Diepholz in alten Ansichten Band 2

Diepholz in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Wilfried Gerke
Gemeente
:   Diepholz
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6660-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Diepholz in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

Das Titelbild ist dem Kalender 'Deutsche Lande - Deutsche Worte' der Firma Kaffee-Schilling in Bremen entnommen. Das Gemälde 'Schloß Diepholz' des Bremers Robert Koepke wurde auch als Postkarte gedruckt; unser Exemplar wurde am 19 . November (1939?) in Nienhagen bei Celle gestempelt und von Martha Diers nach Bad Oeynhausen geschickt.

Das Schloss - beliebtestes Fotomotiv, sichtbare Legitimation der Bezeichnung 'Grafenstadt' ; aber charakterisierte dieses Prädikat die Kreisstadt zwischen 1900 und 19S0?

Der Stolz darauf beruhte wohl eher auf dem Mangel an

N euerem, und so griff man auf die Vergangenheit zurück. Keine Stadt zwischen Münster und Hamburg konnte damit konkurrieren. Das war attraktiver als die anderen Besonderheiten wie die Diepholzer Mäuse ( eine Kartoffelsorte), die Diepholzer Daunen des Geschäftshauses Lehnkering, der Diepholzer Schlosskäse einer Rehdener Molkerei, die Diepholzer Gans aus den Bruchweiden des Amtes Lemförde und des südlichen Amtes Diepholz und der langstielige blaue Diepholzer Futterkohl.

Diepholz als Produktionsort von Feldbahnloks, als Garnisonstadt mit Flugplatz, als Standort einer Reformschule (Aufbauschule Graf-Friedrich-Schule), all das war dem Markenzeichen 'Grafenstadt' unterlegen.

Das Interesse an der Vergangenheit zeigt sich noch heute am guten Absatz des ersten Bandes 'Diepholz in alten Ansichten'. Daher hat sich der Verlag zur Herausgabe eines N achfolgebandes entschlossen, dem der Verfasser auch insofern gern nachgekommen ist, als seine Vorfahren schon vor über 250 Iahren in Diepholz gelebt haben.

Zu danken ist den Fotosammlungen der Fotografenmeister in Anneliese Helm, des früheren Hoteliers RalfPetersen, des verstorbenen Buchhändlers und Ehrenbürgers Horst Schöttler und seiner Frau Lieselotte sowie mehreren Diepholzerinnen und Diepholzern, die einzelne Fotos zur Verfügung gestellt haben.

Die Fotos vermitteln den Eindruck einer verschlafenen Kleinstadt, in der sich nichts bewegte. Natürlich war Diepholz fern von der stürmischen Entwicklung der Großstädte. Aber es schloss sich mit zeitlicher Verzögerung den Neuerungen an, die hier aufgezählt werden:

Am Anfang der Kaiserzeit boten schon ein Textil- und Schuhgeschäft, ein Mode- und Manufakturen-Geschäft ihre Dienste an. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden nach der Lesegesellschaft und der SchützenfestGesellschaft sowie dem Akademischen Kegelclub ein Turnverein, ein Kriegerverein, ein Bürger-Abend, der kirchliche Frauenverein, ein Gesellenverein, die Freiwillige Feuer-

wehr, der Kaufmännische Verein und ein Radfahrerverein gegründet.

In der Kaiserzeit nahm das Schulwesen mit neuen Gebäuden seinen Aufschwung von der Landwirtschaftlichen Winterschule bis zur Volksschule, der Mittelschule und der Präparandenanstalt.

Handwerker versuchten sich als kleine Fabrikanten wie Schöttler mit einerTuchfabrik und ein Namensvetter und Ihlbrock mit jeweils einer Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen. 1901 eröffnete Bünte eine Dampfmahlmühle, 1902 Heinrich Müller die Bau- und Möbeltischlerei auf dem Kohlhöfen.

Noch städtischer aber wurde Diepholz durch das Gaswerk 1903 und die dadurch ermöglichte Straßenbeleuchtung mit Gaslaternen, elektrisches Licht und ein Kino 1 9 13, die Produktion von Feldbahnlokomotiven seit den zwanziger Iahren, ein mehrstöckiges Krankenhaus 1929, den Fliegerhorst 1936 und die Badeanstalt 1939.

1 90 1 wurde erstmals ein Kinematograph in Rühes Hotel aufgestellt, im selben Iahr wurde die 'Kaiserhalle' mit Acetylenlampen erhellt, und Gastwirt Bruns am Pohl warb mit einem automatischen, elektrisch betriebenen Klavier. Welch eine Sensation aber war 1924 das Radio-Konzert aus London bei Alfred Weißbrodt! Die Reichspost richtete

1928 ein Selbstanschlussamt ein und stellte 1932 einen Postkartenautomaten auf.

Eine Krönung war das Iahr 192 9, als Diepholz endlich seinen Status als 'Flecken' verlor und das Stadtrecht erhielt. Zwar war nicht jeder Fleckensvertreter dafür zu haben, doch schon 1930 feierten die Honoratioren stolz den 650. Jahrestag der ersten Stadtrechtsverleihung.

Die genannten Iahre waren aber keine reine Erfolgsgeschichte; Firmen wie die Glühstrumpf-Fabrik Hucke 1908 und die Torfwerke nach dem Ersten Weltkrieg brachen bald zusammen.

Aus der Geschichte lernen - dazu eignet sich dieses Büchlein kaum, aber stolz sein, wie umfangreich Diepholz im letzten halben Jahrhundert entwickelt worden ist, und Verständnis für die Menschen gewinnen, die zuvor gebaut, sich eingerichtet und ihr Leben gestaltet haben, das zu versuchen wünscht der Autor allen Betrachterinnen und Betrachtern.

1 Die Wasserburg - das Schloss - erfüllte viele Funktionen. Zunächst war sie Verteidigungs- und Wohnsitz der edelherrliehen, im 16. Jahrhundert gräflichen Familie, die hier auch ihr Gesinde unterbrachte, ferner Ställe für Pferde, ein Torflager für den Brenntorf und eine Rüstkammer unterhielt. Es war Verwaltungszentrum, in dem bis nach dem Zweiten Weltkrieg das Landratsamt untergebracht war. Hier fällte derVerwaltungschef, seit Mitte des 19. Iahrhunderts der Amtsrichter seine Urteile. Adlige und Diplomaten trafen zusammen und führten Verhandlungen. Fürstbischaf Ernst August van Os-

nabrück, seine Frau Sophie von der Pfalz und ihre Kinderkamenum 1670-1679 vor allem im Frühjahr und Herbst von der Iburg und aus Osnabrück zu Jagdaufenthalten hierher. 1350

wurde eine Burgkapelle eingerichtet. Bis 1908 war hier auch das Musterungslokal für die Rekruten der preußischen Armee. Das Grundbuchamt und das Amtsgericht sind geblieben.

2 Um 1865 hat Friedrich Wilhelm Müller diesen Blick vom Schlossturm gehabt und als Lithographie umgesetzt. Den Mittelpunkt bildet der Amtsgarten vor dem Küsterhaus, der damaligen Diepholzer

Schule, und der evangelischen Kirche. Links das Gefängnis und Amtspförtnerhaus, rechts daneben das Haus Duensing, in dem die spätere Begründerin der modernen Jugendfürsorge damals ihre Kind-

heit verbrachte, dann das zweistöckige Amtshaushaltsgebäude, das zugehörige Wirtschaftsgebäude und der Gerkesche pferdestall. Links im Mittelgrund erstreckt sich der Willenberg.

Rechts vor der Kirche das heutige Ärztehaus, früher Burgmannshaus der Familie Ledeb( 0 )ur, seit 1847 im Besitz von Iohann Heinrich Fladdermann, 1894 bis 1978 der Gärtnerei König.

3 Unter KaiserWilhelm Il. und bis nach dem Zweiten Weltkrieg trennte noch eine Mauer den Amtsgarten auf der linken Seite von der Langen Straße. Auf der rechten Straßenseite steht das ehemalige Amtshaushaltsgebäude. Ein zweistöckiges Fachwerkhaus mit verbretterter Front war seit 1828 Wohnung von Amtmännern, Amtsassessoren, einem Amt- und Kreishauptmann und seit 1885 von Landräten. Nach dem Auszug des Landrats von Wuthenau wurden hier Dienstwohnungen für den Vorstand des preußischen Staatshochbauamts und des Rentmeisters der staatlichen Kasse eingerichtet.

4 Jochen- Hilmar von Wuthenau (geboren 1887 in Poledno/Westpreußen, gestorben 1965 in Diepholz) kam 1918 als Landrat nach Diepholz. Er machte sich hier als 'Wasserrat' im Kampf gegen die vielen Überschwemmungen beliebt. Die 1919/2 0 entstandene SiedlungWuthenau bei Eydelstedt, der Wuthenaukanal im Bruch und eine Straße in Diepholz wurden nach ihm benannt. 2 0 0 0 Personen kamen 1931 zu einer Solidari tätsdemons trati on gegen seine örtlichen Gegner zusammen, während im folgenden Iahr weit über 1000 in Sulingen gegen ihnen auf die Straße gingen, weil er sich für Diepholz als Kreissitz eingesetzt hatte.

1934 wurde er wegen Querelen mit den ört-

lichen und regionalen NSDAP-Größen in den Netzekreis an der deutschpolnischen Grenze versetzt. Seit 1946 arbeitete er als Mitglied des Stadtrats und des Kreistags am demokratischen Wiederaufbau mit.

5 Im Iahre 1523 wurde die Münte als Burgmannshof errichtet.

Erster Bewohner war der Münzmeister Lambert Vlemynck, geboren 1443. Seine Vorfahren stammten aus Flandern. Er wohnte in Deventer und in Osnabrück, van 15 14 ader

15 15 bis 1523 in Diepholz. Mit seinem Sohn Jasper prägte er im Auftrag der Edelherren auch Falschgeld, das in der Lausitz in Umlauf gebracht wurde. 153 1 wurde er zur Strafe auf dem Marktplatz in Osnabrück zu Tode gesotten.

Das Haus war von 1523 bis 1 87 1 im Besitz der Familie (seit Mitte des 17.

Iahrhunderts: von) Voß, die es 1635 und 1775 neu bauen und erweitern ließ. 1896 bis 1955 wohnte hier die Familie des Arztes und Vorkämpfers der Welfenpartei Dr. med. Frank.

6 Die Münte war ein Rittergut, das einen eigenen Bezirk südlich des 'Fleckens' Diepholz bildete. Von hier aus fuhr die Frau des evangelischen Fürstbischofs von Osnabrück, Sophie von der Pfalz, am 20. April 1673 auf einem Lohnekahn spazieren. Dabei begleitete sie ein Herr, der mitsamt seinem Stuhl in das Gewässer fiel und 'am Gehenck' herausgezogen werden musste. Der letzte private Eigentümer des Gebäudes, Sanitätsrat Dr. med. Frank, zeitweise Mitglied des Provinziallandtags von Hannover und vehementer Verfechter der Unabhängigkeit der Niedersachsen van Preußen, zog sich 1930 aus der Politik zurück, 'bis zur nationalen und wirtschaftlichen Gesundung der Geister' , wie er öffentlich erklärte.

1940 starb er, ohne die Gesundung erlebt zu haben.

7 Die Allegorien der vier Jahreszeiten standen im

18. Jahrhundert vor dem Herrenhaus des Gutes Dörpel. 1 806 wurde das Gebäude auf französischen Befehl abgebrochen. Die Sandsteinfiguren kaufte

die Familie von Voß in Diepholz und stellte sie an der Münte auf. Bei einem Luftangriffim Zweiten Weltkrieg wurden sie teilweise beschädigt und nach dem Krieg verkauft. Nur der Winter war als Mann dargestellt, mit einem Pelz bekleidet, die anderen Iahreszeiten wurden durch Frauen verkörpert: der Frühling mit Blumen, der Sommer mit Garben und der Herbst mit Früchten. Der große Luftangriff am 21. Februar 1944 zerstörte die Fenster der Münte; im Vordergrund ist der Frühling zugrunde gegangen.

8 Der GasthofStadt Osnabrück am Postdamm wurde am 26. Ianuar 1871 von Gastwirt und Agent Wilhelm Behrens gegründet. 1873 legte Behrens eine Kegelbahn an und richtete 1877 eine Flussbadeanstalt an der Lohne ein. Attraktiv wurde das Lokal auch durch ein Gartenlokal und einen Anleger für Kähne und Boote. Richard Behrens gehörte das 'Gast- und Pensionshaus' , wie es auf dieser Karte um 1930 bezeichnet wird. In der Endphase bis zur Iahrtausendwende trug das Haus den Namen 'Trakehnerhof'. Gastronomisehe Betriebe nach Städten zu benennen war im alten Diepholz beliebt. Nach Hannover hieß ein Hotel in der Nachbarschaft des Rathauses, nach Oldenburg eine Gaststätte auf

der Ovelgönne und nach Bremen ein Hotel am Bremer Eck.

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