Eltville in alten Ansichten

Eltville in alten Ansichten

Auteur
:   Harry E. Häusser
Gemeente
:   Eltville
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1187-4
Pagina's
:   88
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eltville in alten Ansichten'

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VORWORT

Es erstaunt, wie rasch die jüngere Vergangenheit in Vergessenheit gerät. Was erst vor Jahrzehnten geschah, oder gar im letzten Jahrhundert, wird nur mit Mühe erinnert. Manches nicht mehr erhaltene Gebäude gibt bereits Rätsel auf. Beim Betrachten alter Fotografien wird dies deutlich. Viele mußten denn auch befragt werden, um die Einzelheiten zu erfahren, die für dieses Buch zusammengetragen wurden. All denen, die erbetene Auskünfte bereitwillig gaben, sei herzlich gedankt. Besonders genannt seien hier Hans Kremer, Hans Jakob Steinlein, Curt Fromm, Andreas Holland, Kar! Kiefer und Hedwig Witte.

Zu danken ist auch allen, die für dieses Buch Fotografien beisteuerten, besonders Oberamtsrat J osef Friedrich, der die Bestände des Stadtarchivs zugänglich machte, Thea Bauer, Franz Holland und Verkehrsdirektor LR. Heinz Söhnlein.

Sie und viele andere haben dazu beigetragen, daß dieses Buch eine Lücke schließen und Bürgern wie Besuchern 'Eltville in alten Ansichten' vorstellen kann.

EINLEITUNG

Eltville ist ein altes Städtchen. Spuren einer dauernden Besiedlung finden sich westlich der Altstadt, auf einem Gräberfeld aus dem 4. Jahrhundert. Recht spät erst wird der Name der Siedlung erwähnt: Eine Urkunde aus dem 12. Jahrhundert bestätigt die Schenkung der Großpfarrei Eltville samt Filialkirchen an das Petersstift zu Mainz im 10. Jahrhundert.

Der Ortsname 'Alta Villa' läßt sich aus dem Latein der mittelalterlichen Kanzlisten sinngemäß übertragen als 'Hochhof', ein Hinweis auf die Lage auf einem hochwassersicheren Uferstreifen. Bereits bei einer der ersten Erwähnungen des Namens taucht ein Hinweis auf, daß neben 'Alta Villa' im Volk der Name 'Elfeld' geläufig sei. Beide Namensformen wurden nebeneinander gebraucht bis ins 19. Jahrhundert.

Während des großen Streites zwischen Kaiser und Päpsten erbaute Balduin von Luxemburg, ein Anwärter auf den vakanten Stuhl des Erzbischofs von Mainz, nach 1330 in Eltville eine Burg. 1332 erwirkte er von seinem Gönner, Kaiser Ludwig, für den Ort Stadtrechte - die Freiheiten und Unabhängigkeit wie die Stadt Frankfurt. Verbunden damit war das Recht, die Stadt zu befestigen. Somit wurde Eltville zur ersten und ältesten Stadt im Rheingau.

Die Burg wurde Residenz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten und blieb es anderthalb Jahrhunderte.

Das Bauwerk wird als sehr stattlich geschildert, mit außergewöhnlich breiten und tiefen Gräben. Der Palast lag an der Rheinseite, nach Süden. Der wuchtige Wohnturm mit vier Etagen und Ecktürmchen prägt die Stadtsilhouette bis heute. Die Burg sah den Besuch mittelalterlicher Könige und Kaiser. 1465 erfuhr in den Räumen der Burg ein Genie späte Anerkennung: Erzbischof Ado1f Il. erhob Johann Gutenberg, den Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, zu seinem Hofmann und stattete ihn mit einer auskömmlichen Naturalrente aus. Zwei Jahre danach wurde Eltville selbst 'Druckort'. Die Brüder Bechtermünz, Verwandte Gutenbergs, errichteten hier eine Druckwerkstatt. 1469 erschien ihr erstes Werk, das deutsch-lateinische Wörterbuch 'Vocabularius ex quo'.

Als Residenz der Erzbischöfe und Kurfürsten war Eltville auch Sitz der allgemeinen und der Finanzverwaltung, und das Eltviller Gericht war Appellationsgericht für den Rheingau. Wie die Burg, entstand im 14. Jahrhundert die Pfarrkirche St. Peter und Paul. Neben dem Burgturm prägt der Turm dieser Kirche die Dächerlandschaft der Stadt. In der Residenzstadt entstanden um Burg und Kirche die Edelhöfe erzbischöflicher Ministerialen, noch heute Zeugen reicher Geschichte.

Im Jahre 1525 zählte man in Eltville 263 Herdstellen, das entspricht etwa 1 100 bis 1 300 Einwohnern. Es war damals die größte Gemeinde des Rheingaus. Die Pfarrkirche besaß acht Altäre, von denen die meisten von einem Kaplan betreut wurden. Daneben gab es drei Kapellen.

Im Jahre 1635, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Stadt von der Rheininsel Eltvil1er Aue aus mit Artillerie beschossen. Die Burg und umliegende Häuser gingen in Flammen auf, sie wurde bis auf den Wohnturm zerstört. Neben baulichen erlitt die Stadt in diesem Krieg große wirtschaftliche Schäden. Die Einwohnerzahl sank auf etwa die Hälfte. Es dauerte rund 150 Jahre, bis diese Schäden wieder aufgeholt waren. 1781 hatte Eltville wieder 260 Herdstellen. Die Zahl der Gewerbebetriebe war gestiegen: 1773 gab es in Eltville fünf Mühlen, zehn Bäckereien, vier Schmiede und dreizehn Gasthäuser.

Das 19. Jahrhundert brachte starkes wirtschaftliches Wachstum. Verbunden damit stieg die Zahl der Einwohner von etwa 1 500 um das Jahr 1800 auf 3680 im Jahre 1900. Ein ähnliches, freilich sprunghafteres Anwachsen erlebte die Stadt ein zweites Mal nach dem Zweiten Weltkrieg. Während des 19. Jahrhunderts wuchs die Stadt auch in ihrer Fläche. Nach 1820 verkaufte der Magistrat die alte Stadtmauer auf

Abbruch. Nur Reste der einst recht eindrucksvollen Mauern und Türrne blieben bis heute erhalten. Sülztor, Holztor und Kapelltor verschwanden. Nach dem Bau der Eisenbahn durch Eltville siedelte sich eine Anzahl besonders kleinerer und mittlerer bäuerlicher Betriebe nördlich der Bahnlinie an. Ackerbürger haben sich bis in unsere Zeit in der Stadt erhalten.

Eine herausragende Persönlichkeit im Eltville des 19. Jahrhunderts war Matheus Müller (1773 bis 1847). Seine Vorfahren waren seit dem 16. Jahrhundert in Eltville ansässig. Matheus Müller war Küfer, später Weinhändler. Um 1811 kaufte er den ehemals Sohlernschen Hof, später erwarb er von der Stadt anstoßend Teile des Stadtgrabens mit Stadtmauer und Sebastiansturm. Auf diesem Besitz richtete er schließlich eine Sektkellerei ein. Die Sektkellerei Matheus Müller wurde unter seinen Nachkommen zu einem der großen Betriebe dieser Art im Lande. Die Nachkornmen waren fleißige Bauherrn, einige ihrer Villen prägen noch heute das Bild der Altstadt. Im Jahre 1907 besaßen Nachkommen des Matheus Müller den größten Teil des Eltviller Rheinufers, von der Sektkellerei im Westen mit Ausnahme von Schloß Eltz, der Kurfürstlichen Burg und der Burg Crass bis zur Villa Maria an der Wallufer Straße im Osten.

Der wirtschaftliche Aufschwung des 19. Jahrhunderts

brachte Eltville auch neue Unternehmen und Einrichtungen. 1865 wurde von Bürgermeister Johannes Bott der 'Vorschuß- und Credit-Verein für das Amt Eltville' gegründet, die spätere Volksbank. Nicolaus Mahr war ihr erster Direktor, die ersten Geschäftsräume waren in dem Haus westlich des Stadtturms in der heutigen Rheingauer Straße untergebracht. Daneben wurden in der Zeit, die sich in unseren Bildern wiederspiegelt, auch einige gewerbliche Betriebe in Eltville ansässig. Genannt seien das Rheingauer Elektrizitätswerk, eine elektrotechnische Fabrik, eine Druckerei und zwei Maschinenbaubetriebe. Sie verbreiterten die wirtschaftliche Grundlage von Eltville wesentlich. Neben Sekt spielte Wein immer eine Rolle im Wirtschaftsleben der Stadt. Die Verwaltung der Staatsweingüter, größter Weinbaubetrieb Deutschlands, das Weinbauamt und die Weinbauschule wurden in Eltville eingerichtet und machten das Städtchen zu einem herausragenden Weinort.

Ebenfalls im 19. Jahrhundert ließ sich in Eltville eine Anzahl von Besitzern großer Vermögen nieder. Ihre Villen in der Wal1ufer und Erbacher Straße sind großenteils auf uns gekommen.

Im August 1932 feierte man in Eltville den 600. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte. Es war eine wirtschaftlich schwierige Zeit, und die Feier war be-

scheiden. Man führte das Festspiel 'Not baut Mauern' des Kaplans Albert Wohlrabe auf. Am Abend veranstaltete man einen Fackelzug. Oberlehrer Schmidt schrieb aus diesem Anlaß in der 'Eltviller Zeitung' hoffnungsvoll: (Eltville) ist ein Städtchen mit den reichen Furchen des Alters und einen Lächeln voll Sonne, und dieser Zug in seinem Antlitz wird ihm zu alten Freunden neue hinzufiigen.

Die folgenden Fotografien zeigen uns das Städtchen etwa im Zeitraum zwischen 1860 und 1930. Nahezu alles erkennen wir wieder. Die meisten alten Bauten sind erhalten, unschätzbare Vorteile in unserer Zeit, die sich dem überkommenen wieder verstärkt zuwendet. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Fotografen schon früh dem Rheinufer. Viele Bilder zeigen die Altstadt zwischen Rhein und der Stadtmauer im Norden. Burg, Kirche, Edelhöfe sind uns ebenso in alten Bildern erhalten wie die Häuser von Bürgern und Kleinbürgern. Schließlich blieken uns einige Eltviller Bürger entgegen, manche heute fast vergessen.

Eine wichtige Rolle im Leben einer Kleinstadt spielen die Vereine. Einer der ältesten in Eltville, die Turngemeinde, begegnet uns im Bild. Und schließlich die großen Volksfeste, Kappeskerb und Sektfest, Fixpunkte im Jahreslauf.

Hat sich viel verändert in dieser kleinen Welt?

1. Verleihung der Stadtrechte 1332 durch Kaiser Ludwig. Die lateinische Urkunde vorn 25. August 1332 lautet in deutscher Übertragung: So haben wir also auf Bitten des ehrwürdigen Baldewin, des Erzbischofs von Trier und Verwesers des heiligen Stuhls, aber auch zum Nutzen der Mainzer Kirche den zur Mainzer Kirche gehorigen, im Rheingau gelegenen Ort Eltville kraft unserer kaiserltchen Macht laut Inhalt der vorliegenden Urkunde mit dem Rechte der Freiheit begabt. und zwar so, daß sicn dieser Ort mit Mauern, Gräben und anderen Befestigungen umgeben und schützen darf. Der Ort und seine Bewohner sollen als mit den Freiheiten und Unabhängigkeiten nach Art unserer Stadt Frankfurt ausgestattet, als zur Abhaltung eines wochenmarktes berechtigt und als in ewiger Freiheit befindlich angesehen und behandelt werden.

2. Eltville im Jahre 1626. 'Elfill' nennt der Steeher Daniel Meissner aus Komotau sein Bild aus dem Buch 'Politisches Schatzkästlein', erschienen in Frankfurt 1626. Das Bild entstand neun Jahre vor der Zerstörung der Kurfürstlichen Burg durch schwedische Truppen. Es zeigt den Burgturm mit Zinnenkranz und ohne das uns heute geläufige Spitzdach. Auch der Turm der Stadtpfarrkirche hat noch seinen spitzen Turmhelm. Mit 105 Metern Höhe war er der höchste Kirchturrn in weiter Runde. 1686 wurde dieser gotische Turmhelm durch den Blitz zerstört. Man ersetzte ihn durch eine barocke Haube, die noch heute das Stadtbild prägt. Verschiedenartig sind die Wirkungen des Weins so belehrt uns der Begleittext, illustriert durch sprechende Syrnbole.

3. Eltviller Rheinufer 1889. Von den abgebildeten Gebäuden sind inzwischen einige verschwunden. In der Bildmitte, über der unterirdischen Mündung des Kiedrichbaches, mit steilem Dach der einfache gotische Bau des Hospitals. 1476 außerhalb der Stadtmauer erbaut, wurde es 1889 abgebrochen. Vor dem baumbewachsenen Sebastiansturm die 'Fischerhäuschen'. Sie fielen in den dreißiger Jahren der Spitzhacke zum Opfer. Das Landhaus Matheus Müller, links im Bild, wurde um 1830 erbaut. 1831 war es im Besitz eines Bernard, 1834 einer Herzogin von Württemberg. 1843 kam das Haus an eine Familie Englerth. Frau Susanne Englerth wird als große Dame und Kunstfreundin geschildert,

4. Eltviller Rheinufer vor 1875. Dieses ist das älteste bekannte Foto von Eltville. Neben dem Haus 'Zur Rose' und var der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul zeigt es das Haus 'Zu den Drei Kreuzen', ehemals ein Gasthaus. Seine Südfront wurde 1875 umgebaut. Unser Bild zeigt den Zustand vor diesem Umbau. Neben dem Turm der Kurfürstlichen Burg und dem Stadtturm ist die Villa des Adam Müller, Enkel von Matheus Müller der Ältere, erkennbar. Spater erhielt die Stadt dieses Haus als MüllerNetscher-Stiftung zum Geschenk, es wurde Städtisches Krankenhaus.

5. Der Rhein ist zugefroren. Nur selten friert der Rhein zu. Bevor sich eine geschlossene Eisdecke bildet, führt der Strom Treibeis. Die übereinandergeschobenen Eisschollen bilden schließlich die charakteristische zerklüftete Eisdecke, Das Bild dürfte beim großen Eisgang 1929 entstanden sein. Spaziergänger auf dem Eis konnten die Eltviller Aue zu Fuß erreichen, Die geschlossene Eisdecke bot immer Anlaß für ungewöhnliches Treiben. Küfer fertigten auf dem Eis Fässer an. Verkäufer boten Glühwein, heiße Würstchen und Kastanien. Der Martinsturm hatte als Wehrturm ursprünglich eine Wehrplatte als Dachabschluß. Das charakteristische steile Dach wurde 1903 errichtet. Links im Bild das prächtige Haus des Geheimen Kommerzienrats Bernhard Müller (1838-1912), Sohn von Matheus Müller der Jüngere. Der Wiebadener Architekt Fürstgen errichtete es 1888.

6. Rheinufer vor der Leerstraße. Diese Straße hat ihren Namen von den einst hier angesiedelten Löhern, den Lohgerbern. Im nahen Rhein spülten sie die gegerbten Häute. Links am Bildrand eins der später abgebrochenen 'Fischcrhäuschen", rechts davon das Gasthaus 'Krone'. Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde dem damals 'Zum Karpfen' genarmten Gasthaus Schankerlaubnis erteilt. Die Rheinfront des Gebäudes wird teilweise von der alten Stadtmauer gebildet, eine Bogenschießscharte ist in Höhe des ersten Obergeschosses noch erkennbar. Das einstmals rechts von der 'Krone' gelegene Bürgerhaus mußte 1888 einem von Bernhard Müller errichteten Neubau weichen. Im gleichen Jahr wurde östlich des Hauses 'Zur Rose' ein prätentiöser Neubau errichtet.

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