Dinslaken in alten Ansichten Band 2

Dinslaken in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Joachim Schulz-Marzin
Gemeente
:   Dinslaken
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6187-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dinslaken in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

PORTRAIT DER BEIDEN SCHWESTERN O. IM ALTER VON SIEBZIG

Dieses Gedicht von Dieter G. Eberl drückt exemplarisch Verhaltensweisen in einer Kleinstadt aus. Sie muß nicht unbedingt Dinslaken heißen, zumal sich diese Stadt zu den größeren Mittelstädten zählt und der Bürgermeister seiner Erhöhung zum Oberbürgermeister harrt. Aber die Wahrscheinlichkeit, daß Dieter G. Eberl seine Heimatstadt vor Augen hatte, ist groß; und die Verhaltensweisen der beiden Schwestern O.lassen sich jederzeit und überall, auch in Dinslaken mit seinen Stadtteilen Hiesfeld, Lohberg und Eppinghoven, beobachten. Der eigene private Bereich wird bewußt abgeschirmt und fremden Blieken entzogen, sei es mit 'Gardinen', Jalousien oder Rolläden, auch an Hecken und Zäune ist zu denken. Andererserts ist das Bedürfnis vorhanden, die Umgebung, seine Nachbarn und Mitmenschen zu betrachten, also am Leben teilzunehmen. Ob die Teilnahme aus Neugier oder aus anderen Gründen geschieht, läßt Eberl in seinen Versen offen. Doch ein klein wenig Schadenfreude über das Mißgeschick derjenigen, die in die enge Sphäre der Schwestern eindringen wollen, sich dabei womöglich an einer Domenhekke wehtun und sich Ablehnung einhandeln, schimmert durch. Eberl betont, daß den Schwestern der Schutz ihres beschränkten Bereichs wichtiger ist als der Bliek in die Ferne und die Konfrontation und Kommunikation mit dem Unbekannten. Vertrautes und Bekanntes zu überprüfen und zu wägen, Neues nicht ausschließen, also das Gegenteil von dem, was die Schwestern

wichtig waren: gardinen schutz vor unerwünschten blieken

Iieber nahmen sie verlust an

wei tsicht in kauf

kieherten in tüll

wenn wieder einer hilflos in der hecke hing

Dieter G. Eberl

tun und mit ihnen ihre zahllosen Verwandten im Geiste, möge dieses kleine Werk aus und über Dinslaken auszeichnen.

Daß das Gedicht beispielhaft für ein bestimmtes Verhalten und damit für die Atmosphäre in einer Stadt sein kann, war nicht allein Grund, es an den Anfang des zweiten Bandes 'Dinslaken in alten Ansichten' zu setzen. DerVorgängerband eröffnete mit einem Schülergedicht, so daß es sich anbot, diese Neuerscheinung einzuleiten mit den Versen eines Dichters, dessen Lyrik noch immer zu wenig Gehör findet. Wo bleibt der Verleger, der die Schätze aus Eberls Schublade angemessen veröffentlicht und an die Leser bringt?

Zum anderen gibt das Gedicht in gewisser Hinsicht auch die Schwierigkeiten des Autors bei der Zusammenstellung dieses Bandes wieder. Seine Wißbegierde, wie sich Dinslaken seit der Wende vom 19. zum 20.Jahrhundert darstellt, und das Streben, unbekannte Aufnahmen zu veröffentlichen, kollidierte mit dem Anspruch einzelner Personen, den persönlichen Bereich zu schützen und deshalb Fotos nicht zum Druck zurVerfügung zu stellen. Weil die Quellen aus dem privaten Bestand spärlich sprudelten, war der Autor weitgehend auf den Fundus des Stadtarchivs Dinslaken angewiesen - der Archivarin, Gisela Marzin, und ihrer Mitarbeiterin sei an dieser Stelle für ihre unermüdliche Hilfe gedankt.

Doch derWunsch vieler Leser, weitere 'alte Ansichten' zu betrachten, spornte an, und die immer wieder gestellte Frage nach einem Nachfolgeband sowie nicht zuletzt derWunsch desVerlages halfen, manche Schwierigkeit zu überwinden.

Der Spagat zwischen 'Weitsicht' einerseits, in diesem Falle heißt das, in einzelnen Aufnahmen Typisches aufblitzen zu lassen, und andererseits Schutz vor 'unerwûnschten Blieken'. also niemanden vor den Augen der Kamera zu entblößen, ist hoffentlich in diesem Band verwirklicht.

Wenn du von allem dem, was diese Blätter fûllet, Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:

So sei mir wenigstens für das verbunden, Was ich zurück behielt.

(Gotthold Ephraim Lessing)

Häuser um den Altmarkt und die Kirchen dreier Religionen sind auf dieser Ansichtskarte aus der Zwischenkriegszeit vereint. Als sei es beabsichtigt, um sich ihre gegenseitige Toleranz auszudrücken, liegen katholische und protestantische Ecclesia und jüdische Synagoge hintereinander. Zunächst allerdings fällt die Welsche Haube der St.-Vincentius-Kirche ins Auge. 1924 ersetzte sie eine 'häßliche Holzhaube mit vier bretterverschalten Giebeln' . Turm und Schiff der protestantischen Kirche nehmen die Bildmitte ein. Links davon gehört der Giebel mit drei schmalen, eng zusammenstehenden Fenstern und dem Giebelaufsatz zur Synagoge,

die 1894 auf dem Gelände des ehemaligenAugustinerinnenklosters Marienkamp errichtet wurde.

2 Wer möchte bei diesem Angebot und den Preisen nicht zugreifen? Bedenkt man das Einkommen um 195 0, fällt die Kaufentscheidung nicht mehr gar so leicht. Ein Ehepaar zum Beispiel, beide Anfang dreißig, ohne Kinder, er Monteur, sie Verkäuferin, verfügte ungefähr über

DM 320,-; ein vierzigjähriger Rechtsanwalt, verheiratet, ein Kind, verdiente etwa

DM 600,-. Bei diesem Einkommen überlegte sich die Hausfrau genau, was die Familie notwendig brauchte. Das Warenangebot allerdings war umfangreich und mannigfaltig. Aufnahmen aus den Fünfzigern zeigen, daß auf dem Altmarkt außer lebensmitteln auch noch andere Ar-

tikel feilgeboten wurden als in den Neunzigern dienstags und freitags an dieser Stelle.

3 Kein Haus verstellt in den fünfziger [ahren den Bliek von der Althoffstraße auf den Treppengiebel des Rathauses (links) und die evangelische Pfarrkirche, Der erste Kirchenbau an dieser Stelle brannte 1717 ab. Beim Nachfolgenden stürzte derTurm zusammen, weil sich die Bauleute nicht an die Anweisungen und Berechnungen des erfahrenen Architekten Bartolomeo Sala hielten. Die Schuldigen mußten für den Schaden haften, und 1723 konnte endlich der Neubau geweiht werden. Weil die Kirche schlecht gebaut sei und erhebliche Schaden zeige, schlug im 19. [ahrhundert

der Kreisbaumeister ihren Abriß vor. Dieses Schicksal blieb der Stadtkirche - Gott sei Dank! - erspart. Niemand hingegen rettete das Rathaus. Grund für dessen Abbruch waren nicht bauliche Mängel,

sondern es war der Verwaltung schlicht zu klein geworden.

4 'Namen haben einen großen Einfluß auf die Vorstellung der Menschen', bemerkt joharm Wolfgang Goethe, und deshalb fallen unwillkûrlich die Namensänderungen auf, die seit dem Plan Heinrich Nottebaums aus dem [ahre 1937 erfolgt sind. Ausgeprägt ist die Benennung nach deutschen Staatspräsidenten, und bemerkenswert die unterschiedliche Wertschätzung des ersten und zweiten Präsidenten der Weimarer Republik zu verschiedenen Zeiten. Paul von Hindenburg ist gänzlich aus dem Straßenverzeichnis verschwunden, dafür ziert Friedrich Eberts Name nun eine der Hauptstraßen. Weil der erste Bundespräsident in dieser Gesellschaft nicht fehlen darf nennt sich das Real-Gymnasium nach ihm. Weshalb der katholische Theologe und Pädagoge Bernhard Heinrich Overberg

(1754-1826), der als einer derWegbereiter der ganzheitlichen Pädagogik gilt, weichen mußte, erklärt uns der Weimarer Klassiker: Denn etwc fünfzig jahre bleibr der Name vorzüglicher Menschen in der Erinnerung des Volkes, weiterhin verschwindet er oder wird märchenhaft.

5 Ein Vierteljahrhundert später bietet der Bliek aus der Vogelschau auf die evangelische pfarrkirche (rechts unten) ein gewandeltes Bild. Die ihr gegenüberliegende Häuserzeile ist von der FriedrichEbert-Straße bis zumAltmarkt baulich geschlossen. An Höhe und Masse überragt nun die Stadthalle, 1973/7 4- errichtet, die umliegenden Bauten. Selbst die Burg, zur Zeit der Aufnahme Sitz der Verwaltung des Kreises Dinslaken (Autokennzeichen DIN), erscheint an die Seite gedrückt. Das Burgtheater, gut zu erkennen an seiner Form, harrt darauf, welche (politische) Komödie als nächstes gespielt wird.

6 Alle drei Gebäude (rechts) in der Duisburger Straße stehen nicht mehr. Den ersten beiden, in denen ein Gemüseladen, dahinter ein Blumengeschäft und eine Gaststätte untergebracht sind, ist das Provisorische der Nachkriegszeit auf den ersten Bliek anzusehen. Am Dritten, dem Rathans der Stadt, sind Schäden oder Mängel nicht zu erkennen. Die Fassade zur Duisburger Straße hin ist unversehrt; die Fenster sind mit Geranien geschmückt. Und doch wurde das Haus mit dem mächtigen Treppengiebel Anfang der sechziger Iahre abgerissen. Die Stadtbibliothek nimmt nun diesen Platz ein. Die beiden Eckhäuser (links) an der Friedrich-

Ebert-Straße überstanden mehr oder weniger die Zeiten. Allerdings wechselten die Läden im Erdgeschoß oftmals Namen und Inhaber sowie das Sortiment.

7 Zum 'Ietzten Rest vom Schützenfest' gehört die abgebildete Truppe weniger, eher zum 'Bürger-Schützen- Verein'. Er entstand durch Zusammenschluß jahrhundertealter Gilden, deren älteste, die St.-Georgs-Gilde, 1426 erstmals genannt wird. Damit sind die Bürgerschützen der älteste Verein Dinslakens und viertältester des Rheinischen Schützenbundes. Die Bürgerschützen behielten ihren Namen über Generationen, die Straße, auf der sie zackig marschieren, mußte den ihrigen mehrmals wechseln. Als sie den Namen des braunen Gefreiten aus Braunau am 1nn trug, wurde die Synagoge (giebelständig rechts) in der Reichspogromnacht zerstört

und die Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden verfolgt und vernichtet - niemand schützte sie.

1912: Sc:hützenoarade auf der Kai~erstr:::lRA IH~lIto ~ _Cha ?.. ·t-c ??.

8 Das Haus der juden zum gemeinsamen Gebet und zur Schriftlesung wurde in einer für Synagogen des 19. [ahrhunderts typischen Stilmischung errichtet. Der Schaugiebel zur Friedrich-EbertStraße ( damals Kaiserstraße) zeigt romanische und maurische Elemente. Nach der Aufhebung des Klosters Marienkamp (1808) erwarb die [üdische Gemeinde die Klosterkirche und benutzte sie zu Kultzwecken. Da die jüdische Gemeinde im 19. Iahrhundert stark gewachsen war, entschloß sie sich zu einem Neubau, 1894 eingeweiht. In der Reichspogromnacht (9. November 1938) wurde die Synagoge in Brand gesteckt und zerstört. Ihre Reste wer-

den Ende der fünfziger [ahre abgetragen. Nichts ist geblieben von dem einstmals blühenden Leben der jüdischen Gemeinde Dinslaken.

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