Eisfeld in alten Ansichten Band 2

Eisfeld in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Renate Gauß
Gemeente
:   Eisfeld
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5756-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eisfeld in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Als der Ballon 'Thüringen' im Mai des Jahres 1910 auch das Städtchen Eisfeld überflog, mag dies für die Einwohner eine Sensation gewesen sein. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde das Stadtbild von oben aufgenommen, ist auf der schon leicht angegrauten Postkarte erkennbar, daß der kleine Ort am Oberlauf der Werra längst über seine mittelalterlichen Stadtmauern hinausgewachsen war. Eisfeld i. Thüringen, 450-550 m. Ü. d. M., lag - unweit Frankens - an der Eingangspforte des Thüringer Waldes, besaß, wie ein zeitgenössischer Reiseführer bemerkt, ein gesundes, etwas rauhes Klima, so daß 'die Sterblichkeit eine besonders günstige' sei. Zahlreiche Wirtshäuser, Gasthöfe und zwei Hotels kümmerten sich um das leibliche Wohl einheimischer und fremder Gäste, der Verschönerungsverein sorgte für Grünanlagen, Bäume und Brunnen, und die Stadtväter bliekten mit Stolz auf die neuesten Errungenschaften der Zivilisation, auf die städtische Wasserleitung, die elektrische Straßenbeleuchtung, Kanalisation und Bürgersteige, das neue Krankenhaus, den Kindergarten, die Turnhalle und das Krematorium des weiträumig angelegten Friedhofes. Die meisten der unverkennbar fränkisch sprechenden Einwohner fanden ihr mehr oder weniger bescheidenes Auskommen in den Werkstätten und Fa-

briken der Spielzeug- und Puppenbranche, der Porzellanindustrie und der Holzverarbeitung, und nicht wenige von ihnen betrieben nebenher noch eine kleine Landwirtschaft. Zwar galten Wasserspülung, Bad und Zentralheizung in Eisfeld noch als unerhörter Luxus, den sich selbst vermögende Bürger kaum zu leisten wagten, aber es war doch deutlich sichtbar, daß es die fleißigen und sparsamen 'Asfaller Hammelsäck' in den langen Friedenszeiten nach der Reichseinigung zu einem gewissen bürgerlichen Wohlstand gebracht hatten, bis der Erste Weltkrieg über sie hereinbrach und viele Existenzen vernichtete. Das geschnitzte Ehrenmal in der Stadtkirche, geschaffen von dem Bildhauer Hermann Blechschmidt (1882-1934), erinnert an die 190 Männer aus Eisfelder Familien, die zwischen 1914 und 1918 gefallen sind oder als vermißt gemeldet wurden. Doch wer erinnert sich heute noch an die Trauer der Hinterbliebenen, an die Not der Nachkriegsjahre, als die Inflation die letzten mühsam zurückgelegten Spargroschen aufzehrte und viele Menschen um Hab und Gut brachte? Nach dem Vorbild anderer Gemeinden ließ auch der Magistrat von Eisfeld 1922, als die Geldentwertung unvorstellbare Ausmaße anzunehmen begann, Notgeldscheine als Kleingeldersatz im Wert von 25, 50 und 75 Pfennig

drucken, auch diese entworfen von Hermann Blechschmidt, damals Leiter der hiesigen Zeichen- und ModelIierschule. Mit ihren bunten Darstellungen einheimischer Gewerbezweige und mit ihren originellen Umschriften wirken sie eher wie fröhliche Reminiszenzen an jene unsicheren, von socialen Spannungen geprägten Zeiten, in denen der einfache Bürger nur noch von einem Tag zum anderen rechnete. Bürgermeister Otto Reinhard, der 1919 sein Amt antrat und 1933 von den Nationalsozialisten abgelöst wurde, bemühte sich trotz der enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten um eine zukunftsorientierte Kommunalpolitik. Die Eingemeindung von Dorf und Gut Steudach 1922 ermöglichte die Erweiterung gewerblich genutzter Flächen in der Nähe des Bahnhofsgeländes und die Ansiedlung neuer Unternehmen wie die Firma Ritzmann, 'Fabrik für Rasier- und Haarschneideapparate' , und die Strumpffabrik Albert Haas. Die Errichtung und der Ausbau von städtischen Wohnungen für Arbeiter- und Beamtenfamilien vor allem in der Coburger Straße und in den Hüttengärten, die Anlage des Sportplatzes an der Bockstädter Straße, der technische Ausbau des Krankenhauses und des Kindergartens, der Ausbau des 'Waisa-Teiches' zur Badeanstalt und die Etablierung der 'Mittelschule' fallen in

die kurze Periode der Konjunktur in der sich nach Einführung der stabilen Währung seit etwa 1924 die Wirtschaft allmählich wieder erholte. Im gesellschaftlichen Leben der kleinen Stadt spiegeln sich diese 'goldenen zwanziger Jahre' durch eine für provinzielle Verhältnisse ungewöhnliche Betriebsamkeit und Geselligkeit. Eine ganze Reihe von Vereinen wie der 'Turnverein', die 'Harmonie', die 'Erholung', der 'Thüringer- Wald-Verein', der 'Gesellenverein', der 'Schützenverein', der 'Verein der fröhlichen Laune' und viele andere sammelten ihre Anhänger und wetteiferten um öffentliche Anerkennung. Es wurde musiziert, gesungen, Sport getrieben, gewandert, politisiert, geschauspielert, getanzt und getrunken, vorzugsweise Eisfelder Bier. Man ging ins Kino beim 'Gambrinus' an der Hinteren Pforte und gelegentlich auch ins Café oder nach Coburg ins Theater - die Frauen trugen Bubikopf und kurze Kleider, die Männer Knickerbocker. Es ist gewiß kein Zufall, daß während dieser Jahre auch das traditionelle Eisfelder 'Kuhschwanzfest' am dritten Pfingstfeiertag eine Neubelebung durchmachte. Das alte Fest, hervorgegangen aus der mittelalterlichen Bürgerwehr und aus der anno 1608 durch Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg befohlenen Musterung aller wehrfähigen Männer in

Stadt und Amt Eisfeld, wandelt sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Pfingstbrauch, bei dem sich unter maßgeblicher Beteiligung der Feuerwehr militärisches Zeremoniell mit phantasievollen Umzügen mischte. Die Bezeichnung 'Kuhschwanzfest' dürfte wohl eine Anspielung der Nachbarorte auf das bäuerliche Lokalkolorit des Städtchens gewesen sein. Wesentlichen Anteil an der künstlerischen Ausgestaltung der Festwagen und Laufgruppen hatten die Schüler der Zeichen- und Modellierschule, besonders nachdem der Gewerbelehrer und Modelleur Carl Lorenz (1880-1969) 1924 die Leitung übernommen hatte. Diese künstlerische Fachschule, die 1929 bei Ausbruch der Weltwirtschaftskrise aus finanziellen Gründen ihre Pforten schließen mußte, war 1864 ähnlich wie andere Ausbildungsstätten des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Meiningen gegründet worden, um begabte, meist mittellose junge Leute im Zeichnen, Malen, Schnitzen und Modellieren zu unterrichten und auf diese Weise qualifizierten Nachwuchs für einheimische Gewerbe heranzuziehen. Zahlreiche Schnitzer aus den nahegelegenen Waldorten, Dekorationsmaler der Eisfelder Holzstabweberei, Modelleure und PorzellanrnaIer aus Kloster Veilsdorf, Rauenstein, Limbach, Bossierer der örtlichen Spielzeugbetriebe, aber

auch Steinmetzen und Holzbildhauer erwarben hier eine gediegene kunsthandwerkliche Ausbildung. Eine ganze Reihe profilierter Künstler haben ihren Weg in Eisfeld begonnen, so die Bildhauer Carl Röhrig, München; Herbert Hofmann-Ysenbourg, Mexiko; Alfred Carl, Poppenwind; Ernst Kleinteich, Osnabrück; und die Maler Rosso Majores, Dresden; Willi Hopf, Häselrieth; Ernst Straßner, Braunschweig; Otto Bloß, Coburg; um nur einige zu nennen. Zu ihnen gehörte auch der Maler und Grafiker Hanns Glaser, der die alten Winkel seiner Vaterstadt oft mit der Kamera festgehalten und seine Mitbürger liebevoll karikiert hat. Eine kulturelle Leistung, die weit über Eisfeld hinauswirkte und bis heute nachlebt, war die Gründung des Otto-Ludwig-Vereins 1912/13, der sich dem literarischen Erbe des Erzählers und Dramatikers verpflichtet fühlte; bis zu seiner Auflösung 1945 zählte er zeitweilig fast tausend Mitglieder im gesamten deutschen Sprachraum, unter ihnen prominente Persönlichkeiten aus der Welt des Theaters, der Kunst und Literatur. Einer der Initiatoren und Förderer des Vereins war - bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1918 - Kommerzienrat David Löwenherz, der 1908 im Eisfelder Rathaus ein kleines Otto-LudwigMuseum einrichtete und die Feier zum 100. Ge-

burtstag des Dichters am 12. Februar 1913 zu einem bedeutsamen gesellschaftlichen Ereignis werden ließ. Er ermöglichte auch die Finanzierung der sechsbändigen Werkausgabe von Otto Ludwig, die seit 1912 im Verlag Georg Müller, Leipzig, erschienen ist. Neue Impulse erhielt die Vereinstätigkeit, die unter den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges nahezu erloschen war, als 1926 der Lehrer Carl Kley (1893-1959) die Geschäftsführung übernahm. Sein Bemühen, das er trotz erheblicher Widerstände und unter großen finanziellen Risiken durchzusetzen verstand, galt der Wiederherstellung und Restaurierung des Berggartens und des Gartenhauses am Heinig, in dem der heranwachsende Otto Ludwig seine Kindheit und Jugend verlebt hatte. Sein Vater, der Stadtsyndikus Ernst Ludwig, legte seit 1811 den Landschaftsgarten an und ließ 1814 nach Plänen des Hildburghäuser Hofbaumeisters Georg Buck das schlichte Sommerhaus erbauen, mit seinen klaren Formen und der Säulenloggia ein schönes Beispiel spätklassizistischer Architektur. 1858 mußte Otto Ludwig in Dresden, gezwungen durch Armut und Krankheit, seinen geliebten Eisfelder Garten verkaufen, in dem ihm 'jedes Blättchen wie ein Bruder' gewesen war. Das Anwesen, als Gärtnerei und 'Bratwurstgarten' mit Kegelbahn genutzt, wechselte

mehrmals den Besitzer und bot, als es 1922 von der Stadt angekauft wurde, einen völlig verwahrlosten Anblick. Mit Hilfe zahlreicher Spenden und durch Einsatz von Notstandsarbeiten gelang es bis 1934, Haus und Garten nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zu restaurieren und eine Gedenkstätte einzurichten; am Hang unterhalb einer uralten Eiche entstand eine Freilichtbühne, die mit einer glanzvollen Aufführung des 'Erbförster' durch das Meininger Theater eingeweiht wurde. Der Bildhauer Carl Röhrig (1886-1972), München, schuf das Standbild des jungen Poeten, der hier 'die Lust an der Einsamkeit und der Natur' gelernt hat. Der 'Otto-Ludwig-Garten' ist uns trotz Kriegsschäden und Umweltsünden erhalten geblieben, ein idyllisches Fleckchen Erde im Grünen, dessen Erhaltung und Pflege allen Eisfeldern am Herzen liegen sollte.

Am Zustandekommen von 'Eisfeld in alten Ansichten' - erstes und zweites Bändchen - waren viele Helfer beteiligt, ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Renate Gauß

1. Wir blieken auf Eisfeld aus einer Höhe von 1 600 m herab, das Bild ist aufgenommen vom Ballon 'Thüringen' mit einem Zeiss-Tessar am 26. Mai 1910. Dazu schreibt die Eisfelder Zeitung: 'In ziemlich rascher Fahrt überflog heute früh gegen 9 Uhr in Richtung von Osten nach Westen ein bemannter Luftballon unsere Stadt. Wie man an der Aufschrift erkennen konnte, war es der Ballon "Thüringen". Derselbe stieg am Mitwoch Abend um 112 9 Uhr vom neuen Gaswerk in Jena zu einer Nachtfahrt auf. Bemannt war der Ballon mit einer Dame und zwei Herren. Wo er gelandet ist, konnten wir noch nicht erfahren.'

Eisfeld i. ThOringen

vom 8allon ?? ThOringen·· aus in 1600 m Meereshöhe

-- am 26. Mai 1910, 9.06 aufgenommen

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2. Etwa 1930 ist das Schloß, damals noch Gefängnis und Wohnsitz von Justizbeamten, von der Ostseite aus fotografiert worden, im Blickpunkt das 'Steinerne Haus' aus dem 11. Jahrhundert und der Garten innerhalb der Schloßbefestigung mit Gemüsebeeten, Beerensträuchern und Obstbäurnen.

3. Der Eisfelder Markt - vor dem großen Brand von 1822 - bildet die Kulisse für das bunte Treiben des Volksfestes, das mit der Musterung der Bürgerwehr am dritten Pfingstfeiertag verbunden ist. Links im Bild ist die Marktseite des alten Rathauses mit dem anschließenden Kornhaus zu sehen, im Hintergrund die Reihe der Bürgerhäuser, die mit der Fachwerkfassade der Apotheke abschließt. Das Gemälde wird dem Apotheker Ernst Friedrich Strasser zugeschrieben, Bruder eines Limbacher Porzellanmalers.

4. Im Mittelpunkt der Marktansicht steht das Rathaus, das 1836 als Neubau seiner Vollendung entgegenging. Der schlichte, biedermeierlich behäbige Zweckbau erhielt seinen besonderen architektonischen Akzent durch ein Uhrentürmchen an der Marktseite, das aber aus statischen Gründen zu Beginn der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgenommen werden mußte.

5. Der Fotograf Eduard Glaser hat die Arbeiten am Bau der Wasserleitung im Jahre 1900 aufgenommen. Die Schachtarbeiten verlaufen quer ûber den Markt, dessen alter Brunnen von 1790 zu dieser Zeit noch als Trinkwasserspender für das obere Wohnviertel diente.

6. Im Adreßbuch von Eisfeld aus dem Jahr 1900 ist zu lesen:

Hotel Deutsches Haus (am Markt) Haus ersten Ranges, altrenommirt, empfiehlt seine

der Neuzeit gemûss eingerichteten Fremdenzimmer mit guten Betten. Gute Küche. Reine Weine.

Echt Pilsener, Culmbacher u. Eisfelder Biere.

Elektrisch Licht. Telephon. Geschirr im Hause.

- Omnibus ani Bahnhof. -

Besitzer: Wilhelm Schmidt.

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