Gammertingen in alten Ansichten Band 2

Gammertingen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Botho Walldorf
Gemeente
:   Gammertingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5484-0
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gammertingen in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Der 1855 geborene F.X. Hodler erstellte eine Familienchronik, die 1919 beendet wurde. Sie enthält zahlreiche teehuikund sozialgeschicbtliche und weltgeschichtliche Zusammenhänge aus der Zeit um 1865, kurz vor Beginn der fotografischen Überlieferung in Garnmertingen. Herr Dl. Gerhard Hodler, Mainz, fertigte freundlicherweise 1985 einen Auszug an. Die Ergänzungen in Klammern wurden vom Verfasser hinzugefügt.

H. Hadier erbaute sich um 1865 daselbst ein Wohnhaus an der sogenannten 'Neuen Straße' (seit 1957 Hechinger Straße benannt) nach Neufra, die spatere Lëwenwirtschaft und dann im Laufe der Zeit die ganze Häuserreihe auf derselben Seite dieser Straße bis zur ersten Serpentine.

Der Großvater war Tuchmacher, wie sein Vater, und nach den damaligen Verhaltnissen ein wohlhabender Mann. Wir Kinder durften jeden Sonntag nach dem vormittiiglichen Gottesdienst bei ihm einen Sonntagskreuzer holen. Er hatte auf einem WandgesteIl ein ganzes Krüglein voll Kupfermûnzen stehen. Er besuchte in seinem Greisenalter noch täglich die hl. Messe. Ich sehe ihn im Geiste heute noch an unserem Hause vorbei zur Kirche gehen ...

Er wurde geboren am 20. März 1786, verheiratete sicn am 14. Juni 1810 mit Theresia Souter, Tochter des Wagners Balthasar Sauter und der Theresia geb. Binder. Er starb am 23. Dez. 1862, vormittags 11 114 Uhr im Alter von 76 Jahren an Altersschwäche, Er wurde begraben am Heiligentage, den 25. Dez. nachmiuags 3 Uhr durch den Pfarrer F'X. Miller (Amtszeit 1858-1893).

Meine Großmutter wurde am 3. Feb. 1783 geboren. Sie trug eine Haube mit Pelzrand. Man hielt sie für eine Hexe, was wohl daraus zu erklären ist, daß meine Großeltern vielfach Geld ausliehen und die Großmutter sich durch den Wiedereinzug des Geldes bei den Leuten verhaßt machte. Sie starb am 13. Nov. 1860 im Alter von 77 Iahren und 9 Monaten. Mein Onkel Sebastian, der 2. Sohn, geb. am 20. Jan. 1815. wohnte unweit dem vätertichen Hause an der Parallelstraße zur Hauptstraße

neben dem im lnneren des rechten Winkels stehenden Hause, das damals dem Kutscherbiicker Burkhart gehörte. (Seit 1981 Wohnhaus Pau! Reiser, St.-Fidelis-Weg 4/1.) Sebastian war Kûfer und daneben Landwin. Ich habe ihm bei seiner Kûferarbeit oft zugeschaut.

Ihm gegenûber war ein Nagelschmied, dem ich ebenfalls stundenlang zuschaute, sodaß ich selber Nägel machen könnte.

Er erreichte kein hohes Alter. Er starb am IJ. Juni 1869 an Lungenschwindsucht.

Seine erste Frau hieß Rosalia geb. Hanner, geb. am 17. Okt. 1817 als Tochter des Rotgerbers Fidel Hanner und der Theresia geb. Hanner. Sie vermàhlte sicb mit meinem Onkel am 5. Miirz 1840, starb aber schon am 16. Dez. 1841. Meinen Großvater müuerlicherseits, F.x. Biir (geboren 1801), habe iclt noch gut gekannt.

Er hatte eine harte Jugend durchzumachen, Da sein Vater schon frûhzeiüg starb - er erreichte ein Alter von nur 38 Jahren - so lebte die Familie in ärmlichen Verhaltnissen und F.X. Bär mußte als Knabe die Pferde hüten, Er erlernte das Schuhmacherhandwerk und betrieb neben diesem Berufe eine kleine Landwinschaft.

Er wohnte in dem House, das nacn seinem Tode der Schuhmacher Kniuel erwarb, der jetzt noch darin wohnt. (Marktstraße 9, 1929 Erwerb durch Schuhmacher Kar! Haug, 1992 Veräußerung durch seinen Sohn E. Haug an die Stadt.)

Ich habe meinen Großvater oft besucht und ihm als Knabe oft stundenlang zugeschaut. Zur besseren Beleuchtung bediente er sicn einer mit Wasser gefûllten Glaskugel in der Größe einer kleinen Kegelkugel, die auf seinem Arbeitstische aufgestellt war. Hinter dersetben war ein Ölliimpchen angebracht, dessen Licht seine Strahlen durch die Glaskugel hindurch auf den Schoß des Großvaters warf, wo sicn die Strahlen gesammelt wie durch ein Brennglas absetzten und eine etwa augapfelgroße Stelle grell beleuchteten (eine sogenannte Schusterkugel besaß noch K. Haug), Mein Großvater war, wie viele Schuster, eine philosophisch angelegte Natur. Oft mußte ich

ihm die Zeitung, den 'Schwarzwälder' - eine andere kannte man damals bei uns noch nicht - vorlesen ...

... Meine Tante Augustine war ebenjalls sehr sparsam, doch ließ sie sich ihr tägliches Bier und Wein nicht abgehen. Sie erlernte auch das Telegraphieren und löste Onkel aft ab. Sie war eine kluge, streng religiose Frau, besuchte tagtien die hl. Messe und schrieb manche Predigt auf. Sie war nie in der Fremde und haftete daher recht einseitig am Althergebrachten. Sie starb 1914 im Alter von 77 Jahren an Naturnachlaß. Sie wohnte in dem Halbhause (Hohenzollernstraße 20, später Briefträger Binder) neben der Wirtschaft 'zum Ochsen' (Hohenzollernstraße 18, seit 1987 Neubau).

Tante stiftete dem Armenfonds in Gammertingen 2000 M, nachdem sie schon mil Onkel ein Kirchenfenster zu Gammertingen mit dem Hl. Johannes der Täufer beim linken Seitenaltar im Werte von1200 M gestiftet haue ... (1900).

Mein müuerlicher Großvater hatte einen Bruder, Johann Baptist Bar, Schuhmacher, der das Haus hinter der St. Michaelskapelle bewohnte, das vor ca 15 Jahren abbrannte und durch seinen Sohn Hansjörg wieder neu aufgebaut wurde. Er war viele Jahre Mesner. (Mesner Hans-Jörgle heute Wohnhaus Friedrich Kromer , St. -Michaels- Weg 4).

Mein Vater Franz Sales Hadier wurde 1819 geboren. Er studierte zu Biberaeli Geometrie. Am 4. Juli 1854 verehelichte sich mein Vater mit Kunigunde geb. Bär von Gammertingen, meinerlb. Mutter.

Im Jahre 1858ließ er sich nach Gammertingen versetzen in der Hoffnung, daß er sich durch die Moglichkeit, neben seinem Berufe noch eine kleine Landwirtschaft betreiben zu können, wirtschaftlich. besser stellen werde. In Gummeningen wohnte er anfänglich im Hause des Forsters Pfister, Vater des Kaufmanns Hermann Pfister (gest. 1925), den icb mit seiner Familie noch gut kannte. Jetzt ist in diesem Hause die Druckerei und Verlag der 'Lauchert-Zeitung' untergebracht (Sigmaringer Straße, seit 1914 bis heute Druckerei Acker). Im Jahre 1861 bezog er das Haus 'im Städtle' (Lindenstraße 8, auf Hodler folgten die Familien Josef Walter, Fußgen-

darm, Albert Bader, Wissmann und gegenwärtig Frau Baumeister geb. Wissmann). Damals waren die herrschaftlichen Gebûulichkeiten, das Schloß, das Schlössle (Schwedengasse 2), der Fruchtkasten, das jetzige Schulhaus (Nachfolgebau Metzgerei F. Reiser zur 'Sonne'. Hohenzollernstraße 24) und die Scheuern oberhalb des Oberamtes (seit 1979 Senderschule), deren oberste das jetzige Postgeboude ist, feil. Mein Vater war es hauptsächlich, der mit anderen für den Ankauf dieser Gebäude durch die Stadtgemeinde Propaganda machte und ängstlichen Gemûtern versprach, der Gemeinde das alte Lehrerhaus, in welchem früher die Schule untergebracht war und wo noch der Musterlehrer Reiser und der Lehrer Blessing wohnte, abzunehemen (das bereits erwähnte Haus Lindenstraße 8, Musterlehrer Reiser in Gammertingen, geboren 1805, Amtszeit 1838-1867, Lehrer Blessing, in Garnmertingen 1848-1888). Durch gerichtlichen Vertrag vom 12. Dez, 1862 kaufte mein Vater von der Gemeinde Gammertingen das

Wohnhaus in der 'Stelle' in diesem Hause besuchte mein

Vater ehedem die Elementarschule. Das Schulzimmer befand sich im oberen Stock jenseits des Ganges (es wurde von uns als das 'große Zimmer' bezeichnet}. Mein lb. Vater war ein großer hagerer Mann. Man nannte ihn und seinen Bruder, den 'Kieferbaste' nur die langen Hodler.

Des Abends arbeitete er bei einem, zuweilen auch 2 Stearinlichtern, bis die Petroleumlampen eingeführt wurden, was in unserem Hause Ende der i860er Jahre geschah. Vorher bildete ein Dochtlämpchen die gewohnliche Beleuchtung. ich sehe im Geiste heute noch, wie die Kuh- und Ziegenherden an unserer Wohnung vorbei auf die Weide zogen und höre heute noch den Hirten ins Hom schmettern,

Bald darauf bezogen wir das großeitertiche Haus 'im Städtle' hinter dem 'Hirsch' (Haus Allseits, August-Reiser-Straße), Damals ließen meine Eltern öfters Schafherden in der Scheuer nachtigen, um Dung zu gewinnen. Ich war damals eng befreundet mit Anion Burkhart, Sohn des Weißbiersieders und späteren Kreuzwirts Norbert Burkhan, unseres Nachbarn, der im hintersten Eckhaus dieses Stadtteils wohnte

(uns als Haus Göggel-Wetzel bekannt, Abbruch 1988 und Neubau 1989.) Als wir von hier wegzogen, [iel mir die Trennung von meinem Freunde Anton, dem spdteren 'Sonnentoni' (er kaufte die Wirtschaft 'Zur Sonne') ûberaus schwer.

Von meinem 6. Lebensjahre an besuchte ich die Elementarschule, anfänglich bei Provisor Diepold. Im Winter hatten wir täglich von halb 9 Uhr bis 11 Uhr und nachmittags von 1 bis 3 Uhr Schulunterricht, im Sommer morgens von 6 bis 8 Uhr. Die hl. Messe, die im Winter wie im Sommer um 8 Uhr begann, mußten wir täglich besuchen. Vielfach haben wir während derselben noch unsere Aufgabe gelernt, insbesondere den Katechismus und die preußische Geschichte. So blieb uns namentlich im Sommer viel freie Zeit ûbrig, die wir reichlich ausnûtzten zum Spielen. Meine Kameraden waren hauptsächlich Max Schmid, Sohn des Physikus, und Bruder des Dekans in Haigerloch, ferner die Söhne des Bürgermeisters Göggel namens Adolf (Vater des uns bekarmten Kaufmanns Adolf Göggel 'zum Schlößle' 1883-1970), Franz, Josef, Fritz (1860-1908, Vater des Uhrrnachers Josef Göggel 1903-1986) und Quirin (geboren 1864, 1888 Primiz und 1938 goldenes Priesterjubiläum in Gammertingen).

Zur Zeit leben nur noch Franz, in Amerika, und Quirin, der jûngste, Jesuit, einer der besten derzeitigen Kanzelredner seines Ordens, was man dem bescheidenen Miinnlein damals wahrlich nicht zu prophezeien gewagt hätte. Unsere beliebtesten Spiele waren das 'Faulen' an der Kirchengartenmauer oder an unserer Scheuer, ein Ballspiel, ein Versteckenspiel namens Karu und ein Wurfspiel, wobei auf ein Brett (eine Art Sprungbrett) ein Spund gestellt wurde, auf den aus einer gewissen Entfernung mit einem Prügel geworfen wurde; wer ihn traf und am weitesten schleuderte, war Sieger.

Natürlich haben wir auch 'Soldiiterles' gespielt. Im Jahre 1866 zogen wir hinaus auf den Galgenberg und schauten den damals als Feinde im Ländchen gewesenen wüntembergisehen Soldaten zu. Es war ein imposanter Anblick, als diese in einer hellen Mondscheinnacht mit blitzenden Bajonetten in die Stadt einzogen; sie kamen von Sigmaringen her. Gefürch-

tet hat man diesen Feind nicht. Es war alles ein Herz und eine Seele. Viele haft ten damals, daß wir württembergisch wÜrden. Wir Knaben sangen: 'Der Bismarck ist jetzt nimmer stolz, er handelt schon mit Besenholz. '

Sehr viele Zeit verbrachten wir an und in der Lauchert, namentlich auf dem 'Soppen' (dem früheren Turnplatz hinter der Stadtmühle, wo sich von 1934 bis 1976 das alte Schwimmbad befand, seit 1992 Verkehrsübungsplatz). Selbstverständlich war ich auch Ministrant. Die hl. Firmung erteilte mir im Okt. 1866 der Bischof Emanuel Ketteler von Mainz in Vertretung des alten Erzbischofs Hermann von Vicari in Freiburg. leh durfte dem Bischof auch ministrieren, wofür er mir ein Gebetbüchiein schenkte. Bei der Bischofsmesse unterlief ein großer Irrtum. Die meisten Kinder, welche an den kommenden Ostern hiitten zum erstenmal kommunizieren dürfen, empfingen bei dieser Firmung ohne vorherige Vorbereitung auch die Kommunion, worûber Stadtpfarrer F.X. Miller sehr aufgebracht war. Nur ich und ein Mädchen kommunizierten nicht und waren infolgedessen an Ostern die einzigen Erstkommunikanten. Die Gymnasialferien 'verbrachte ich oft in Gammertingen, wo ich mit X. Ays vielfach in der 'Krone', namentlich auch bei Egon, dem Sohn des Kronenwirts verkehrte, der die Bierbrauerei besorgte. Er haue in Wien gelernt, doch wohl aber mehr das Kochen, als das Biermachen. Manchmal bereitete er uns ein Gabelfrühstück in seiner Brauerei, das wir auf einem Fäßchen verzehrten, er bohrte manchmal dazu ein Lagerfaß an ...

(Die 'Krone' mitsamt den mächtigen Brauereikellern wurde im November 1991 abgebrochen.)

Die unter jedem Bild gedruckte 'Fundstelle' bezeichnet die Negativ-Nummer in der Sammlung Walldorf, Staatsarchiv Sigmaringen, Depositum-Nr, 44. Über die Benutzungsmöglichkeit der Sammlung Walldorf '100 Jahre regionale Fotografiegeschichte, die Hohenzollerische Landesbahn und das Mittlere Laucherttal betreffend', können sich Interressenten jederzeit im Kreisarchiv oder Staatsarchiv Sigmaringen informieren.

1. Dieses Foto von Gammertingen von Süden kam erst nach dem Tode des Landwirts Karl Göggel (Wetzei) (1901-1983) zum Vorschein. Im August 1890 läßt der evangelische Pappendeckelfabrikant Wilhelm Fischer (1834-1904) einen Plan 'über die Erbauung eines weiteren Stockwerks' auf sein Wohngebäude Nr. 196 fertigen. Weil das Haus hier noch einstöckig zu sehen ist, handelt es sich um eine der ältesten Fotografien Gammertingens. Die Gebäude links sind frühindustriell und ganz aus behauenem Kalkstein errichtet. Sie wurden 1816 als Papiermühle von Johann Michael Stähle in Betrieb genommen. Christian Genkinger (1871-1929) eröffnete 1919 eine Möbelfabrik mit Sägewerk. Seit 1972 werden dort Möbel ausgestellt. 1990 wurde das Bauwerk renoviert. Die ehemalige 'Galgensteige' ist seit 1908 durch einen Bahnübergang unterbrochen. (Fundstelle: Film-Nr. 627 Negativ-Nr. 36a.)

2. Um 1910 war auf dem Oberamt ein Herr Tiepermarm protestantisoher Konfession tätig. Seine Tochter Sophie (1894-1987) wurde 1908 hier konfirmiert und verbrachte dann ihr langes Leben in Hechingen. Sie überließ dem Verfasser das obige Bild, das um 1910 aufgenommen wurde. Eichert und Bohl zeigen keine Spuren von Bebauung. Nur unscheinbare Gebäude wie 'Stelleschmieds Schopf' (brannte um 1900 durch Brandstiftung ab, der wiederaufgebaute Schopf steht heute noch), Buchbinders Schopf (beseitigt um 1970) und 'Kronenwirts Schopf' (abgebrannt) sind vorhanden. Die an der Lauchert stehende 'alte Turnhalle' wurde bis zum Zweiten Weltkrieg vom TSV 1863 benutzt. Dann wurde sie als Kriegsgefangenenlager gebraucht. Zuletzt diente das Gebäude bis zum Abbruch im Sommer 1985 als Streusalzlager für die Stadt. Heute dient das Gelände der alten Turnhalle als Parkplatz für die seit 1977 als Vereinsheim genutzte frühere Fabrik Maute. (Fundstelle: Originalfoto, Reproduktion Film-Nr. 603.)

3. Das Foto vom Mai 1931, aufgenommen vom Verlag Metz in Tübingen, läßt die bauliche Weiterentwicklung Gammertingens erkennen. Der Eichert als leicht erschließbare Fläche bot sich als Baugebiet an. Ab etwa 1925 sind hier immer nur einzelne Bauplätze erschlossen worden. Mehrere Landesbahner, von denen der größte Teil von auswärts kam, erstellten dort ihre Eigenheime. Der Mangel an Mietwohnungen war stets groß. Die Häuser wurden in den siebziger und achtziger Jahren von den NachfolgeGenerationen erweitert bzw. modernisiert (z.B. Heizungen). Dem kam zustatten, daß in den zwanziger Jahren noch groß parzellierte Grundstücke geschaffen wurden, weil die Eigenversorgung mil Gernüse durch den eigenen Garten noch eine bedeutende Rolle spielte. (Fundstelle: Originalfoto und Film-Nr. 256.)

4. Seit Juni 1934, als der Metz-Verlag in Tübingen diese Aufnahme machte, sind zahlreiche Änderungen an dem 1777 fertiggestellten freiherrlich Spethschen Schloß durchgeführt worden. Die ursprüngliche Sperrfunktion des Vorgängerbaues an der ehemaligen Lauchert-Furt, ist auf diesem Foto besonders gut zu erkennen. Der Dachstuhl aus der Erbauungszeit ist noch weitgegend im Originalzustand erhalten. Die blechernen Dachluken wurden beseitigt. Eine Sirene wurde Ende der dreißiger Jahre aufgesetzt. Die Lauchertbrücke wurde wenige Monate nach dem Aufnahmedatum durch einen Neubau ersetzt. Die Reste einer Furt (links) wurden beseitigt und eine Grünanlage geschaffen. Renovationen des klassizistischen Baus fanden 1929 anläßlich des landwirtschaftlichen Hauptfestes und 1975 nach dem 1972 erfolgten Abbruch der alten Volksschule statt. Die Fußgängerpassage wurde 1964 verwirklicht und dabei wurde auch die Straßenbrücke erweitert. (Fundstelle: Original-Metz-Foto und Film-Nr. 257.)

5. Die 'äußere Säge' zwischen Gammertingen und Bronnen um 1920. Das Gebäude wurde 1836 von Tuchmacher Xaver Hodler und dem Gerber Michael Göggel als Wollspinnerei gebaut. Vor dem Hintertal war eine Furt, die nun als Stauwehr für einen Mühlkanal genutzt wurde. Die Baulichkeiten dienten verschiedenen Zwecken, bis sie Ende der zwanziger Jahre, weil funktionslos geworden, einer Brandstiftung zum Opfer fielen. Der Neufraer Josef Rädle (geb. 1907), später Glasermeister, berichtet: 'Ich war in der "schlechten Zeit" (der Inflationszeit 1922-1923) im "Elementwerk" beschäftigt. Es wurden dort Glühbirnen, aber auch Batterien handwerklich hergestellt.' Sinn der vorliegenden Veröffentlichung ist es auch, die Geschichte unscheinbarer Bauten aus Gammertingen zu dokurnentieren. die generationenlang das Erscheinungsbild der Stadt mitgeprägt haben. Heute erinnert nur noch das Lauchertwehr beim Kneippbad an die ehemalige äußere Säge. Sämtliche Baulichkeiten sind verschwunden. (Fundstelle: 6 x 9 cm Negativ-Nr. 1122.)

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6. Dieser Briefkopf gehört zu den interessantesten seiner Art, die in Gammertingen entstanden sind (um 1910). Auch die Firma Spohn verschloß sich nicht dem Repräsentationsbedürfnis jener Zeit. Dazu gehören ein stilisierter Eisenbahnzug und ein rauchender Kamin. Dieser würde heute eher als 'Umweltverschmutzung' gedeutet werden. Ein voller Lagerplatz und die Darstellung der hergestellten Waren dürfen nicht fehlen. Das Andeuten des Aussichtsturms auf dem 'Weihefelsen' und des Kreuzes auf dem 'Wendelstein' (errichtet in den Jahren 1903 bzw. 1904 vom Verschönerungsverein) runden das Bild ab. Bei den Planungen für das Verbandswasserwerk Gammertingen um 1900 wurde auch die Spohnsche Säge als Pumpstation vorgeschlagen. (Fundstelle: Film-Nr. 240, Negativ-Nr. 17.)

7. Fast stilrein präsentiert sich im Jahre 1926 die StadtmühIe. Es ist das einzige ältere Gebäude im Städtle mit Walmdach. Typisch für die Erbauungszeit sind die Rundbogenfenster mit den entsprechenden Fensterläden, die in unserer Zeit entfernt wurden. Bei einer Modernisierungsphase in den sechziger Jahren fanden Glasbausteine als modernes Baumaterial Eingang. Bereits bei der planmäßigen Anlage der Stadt Gammertingen im Mirtelalter wurde die Lauchert im Bereich der heutigen Stadtmühle angestaut, um den Stadtgraben mit Wasser zu füllen (frdl. Auskunft von Dr. H. Burkarth). Um 1855 hatte Stadtmüller Maurer eine 'Feuerspritzen-Fabrikation' in der Stadtmühle etabliert. Diese ist aus einer 'Schlosserwerkstatt' hervorgegangen. Nach Harthausen hat Maurer tatsächlich eine Feuerspritze geliefert, die dort jahrzehntelang in Dienst stand. Etwa 100 Jahre nach Erfindung der Dampfmaschine durch James Watt im Jahre 1768 fand eine solche auch in Gammertingen Aufstellung. Die gegenüberliegende Sägemühle wurde zu einer 'Leinenspinnerei' umgebaut, wie noch vorhandene Baupläne zeigen. Für 1914 ist belegt, daß Jakob Hirning (1879-1959), aus Sontheim gebürtig, die Stadtmühle betreibt. Auf Hirning folgte Dorsch als Stadtmüller. Dieser starb jung. 1939 übernahm Josef Schuler (1913-1978) aus Hausen an der Lauchert die Stadtmühle, die heute von seinem gleichnamigen Sohn weitergeführt wird. Zwischen 1955 und 1960 hatte der Inneringer Josef Stauß die Stadtmühle gepachtet. Viele Umbauten dienten dem technischen Fortschritt, insbesondere die Umstellung von Wasserrädern auf Francis-Turbinen im Jahre 1912. Dabei entstanden zahlreiche Bauakten, die im Stadtarchiv Gammertingen und im Staatsarchiv Sigmaringen lagern. Von den einstmals drei Gammertinger Mühlen dient nur die Stadtmühle seit dem Mittelalter weiterhin dieser Funktion. (Fundstelle: Original: Dr. H. Burkarth, Film-Nr. 131, Negativ-Nr. 15a.)

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