wird 1945/46 mit der Bergung und Überführung der Seeleichter "Skagerrak" und "Walküre" vom Darßer Revier nach Wismar beauftragt. Auch in Stralsund kommt der Schlepper zum Einsatz, wo er schließlich sinkt. Nach Hebung und Reparatur wird er in Rostock eingesetzt und später an die Firma RudolfHarmstorf in Lübeck verkauft. Im Jahre 1973 außer Dienst gestellt, kommt das Schiff 1974 bei der Ritscher Werft in Harburg zum Abwracken.

Dieses Foto zeigt den "Walfisch" im Jahre 1959 vor der Wismarer "Mathias- Thesen-Werft".

7. Für die PoeIer Sommergäste war ein Bootsausflug bis in die Wismarbucht hinein stets ein riesiges Erlebnis, für die Fischer der Insel aber ein gutes Zubrot. Denn die "Berliners von Dütschland" , so nannte man die Gäste vom Festland, hatten in gehobener Urlaubsstimmung schon mal eine "lose Mark" parat. Unter vorgehaltener Hand aber soll auch nicht verschwiegen werden, dass manch ein mutiger "Landratten-Seemann" sich bleichgesichtig mit dem Fischefüttern befasst haben soll.

Hier begegnet uns am 24. Juli 1931 der Fischer Hans Waack (I) mit froh gestimmten Gästen.

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8. Dieses wunderschöne, klare Bild desWarnemünder Fotografen Kar! Eschenburg aus demjahre 1934 bedarf kaum er!äuternder Sätze. Es zeigt sehr schön den größten Teil des Kirchdorfer Hafens mit seinem Umfeld. Nicht zu übersehen sind die Reusenkähne von Ernst Bruhn (P 23), Paul Baumann (P 9) und Ludwig Langhoff (P 5), die unmittelbar an der beliebten Promenade in Richtung "Spitzeck" lagern. Im Mittelgrund hebt sich deutlich das vom Amtsbaumeister Kar! Hoch erbaute Schlickwehr hervor, das im Jahre 1931 gegen die Verlandung des Hafens errichtet worden war. Auch der Landungssteg für den Dampferverkehr rechts hinten im Bild ist gut von der Kamera erfasst. Nicht zu übersehen ist der einsam stehende Baum, der den Kapitänen und Fischern als Navigationshilfe diente.

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