Engelsdorf in alten Ansichten

Engelsdorf in alten Ansichten

Auteur
:   Kurt und Ursula Ackermann
Gemeente
:   Engelsdorf
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5859-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Engelsdorf in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

In frühester Zeit mögen ausgedehnte Wälder und Sümpfe die Leipziger Tieflandsbucht geprägt haben. Prähistorische Funde bei Sommerfeld lassen den Schluß zu, daß die Besiedlung unserer Gegend bereits in der Steinzeit vor sich ging. Nomaden zogen im 3. und 4. Jahrhundert vor der Zeitrechnung über unser Gebiet hinweg. Nach der Völkerwanderung, die etwa 1000 Jahre später ablief, siedelten hier die Sorben, die sich durch die Flußläufe angezogen fühlten. Während der feudalen Ostexpansion im 10. Jahrhundert gliederten die sächsischen Kaiser das Gebiet zwischen Elbe und Saale in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ein. Etwa bis Ende des 11. Jahrhunderts festigten die Feudalherren ihre Herrschaft. Sie übertrugen das Land an Klöster oder belehnten Ritter damit. Abgesandte der Klöster Altenzella und Pegau führten deutsche Siedler in das dünnbevölkerte Sorbengebiet. In dieser Zeit entstanden auch die beiden Dörfer Engelsdorf und Sommerfeld. Es wird angenommen, daß der Anführer einer Kolonistengruppe ein Mönch aus Altenzella namens Angelus war. Deshalb der Name Engelsdorf für unseren Ort. Nicht unerwähnt darf hier der Markgraf Wiprecht von Groitzsch bleiben (1050-1124). Er förderte die Einwanderung deutscher Siedler. Es wird berichtet, daß es wohl an die hundert Jahre gedauert hat, ehe die Nachkommen der Kolonisten den Lohn für die unsäglich schwere Arbeit der Rodung und Urbarmachung ernten konnten. Während die Deutschen Straßenangerdörfer anlegten, bevorzugten die Sorben Runddörfer (Rundlinge). In der Neugründung Engelsdorf soll es 42 Feuerstellen gegeben haben. Die Anzahl der Personen ist nicht bekannt. Der Bauernvorstand wurde Lektor genannt und war gleichzeitig Ortsrichter. Für diese Tätigkeit standen ihm allein vier Hufen Landes zu, das sogenannte Ortsrichterfeld.

Engelsdorf wird erstmalig in einem alten Stadtbuch von Leipzig erwähnt, das bis in das Jahr 1176 zurückreicht. Über den Ort Sumvelt (niederländische Schreibweise von Sommerfeld)

gibt es eine Urkunde aus dem Jahre 1220. Die reiche Handelsstadt Leipzig war beutelüsternen Heerführern oft ein begehrenswertes Ziel. Die Nähe der großen Völker- und Heerstraße, die von Leipzig über Dresden und Prag bis Wien führte, brachte besonders Sommerfeld viel Leid. Die Bauern waren den Gefahren fast schutzlos ausgeliefert. Die Grabung eines unterirdischen Ganges vom sogenannten Braugut in Engelsdorf zur etwas außerhalb des Dorfes liegenden Wehrkirche war sicher vielfach lebensrettend, doch das tatsächliche Bestehen eines derartigen Fluchtweges konnte trotz einiger Anzeichen nie ganz geklärt werden. Außerdem soll es noch einen Wassergraben rings um den Ort gegeben haben. Die Einfälle der Hussiten in den Jahren 1427 bis 1434 sind in dem Sommerfelder Ortsregister vermerkt worden. Aus diesen Eintragungen geht hervor, daß die verwüsteten Felder noch dreißig Jahre danach brach lagen.

Im Jahre 1543 erwarb der Rat der Stadt Leipzig das Dorf Sommerfeld. Um den Handelsreisenden, die zur Messe kamen, Schutz und Sicherheit zu gewähren, war die Stadt bestrebt, in den Orten längs der Ausfallstraßen die Gerichtshoheit zu erwerben. Somit wurde Sommerfeld ein Ratsdorf und Engelsdorf blieb Amtsdorf. Es behielt seinen Ortsrichter und war nur dem Landesherrn in Dresden unterstellt. Beiden Dörfern erging es dadurch etwas besser als denen, die sich in feudalem oder kirchlichem Besitz befanden. Von Abgaben und Zwängen waren sie dennoch nicht befreit. Wenige Jahre nach der Übernahme von Sommerfeld wurde die Stadt Leipzig im Schmalkaldischen Krieg durch Truppen belagert.

Der Drcißigjährige Krieg (1618-1648) verschonte auch die Orte unserer Heimat nicht. Die Dörfer erlebten Durchmärsche, Einquartierungen und Requisitationen. Oft wußten die Menschen gar nicht, wer Freund oder Feind war. Blieb bis zum Jahre 1636 noch Leib und Leben der Dorfbewohnerverschont, so verschlechterte sich die Lage, als 1637 die Schweden unter

ihrern Heerführer Banér auf Leipzig zogen. Ihre Belagerung blieb ergebuislos. Auf ihrern Rückzug nach Osten plünderten und mordeten sie in den Dörfern und brannten sie am Ende auch noch nieder. Trotz dieser Wirren fand sich ein rühriger Engelsdorter. sein Name ist als Georg Große überliefert. Er schrieb ein Gesuch an das Oberkonsistorium zu Dresden in dem er um die Genehmigung zur Errichtung einer Schule nachsuchte, Er selbst war danach von 1680 bis 1686 an dieser Schule tätig, deren Besuch freiwillig und mit Kosten für die Eltern der Kinder verbunden war.

Bis zu den Ereignissen des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) waren einige Jahrzehnte vergangen, in denen es in unserer Heimat keine größeren kriegerischen Auseinandersetzungen gab, Um sieh das eroberte Schlesienzu erhalten, begann Friedrieh II einen Krieg gegen Österreich und dessen Verbündete, zu denen auch Sachsen gehörte. Der Preußenkönig fiel zuerst in das von ihm eifersüchtig belauerte, wirtschaftlich starke Sachsen ein. Das Land wurde rücksichtslos genötigt und ausgeplündert, Das 19. Jahrhundert hatte kaum begonnen, da plagten erneut kriegerische Ereignisse unsere Dörfer: Ab Mai des Jahres 1813 waren die Dörfer entlang der Straße von Dresden von französischen Truppen belegt. Sie biwakierten zwar meist im Freien, jedoch mußten die Dorfbewohner für ihre Verpflegung aufkommen. Obwohl Engelsdorf und Sommerfeld während der Entscheidungsschlachten im Oktober 1813 nicht im Kampfgebiet lagen, gab allein Engelsdorf einen Schaden von 34 000 Talern an. Teile der sächsischen Armee, die bekanntlich aufseiten Napoleons stand (Rheinbund), kapitulierten hier zwischen Paunsdorf und Engelsdorf. Als Kontribution dafür wurde ein östlich von Sommerfeld gelegener Wald mit herrlichen Eichen und Ahornbeständen restlos geschlagen. An dieses Geschehnis erinnert auch heute noch die Waldstraße in Sommerfeld. Durchgreifende Veränderungen hat es während der Jahrhunderte in unseren beiden Straßenangerdörfem nicht gegeben.

Die Unbilden der Witterung spielten in unserer Gegend keine große Rolle. Viel einschneidender waren das Leid und die Schrecken durch kriegerische Handlungen, denen unsere Bevölkerung bis in das Jahr 1945 durch die schweren Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg ausgesetzt war.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Struktur unserer beiden Dörfer. Aus den Orten entwiekelten sich zusehends Industriegemeinden. In den Jahren 1904/05 errichtete die Königlich-Sächsische Eisenbahn in Engelsdorf eine Werkstätteninspektion, Im Dezember 1905 nahm sie ihren Betrieb auf. Anfangs reparierten 900 Arbeiter jährlich 200 Lokomotiven und 1000 Reisewagen. Das Werk vergrößerte sich ständig und beschäftigte später bis zu 4000 Arbeiter und Angestellte. Gleichzeitig entstand ein Rangier- und Güterbahnhof, der zu den größten Europas gehörte, sowie ein Bahnbetriebswerk. Folgerichtig wurde durch die Gründung der Baugenossenschaft für Eisenbahnbedienstete im Jahre 1909 Wohnraum und Unterkunft für mehrere tausend Menschen geschaffen. So wurden Engelsdorf und Sommerfeld zugleich Wohnorte und Arbeitsstätten der Eisenbahner.

Von beiden Orten gab es aus der Zeit vor 1900 kaum fotografische Aufnahmen. Welcher Bauer besaß schon einen F otoapparat, oder welcher Fotograf verirrte sich in die bedeutungslosen Bauerndörfer, ohne jeglichen landschaftlichen Reiz. Das änderte sich erst, als das Fotografieren ein preiswertes Volksvergnügen wurde. So standen den Engelsdorter Bürgern zu dieser Zeit gleich zwei Geschäfte für Fotozubehör und Fotoarbeiten zur Verfügung. Die Fotografin, Gabriele Burkhardt, betrieb ein Fotoatelier im Wohnhaus des Gasthofes Hesse, Ihrverdanken wir eine Reihe schöner Aufnahmen aus den Jahren 1925-1927.

1. Das älteste noch erhaltene Bauwerk von Enge1sdorf ist der viereckige Unterteil des Turmes der evangelischen Kirche St. Pankratius. Auf der alten Darstellung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Kirche mit diesem markanten Turm zu sehen. Die vier großen Rundbogenfenster sowie das Portal an der Westfront zeigen sich schon in der heutigen Form. Auch sie war eine Wehrkirche, wie in der ganzen Gegend üblich. Der jetzige Turm wurde 1863 erbaut. Seine drei Glocken fielen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Der Standort auf einer kleinen Anhöhe am südlichen Dorfausgang und nicht auf dem Anger ist sicher dem nassen Untergrund geschuldet. Der Friedhof (besonders in den Jahren des Wachstums der Gemeinde mehrfach erweitert) umgibt die Kirche.

2. Als unmittelbares Amtsdorf hatte Engelsdorf das Recht, um das Privileg zum Bau einer Mühle nachzusuchen. Dieses Projekt konnte 1583 verwirklicht werden. Die Engelsdorfer entschieden sich für eine Bockwindmühle. Bei dieser Bauart ist das gesamte Mühlengehäuse auf einem bockartigen, aus Eichenholz bestehenden, Unterbau drehbar angeordnet. Mit einem hölzernen Hebel, dem Sterz, konnte der Oberbau der Mühle in den Wind gedreht werden. Sie war die älteste Mühle im Leipziger Osten. Gar nicht so leicht, in einer so flachen Gegend eine Erhebung zu finden. Wie oft wird der Müller, besonders in den Sommermonaten, auf Wind gewartet haben, während sich vor der Mühle die Getreidefuhren stauten und auf schnelle Abfertigung bedacht waren. Auf dem Bild schaut der Müller, Robert Klas, aus der Luke der Mühle heraus.

3. Im Jahre 1902 übergab Hermann Scheffler seinen Mühlenbetrieb, nachdem er fast ein halbes Jahrhundert im Besitz seiner Familie war, an den ehemaligen Pachtmüller von Althen, Robert Klas. Für Hermann Scheffler gab es fortan nichts Wichtigeres als seine irn Aufbau befindliche Brotfabrik. 1913 wurde die Engelsdorfer Bockwindmühle wegen der Errichtung des Wasserturmes abgerisscn. Robert Klas war somit der letzte Windmüller aber auch der erste Motormüller von Engelsdorf. Für die alte Mühle erhielt er von der Gemeinde eine Entschädigung von 1000 Mark und von Hermann Scheffler ein Stück Land unweit des Standortes der alten Mühle. Hier baute Robert Klas noch im selben Jahr eine Motormühle. Sein Schwiegersohn, Arthur Herrig, half ihm in seiner Freizeit in der Mühle. Hauptberuflich war er als Zimmerrnann in den Eisenbahnwerkstätten tätig.

4. Der Müller Klas starb im Jahre 1917. Nun übernahm Arthur Herrig die Mühle, die er 1921 käuflich erwarb. Trotz Inflation ließ er 1922 einen Anbau anbringen. Um immer größeren Aufträgen zu genügen, waren weitere Anbauten und Modernisierungen erforderlich. In seinem Sohn Herbert hatte er schon seit dessen Kindheit eine große Stütze. Er ließ ihm eine gediegene Ausbildung zukommen, und unter der Leitung von Vater und Sohn entwickelte sich die Mühle zu einem leistungsfähigen Betrieb. Der verdienstvolle Seniorchef, Arthur Herrig, verstarb 1962 im Alter von 81 Jahren. Sein Sohn Herbert überlebte ihn nur zwölf Jahre. Jetzt liegen die Geschäfte der Mühle in den Händen von Herbert Herrigs Sohn Andreas. Er führt das Erbe seines Großvaters und Vaters sehr erfolgreich fort.

5. Zu den ersten kleinen Fabrikanlagen in Engelsdorf, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, gehörte die Engelsdorfer Brotfabrik. Sie hatte ihren Ursprung in dem Gehöft neben der Windmühle. Hier wohnte der Müller und Bäcker Hermann Scheffler bis zur Übergabe der Mühle an Robert Klas. Zunächst wurde das Brot in Tragkörben, später mit Hunde- und Pferdegespannen auch nach Leipzig geliefert. In der Mölkauer Straße konnten dann in einem modemen Betrieb täglich 5 000 Brote gebacken werden. Die Nachfolge von Hermann Scheffler trat dessen Sohn OUo an. Er bewohnte dann dieses schöne Haus und ließ später rechts einen Laden errichten. Hier konnte man an einigen kleinen Tischen auch Kaffee und Kuchen einnehmen. Die eigentliche Großbäckerei befindet sich hinter dem Haus auf dem Hof.

6. Links und rechts der Hauptstraße stehen noch heute, wie zur Zeit der Gründung des Ortes, die Bauerngüter. Fast zu jedem Hof gehörte ein Teich. Im Laufe der Jahre sind viele eingeebnet worden. Dieser hier auf dem Bild ist noch vorhanden. Es ist gerade Sonnoder Feiertag. Das Paar am Zaun hat sich fein herausgeputzt. Es trägt die Festtagskleidung der Jahrhundertwende. In dem Fachwerkhaus links wurden im Oktober 1978 zwei Tongefäße mit 433 Silbermünzen aus der Verfüllmasse unter den Dielen ausgegraben. Jetzt befindet sich dieser wertvolle Schatz aus der Zeit von 1653 bis 1713 im Naturkundemuseum Leipzig. Er ist nur für Sonderausstellungen vorgesehen.

7. Auf diesem Bild sieht man das sogenannte Gemeinde- oder auch Armenhaus von Engelsdorf. Sein Platz war an der Hauptstraße und in der Mitte des Dorfes. Es mußte einer Familie als Heimstatt dienen, die aus irgend welchen Gründen in Armut und Not geraten war. Die letzten Bewohner waren eine Großfamilie mit einer sehr energischen Mutter. Sie war stets bereit, ihre Kinder gegen Angriffe der Obrigkeit oder anderer Bürger, lautstark - und wenn erforderlich auch handgreiflich - zu verteidigen. Das Haus wurde 1934 abgebrochen, nachdem sich die Kinder selbständig gemacht und die Eltern verstorben waren.

8. Der Familienname Schumann ist mehrere Male im Dorf vertreten und hat einen guten Klang. Der Gutshof von Anton Schumann befand sich am Ende der Hauptstraße auf der linken Seite zwischen dem Gehöft der Familie Vetter und der jetzigen Feuerwache. Wegen Baufälligkeit wurde er 1936 abgerissen. Durch diese Maßnahme entstand der freie Platz an der Kurve Hauptstraße/ Bahnhofstraße. Auf der alten Abbildung schaut links neben dem Wohnhaus von Anton Schumann der Giebel des Vettersehen Wohnhauses hervor. Dieses Gebäude ist heute noch genauso erhalten.

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