Eisfeld in alten Ansichten Band 3

Eisfeld in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Renate Gauß
Gemeente
:   Eisfeld
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6179-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eisfeld in alten Ansichten Band 3'

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Einleitung

Nachdem bereits zwei Bände 'Eisfeld in alten Ansichten' erschienen sind, sollte das Thema eigentlich erschöpft sein, zumal die Auswahl der Motive durch den zeitlichen Rahmen zwischen 1880 und 1930 begrenzt ist. Was jedoch engagierte Heimatfreunde und Sammler aus vergilbten Familienalben und angejahrten Kommoden hervorkrarnten, reicht aus, um noch einen dritten Band zu füllen. So dürfen wir das vorliegende Bilderbuch aus Eisfelds Vergangenheit getrost als Nachlese betrachten, für dessen Gestaltung wir allen Leihgebern und Helfern herzlich danken.

Im Zeitraurn zwischen dem wilhelminischen Deutschen Reich und der Weimarer Republik hat sich unser Städtchen von seinen handwerklichbäuerlichen Wurzeln gelöst und zu einer modernen Kleinstadt bescheidenen Zuschnitts, zu einem wirtschaftlichen Zentrum im südlichen Vorland des Thüringer Waldes entwiekelt. gleichermaßen geprägt durch seine günstige Verkehrslage zwischen Thüringen und Franken inmitten einer schönen Landschaft, wie auch durch Betriebsamkeit und gastliche Geselligkeit. Diesen Wandel anschaulich dokumentiert zu haben, ist das Verdienst von Berufs- und Amateurfotografen, die viele Seiten des kleinstädtischen Lebens auf ihre Platten und Filme bannten, mit Vorliebe die romantischen Ecken und Winkel, die architektonischen Schauseiten der Gassen und Straßen und andere Motive aus der Welt unserer Urgroßeltern einfingen, die unwiederbringlich geschwunden sind.

1870 schon gab es auf dem Eisfelder Markt den Uhrmacher und Besitzer eines 'photographischen Ateliers' Friedrich Pesold, später fmden sich aufPostkarten und Aufnahrnen die Namen einheimischer Autoren und Herausgeber wie Max Beerbaum, Max Hopf, Christian Axmann, Eduard Glaser und Hanns Glaser. Bevor die Fotografie zum Allgemeingut wurde, hat es nur wenig bildliche Darstellungen von oder aus Eis-

feld gegeben. Die Stadt, wiederholt zerstört und abgebrarmt, stets im Schatten der ehemaligen Residenzen Coburg und Hildburghausen und der gewerbefreudigen Stadt Sonneberg, war wohl zu wenig attraktiv, um Steeher und Maler zu künstlerischer Widergabe zu verleiten. Lediglich den ansässigen Porzellanmalern des 19. [ahrhunderts verdanken wir einige originelle und volkstümliche Darstellungen, fast alle auf Schützentafeln. So sind wir, wenn wir uns ein Bild vom alten Eisfeld früherer [ahrhunderte machen wollen, auf die Berichte von Zeitzeugen angewiesen, auch auf die lebensnahen Kleinstadterzählungen des Dichters Otto Ludwig aus Eisfeld (1813-1865). Alle Chronisten, von Merian 1648 bis Brückner 1852, heben übereinstimmend die für Eisfeld charakteristische Teilung des Städtchens in die von der Werra durchflossene 'Altstadt' und die hochgelegene, urnmauerte 'Neustadt' hervor, die bis heute trotz neuzeitlicher Änderungen den historischen Stadtkern bilden. Was Georg Brückner in seiner Landeskunde des Herzogtums Sachsen- Meiningen gewissermaßen am Vorabend der Industrialisierung, im Iahr des begirmenden Werrabahnbaues, über die Eisfelder zu sagen hat, erscheint bemerkenswert: 'Die Einwolmer verraten in Sprache, Tracht, Derbheit und Rührigkeit deren früheren langen Zusammenhang mit Coburg. Sie hängen am Alten, sind nicht frei von Aberglauben, dabei stolz auf ihr Bürgertum und Bürgerrecht, äußerst tätig und höchst sparsam, freilich oft in Eigennutz übergehend, von gewecktem, empfänglichem Sinn und von meist noch echter Kirchlichkeit. Vorherrschend betreiben sie Landwirtschaft, untergeordnet Handwerk und Taglohn:

3 027 Seelen lebten damals in Eisfeld, dazu 991 Schafe, 574 Rinder, 452 Ziegen, 374 Schweine, 41 Pferde, ganz zu schweigen vom lieben Federvieh, das auf dem 'Gänshügel' arn Oberen Tor seinen Auslaufhatte und gelegentlich das städtische Erscheinungsbild störte. Stall und Mist-

haufen gehörten noch lange Zeit zum unerläßlichen Interieur von Haus und Hof, besonders in der überwiegend bäuerlichen Altstadt. Das starre Festhalten der Eisfelder am Althergebrachten, das letztlich zu einer tiefgreifenden Stagnation geführt hatte, vermochte fortschrittliche Kräfte und moderne Ideen nicht aufzuhalten. Zu den tüchtigen Leuten der neuen Generation gehörten der Kaufmann Karl Redmagel, der 1863 den 'Verein zur Förderung von Industrie und Gewerbe in Eisfeld' ins Leben rief, gehörten Anton und Babette Tenner, die Gründer der Holzstabweberei, die Spielwarenfabrikanten Gebrüder Krauß sowie der 'Bierwirt und Bossierer' Johannes Florschütz, der gemeinsam mit seinem Bruder Adam Florschütz den Gasthof'Zum Erbprinzen' erbaut und eine Fabrik für Holzpferdchen errichtet hatte. Die Branchen Holz, Spielwaren aller Art, Porzellan, später auch Metall und Textilien, sollten sich in den [ahrzehnten bis etwa 1930 zu tragenden Säulen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in und um Eisfeld entwikkeln, bis die Weltwirtschaftskrise die Gewerbe zum Erliegen brachte. Was die Bürger in all diesen Iahren bewegte, viele wichtige und auch unbedeutende Geschehnisse des kleinstädtischenAlltags, hat in der 'Eisfelder Zeitung' seinen Niederschlag gefunden, die 1865 von Wilhelm Behling zunächst als behördliches Amtsblatt des Magistrates, seit 1869 alsTageszeitung, herausgegeben wurde; von 1896 bis 1945 war sie Eigentum desVerlages Carl Beek in Eisfeld. So wie sich die Stadt nach außen ausdehnte, wie sich die Zahl und die Sozialstruktur ihrer Einwohner veränderte, so nahm auch das einst recht farblose und schmale Lokalbl~tt an Umfang zu, immer bemüht, es seinen Lesern recht zu machen. Sie erfuhren vom frischen Sauerkraut der Firma Dûsel, von Schönheitsseife undAbführpillen in der Drogerie Ludwig Heyne, von Damen- und Herrenkonfektion im Modehaus Morgenroth ebenso wie vom Fahrradrennen 1894 und vom Sedansfest auf der

'Siegeshöhe' 1895, bei dem der große Lorbeerkranz des Kriegervereins 'von ruchloser Hand' entwendet wurde. Auch das Gerichtsurtei! über den Automobilfahrer, der 1903 mit 30 kmh durch Brattendorf 'gerast' war, dürfte allgemeines Interesse erregt haben, ganz zu schweigen von der Nachricht, daß Eisfeld im November 1918 von einemArbeiterund Soldatenrat regiert wurde. In der Regel beschränkte sich die Lokalredaktion auf öffentliche Angelegenheiten, auf Geschäftliches und auf das Vereinsleben. Auch der Fotografbetrat die häusliche Szene nur, wenn er gerufen wurde.

Einem glücklichen Zufall verdanken wir die handschriftliche Beschreibung einer bürgerlichen Wohnstube zu Beginn des 20. Iahrhunderts; sie stammt aus der Feder Max Kiesewetters. der als Sohn des Metzgermeisters Johann Kiesewetter am Eisfelder Häfenmarkt aufwuchs: ?... An der südöstlichen Ecke stand ein großes lederbezogenes Sofa, an der Wand über dem südlichen Kopftei! des Sofas hingen die Geweihe und die Jagdausrüstungsgegenstände unseres Varers. der passionierter Waidmann war. Über dem Sofa hingen die vom Vater erlegten Rehgehörne, ausgestopfte Vögel und Tiere sowie ein von mir in Kohle gezeichneter Auerhahn in schwarzem geschnitztem Rahmen, womit die größte Wandfläche vollständig ausgenutzt war. An der nördlichen Kopfseite des Sofas stand ein Tisch, vor dern nach Osten liegenden Fenster, auf dem stets mit einem weiBen Tischtuch bedeckte Steinguttöpfe mit Milch und Rahm standen. Neben dem Tisch stand ein Stuhl, dann stand in der nördlichen Ecke eine Schreibkommode. Neben dem Fenster tickte die Schwarzwälder Uhr ihren gleichmäßigen Rhytrnus. Über der Schreibkommode war das Prachtstück der Stube angebracht, ein Ölgemälde "[esus am Brunnen". Es war ein Geschenk des befreundeten Malers Ma:x Eichhorn. Das Gemälde war von Farnilienbi!dern umrahmt und in der Stubenecke von einem Eckbrett, auf dem die Petroleumlam-

pe stand, flankiert. Die Nordwand hatte drei Fenster mit zwei dazwischen liegenden, etwa einen Meter breiten Wandflächen. Vor dem östlichen Fensterpfeiler stand ein Nähtischchen, darüber hing der Spiegel. Auf dem Bücherschränkchen, das vor dem anderen Fensterpfeiler stand, hatte ein stets mit frischem Brunnenwasser gefülltes Steinkrüglein seinen Platz. Die übrigen Wandflächen waren mit Familienbildern und Haussegen bedeckt. Die Fenster waren mit 80 cm breiten Quergardinen ausgestattet und auf den Fensterbänken standenJopfpflanzen. Vor den Fenstern und den freien Wandflächen hatten die Stühle ihren Platz, derTisch stand in der Mitte der Stube. In der westlichen Wand befand sich die Stubentür, auch hier waren die Wandflächen mit Bildern geschmückt. Über der Tür hing ein von mir mit Kohle gezeichnetes Bild, 'Das Schloß in Eisfeld'. Neben der Küchentür in der Südwand war der Ofen eingebaut, davor stand die Ofenbank zumAbstellen der großen eisernen Töpfe. Er bestand aus einem, auf etwa 45 cm hohen eisernen Pfosten ruhenden gußeisernen Unterbau von einem Meter Seitenlänge, mit aufgegossener Inschrift und schönen Hirschgruppen, sowie einem braunen Kachelaufsatz, Er spendete in der kalten [ahreszeit seine behagliche Wärme und sorgte für ständig warmes Wasser. Zwischen der Südwand und dem Kachelaufbau war ein 35 cm breiter freier Raum, die sogenannte Hölle, die wir im Winter bei großer Kälte aufsuchten und die erstarrten Glieder wieder aufwärmten. Weil der Ofen nur für Holzfeuerung eingerichtet war, mußten immer große Mengen Kleinholz bereitliegen, diese wurden unter und im Inneren des Ofens gestapelt. Im Winter wurden bei großer Kälte dicke Wurzelstöcke aus Buchenholz, die sogenannten Mattenknörze aufgelegt, diese brannten manchmal zwei Tage. Neben dem Ofen stand ein Rohrsessel, der Lieblingsplatz der ganzen Familie. Über derTür nach der Schlafkammer der Eltern hing ein größererVogelbauer, er war die

Wohnung eines Rotkehlchens. Über der Küchentür hing ein weiterer Vogelbauer nut einer schwarzen Grasmücke als Insasse.'

Anrührend ist auch die Schilderung des Weihnachtsfestes, zu dem sich die aus den Eltern und acht Kindern bestehende Familie in derWohnstube versammelte.

Wenn auch die Petroleumlampe kurze Zeit später dem elektrischen Licht weichen mußte, blieben Mobiliar und Ofen bis in die dreißiger Iahre fast unverändert im Gebrauch. Der ererbte Sinn für Sparsamkeit, die wirtschaftlichen Zwänge der Kriegs- und Nachkriegszeit ließen viele Familien an dem festhalten, was sie oft mühsam erworben hatten. Es blieb den jüngeren Leuten vorbehalten, Haus und Heim zu modernisieren, wenn sie es sich leisten konnten.

1 Der Porzellanmaler und spätere Landschaftsmaler Heinrich Höfer, geboren

1 825 in Eisfeld, lieferte mit seiner Farblithographie von 1850 nahezu die Illustration zur Beschreibung der Stadt Eisfeld in Georg Brückners Landeskunde des Herzogtums Meiningen van 1852: 'Die Stadt besteht aus zwei Etagen, aus der Altstadt (Unterstadt) und dem Dörflein auf der rechten und aus der Neustadt (Oberstadt) und Steudach eisfelderseits auf dem linken Werraufer. Die Straßen sind meist breit und gerade, die in der Unterstadt eben, in der Oberstadt etwas ansteigend, die Häuser größtenteils neu, freundlich, zweistöckig und vielfach unter ein Dach ge-

bracht: Höfer hat die eindruckvollste Ansicht, die von der Crocker Hohle aus, festgehalten, geschmückt mit liebevollen Details wie der Schnitterin links und dem Ochsengespann auf dem Weg.

2 Ein halbes [ahrhundert nach Höfer, um 1900, fotografierte Eduard Glaser die charakteristische Ansicht der Stadt Eisfeld zwischen Schloß und Kirche mit der Feuermauer. Wie ein Vergleich zeigt, har sich nur wenig verändert. DerTurm des Rathauses ist verschwunden, mußte er doch aus statischen Grûnden abgebrochen werden. Auf der Kuppe des Galgenberges erhebt sich im Hintergrund rechts das 1873 fertiggestellte Siegesdenkmal.

3 Links: Vom Dammweg aus erfaßt um 1930 die Kamera Hanns Glasers die sûdwestliche Ansicht der spätgotischen Dreifaltigkeitskirche und - im Hintergrund - das Schloß.

4 Rechts: Die Aufnahme wurde etwa 1930 vom unteren Ende der Marktstraße in Richtung Kirche und Kirchplatz gemacht. Im Vordergrund links an der Häuserfront ragt als originelles Ladenschild die überdimensionierte Brillenfassung ins Bild, die über der Ladentür des Optikermeisters Paul Zirkel, Marktstraße 25, angebracht war.

5 Als Stich einer Fotografie genau nachgestaltet, wurde dieser romantische Winkel im "Iriebelshof" von Hanns Glaser festgehalten. Der Betrachter steht im äußersten Winkel der Hoffläche und blickt auf die Häuserzeile, die von Giebel und Turm der Eisfelder Stadtkirche überragt werden. Dieses Stück Alt-Eisfeld ist, wenn auch erwas verandert, bis heute erhalten geblieben.

6 Das Innere der Dreifaltigkeitskirche dûrfie um 1925 aufgenommen worden sein, befindet sich doch im Chorhaupt bereits das von Hermann Blechschmidt geschaffene Ehrenmal für die 190 im ErstenWeltkrieg gefallenen oder vermißten Söhne der Stadt. Die gemalten Glasfenster des spätgotischen Chores waren ein Werk der aus Eisfeld stammenden Glasmaler Heinrich und Christian Burkhardt aus München, ein Geschenk an ihre Heimatstadt aus demjahr 1885. Leider wurden sie 1945 durch amerikanische Granaten zerstört. Die neugotische Kanzel war im 19. [ahrhundert anstelle der frühbarocken aufgestellt worden. Das Standbild des

Reformators Iustus Jonas, links unter dem Triumphbogen, schuf der Eisfelder Bildhauer Wilhelm Schubart. Die Lutherstatue auf der Gegenseite stammt von dem Dresdner Künstler Robert Henze.

7 Zwischen der Südfront der Stadtkirche mit dem schönen Baldachin-Portal und der Nordseite der Alten Schule öffnet sich der Blick zur Straße und auf den einstigen Gasthof'Zum Säusack', später 'Zum Rautenkranz' . Das behäbige Gebäude, etwas verdeckt durch die Bäume auf dem Kirchplatz, nahm 1920 die Eisenwarenhandlung von Bernhard Triebel auf

8 Der Schulbrunnen neben der Alten Schule ist vor dem Ersten Weltkrieg - ganz im Geschmack dieser Iahre - neu gestaltet worden. Die von einem 'Zinsel' bekrönte Grotte rnit einem stilisierten Fischkopfwurde durch eine eiserne Ziereinfassung auf der rückseitigen Brüstung und auf dem Rand des Brunnenbeckens geschützt. Das Mädchen und der Junge in Matrosenkleidung, die den Brunnen flankleren. sind wohl für die Aufnahme sonntäglich herausgeputzt worden.

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