Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Die Insel Poel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6601-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5'

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Einleitung

'Das Ostseebad Insel Poel erwartet Sie!' Mit diesem Slogan warben die Vorväter der heutigen Insulaner bereits in alten Zeiten in einem Bäderprospekt. Und wir können diesem Werbematerial noch folgende Zeilen entnehmen: 'Von den ruhigen Badeorten an der mecklenburgischen Ostseeküste erfreut sich das Ostseebad Insel Poel dank seines heilkräftigen Klimas und seiner interessanten Eigenarten einer wachsenden Beliebtheit.

Rings umspült von der Ostsee, ohne Mückenplage, ist Poel gerade das richtige Bad fûr den, der seine Erholung nicht in lärmenden Modebädern sucht. See, Sonne, Strand: Ostseebad Insel Poel bietet es Ihnen. Poel hat zu 76 Prozent ein ozeanisches Klima. Die Temperaturunterschiede sind auf Poel geringer als in anderen Ostseebädern.' Und weiter unten beteuert der Schreiber in seinem Text: 'Die Vermieter sind bestrebt, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Segelpartien, Strandfeste, Kinderfeste wechseln miteinander ab.'

Geschichrliches

In den sechziger Iahren des 12. Jahrhunderts begegnet uns Poel zuerst in den geschichrlichenAufzeichnungen, und zwar unter dem Namen Pule, das soviel wie flaches Feld bedeutet. Zu Beginn des 14. Iahrhunderts gelangt die Insel in den Besitz der Rittergeschlechter PIessen, Preen und Stralendorf Nach der Reformation fällt ein großerTeil von Poel an die Landesfürsten, undAdolfFriedrich erbaute sich hier ein geschütztes Schloß, dessen Wälle und Schanzen noch heute erhalten sind. Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm Wallenstein die Insel in Besitz und befestigte sie stark; ebenso auch die im Süden gelegene Insel Walfisch. Nach dem Frieden kam Poel mit Wismar und Neuklaster an die Krone Schwedens, die ihr Besitzrecht bis 1803 ausübte. Aber erst im jahr« 1903 ist dann Poel endlich wieder unter mecklenburgischer Verwaltung.

Die ganze Insel ist äußerst fruchtbar; das hat ihr die Bezeichnung 'Korn-

kammer Mecklenburgs' eingetragen. Ein guter Boden also, der stets den Bewohnern gute Ernten sicherte. Der guten Erde ist es auch zu verdanken, daß Ende des 19. Jahrhunderts der Landwirt Hans Lembke in Malchow begann, Saatzüchtung zu betrei ben. Noch heute existiert dieser Saatzuchtbetrieb, und er fand internationale Anerkennung mit seinen züchterischen Ergebnissen.

Sehr viel Mühe und Sorgfalt verwandte Leo Woerlin in der Ausführung und Gestaltung der Ausgabe 'Illustrierter Führer durch die Seestadt Wismar und die mecklenburgischen Ostseebäder', erschienen 1911 in Woerl's Reiseführerverlag Leipzig. In dem umfangreichen Inseratenteil sind auch PoeIer Anzeigen enthalten. Der heute in Bremen lebende Wismarer, der Schriftsteller und Schiffshistoriker Hans-Günther WentzeI, schöpfte aus einem Exemplar, daß aus dem Besitz der früheren Wismarer Reeder- und Kaufmannsfamilie Heinrich Podeus stammt. WentzeI veröffentlichte im 'Poelet Inselblatt' einiges aus diesem Führer. Hier eine kurze Textpassage mit dem Titel DIE INSEL POEL: 'Täglich morgens und nachmittags fährt der Dampfer "Poel" in einer Stunde hinüber. Eine hübsche Fahrt, die einen vorteilhaften Anblick der Stadt Wismar von der See aus bietet. In Kirchdorf drei gute Gastwirtschaften von Völter, Lembcke und Restaurant "Zum grünen Winkel". Poel ist die einzige größere Insel Mecklenburgs. Sehr fruchtbar. Allein im Herbst 1715, während der damaligen Belagerung von Wismar, versorgten die PoeIer die Stadt mit 6000 Schock (1 Schock: 60 Stück) Weißkohl; jetzt meistens Getreide- und Rübenbau.

Mit Ausnahme eines kleinen Gehölzes, der "Schwarze Busch" genannt, gibt es auf der Insel keine Waldung. Der "Schwarze Busch", am nordwestlichen Strand gelegen, ist von Kirchdorf in einer halben Stunde zu erreichen. Neuerdings ist am Strande beim Schwarzen Busch ein modern eingerichtetes Kurhaus erbaut. Badehütten unmittelbar am Strande.

Auch ein Spaziergang nach der Lotsenstation mit Leuchtturm und Rettungsstation in Timmendorf ist empfehlenswert. Hier fällt das Ufer stellenweise bis zu 13 Meter Höhe steil zur See ab. Bade- und Logiermöglichkeiten sind aufPoel vorhanden. Für Fremde, die einfache Ansprüche machen und nur Ruhe, Seeluft und Seewasser suchen, ist Poel sehr zu empfehlen.'

Der Poeier

Auch die Verwaltung der Schweden prägte den PoeIer Menschen. Das hatte sich derart vertieft, daß man allgemein die Insulaner als Südschweden bezeichnete. Nicht verwunderlich ist also, daß man das Festland als Ausland ansah und es spaßeshalber gar als 'Kontinent' bezeichnete. Und betrat der Insulaner mal das Festland, so reiste er schlicht nach Deutschland. Kamen Reisende auf das Eiland, so scherte der PoeIer alle über einen Kamm und er nannte sie allesamt 'Berliner', weil überwiegend Sommerfrischler aus Berlin die Insel Poel neben Usedom bevorzugten. Es soll sogar vorgekommen sein, daß noch um die Jahrhundertwende Reisende 'abgekanzelt' wurden, wenn sie nicht gebührend zwischen Mecklenburg und Poel zu unterscheiden wußten. Ein etwas eigensinniger Stolz, der wohl darin begründet lag, daß die Insellage ein starkes Unabhängigkeitsgefühl im Laufe der Iahrhunderte herausgebildtet hatte.

Dennoch, man freute sich im Iahre 1903 unbändig darüber, wieder Mecklenburger zu sein.

Sommerfrische

Das Wort klingt luftig, leicht und locker und vor etwa 100 jahren wurde die Urlaubsreise an die See zwischenjuni und September fûr immer mehr Familien aus dem Bürgertum zur Modeerscheinung. Gut Betuchte fuhren nun mindestens einmal pro Iahr in die Sommerfrische. Ermöglicht wurde das neue gesellschaftliche Phänomen dank einer rasanten technischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Jeder, der konnte und wollte, erreichte nun bequem, schnell und sicher per Eisenbahn, Dampfer oder schon mit dem Auto sein Sommerfrische-Ziel. Vorausgesetzt, er hatte eben die nötigen Finanzen. Das hieß aber nicht, daß Leute mit dünnerem Geldbeutel gänzlich auf die Badenfreuden verzichten mußten. Schließlich gab

es noch Geheimtips fûr kleine Paradiese, in denen man ungetrübte Freude an Mutter Natur zu erschwinglichen Preisen genießen konnte. Und als eine dieser Paradiese, Sie werden es erraten, bot sich die kleine Ostseeinsel Poelan.

Das Wort Insel

Hören wir das Wort Insel, dann denken wir an Ruhe, an Ursprünglichkeit undAbgeschiedenheit von allem Lärm und aller Hast des täglichen Lebens. Und wirklich: es scheint, als ob unsere schnellebige Zeit an der Insel Poel vorübergegangen ist - so unberührt und ruhig läßt es sich dort leben. Wer also seine Erholung nicht in mondänen Bädern sucht, kann sich mit der Behaglichkeit dieser verträumten Insel Poel Ferienträume erfûllen. Die wachsende Beliebtheit dieser Insel als Ort der Erholung und gesundheitlichen Kräftigung wird erst verständlich, wenn der Feriengast die harmonische Bindung des Menschen zur Natur wiederentdeckt hat.

Und die Insel Poel macht das Wiederentdecken kinderleicht mit seiner fröhlichen, würzigfrischen und reizvollen Landschaft und dem kitzelnden Seeklima. Die Insel verspricht ein unvergeßliches Erlebnis und enttäuschte bisher niemanden.

Ein herzliches Dankeschön allen Poelern, die mir bei meinen Nachforschungen mit Auskünften und Fotos hilfreich zur Seite standen. Besonderer Dank gilt den Herren Hans-Günther WentzeI, Bremen (Texte und Fotos 73, 74), Wolfgang Glaue, Poel (Fotos 58,62), Traugott Ohse, Bad Doberan (Texte und Fotos 12, 13), Otto Heinrich Glüer, Poel (Fotos 35, 36), Hans-Georg Hoch, Berlin (Fotos 2, 25, 27), Anne Marie Röpcke vom PoeIer Heimatmuseum (Foto 63), Wolfhard Eschenburg, Warnemünde (Foto 38) sowie dem Volkskundemuseum Schwerin/M ueß (Fotos 70, 72). Für die orthographische Durchsicht nach alter Rechtschreibung danke ich Dorothea Fiedler und Mechthild Renker/Osnabrück.

JürgeI1 Pump

1 AlsVerkehrsmittel reichte bis weit in das 19. Jahrhundert hinein das pferdefuhrwerk aus. Spediteure besorgten mit pferden den Güterverkehr und Kutschen den Personentransport. Dominierend waren also auf den Straßen Pferdegespanne. Doch zunehmend setzte sich die Motorisierung durch. Für weite Reisen allerdings stand ab dem 12. Juli 1847 bereits die Bahn zur Hansestadt Wismar zur Verfügung.

Wir treffen mit der Bahn in Wismar ein und haben keine Sorge, wie wir weiter zur Insel Poel kommen. Bei unseren vorangegangenen Poel-Reis en lernten wir auch Gustav Buchholz kennen, der das Versprechen gegeben hatte, uns beim nächsten Mal mit seinem Pferdewagen vom Bahnhof abzuholen. Er hielt Wort und wir zuckeln gemütlich in Richtung Insel.

Gustav Buchholz war auf dem Hof der Steinhagens in Wangern beschäftigt. Agnes und Richard Steinhagen sind uns bereits als nette und tüchtige Leute be-

kannt. Sie betreiben Landwirtschaft und bessern ihr Einkommen mit Vermietung an Sommergäste auf (s. 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 1, Bild 3 1). Die einzigen Fahrgäste sind wir nicht. Mit uns fährt der Bauingenieur Kar! Hoch, der die PoeIer Dammbrücke konstruierte und

auch baute. Ein interessanter Mann, der viel zu berichten hat. Wir sind wie immer neugierig auf'unsere' Insel.

Hier auf diesem Foto erwischte der FotografGustav Buchholz während seiner Fahrt zum Bahnhof im Hohlweg des Redentiner Berges.

2 Nachdem wir auf dem Damm kurz hinter Strömkendorf das Zollhaus passiert haben, befinden wir uns nun kurz vor der neuen Brücke. Und Amtsbaumeister Kar! Hoch weiß über dieses Bauwerk folgendes zu berichten: Eisgang und Sturmfluten ließen den Insulanern wie den Bewohnern des Festlandes seit jeher keine andere Wahl, wollten sie zur Zeit der Herbst-und Winterstürme nicht gänzlich voneinander abgeschnitten sein. Und man entschloß sich, im Jahre 192 7 den Damm zu erweitern und eine neue Brücke zu errichteten. Die Ausschreibung war an fünfFirmen ergangen. Mit dem Bau wurde das 'Vermessungs- und Tiefbau-Geschäft Carl Nicolai' aus Wismar beauftragt, deren Angebot mit 73.000 RM das günstigste war. Zuvor aber galt es, die alte Holzbrücke abzubrechen. Dem Maurer Robert Lange in Fährdorf erteilte man mit dem Aufgebot von 700 RM die Genehmigung, allerdings unter der Bedingung, die Jochpfähle von festen oder schwimmenden Gerüsten herauszuziehen. Es sollte unter der geplanten neuen

Brücke ein 40 m breiter Durchgang entstehen, der aus Sicherheitsgründen für die Schiffahrt vollkommen vonjochpfählen geräumt sein mußte. Das Holz wurde später weiter verwendet. Und heute noch entdecken wir Teile als Koppelpfähle im Hellmann'schenAnwesen in Malchow, als Dachgebälk in der

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Scheune bei Kar! Kläve in Weitendorf und als Bodentreppe in einem Dömitzer Wohnhaus. Brücken,- Damm- und Chausseearbeiten kosteten der Gemeinde Poe180.000 RM. Hier auf dieser Darstellung sehen wir einen Bauplan, den der Tiefbauingenieur Amtsbaumeister Kar! Hoch beim Amt in Wismar anfertigte. Er

zeigt neben dem Fährhaus den Ver!auf der alten und der geplanten neuen Brücke über den Breitling. Hoch hatte man mit der Ausführung dieses Projektes betraut (s. 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 1, Bild 1; Band 4, Bild 76).

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3 Wir hören von Ingenieur Kar! Hoch weiter, daß erste Verhandlungen zum möglichen Brückenbau am PoeIer Damm bereits im September 1923 nachzulesen sind. In einem Schreiben des Wasserbauamtes vom 5. September soll dem Wasserbauamt mitgeteilt werden, gelegentlich einen Vertreter zwecks Rücksprache mit dem Gemeindevorstand nach Poel zu schicken.

Es kam dann im März 1 925 zu einer Beratung über den Chausseebau unter Beisein des Herrn Amtshauptmann Brinkmann, Ingenieur Nicolai und Gutsbesitzer Steinhagen.

Und aus dem 'MecklenburgerTagesblatt' vom 23. Oktober 1925 ist später unter anderem folgendes zu entnehmen: 'Irn Zuge der Fortführung der neuen Kunststraße im Jahre 192 4 ging man davon aus, daß die Straße nur dann zur vollen Wirkung kommen könnte, wenn auch eine neue Brücke über den Breitling gebaut werden würde.'

Die alte Holzbrücke wurde damals natürlich auch von Fuhrwerken befahren. Hans-Georg Hoch, dem Sohn von Kar! Hoch,

berichtete man, daß am Fährhaus eine Gebühr entrichtet werden mußte, was einige wohl veranlaßte, bei Niedrigwasser die Furt zu benutzen.

Das 'MecklenburgerTagesblatt' berichtet am 18. Oktober 1925: 'Die Brücke erhält eine Durchlaßöffnung von 10Meter Breite. Die

darüber führende Chaussee wird 8 Meter breit sein.'

Nebenbei ist noch zu bemerken, daßerstimJahre 1934 die Ortschaft Malchow eine befestigte Straße erhielt.

Dieses Foto aus dem Jahre 1930 zeigt Gendarm Nehring mit einem Fahrrad auf der noch recht

neuen PoeIer Brücke. Und wie heute noch, stellten dort schon zu jener Zeit Petrijünger mit ihrer 'Hungerpeitsche' (Angel) den Fischen nach. Wir sehen hier am rechten Geländer zwei PoeIer Jungen mit Duldung des Gendarmen beim Angeln.

4 Inzwischen rumpeln wir mit unserem Kutschwagen über das Kopfsteinpflaster des PoeIer Dammes und erfahren von Gustav Buchholz viel neues: Nicht immer war die Insel Poel so ohne weiteres auf dem Landwege zu erreichen. Dies belegt eine Aussage des Pastors Zastrow (Amtszeit von 1763 bis 1796). Früher ging der Weg vom Festland nördlich des Dammes durch das Wasser. Der Damm wurde dann in den Jahren um 1760 zuerst aufgeschüttetundimJahre 1858 erneuert und erhöht. Dies bewerkstelligte der Pächter von StrömkendorfKarl Petersen, der mit dieser Maßnahme den ständigen wiederkehrenden Sturmfluten Einhalt gebieten wollte. Wie aus der Festrede zur Jahrhundertfeier des Gutes Strömkendorf im Jahre 1924 zu erfahren ist, bestand schon im Jahre 1625 eine Brücke, die aber am 10. Februar 1625 durch eine Sturmflut zerstört wurde. Abhilfe sollte dann später um 1760 die Aufschüttung des Dammes über den Meeresarm (Breitling) bringen. Aber auch diese Maßnahme sicherte nicht vollen Schutz, und Petersen be-

faßte sich dann schließlich im Jahre 1858 mit der Erhöhung des Dammes. Schwachpunkt aber waren immer wieder die Brücken. So war auch kein Kraut gegen die Sturmfluten 1864 und 1872 gewachsen.

Pastor Zastrow schrieb im Jahre 1788 folgendes: 'Poel, ob es gleich eine Halb-Insel genannt wird, ist eine ganze Insel; denn sie hängt durch zwey Brücken, so schon

zur schwedischen Herrschaft gehören, mit dem festen Lande zusammen, und die dritte Brücke, so auf Mecklenburgischem Territorium vor einigen dreißigjahren, ist weggenommen, ein Damm an deren Stelle gemacht. Auf der großen Brücke ist auch eine Zugbrücke, welche des Nachts aufgezogen wird, wodurch dieser einzige Zugang zu Lande nach Poel gesperrt werden kann.'

Damm und Brücken überspannten den Breitling etwa einen Kilometer bei einer Durchschnittstiefe von einem Meter.

Wir sehen hier eine Aufnahme um 1950 etwa. Links vorn, unterhalb der Strommasten, sind noch Reste der alten Holzbrücke zu erkennen (s. 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 1, Bild 1; Band 4, Bild 76).

5 Es fällt uns schwer, den Schilderungen von Amtsbaumeister Hoch zu glauben, als er uns von den Sturmfluten vergangener Zeiten berichtet. Besonders die Flutvam 13. November 1872 richtete auch im östlichen Teil der Insel mit seiner Brücke und dem Damm riesige Schäden an. So hören wir von Hoch: 'Die Brücke zwischen der Insel und dem Festland wurde fast vollständig zerstört. Nur einigeJochbalken blieben zurück. Trümmer der Brücke fand man später am Strand von Zierow. Ein Chronist berichtete: Der kleine PoeIer Damm wurde zum dritten Teil zerstört. Verluste an Menschenleben waren nicht zu beklagen, um so mehr bewegliche Habe. In Fährdorf wurden drei B üdnereien arg beschädigt, in einem massiven Haus sogar die inneren Klutenwände eingeweicht, so daß der Schornstein einstürzte. Durch den Breitling stürmte die Flut aus der Ostsee an der Ostseite der Insel herbei, durch die wismarsche Wasserstraße von der anderen Seite. Bei der Brücke trafen die Strömungen mit entsetzlicher Gewalt zusammen und schienen

mit Riesenkraft um die Herrschaft zu kämpfen. Die große Brücke erlag zum Teil dem Andrängen des Wassers. Aber auch der Zöllner Steinhagen, der unmittelbar an der Brücke wohnte, kam in Bedrängnis. Zum Zeichen seiner Not steckte er eine Fahne aufund gab Notschüsse ab, aber nur wenige achteten darauf Wer sollte retten? Ganz Fährdorf war überflutet. Jeder mußte sich beeilen, um sich aus dem niedrigen Tal selber zu retten.' Nicht ganz

so dramatisch verliefen die Sturmfluten im folgenden Jahrhundert bis heute und die Höchstmarke des Pegels von 1872 blieb bisher unerreicht. Die Sturmflut vam Jahre 1954, die die westliche Ostsee heimsuchte, war seit Jahrzehnten die stärkste. In den Morgenstunden wurden im Küstengebiet Windstärken van 8 bis 9 Beaufort gemessen und der Sturm steigerte sich im Laufe desVormittags zur Orkanstärke. Das Hochwasser stieg teil-

weise bis 1,80 Meter über normal und erreichte damit einen Pegelstand, der nur bei der großen Sturmflut am 23. Dezember 19 13 mit 1,87 Meter übertroffen wurde.

Hier auf diesem Foto vom 4. Januar 1954 ist der Ansturm der Wassermassen aus nordöstlicher Richtung deutlich erkennbar. Sie haben fast die Dammkrone erreicht. Im Hintergrund zeichnet sich die Baumreihe der Blowatzer Straße ab.

6 Kaum haben wir die PoeIer Brücke passiert, treffen wir auch schon aufSeegraswerber. Es sind Marie und Gustav Vogel, die sich mit der Bergung von Seegras neben der Fischerei etwas dazuverdienen. Wie überall an den Küsten PoeIs, war man auch am Breitling mit diesem Erwerbszweig befaßt (s. auch 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 2, Bilder 14,44; Band 3, Bild 50; Band4, Bilder 9, 20, 21, 22, 23, 24). Marie Vogel ist hier auf diesem Foto damit beschäftigt, das geborgene Seegras nach seiner Trocknung mit der Forke aufzuhäufen. Ihr Mann Gustav lud es dann auf eine Schiebkarre, um es zu seinem Kahn mit der Kennung P.19 ° zu schaffen. Mit voller Ladung stakte er dann das geborgene Gut immer im seichten Gewässer unterhalb des Ufers den Breitling entlang bis in die Kirchsee zum Kirchdorfer Hafen. Hier begann das Geschäft mit Tankmar Mahncke, der als Seegrasgroßhändler die Ware für das Wismarer Matratzenwerk aufkaufte. Ein einträgliches Geschäft aber schien die Kleinfischerei und die Seegrasbergung für Gu-

stav Vogel nicht gewesen zu sein, denn er verdingte sich später als Straßenwärter bei Albert Kläve. Zu Marie ist noch folgendes zu sagen. Sie erlangte fast Berühmtheit, denn der Maler Karl Christian Klasen malte sie als Kartoffelschälerin. Mit ihrem Mann wohnte sie in der Schankwirtschaft ihres BrudersJohannes Lembke in Fährdorf (s. 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 1, Bild 4). In dessen Krug spielte sich am 23. Dezember 1913

während der großen Sturmflut eine kuriose Geschichte ab. Jakob Waack (auch als Fischerkopfvon Klasen gemalt) hatte mit einem Kahn versucht, ein Schwein zu retten. Es sprang aber über Bord und schwamm Johannes Lembke, der gerade mit FischerstiefeIn in der Haustür stand, durch die Beine hindurch direkt in die Gaststube.

Wie bodenständig Marie Vogel war, bestätigt die Tatsache, daß sie nur zweimal in ihrem Leben von

der Insel kam. Und das nicht über Wismar hinaus. Marie wurde 88 Jahre alt und starb im April 1959. Ihr Mann Gustav soll etwa um 1952 im Alter von 82 Jahren gestorben sein. Auf diesen beiden Bildern erkennen wir gut den Baumbestand von Pappeln auf dem PoeIer Damm, der erst nach dem Bau der neuen Brücke und dem Straßenbau im Jahre 1927 gepflanzt worden war.

7 Wir passieren die wunderschöne Niendorfer Mühle und ahnen nicht, daß sie im Jahre 1953 ein Opfer der Flammen wird (s. 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 1, Bild 36; Band 2, Bilder 9,10;). Und erstjahre später halten wir einen Zeitungsartikel in den Händen, der sich mit dem dramatischen Verlauf des Brandes befaßte. Der PoeIer Lehrer RudolfBreidenmoser schilderte aus eigenem Erleben, wie der Feuerteufel wütete. Hier sein Bericht: ' ... Jemand klopfte laut an das Fenster. Ich fuhr aus dem Schlafe. "Stah up, dei Moehl brennt!" Was, die Mühle direkt neben uns? ... Aus der Kuppel drang schwerer, schwarzer Rauch. In Kirchdorfheulte die Sirene. Erst jetzt dachte ich an die Windrichtung. Eine Woche lang stand der Wind aus Nordwest. In dieser Nacht hatte er aufSüdwest gedreht. Keine unmittelbare Gefahr für unser Haus, dachte ich, dann fröstelte ich vor Kälte und Aufregung. Wohl noch nie vorher hatte ich mich so schnell angezogen. Ich raste wieder hinaus. In diesem Augenblick blitzte es in der Mühle auf Der Mehlstaub,

fuhr es mir durch den Sinn. In der Mühle ein einziges Flammenmeer. Die Feuerwehr aus Kirchdorfwar da .... Die Kuppel brannte. Die Windrose drehte sich noch einmal, bevor auch sie in hellen Flammen stand. Knallend flogen die hellglühenden Holzschindeln vom oberen Turm

durch die Luft. Bald stand der Turm in Flammen. Zischend fuhren die Strahlen der Wehren in die lodernden Flammen .... Und dann, wenige Minuten nach 5 Uhr, ein unvergeßlicher Anblick: langsam begannen sich die glühenden Flügel zum letzten Male zu drehen, fast einmal herum.

Plötzlich senkte sich der nördliche Flügel, derTurm fiel ein, und in einer unsagbaren Flammenglut krachten die eisernen Flügel auf die Erde.' Ein schönes Wahrzeichen der Insel war verloren und in Poel fragte man sich, woher bekommen wir in Zukunft unser Mehl?

8 Der letzte Müller in Niendorf war Heinrich Hallier. Er hatte die Mühle auf der Büdnerei Nr. 5 am 1. Juni 1940 van Ernst Metelmann übernommen und mußte knapp dreizehn Jahre später das traurige Schicksal seiner Mühle miterleben. Allerdings nur aus der Ferne, denn kurz zuvor mußte Müller Hallier notgedrungen in den Westen Deutschlands verziehen. Nach Hallier bewirtschaftete zur kurz Paul Kissling die in Volkseigentum übergegangene Mühle als 'VEB (K) Insel-Mühle' bis zum Brand. Von Beruf war Kissling kein Müller. Da war die Feuerversicherung in Höhevon 35.000 Markaus dem Jahre 195 1 ein schwacher Trost. Zuvor wirkte Hallier in der Stover Mühle, wie hier in diesem Briefkopf zu entdecken ist. Aus Sparsamkeitsgründen druckte Hallier keine neuen Rechnungsköpfe. Kurzerhand wurde 'Stove bei Blowatz i.M.' durchgestrichen. Hermann Lange war in diesem Fall der' glückliche' Zahler. Die Sackanhänger für 'Roggen - Vollkornschrot' und 'Roggenmehl' aus Pappe waren allerdings schon mit dem richtigen Aufdruck versehen.

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Bankkonto: MeddenburgiJc:be Kredit- und Hypothekenbank, BankstelIe Wismar Fernrut: Blowatz 28

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