Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Auteur
:   Gerhard Blumenröder
Gemeente
:   Gelnhausen in der Großeltern Zeit
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4816-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Gelnhausen in der Großeltern Zeit - wann soll das gewesen sein? Nach der Vorgabe des Verlags Europäische Bibliothek sind die Jahre von 1880 bis 1930 der zeitliche Rahmen für die Ereignisse und für die handelnden Personen. Bildmaterial ist über diesen Band hinaus vorhanden, aber selten mit Beschreibungen versehen. Die Umstände fordern Ermittlungen notwendigerweise heraus. Gruppenfotos werden so weit wie möglich von Person zu Person erläutert. Ist das der Fall, beginnt die Namensnennung links vom Betrachter und geht gegebenerfalls Reihe um Reihe vom Hinter- bis zum Vordergrund. In den Besprechungen ist auch auf die Jahre vor 1880 zurückgegriffen worden. Vom rein menschlichen Empfinden her klingt die Zeit der Großeltern in den Jahren von 1933 bis 1935 aus.

Die Zeit der Großeltern bleibt von der Reaktion geprägt: Die meisten Familien stehen dem deutsch-preußischen Kaiserhaus der Hohenzollern nah. Wenige Personen oder Gruppen nehmen Anstoß an der so verhängnisvoll hof- wie gesellschaftsfähigen Militanz, Sehr interessant sind natürlich die industriellen Versuche und die Niederlassungen der Kautschuk- bzw. Gummibearbeitung, aus deren Belegschaft sich einerseits die Konkurrenz aufbaut, andererseits die Sozial-

demokratie - bei ungeschickter Führung der Arbeitskräfte eher als bei Rezessionen - stürmisch entwiekelt. Von besonderem Reiz ist naturgemäß der Geist der kolonialen Bestrebungen, den die Weitgereisten daheim im Städtchen mit den Kleidern nicht ablegen können.

Der Verfasser hat es unternommen, Tritt zu halten, und zwar in der geschichtlichen Zeit, die vom Rassenwahn gezeichnet wurde. Warum konnte die gemeinsame starke Wurzel des Geistes die Kraft nicht mehr fördern, um Krankhaftes abzuwehren? Lag es daran, daß die einen ihre Traditionen bewahrten, während die anderen stets zusahen, wenn sie ihnen verbrannt wurden?

An vielen Prüfsteinen ist die Zeit zu messen, die der Großeltern Zeit heißt, eben weil sie mit hinreichender Situationskomik verknüpft ist, so z.B., wenn 1909 Glocken zum Geläut der Marienkirche neu beschafft und 1916 wieder eingeschmolzen werden. Überfluß ist selten zu erkennen, doch, wenn er auftritt, bedingt er das gleiche Wirtschaften wie der Krieg, das ausbeuten heißt. Richten wir den Bliek in die Zukunft, können Prüfsteine zu Opfersteinen werden, gedachten Säulen, vor denen wir einen Anteil vom Gehorsam der Krieger wie vom Leistungsdruck einseitig wirtschaftender Mensch-Mittel-Systeme niederlegen.

1. Gelnhausen in der Großeltern Zeit - wie nah und doch wie weit! - wie bedingt subjektiv im Erinnerungsvermögen der Bürgerinnen und Bürger, die mir unermüdlich halfen, dem Buchtitel gerecht zu werden. Nähe und Ferne haben als allgemeine Bergriffe in Linien, Bahnlinien kalkulierbare Ausdrucksmittel gefunden, die in Kursen zu uns sprechen.

Der erste Zug auf dem Streckenabschnitt Hanau- Wächtersbach fuhr am 1. Mai 1867 im Linienverkehr. In Gelnhausen war eine überdachte Haltestelle in Holz konstruiert worden. Im Jahre 1883 konnte ein in neoromanischem Stil aufgeführtes Empfangsgebäude mit Restauration in Betrieb genommen werden. Für die Gespanne der Fuhrleute und der Post traten epochale Änderungen ein. Die Bahn wurde das wesentliche Beförderungsmittel für Personen und Güter, bis in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts der Individualverkehr per Motorrad oder Personenkraftwagen nach weiteren Verkehrsregelungen verlangte.

Zweifellos hat das Netz der Autobahnen die Zukunftsaussichten des Schienenverkehrs eingeschränkt. Doch das konnten die Alten nicht ahnen, die am Abend des 26. April 1883 in 'heiterer Gesellschaft die Restauration in Betrieb setzten'. Was hätte sie mehr begeistern sollen als die würdige Eingliederung ihrer Vaterstadt in das rasch wachsende Eisenbahnnetz, das für die wirtschaftliche Entwicklung an der Schwelle einer Agrar- zur Industriegesellschaft von fundamentalem Nutzen war.

Bahnhof

16306

2. Eine Ansicht der Stadt Gelnhausen, von unbekannter Hand auf der Rückseite mit der Jahreszahl 1900 beschrieben, bezeugt die im Freien wirkende Kunstfertigkeit des reisenden königlichbayerischen Hoflichtbildners Samhaber aus Aschaffenburg.

Die engere Heimat reicht im Bild links von der Johanneskirche bis rechts zum Schifftorturm und bietet sich als eine Partie des Kinzigtales in der Großeltern Zeit an. Die Hanglage der Stadt wird deutlich vor Augen geführt. Die fernen Höhen des Spessarts begrenzen den Bliek nach Südosten, wo zwischenhinein die Gemarkungen von Altenhaßlau und Höchst wie aneinandergeschmiegt liegen.

Die Peterskirche ist noch Wohnhaus und Mähler'sche Tabakmanufaktur. Der Bollenweg mit der langen Friedhofsmauer des 1899 geschlossenen und bis 1947 nur noch in Familiengräber belegten Totenhofs bildet die Grenze der Bebauung zu den Augärten hin. Die Lohmühle im Vordergrund ist, nach Ausführungen Hufnagels, damals eine Filiale der Tabakfabrik Hosse Wwe. in Hanau. Besiedlungsgeschichtlich kann sie noch als Abbau bezeichnet werden.

Die alle Bauwerke überragende Marienkirche hat immer auf die Stadt als einen Stand im alten Reich wie Ricarde Huch schrieb - hingewiesen.

3. Zwischen dem Altstadtgebiet Gelnhausens und dem Büdinger Wald reckt sich der steile Dietrichsberg empor, als Weingarten der frühesten Besiedlungszeit Alter Berg genannt. Hier liegt die Dietrichsoder mundartlich Dejerichshohl wie Adolf Seibig in dem Lexikon 'Gelnhäuser Deutsch' schreibt, und zwar tief eingeschnitten und mit Pflasterung versehen.

Sie ist ein Teilstück der Bergstraße gewesen, die bei Gelnhausen in nord-südlicher Richtung mit starkem Gefälle die Kinzigstraße und den Fluß selbst kreuzte. Ein bedeutender Holzabfuhrweg, stellte Anton Fuhs in seiner städtebaugeschichtlichen Untersuchung fest.

Eduard Brendie (1849-1910) traf hier um 1891 zwei Holzweiblein an, die er mit seiner Kamera einfing. Sie gingen den Hohlweg hinauf, um als lesholzberechtigte Bürgerinnen ihr Brennmaterial zu sammeln. Sie bedienten sich der Reuse für den Transport.

Angelika Meles (1911), die Enkelin Brendles, erzählt, daß dem Großvater daran gelegen war, die alltäglichen Notwendigkeiten des Lebens im unversorgten Alter zu dokumentieren, ließen doch die von ihm vertretene Industrialisierung und die Versicherungsgesetze, die der Reichskanzler, Fürst Otto von Bismarck, befürwortet hatte, eine bessere Zukunft erwarten.

4. Der Verein 'Waldfreund 1883' ließ sich bei seiner Frühpartie am 20. Juni 1920 ein Erinnerungsfoto anfertigen. Karl Ickes, seit seiner Jugend mit dem Kosenamen Muncher bedacht (1909) kniet als zehnjähriger Bub links im Bildvordergrund mit der Tasse in der rechten Hand.

Er kennt noch heute jede hier wiedergegebene Person. Rechts außen, sagt Muncher, steht der Schneidermeister Mösinger mit dem Strohhut vor dem Bauch, unser damaliger erster Vorsitzender.

Die Waldfreunde waren Leutchen, die beständig wanderten, lagerten, feierten und so einen Dank abstatteten für die Gaben des Waldes: gute Luft; Holz für Hausbau und Heizung; Beeren, Pilze und Wildbret für den Speisezettel. Forstdirektor Dr. Walter Nieß (1921) weiß von dem dreihundertjährigen Streit um das Jagdregal zwischen der Stadt Gelnhausen und den Grafen zu Ysenburg und Büdingen in den Jahren von 1445 bis 1745-1750 ernste Begebenheiten zu erzählen, die sich vornehmlich in des Reiches Schirm zutrugen, wo über den Gelnhäuser Weingärten wegen der Südhanglage das Wild im Frühjahr in großer Zahl wechselte und erstes frisches Grün aufnahm, was alle waidmännisch Passionierten - ob zu Recht oder Unrecht - mit führigen Waffen auf den Plan rief.

5. Kaum noch vorstellbar ist die Besiedlung am Fuß der Weinberge vor dem Holztor, die in vorstaufischer Zeit begann, Jahrhunderte lang aussetzte, ja ganz auszugehen drohte. Nicht weit von der Godobertuskapelle des verschwundenen mittelalterlichen Weilers Obenhusen entstand am Ende des 19. Jahrhunderts die Restauration 'Zum Schweizerhaus' am sogenannten Kapellenweg.

Im Jahre 1905 erwarben Paul Berndt (1862-1952) und Frau Helene (1861-1950) das Anwesen, das viele Jahre für seine geselligen Einrichtungen wie Grammophon und Mehrpersonenschaukel, für opulente Mahlzeiten und gesegnete Kaffeetafeln bekannt war.

Das Hotel- und Gaststättengewerbe Gelnhausens erlebte damals einen Aufschwung, der von den Kuranlagen, die Heilungsuchende anzogen, ausging.

Paul Berndt stammte aus dem preußischen Teil Schlesiens, war ein Buchbinder und Feintäschner gewesen und hatte 1890 in Offenbach am Main Helene Rackles, Tochter eines Kolonialwarenhändlers geheiratet. Einer der vier Söhne, nämlich Otto (1895-1976), der sich und die Seinen zunächst als Portefeuillermeister ernährte, ist mit seiner Liebe zur Architektur und zum Modellbau bekannt geworden. Für seine Auftraggeber gestaltete er über Hessen hinaus Sakralbauten, Wehrbauten, Städte und Industrieanlagen von beachtlicher Detailtreue.

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