Dinkelsbühl in alten Ansichten

Dinkelsbühl in alten Ansichten

Auteur
:   Hartmut Schötz
Gemeente
:   Dinkelsbühl
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3280-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dinkelsbühl in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

1925 zog meine Urgroßmutter mit Tochter, Schwiegersohn und Enkelin von Dinkelsbühl zu ihrer Schwester nach Ansbach. Etwa alle vier Wochen besuchten sie, später mit mir, meine Beipatin - eine Jugendfreundin der Großmutter - in der Dinkelsbühler Wethgasse. Seit diese 1970 starb, kommen meine Eltern und ich zwar etwas seltener in das Städtchen, haben aber den Kontakt nie ganz verloren. Oft spricht meine Mutter noch von dem herrlichen Feuerwerk zur Tausendjahrfeier Dinkelsbühls im Jahr 1928. Damals standen bei der Ankunft am Bahnhof noch die Gepäckträger und Hoteldiener. Die älteren Dinkelsbühler erinnern sich sicher noch an den alten Herrn Krebs mit Seehundsbart und Dienstmütze. Zum Osterbesuch gab es stets einen großen Hasen mit einem gefärbten Ei im Hinterteil vom Kränzlesbeck. Einmal war die Familie im heute nicht mehr bestehenden Gasthof 'Grüner Baum' zum Kaffee. Bei angeregter Unterhaltung fiel dem Großvater die Schlagsahne aus seiner Zimtrolle mitten in die Kaffeetasse. Sein Jacket war danach reinigungsbedürftig.

Es ist erstaunlich, wie gerne sich die Menschen an die 'gute alte Zeit' erinnern. Erstaunlich deswegen, weil die meisten Menschen in früheren Jahrzehnten wesentlich mehr entbehren mußten und lange nicht den hohen Lebensstandard besaßen, wie die meisten Leute in der Gegenwart. War es die Ruhe, die Ausgeglichenheit, die die Zeit so lebenswert erscheinen läßt, oder machen die Menschen sich ganz einfach etwas vor? Ich glaube, es liegt im Menschen, das Schlechte schnell zurückzudrängen und eine Reihe von schönen Erlebnissen in lebhafter Erinnerung zu behalten und sie global als einfach gut zu registrieren.

Besonders familiäre Begebenheiten oder lohnende Objekte werden fotografisch festgehalten. Blättert man in einem Album, wird oft die Frage gestellt: 'Weißt du noch? ' Wie

schön, wenn einem die Vergangenheit soviel geben kann! Heimatgeschichte ist besenders lebendig, wenn sie in Bildern dargestellt wird. Um dieses Lebendige zu erhalten und zu fördern, ist es an der Zeit, allgemein interessierende Bilder für die nachkommenden Generationen sicherzustellen.

Sicherlich ist es in einem Ort, der im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe stark in Mitleidenschaft gezogen wurde leichter wesentlich veränderte Gebäude und Straßenzüge in Bildern darzustellen. Für Dinkelsbühl und seinen Fremdenverkehr ist es jedoch ein Glück, daß am Ende des Zweiten Weltkriegs nur die Wörnitzbrücke gesprengt worden Ist, wobei auch das Fotohaus Frölich beträchtlichen Schaden erlitten hat. Nach der Sprengung überquerte ein Bürger die Wörnitz und übergab die Stadt kampflos. So ist die Altstadt von Dinkelsbühl abgesehen von den Verlusten durch einige Brände - über Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben. Anders erging es Rothenburg. Am Ende des Zweiten Weltkriegs gab es hier zahlreiche zerstörte Häuser und Geschafte. Viel mußte wiederaufgebaut werden, wovon Dinkelsbühl verschont geblieben ist, Gelungen ist Dinkelsbühl in dieser Zeit die Unterbringung und Eingliederung der zahlreichen Flüchtlingsfamilien, die hier eine neue Heimat gefunden haben.

Die Stadtväter haben von jeher ihr Augenmerk auf ein gutes Schulwesen gerichtet. Aus der 1821 eröffneten Privatlehranstalt des Strumpffabrikanten und Sprachlehrers Windeisen entwickelte sich 1857 die höhere Bürgerschule, 1869 die Gewerbeschule und 1877 die sechsklassige Realschule. Diese schlief jedoch vor etlichen Jahren wieder ein, was einige Schüler veranlaßte die Feuchtwanger Realschule zu besuchen, anstatt am Dinkelsbühler Gymnasium die mittlere Reife zu absolvieren.

1878 wurde eine Eisenbahn von Nördlingen nach Dinkelsbühl

gebaut und 1881 bis Feuchtwangen und Dombühl weitergeführt. Im Sommer 1985 wurde der Personenverkehr von Dinkelsbühl nach Ansbach eingestellt. Der Fahrgast muß nun mit dem Bus von Dinkelsbühl nach Dombühl fahren und kann von dort mit der Bahn die 'Reise" nach Ansbach fortsetzen. Leider ist die einstmals so vielversprechende und blühende Wollwarenindustrie nicht mit der Zeit fortgeschritten.

Im Jahr 1906 wurde die Kanalisation neu angelegt und man setzte Hydranten ein, die von einem Hochreservoir auf dem Galgenberg gespeist, das aus den Quellen der Reichertsmühle gepumpte Wasser in größeren Mengen der Stadt zuzuführen begann. 1m gleichen Jahr brannten mit einem der schönsten Fachwerkgiebelhäuser von Dinkelsbühl, dem Hotel 'Zur goldenen Kanne', zahlreiche Häuser dieser Seite der Segringer Straße ab. Im Jugendstil entstand danach 1907 das neue Hotel Kanne mit dem alten schmiedeeisernen Ausleger bestückt. Auch das angrenzende Haus Segringer Straße 10 jetzt Orthopädieschuhgeschäft, vormals Leihbücherei Förster - wurde 1907 neu gebaut. Ein paar Jahrhunderte vorher, zur Zeit der Renaissance (= Wiedergeburt) fand die markanteste Änderung der Dinkelsbühler Altstadt statt. Anstelle des bereits 1530 aufgelassenen Friedhofs bei der Georgskirche entstand eine geschlossene Reihe stattlicher Giebelhäuser (Nordwestseite des Ledermarktes). Altrathausplatz, Ledermarkt und Weinmarkt wurden dabei zu einer platzräumlichen Gesamteinheit verbunden.

Durch die Lasten der Revolutionskriege am Ende des 18. Jahrhunderts, ebenso wie durch wirtschaftliche Mißstände und die wehrlose Situation gegenüber den ansbachischpreußischen Umgriffen war der Ort in jenen Tagen, da es mit dem Übergang an Bayern 1806 die Eigenschaft als Reichsstadt verlor, tief verschuldet. Der erforderlich gewordene Ver-

kauf städtischer Besitztümer zog vor allem die Stadtbefestigung, besonders durch den Abbruch der Vortore und fast des gesamten Wehrgangs, stark in Mitleidenschaft. 1826 vermochte es die denkmalspflegerische Gesetzgebung König Ludwigs I., die heute noch erhaltenen Teile des ursprünglichen Wehrsystems zu bewahren. Im Stil des Historismus entstand 1840-1843 durch den ansbachischen Zivilbauinspektor Schulz die Paulskirche anstelle der ehemaligen Klosterkirche der Karmeliten. An der Innenausstattung der neuen Kirche betätigte sich der Ansbacher Bildhauer Herterich. Leider paßt sich die Bauweise der Paulskirche dem Bild der umliegenden Gebäude nur wenig an. Von weiteren, nachhaltig spürbaren Eingriffen in das bauliche Gesamtbild blieb die Stadt durch das Fehlen eines größeren wirtschaftlichen Potentials damals verschont. In gemessenem Abstand zur Altstadt entstanden neue Siedlungen, die die Probleme des Bevölkerungszuwachses und der Industrialisierung lösten. Dinkelsbühl hat es verstanden, seine altertümliche Eigenart, die hohen, spitzigen Giebelhäuser, efeuumsponnene Mauern und vielgestaltige Türme, seine ganze mittelalterliche Geschlossenheit zur Freude jedes Besuchers undder Einwohner in einer Weise zu bewahren, weshalb es vor wenigen Jahrzehnten von einem berühmten Gelehrten, der öfters in ihren Mauern weilte, als 'das lebendige Fossil der untergegangenen mittelalterlichen Städte' bezeichnet wurde.

Diese wenigen Seiten können kein umfassendes Bild des alten Dinkelsbühl geben. Aber auch das Vorhandene kann einen Einblick gewähren in das Stadtbild und das Leben der Stadt in der Vergangenheit.

1. Durch die Wörnitzniederung war entlang der gesamten langen Nordseite der Stadt ein offenes Verteidigungsgelände gegeben, die durch eine Weiherkette (Hippenweiher, Rothenburger- bzw. Gaulweiher usw.) gesichert wurde, Das Gelände reichte weiterhin durch die östlich anschließende ehemalige Bleiche bis zur Stadtmühle und den dort aufgestauten Stadtmühlgraben. Vermutlich wurde nach Einführung der Barchentweberei und der Errichtung einer Tuchbleiche 1425 das Vorgelände zusätzlich durch einen Mauerlauf vom Faulturm bis zur Bleiche und von dort durch den sogenannten Stauferwall bis zur Wörnitz vor der Stadtmühle gesichert.

DINKéLSBÜHL

2. Diese alte Karte zeigt uns einen Teil der früheren Dinkelsbühler Gesamtansicht. Abgestempelt wurde sie 1926, die Aufnahme entstand also noch vorher. Von links nach rechts sehen wir im Bildhintergrund den Turm der Paulskirche, das Wörnitztor, die St.-Georgs-Kirche, das Segringer Tor, den Grünen Turm, das Rothenburger Tor und ganz rechts den Faulturm. Auf dem Holzplatz steht heute ein Gebäude der Brauerei Hauf. Links in der Bildmitte ist teilweise die Rückseite des Gasthofes Dinkelbauer zu sehen. An der Straße stehen noch die alten hölzernen Masten der oberirdischen Stromleitungen,

3. Im Jahr 1924 entstand diese Aufnahme beim Gasthof Dinkelbauer. Natürlich konnte das Pferd den Schlitten nur in mäßigem Tempo fortbewegen, so daß man sich bei einem solchen Ausflug jedesmal gut vermummen mußte. Der Schlitten bestand im Gestell aus Schmiedeeisen. Sitzfläche, Rückenlehne und Fußbank waren aus Holz gefertigt, An der Rückenlehne und am Ende des Fußbrettes konnte eine warme Decke eingehängt werden. Die gesamte Sitzfläche wurde dadurch gewärmt, Dieselben Schlitten wurden auch in kleinem Format als Kinderschlitten hergestellt. Besonders schön waren bei ihnen die bemalten Holzflächen. Selbstverständlich wurden diese kleinen Schlitten nicht von Pferden gezogen, sondern mußten - ähnlich einem Kinderwagen - gesohoben werden.

Dinkelsbühl.

Partie an der Wörnitz.

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4. Vor dem Wörnitztor dehnen sich zu beiden Seiten die schilfumsäumten Wasser des Stadt- und Mühlgrabens aus, Er hat zu den ältesten Befestigungswerken gehört. Heute bildet er mit den netten, schmalen Zwingergärtchen malerische Partien, die mit der efeuumsponnenen Stadtmauer und den Baumgruppen den Künstlern dankbare Stoffe für ihre Studien liefern. Hinter dem runden efeuumwachsenen Turm in der Bildmitte befindet sich seit etlichen Jahren das Städtetheater. Die Uferbefestigung ist in der Zwischenzeit stabiler angelegt worden.

5. Der hochragende Turm des Wörnitztors hatte sicher in seinen Anfängen die heutige Höhe lange Zeit nicht erreicht. Sein unterer Teil, wie auch das gegen Nordwesten ziehende Stadtmauerstück besteht aus Buckelquadersteinen, es stammt aber nicht aus romanischer Zeit wie vielfach angenommen wurde. Leider ist von dem Vorwerk des Wörnitztors, das am Rothenburger Turm noch völlig erhalten ist, nur das eine Seitenstück am Eingang stehen geblieben. In der Mitte des Turms sind noch die Plätze zu erkennen, wo einst die großen steinernen Stadt- und Reichswappen angebracht waren. In der Turmstube hatte der reichsstädtische Bettelvogt seine Wohnung.

6. Zahlreiche Jahrzehnte lebte und wirkte in Dinkelsbühl der Bahninspektor und Kunstmaler Anton Kaufmann (1871-1955). In der Turmgasse hatte er innerhalb seiner Wohnung eine kleine Galerie seiner meist Dinkelsbühler Ansichten in Öl. Während des Zweiten Weltkriegs und in der Zeit danach verkaufte Kaufmann viele dieser Bilder nach Amerika. Bekannt waren auch seine selbstbemalten alten Weichholzmöbel und Laubsägearbeiten. Ihn besuchte bei seinem Aufenthalt in Dinkelsbühl auch der bedeutende Maler des Impressionismus: Max Liebermann. Als 'gut gelungen' bezeichnete Liebermann hierbei eine Gesamtansicht Dinkelsbüh1s von Kaufmann. Am 11. Januar 1955 entschlief Anton Kaufmann hochbetagt im Dinkelsbühler Krankenhans.

7. Ein Dinkelsbühler Original war die im nahen Ansbach geborene Gattin des Bahninspektors Kaufmann, Frau Ernilie geborene Madl. Sie war eine beispiellose Pferdeliebhaberin, hat manches Tier vor dem Pferdernetzger gewahrt und mit Hilfe eines Sta1lburschen gepflegt. Als ein altes Pferd einmal geschlachtet werden sollte, schrieb sie einen Tag zuvor mit weißer Kreide 'Mörder' an die Sta1ltüre des Pferdebesitzers. Am folgenden Tag erwarb sie das Pferd und pflegte es gesund, An Weihnachten stellte sie im Pferdesta1l einen Christbaum auf, um ihre Tiere an der Weihnachtsfreude teilhaben zu lassen. Ernilie Kaufmann starb 1950 in Dinkelsbühl.

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8. Innerhalb des Tores erweitert sich die Straße zu einem schönen freien Platz, dem Altrathausplatz. Auf seinen uralten, heute noch stehenden Grundfesten erhob sich wahrscheinlich das älteste Steinhaus der Stadt. Das hohe Gebäude mit den Störchen auf dem Dach diente von 1550 bis 1855 als Dinkelbühler Rathaus, Vom Söller im ersten Stock führte eine breite Ratsstiege mitten auf die Straße herab. Unter der

Stiege war ein vergittertes Gelaß, in dem mancher Bösewicht seinen Arrest absitzen mußte. Auch die gotische Türe und die zwanglose Anordnung der vielfach mit starken Eisengittern versehenen Fenster verlieh dem Gebäude ein viel weniger nüchternes Aus-

-;. - sehen, als es durch die heutigen in einer Linie befind-

~ 1 9 :c~ AUfS WORNITZTO. lichen Fenster erhalten hat.

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