Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 2

Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Juliane Wörlein
Gemeente
:   Dießen am Ammersee
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5223-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Statt einer Liebeserkliirung, Denn eine solche macht man nicht mehr, man käme sich ja richtiggehend altmodisch vor - nur keinen Ieierlichen Schmäh, das Leben straft die Ieierlichen Worte Lügen, das schlimme und das schöne, das moderne Leben. Ob es so ganz anders, so richtig modern ist? Schneller geworden ist das Leben, Eisenbahn und Auto und Düsentlugzeug haben für Beschleunigung gesorgt. Mein Nachbar erzählt von seinem Großvatcr, der um 1930 seine Kegelbahn im Garten in der Mitte durchsägte: 'Früher san die Freunde aus der Stadt drei Tage dobliebn und harn mitkegelt, jetzt brechen's nach der ersten Runde auf, weil's no bei dem und dern a Stippvisitn macha müssn.' Das Auto hat die Kegel umgemäht, nur eine von den vielen Wirtsgartenkegelbahnen Dießens hat die immer schnelleren Zeiten überstanden.

Es gehört heute zum Image, daß man der Geselligkeit im Dorf, im Markt entschwebt und für zwei Wochen in Gran Canaria, auf den Malediven oder hinter Tibet einbricht. Man kommt sich weltbereist vor und belegt es durch Dias und Videos. Womöglich treibt die nächste Generation ihr Unwesen bereits auf den Planeten - wenn sie die Moneten hat. Ob sie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend deswegen so ganz anders ist als zum Beginn unseres Jahrhunderts? Die gleichen Leute, die nicht weit genug verreisen können, fühlen sich zu Hause in den ältesten Vereinen wohl, bei Trachtlern, Schützen und Sängern. Man läßt sich in die Welt verführen und man ist gern bei sich daheim.

Darum haben Heimatbücher ihren Platz. In Dießen ganz besonders. Der Ort hat eine überschaubare Geschichte, räumlich und zeitlich: Die Grafen auf dem Burgberg im Süden, die Bauern und ersten Mönche in St. Georgen, die Augustiner in der Hofmark. die Fischer am See und die Burger im Markt - alles hat seine Zeit und seinen Ort, die Frauenklöster nicht zu vergessen mit ihren großen Verdiensten in Schule und Krankenpflege. Richtig zusammengewachsen sind die Teile Dießens erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als die nahen Städte ihre Bürger in die Seelandschaft

vertrieben. Bei allem Wandel hat der Markt seinen Charakter nicht verloren, nicht seine Sprödigkeit, nicht seinen Charme.

Zu Beginn des Zeitraums, den die tolgenden Bilder belegen, waren viele Maler vorübergehende Gäste oder eingesessene Behauste; heute bevölkern sommers verwiegend SeeIiebhaber und Sakrotouristen den Ort. Zu dem marktschreierischen Titel 'Dießen kaputt!', den eine Ausstellung erfand, hat der Markt keinen Anlaß geboten und wird keinen bieten, denn er besitzt Charakter. Diesern Charakter sind die Bilder der nächsten Seiten auf der Spur. Man mag bedauern, daß nicht alle Facetten des Lebens vor drei Generationen auf Fotografien uns und der Nachwelt erhalten sind. Es war noch keine optische Zeit. Dießen war an die große Welt nur halbwegs angebunden: wofür man heute eine halbe Stunde braucht, für einen Absteeher nach Weilheim oder Landsberg, hat man einen Tag gerechnet. Der Markt war zwangsläufig unter sich. Ihn deswegen schon glücklicher zu nennen, wäre Altertumsfrömmelei. Damals war es so und heute ist es anders, aber jederzeit Dießen unverkennbar liebenswert und attraktiv. Möge es so bleiben!

Allen, die mir diese Einsicht bewußt machten, danke ich, den Alten, die hier Freud und Leid erlebten, die den Charakter ihres Heimatortes mitprägten, Ergötzlich war die lebendige Rückschau in frühere Jahrzehnte mit der 92jährigen Helene Doll, oft unterbrochen durch den kleinen Severin, der die Uri durch seine Fragen immer wieder in die Gegenwart zurückholte. Die Unterhaltungen mit Resi Pfaff, Sofie Gügel, Hermann Dimpfl, Käthe König, Hanni Oberweiler, Maria Brieger, Resi Baumann, Erna und Max Schad ließen die alte Zeit wieder plastisch aufleben. Wertvolle Informationen konnte ich entoehmen dern 'Heimatbuch' von M. Aquinata Schnurer O.P., dem 'Dießener Häuserbuch' (Mskr.) von Wilhelm Neu, der 'Postgeschichte von Dießen' von Wilhelm Kretschmer und dem Hausarchiv von Albert Stadler. Mein besonderer Dank gilt Elli und Georg J aschhof und Elisabeth Plumhoff.

1. Bei dieser wohl ältesten Luftaufnahme des Ortes Dießen springt der dreigeteilte Aufbau des Ortes in die Augen: im Mittelgrund die Hofmark mil der Klosterkirche und dem früheren Areal der Augustiner Chorherren, am See die Fischerei und der gewerbetreibende Markt, im Vordergrund der alte Bauernort St. Georgen. In heutigen Ansichten unter Bäumen versteekt, zeigt sich das damalige Ortsbild fast geometrisch und merkwürdig kahl. Der Mittelpunkt der Gemeinde ist der Marktplatz, wo sich die Straße von Weilheim bis zum Nordende des Ammersees und die Straße von Landsberg zum See kreuzen.

2. Bis 1901 hieß die heutige Prinz-Ludwig-Straße 'Gänsegasse'. Vor dem Seerichterhaus befand sich ein kleiner Weiher, dessen Zulauf, genannt Hetzelbach, im Schweizer Anger entsprang. Darin tummelten sich Enten und Gänse der Hausbesitzer aus der näheren und weiteren Urngebung, die morgens und abends allein den Weg von und zu ihren Ställen fanden. Das Rathaus zeigt in der Ostfassade um 1896 noch die ursprüngliche Bauweise mit der rechtsseitigen Haustüre. Der Besitzer des Gasthofs 'Zur Post' hatte bis 1897 den Postkutschendienst nach Landsberg und Weilheim zu versorgen. An der Ecke des Rathauses und über der Haustüre des Gasthofs 'Gattinger' ist 1896 schon eine elektrische StraBenbeleuchtung angebracht.

3. Die Erlaubnis, an jedem 'Erchtag' (Dienstag) in Dießen einen Markt abzuhalten, geht schon zurück auf Kaiser Ludwig den Bayern. Im 16. Jahrhundert genehmigten die bayerischen Herzöge weitere Markttage, und seit der letzten Jahrhundertwende gab es bis 1960 vier Märkte: den Lichtmeßmarkt im Februar, den Georgimarkt im April, den Bartholomäusmarkt im August und den Rosenkranzmarkt im Oktober. An guten Markttagen boten bis zu achtzig Fieranten ihre Waren an. Die Einkaufsmöglichkeiten an diesen Sonntagen waren besonders bei der Landbevölkerung und den Dienstboten sehr beliebt. Bei diesem Bartholomäusmarkt im Jahr 1929 hat der Besuch am späten Nachmittag schon nachgelassen. Ganz rechts außen unterhalten sich AdolfHöck und Ludwig Dimpfl; der junge Mann neben dem Kinderwagen ist Hans Wild (Zacherl), Hildegard Spitzenberger, das Mädchen mit der weißen Haarschleife, steuert auf den 'Billigen Jakob' zu, der immer vor der Metzgerei Gschwendtner seine Sprüche klopfte.

4. Bis 1862 standen an der Stelle des Gasthofes 'Gattinger' zwei Gasthäuser. Die Giebel 'Zum Schröder' (oder Schretter) und 'Zum Weilheimer Bräu' waren gegen das Magistratsgebäude ausgerichtet. Der Maurermeister Enzensberger baute die beiden Gasthäuser zu einem Komplex um im Auftrag von Johann Gattinger und seiner Frau, der 'schönen Salome', die Karl Vorhö!zer in einem seiner Gedichte erwähnt. Maria Gattinger, die mit ihrem Personal 1896 vor dem Haus steht, war die zweite Frau von Joharm Gattinger. Der 'Gattinger' war die größte Brauerei und die bekannteste Gaststätte in Dießen. Als sich mit Einführung der Schiffahrt auf dem Ammersee der Fremdenverkehr immer mehr entwickelte, bot das Haus die beachtliche Zahl von 17 Fremdenzimmern an. 1937 kam das Gebäude in den Besitz der Markrsparkasse Dießen; jetzt sind deren Geschäftsräume sowie Läden, Arztpraxen und Wohnungen darin untergebracht.

5. Simon Gattinger führte nach dem Tod seiner Mutter, Maria Gattinger, 1901 mit seiner Frau den Gasthof und die Brauerei am Marktplatz (heute Sparkasse). Das Ehepaar zeigt sich hier in der Tracht mit Leni Schwarz, der 'Tant' Leni' der Dießener Familie Finster, bekannt auch als 'Keller-Leni' von der Landsberger Straße. Dem Nachruf von Sim on Gattinger ist zu entnchmen, daß er im Kirchenchor meisterlich den Kontrabaß spielte, mit seiner klangvollen Tenorstimme das musikalische Leben in Dießen sehr bereicherte und seine Gäste gerne mit munteren Weisen auf der Zither unterhielt.

6. Das Rathaus von Dießen ließ sich der Gastwirt und Bierbrauer Blasius Schwarz im Jahre 1704 nach den Plänen des Klosterbaumeisters Natter als Privathaus errichten. 1786 kaufte der Magistrat das Gebäude, weil das alte Rathaus südlich gegenüber baufällig geworden war. 1862 erwarb der Bayerische Staat das Haus und machte es zum Sitz eines Landgerichts. Nach 17 Jahren wieder zurückgekauft, diente es seitdem ununterbrochen als Rathaus. Untergebracht waren hier auch bis 1910 das 'Brothaus' - nach der Vorschrift durften die Bäcker ihr Brot nur hier verkaufen -, Postdiensträume im ganzen Erdgeschoß von 1910 bis 1924, anschließend die Marktsparkasse bis 1938. Die Aufnahme zeigt eine prunkvolle, wohl sehr restaurierungsbedürftige Rathausfassade, die 1923 auch Spuren der neuen 'Bewegung' aufweist.

7. Im Jahre 1843 erhob der Bayerische Staat die seit 1784 bestehende 'Kayserliche Reichsposthalterey in Bayerdiessen' zur 'Königlichen Bayerischen Fahrpost-Expedition', Die Poststelle in Bayerdiessen bekam eigene Postkutschen zur Personenbeförderung zugeteilt und führte nun täglich Fahrten nach Landsberg und Weilheim durch. Die Postexpedition befand sich bis 1894, der Poststall bis 1897 im heutigen Gasthaus 'Alte Post', früher 'Gsodstuhlbräu', dann Gasthaus 'Zur Post'. Der Postillion in seiner schmucken Montur mit weißer Hose, blauem Frack und schwarzem Zylinder präsentiert sich hier mit (von links nach rechts) Agnes Blank, später verh. Glasbrenner (Bäckerei), Postexpeditorin und Wirtin der 'Post' Helene Hipper, Postbote Luidl, Florian Berchtold und rechts außen Anna Berchtold, späterverh. Sanktjohanser (Seefelder Hof).

8. Nach dem Fahrplan der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fuhr eine Postkutsche frühmorgens um 4 Uhr und nachmittags um 4 Uhr zum Bahnhof nach Wilzhofen in knapp zwei Stunden; die Strecke nach Landsberg beanspruchte bei Abfahrt um 5 Uhr morgens 3 1/2 Stunden. Der 'Post-Omnibus' hält hier um das Jahr 1895 vor dem Gasthof Hoy an der Straße nach Landsberg in Dettenhofen. Der Mann mit dem Bart ist der Besitzer der Wirtschaft, Josef Hoy; hinter dem Hund steht sein Sohn Max Hoy. Das junge Mädchen ist Anna Hohenleitner aus Obermühlhausen (verh. Stangl) und der Mann mit der Zipfelmütze Karl Steek aus Dettenhofen. Ab 1912 gab es keinen Post-Omnibus-Betrieb mehr nach Landsberg. aber täglich zweimal 'Karriolpostfahrten' mit Personenbeförderung von DieBen über Dettenhofen nach Dettenschwang und zurück.

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