Feucht in alten Ansichten Band 2

Feucht in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Paul Morath
Gemeente
:   Feucht
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4884-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Feucht in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Solon, ein Wegbereiter des klassischen Athen, sagte 600 Jahre vor Christi: 'Das Unsichtbare erschließe dir aus Sichtbaren!' Eingedenkt dieser Erkenntnis hat der Verlag Europäische Bibliothek, ZaltbommelfNiederlande, 1984 den von K.L. Walz zusammengestellten Bildband 'Feucht in alten Ansichten' herausgegeben. Dieser erste Band hat bei Alt- und Neubürgern der Marktgemeinde Feucht großen Anklang gefunden, Band eins ist vergriffen und soll durch diesen zweiten Band ergänzt und erweitert werden. 'Feucht in alten Ansichten' Band 2 will in Wort und Bild an die Zeit nach dem DeutschFranzösischen Krieg 1870171 bis 1935 erinnern. Vom Leben und Geschehen eines mittelfränkischen Marktfleckens im Lorenzer Reichswald wird berichtet. Verborgenes und inzwischen weithin Unbekanntes soll an das Tageslicht gebracht, Bruckstückhaftes ergänzt, Falsches und Unrichtiges korrigiert werden. Erinnerungen der einheimischen Älteren sollen geweckt und der Zugang zur Feuchter Geschichte für Jüngere und Zugereiste soll geöffnet werden. Dies ist Anliegen dieser Schrift.

Feucht ist ein interessanter Ort. Urkundlich wird er Ende des 12. Jahrhunderts erstmals nachweisbar erwähnt. Bischof Otto von Eichstätt war es, der hiervon Kunde gibt. Wilhelm Schwemmer belegt in seinem Buch 'AltFeucht' im Abschnitt - Ein Gang durch seine Geschichte - folgendes: Otto von Eichstäu hat während seiner Regierungszeit, zwischen 1188 und 1196, insgesami 105 Kir-

chen, Kapellen und Altäre geweiht. In seinen darüber geführten Verzeichnis erscheint Feucht an der 69.Stelle. Wenn auch eine Zuweisung auf ein bestimmtes Jahr nicht möglich ist, so darf die erste schriftliche Nennung von Feucht auf ein Jahr kurz nach 1190 unterstellt werden. Feucht hat sich die Jahrhunderte hindurch langsam, nach der letzten Jahrhundertwende dann aber rasant entwiekelt. Die Ansiedlung Feucht lag an der Handelsstraße die vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer führte. Die Reisenden machten Halt und damit war Bedarf an Herbergen, Schmieden und anderen Dienstleistungsbetrieben vorhanden. Es kommt. nicht von ungefähr, daß Feucht bereits 1431 vom Kaiser Sigismund Marktrechte erhalten hat. Die Feuchter hatten durch dieses Privileg das Recht zur Befestigung ihres Ortes. Man baute keine Mauern und Wälle, so wie dies meistens der Fall war, aber Herrensitze entstanden. Herrensitze hatten früher Schutzfunktion, sie waren kleine Wehrbauten, die eine sichere Wohnung für die Ministerialen und Patrizier gaben, die aber auch das umliegende Gelände schützten. Pfinzing-, Tucher- und Zeidlerschloß zeugen noch heute davon.

Wer sich für die Geschichte dieser Herrensitze, wer sich für Entstehung und Bedeutung des rings um Feucht und Moosbach vorhandenen Lorenzer Reichswald interessiert, der weiß, daß Feuchter Geschichte engstens mit der Geschichte der einstmals 'Freien Reichsstadt Nürnberg' verbunden war und ist. Bestanden zuerst Bande des

Zeidelwesens, so wurden diese durch steigende Bevölkerungszahlen, zunehmende Siedlungstätigkeit, wachsendes Industrie- und Gewerbeschaffen, durch erhöhte Mobilität verstärkt. Manche ehemals selbständige Gemeinde des Nürnberger Umlandes, wie zum Beispiel die Orte Fischbach, Kornburg, Katzwang, wurde im Zuge der Gebietsreform im Freistaat Bayern 1972 ihrer Selbständigkeit beraubt und nach Nürnberg umgemeindet.

Gottlob, Feucht konnte sich seine kommunalpolitische Selbständigkeit erhalten. Für Feucht b.Nbg., das meint der Autor, ist dies gut. Feucht für sich allein ist reich. Nicht reich an Geld, nein, reich durch seine Geschichte, seine Entwicklung. Reich durch Geschick und Fleiß seiner Bürger, der Bürger von einst und heute. Auf einer relativ sehr kleinen Fläche von 9,19 Quadratkilometern wohnen laut Volkszählung vom Mai 1987 12139 Einwohner. Kurze Wege sind Trumpf. Zu Fuß läßt sich im Ort jeder Punkt mühelos erreichen. In weniger als zehn Minuten schafft man von jeder Stelle per pedes den Weg in den rundum angrenzenden Reichswald. Feucht ist ein Gemeinwesen, welches auf kleinem Areal zusammengefügt ist. Nichts ist verzettelt. alles schmiegt sich um Rathaus und Kirchen. Der Wald, seit wenigen Jahren geschützter Bannwald, begünstigt das örtliche Klima, ist von unschätzbaren Erholungs- und Freizeitwert.

In punkto Topografie und Geologie gibt es keine Probleme. Das Gemeindegebiet ist flach und eben, der Unter-

grund Sand. Günstige Folgen: Steigungen sind passé, die Winterwitterung relativ günstig, Hochwassergefahren seit der Gauchsbachregulierung gering, Erdbeben unbekannt, andere Naturkatastrophen fast fremd. Alles Gründe die den Bau von Verkehrseinrichtungen , der Ver- und Entsorgung und sonstige kommunale und privat Investitionen erleichtern.

In einem solchen Umfeld dürfen die Feuchter Bürger leben und sich zu Hause fühlen. Das 20. Jahrhundert ist mit seinen schnellen Entwicklungen am Markt Feucht nicht vorbeigegangen. Der moderne Mensch unserer Tage fordert eine intakte Infrastruktur. In Feucht ist sie vorhanden. Und dennoch, der Hauch der Vergangenheit ist spürbar geblieben. Zeugen Feuchter Geschichte sind auf Schritt und Tritt sichtbar. Die Erinnerung an die 'gute alte Zeit' zu unserem Glück, sie ist geblieben.

Dieser zweite Band 'Feucht in alten Ansichten' soll uns in die Jahre unserer Großmütter und Großväter zurückversetzen, soll aufzeigen woherwir kommen.

Indem ich allen Lesern und Betrachtern eine angenehme Lektüre wünsche, habe ich abschließend noch Dank zu sagen. Herzlicher Dank gilt der Marktgemeinde, den beiden Kirchengemeinden, Freunden und Bekannten für die Überlassung des Bildmaterials und für wertvolle Hinweise.

PaulMorath

1. Das Freibad am Chormantelweg überfliegend schoß der Kameramann um 1930 diese Luftaufnahme von Feucht. Der Ort zählte damals knapp 2 000 Einwohner. Wie deutlich zu erkennen, es gab noch viele freie Grundstücksflächen. Die Altdorfer Straße verläuft vom rechten unteren Bildrand zum einstigen, heute nicht mehr bestehenden Marktplatz. Dort mündet sie in die Hauptstraße. Deutlich erkennen wir die Kirchen. In der Bildmitte St. Jakob, rechts oben Herz-Jesu. Die drei Herrensitze fehlen nicht. Wir sehen das Tucher-Schloß (Nürnberger Hof) links oben; das Pfinzingschloß mit dem früher vorhandenem stattlichen Grundstücksumgriff mitte oben; und das Zeidlerschloß mitte rechts. Der alte Friedhof an der Schwabacher Straße ist links oben auszumachen.

2. Feuchts Rathaus hat eine wechselvolle Geschichte. Es wurde in zwei Etappen, 1652 (linkes Haus) und 1640 (rechtes Haus), erbaut. Die in Stein gehauenen Jahreszahlen sind noch lesbar. Das Rathaus beherbergte zuerst die Schenke 'Zum Schwarzen Adler'. Wirt Konrad Wurffbein übernahm 1685 vom Generalpostmeister Fürst Thurn und Taxis die Posthalterei. Bis 1878 erfolgte die Beförderung von Personen und Postgut mittels Pferdekutsche. Ab 1879 ist der Markt Feucht Hauseigner. Schule , Feuerwehr, Viehwaage hatten seitdem im Rathaus ihr Domizil. Die Schule befand sich im heutigen Sitzungssaal. Feuerwehr und Viehwaage waren im Parterre einquartiert. Das Elektrizitätswerk war von 1907 bis 1925 im Rückgebäude in Betrieb. Auch die Gemeindekanzlei hatte Platz. Bürgermeister Georg Hoffmann ließ das Rathaus 1940/41 umbauen. Es wurde ein Prunkstück. Leider fiel es schon 1943 Brandbomben zum Opfer. 1950 bekam das Rathaus mit dem Walmdach das heutige Aussehen.

3. Ehrenbürger und Altbürgermeister Georg Hoffmann hat sich um Feucht verdient gemacht. Zweimal, von 1906 bis 1918 und von 1933 bis 1943, war er 1. Bürgermeister des Marktes. In die Amtszeit Hoffmanns fallen unter anderem so wichtige Aufgaben wie Errichtung einer eigenen Stromversorgung, Bau der zentralen Wasserversorgung, Errichtung von Wohnsiedlungen für sozial Schwache, umfangreiche Straßen- und Schulbauten, Eichenhaingestaltung und Rathausrenovierung. Georg Hoffmann wurde mit Gemeinderatsbesch1uß vom 11. Januar 1933 zum Ehrenbürger von Feucht ernannt. Der angesehene, den alten Feuchtern unvergessene Kommunalfachmann wurde 1871 in Feucht geboren und ist hier 1951 verstorben. Die GeorgHoffmann-Straße erinnert an ihn.

4. Vom 'Schmuckstück Rathaus' war bereits die Rede. Einen Eindruck davon vermittelt der Bliek in die Diele. Unter der Überschrift 'Ein schönes fränkisches Rathaus' schrieben die Nürnberger Nachrichten: Über die Freitreppe einer fränkischen Treppenspindel gelangt man in den 1.Stock (Diele}. Geschnitzte Tûrstocke mil alten Emblemen leiten auf der Sûdseite zwischen schöner Kerzenbeleuchtung zu der alten Richtertafel von 1515 bis 1784 über. Die Zeidelrichter haben in dieser Welt ihr besonderes Recht. Schade, daß im August 1943 Bomben fielen. Herrliches Innenfachwerk, gediegene Holzbalkendecken, eingelegte Parkettböden und vieles andere sind unwiederbringlich zerstört worden.

5. So wie die Zeidelrichter-Tafel im Rathaus an die Vergangenheit Feuchts erinnert, so haben auch die nur zweimalig, 1930 und 1950, aufgeführten Zeidelfestspiele auf die Ortsgeschichte hingewiesen. Der 'Zeidelschütz' stammt aus der Feder von Sigmunt Freiherrn Kress von Kressenstein. Der Wunsch nach Wiederaufführung ist bisher Wunsch geblieben. Auf dem Bild von 1930 sind Verantwortliche und Akteure des Spieles, welches vom braven Schmiedegesellen Friedrich, dem Erfinder des Büchsendrall's, dem begehrenswerten Schmiedetöchterlein Gertrud und dem verschmähten Zeidelrichter handelt, abgelichtet. In der Bildmitte, welches im Hintergrund das evangelische Pfarrhaus sichtbar werden läßt, ist Festspielautor Kress von Kressenstein zu erkennen.

6. Den musikalischen Part beim Spiel 'Der Zeidelschütz' übernahm eine eigens gegründete Festspielkapelle. 1930 lag die Stabführung bei August Ostertag, den wir inmitten seiner Musikanten mit dem Taktstock in der Hand gut erkennen. In der festlichen Tracht dorninierten die Gemeindefarben Grün und Gelb. Ein eigens für das Festspiel verfaßtes dreistrophisches ZeidelLied intonierte Ostertag und seine Mannen erstmals 1930. Der Text der ersten Strophe lautet: Und wenn es nichts ums Zeidein wär', als durch die Haid zu streifen, zu lauschen, wie der Kuckuck ruft und die Finken pfeifen, zu atmen frischen Föhrenduft und taugekühlte Morgenluft es wär' genug der Lust dabei, es lebe hoch die Imkerei! Zum Bild noch zwei kleine Details. Die Kulisse 'Zum schwarzen Adler' fertigte Malermeister Kar! Förstel. Im Fenster dieser Kulisse interessiert sich in jugendlicher Frische der ehemalige Vorstand des Privatmusikvereins Anton Ludwig für Musika.

7. Der Zeidelrichter ahndet im Beisein seiner Konsulare und Schöffen Wald-, Wild- und Bienenfrevel. Delikte die in die Zuständigkeit des ehemals in Feucht angesiedelten Zeidelgerichtes fielen. Bei einer solchen Szene sehen wir den Zeidelrichter beim Festspiel des Jahres 1930. Gespielt wurde auf der Reither-Wiese, dort wo heute die Reichwaldhalle steht. Bei allen am Festspiel beteiligten Akteuren handelte es sich um Laien. Alle, Frauen, Männer und Jugendliche, waren voll und engagiert bei der Sache.

8. Ist vom Zeidelwesen die Rede, dann darf der Herrensitz 'Zeidlerschloß' nicht unerwähnt bleiben. Das Zeidlerschloß, 1556, nach Zerstörung im 2. Markgrafenkrieg, wieder aufgebaut, befand sich von 1906 bis 1976 im Eigentum von Georg Hausner und dessen Erben. Vorher ist eine wechselvolle Besitzerfolge festzustellen. Von Mitte 16. Jahrhundert bis zum Ende der reichsstädtischen Nürnberger Zeit (1786) wechselte das Eigentum am Zeidlerschloß nicht weniger als 28 Mal. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewährten die Hausners vielen Heirnatvertriebenen und Ausgebombten ersten Aufenthalt. 1976 erwarb die Marktgemeinde Feucht das Schloß und ließ es stilgerecht renovieren. Inzwischen wird der einstige Herrensitz von der Kommune zu Repräsentationszwecken genutzt; Interessenten mietweise überlassen. Festliche, kulturelle und gesellige Nutzung sind heute sehr gefragt.

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