Frankfurt am Main in alten Ansichten

Frankfurt am Main in alten Ansichten

Auteur
:   Franz Schaub
Gemeente
:   Frankfurt am Main
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4724-8
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Frankfurt am Main in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Erin neru ng an Alt-Frankfurt

Hingelagert in den breiten Thron deiner Ebene, die [eine Linie eines Gebirges nicht zu nahe hinter dien gezogen, den Fluß, der dir zugehört, dicht an deiner Seite - so steht dein Bild, schöne Stadt Frankfurt, in der Seele derer, die dich lieben. Wie zur Schau hast du dich hingebreitet, und kaum eine andere Stadt gleicher Größe empfängt den sich iiber die Brileken des Stromes Nahenden mit gleicher Gunst. Milhelos, vom Fluß hinan, hinab geleitet, umfaßt der Bliek dein Ganzes, dein Bestes, dein Schönstes, die Anmut, die ewige Jugend deines Gesichts!

Das schrieb im Jahre 1929 der Dichter Rudo1f G. Binding über die Stadt Frankfurt. Damals sah die Stadt noch so aus, wie sie in diesem Buch mit zahlreichen fotografischen Dokumenten vorgestellt wird. Damals gab es noch die verwinkelten Gassen in der Altstadt, der Römer besaß noch seine vertraute Zierleiste, gebildet aus den vielfarbigen Hausfassaden, die sich gegenseitig Konkurrenz zu machen versuchten, auf engen Plätzen plätscherten die Brunnen, und drunten am Mainufer legten die Fischer die Netze aus, um sie für den nächsten Fischfang in Ordnung zu bringen.

Die Stadt war bereit, jeden, der sich ihr mit freund-

licher Aufgeschlossenheit näherte, um sie für sich zu erobern, gastfreundlich zu empfangen. Und diese Bereitschaft der Hingabe, dieses Dasein für andere, das Vermitteln von Heimat und Geborgenheit, wußte nicht nur Johann Wolfgang von Goethe zu schätzen, sondern nach ihm noch viele andere, die der Stadt zum Ruhme Verse, Essays und Aufsätze schrieben, die ihr Antlitz in Bildern verewigten, oder die später mit der teelmisehen Perfektion der Fotoapparate die unzähligen reizvollen Details dieser Stadt festzuhalten versuchten.

Hat sich das alles geändert? Wandelte sich die Stadt Frankfurt nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges zu einer kalten, unpersönlichen Metropole der Geschäftigkeit, der Hast und der Hetze? Wer sich die Mühe macht, den wahren Kern der Stadt zu ergründen, der wird bald ihre verborgenen Schönheiten, ihr liebenswertes Dekor, ihre nie versiegende Jugend entdecken. Die Stadt ist, trotz gewaltiger Veränderungen, immer noch das geblieben, was sie immer war:

Eine Stadt zum Verlieben und zum Verweilen, eine Stadt, die tausend Abenteuer verheißt, eine Stadt aber auch, in der sich moderne Urbanität, Geist und Kultur, historische Realität und zukunftsweisende Architektur vermisehen und verbinden. Man braucht

zwar etwas Verständnis, um alles in sich aufnehmen zu können, aber man wird das gerne aufbringen, weil man nicht enttäuscht wird , wenn man sich der Stadt und ihrem Zauber anvertraut.

Das Buch der Bilder, diese Erinnerung an Alt-Frankfurt, ist nicht nur eine historische Dokumentation, sondern es ist zugleich ein Spiegel unserer eigenen Jugend. So also sah die Stadt aus, als unsere Vorfahren hier lebten, oder hierher kamen, um hier Geschäf'te zu erledigen oder sich zu amüsieren. Aber nicht nur das Lokale allein war bei der Zusammenstellung der Bilddokumente ausschlaggebend. Die Bildersammlung sollte kein Klischee, keine belanglose Postkartenserie werden, sondern das alles soll über den lokalen Bereich hinaus eine zeitgeschichtliche Bedeutung haben. Die historische Aussage ist ein wesentlicher Teil unserer Geschichte. Wie war das damals, als noch keine Straßenbahnen fuhren? Wie sah die Altstadt aus, als sich die schmalgiebeligen Häuschen mit behütender Geste über die Gäßchen neigten? Wie sahen sie aus, unsere Eltern und Großeltern, als sie zur Parade auf die Zeil marschierten? Als man noch das Gartenhäuschen an der Peripherie der Stadt wie ein Statussymbol vorzeigte?

Die Zeit wandelte sich. Die Stadt wurde zerstört und

erlebte eine kaum vorher geahnte Wiedergeburt. Aber zu ihrer Chronik gehören diese Bilder einer Vergangenheit, die uns alle, ob wir nun Frankfurter sind oder nicht, Glück, Freude und stille Beschaulichkeit schenken. Die Vergangenheit ist nicht nur als Geschichtsrezeption lebendig geworden, sondern sie ist als kostbare Erinnerung aufbereitet, damit das Erbe der Vorfahren nicht vergessen wird und als Beweis für Fleiß, Tatkraft und Idealismus unserer eigenen Geschichte der Gegenwart nützt und die Zukunft bereichert.

Soll man noch ein paar historische Fakten anfügen? Darauf verweisen. daß die staufischen Kaiser die alte Stadt Frankfurt zu einem Mittelpunkt des Reiches machten? Vielleicht nur dies: Bereits im Jahre 793 wurde von einer 'Villa Franconovurd' berichtet und wenig später ging diese Stadt in die Geschichte ein, weil dort eine Reichsversammlung und eine Synode stattfanden. Irn 12. Jahrhundert wurde Friedrich 1., der berühmte Kaiser Barbarossa, in Frankfurt zum König gewählt. Mit diesem außergewöhnlichen Fest begann der Ruhm der Stadt, die sich im 16. Jahrhundert stolz und mit Recht Wahl- und Krönungsstadt der deutschen Kaiser nennen durfte.

Günstig am Schnittpunkt alter Handelsstraßen lie-

gend, von allen Gauen aus leicht erreichbar, noch dazu am Ufer des Mains, der ihr den Handel über die Wasserwege erschloß, erkannte die Stadt schon bald ihre Bedeutung als Stadt der Märkte und Messen. Langsam wuchs sie in die Jahre und in die Jahrhunderte, brauchte aber keine mächtigen Wehre und Mauern, keine Bastionen. keine Geschütze. Frankfurt war immer eine Stadt, die dem Frieden diente, eine freie Reichsstadt, die sich diese Freiheit gerne etwas kosten ließ. Auch als Napoleon kam und das Großherzogtum Frankfurt schuf, behielt die Stadt ihre Souveränität. Im Jahre 1848 war sie Mittelpunkt der deutschen Einheitsbewegung, stark und gefestigt, weltoffen und hilfsbereit.

Im Jahre 1635 erschien in dieser Stadt das 'Theatrum europäum' von Matthäus Merian; zweihundert Jahre später bewiesen in dieser Stadt die Brüder Rothschild daß sie den von Metternich propagierten Staatsidealen treu ergeben waren und sittliche Grundsätze zu achten wußten. Kaum fünfzig Jahre später gewann die Stadt unter der Leitung ihres tatkräftigen Oberburgermeisters Franz Adickes die Größe und Weite, die ihren Ruhm als europäische Großstadt von Rang begründete. Damals lehrten an der neugegründeten Universität so berühmte Zeitgenossen wie Riohard

Wilhelm, der Übersetzer chinesischer Klassiker, die Naturforscher Max von Laue und Drevermann, und im Museum für Völkerkunde berichtete der Gelehrte Leo Frobenius den staunenden Frankfurter Bürgern van seinen Afrikaexpeditionen.

Zwar zerstörte der Zweite Weltkrieg diese alte langsam gewachsene Stadt, aber ihr Kern wurde nicht ausgetilgt, ihr Bildnis niemals restlos vernichtet. Sie entstand immer wieder neu und ist auch noch heute, trotz Hochbauten, flirrender Verkehrsatmosphäre und hastender Geschäftigkeit, eine Stadt zum Verlieben und zum Verweilen, und auf sie trifft auch das zu, was Binding am Schluß seiner Beschreibung im Jahre 1929 notierte: Nie von einem Fiirsten der Kirche, nie von beherrschenden Adelsgeschlech.tern abhängig, wurdest du Hauptstadt des Reiches ohne die Last eines Thrones in deinen Mauern, Wahlstadt von Kaisern, Kránungsstadt. ... In diesem Bilde, unnachahmlich und nie erreicht von anderen, stehst du, Stadt Frankfurt, in der Reihe der Dinge auf Erden, die geliebt werden!

, \ïe kann nor e Me nsch net von Frankfort sei lDer tadt mit dem beste Eppel wei,

Der tadt, wo der Goethe des Licht er bl ickt :

Der tadr, die mit Bratwerscht die ""elt beg l ick t ; Der tadr, die uff Pineste vier Pestdäz hat:

Der Reich -, Kr e is-, Krenungs- un Kaiscrstadt; Der tadt, wo wann mer des Pilaster betracht Mer sicher wääss, de- i- zwäämal gemacht:

Der tadt, wo der Pathor n steht mitte drei, \ïe kann da e :Mensch net von Frankfort sei'

0russ

aus

1. Gruss aus Frankfurt am Main.

2. Der Dom war schon immer die Mitte der Stadt und er ist ein Wahrzeichen bis auf den heutigen Tag geblieben. Seit dem Mittelalter wird diese Kirche - ehemalige Stifts- und Pfarrkirche St. Bartholomäus - Dom genannt. Der Name symbolisiert die Würde und Größe des Bauwerks, dessen Fundamente bereits im 9. Jahrhundert gelegt wurden. Als im 14. Jahrhundert die Königswahlen im Dom durchgeführt wurden, wuchs auch die politische Bedeutung der Kirche, und es begarmen Um- und Erweiterungsbauten. Nach den Plänen von Madern Gerthener wurde am Beginn des 15. Jahrhunderts der Turm gebaut, aber das gewaltige himmelstrebende Bauwerk blieb unvollendet. In der Nacht vom 14. zum 15. August 1867 brannte der Dom aus. Ein Feuer in einer benachbarten Gasse der Altstadt hatte sich durch Funkenflug ausgebreitet. Die dunkle Ruine der Kirche war damals für die Fotografen, die rnit schwerfälligen Apparaten und Glasplatten operierten, ein dankbares Objekt. Der Dachstuhl über dem Langhaus ist verschwunden. Die Fensteröffnungen sind schwarz umrandet, nur der Turm, reich gegliedert und mit steinerner Zier geschmückt, ragt mahnend in den Himmel,

3. Damals, als der Dombrand als Sensation in alle Welt gemeldet wurde, haben die Frankfurter ihren Optimismus all denjenigen gezeigt, die den Wiederaufbau der historischen Kirche in Frage gestellt haben. Das Langhaus erhielt sein steiles, gotisches Dach, das Innere der Kirche wurde renoviert. Aber nunmehr wurden auch die alten Pläne von Madem Gerthener hervorgeholt und nach diesen Planen wurde der Turm so gebaut, wie ihn sich der Dombaumeister im frühen 15. Jahrhundert vorgestellt hatte. Eine kühne Idee aus vergangener Zeit wurde von dem Regensburger Dombaumeister Franz Josef von Denzinger aufgegriffen und in die Tat umgesetzt. Über den schrnucken, breiten Hausfassaden am Mainufer sollte sich bald der alte Dom in neuer Form präsentieren.

4. Am Ende des 19. Jahrhunderts war der Dom vollendet. Der noch dem Mittelalter in vielen Formen angepaßte Bau wurde moderuisiert und den Bedürfnissen der neuen Zeit angepaßt. Formen der Frühgotik wurden zugunsten der Neugotik aufgegeben. Der Turm erhielt seine mit Fialen, Veduten und anderem steinernen Zierat reich geschmückte Form. Der Fotograf dieses Bildes stand in der Fahrgasse und bezog die alten Häuschen der sogenannten 'Garküche' als hübsche Vordergrundkulisse mit ein, so daß die neue Architektur des Doms wirkungsvoll zur Geltung kommt.

5. Der Dom steht wie eine Krone über der Stadt und gibt der breitgefächerten Häuserzeile am Mainufer einen besonderen Akzent. Der 'Eiserne Steg' verbindet die Stadt mit Sachsenhausen. Die Bürger mußten sich diese Brücke einst selbst finanzieren, weil die Stadt infoJge der Annexion durch Preußen kein Geld hatte. Der Weg nach Sachsenhausen über den Steg kostete einen Kreuzer, und zurück mußte ebenfalls eine Gebühr bezahlt werden. Aber nach rund sechzehn Jahren war der im Jahre 1868 begonnene Eiserne Steg bezahlt! Im Jahre 1910 machte der Steg der Schiffahrt viele Sorgen, er war zu niedrig. Die Frankfurter wußten Rat: Sie schraubten ihren Steg auseinander und bauten ihn höher und breiter wieder auf. Das geschah abermals nach 1945!

6. So bot sich der Dom an schönen Tagen demjenigen dar, der aus einem Dachfenster eines der Altstadthäuser über die Rathausgiebel hinweg die mächtige Kirche betrachtete. Die Sonne verströmt ihr helles Gold, so daß die Konturen der Häuser im Dunst des Sommertages verschwunden sind. Dunkel heben sich die Fassaden der Häuser im Vordergrund und das Rathaustürmchen vom strahlenden Hell des Hintergrundes ab.

7. Der Dom war die Mitte, war der zentrale Baukörper vor allem in der Altstadt, die ihre malerische Pracht bis in die letzten Kriegsjahre bewahren konnte. Vom 'Romer' aus konnte man die Kirche wie eine prunkvolle Ornamentik erblicken, eingerahmt von den alten fachwerkverzierten Häusern, die als Rahmenschmuck von den Fotografen der Jahrhundertwende gerne mit in das Bild genommen wurden.

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