Gerolstein in alten Ansichten

Gerolstein in alten Ansichten

Auteur
:   Josef P. Böffgen
Gemeente
:   Gerolstein
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0911-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gerolstein in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge

und keine Heimat haben in der Zeit. so singt der junge Rilke.

Wen es viel in der Welt herumgetrieben, wer in der Kindheit erstmals die Heimat verließ, wer immer wieder zu ihr zurückkehrt, um sie immer aufs neue verlassen zu müssen, der weiß um den Wurzelgrund seines Lebens, In ihm bündeln sich die Kräfte der Seele nach innen. Die Sehnsucht wird beflügelt von der Liebe. Und wenn ein guter Stern ihn führt, findet er zurück zur heimatlichen Erde. Zwar ist verwandelt, was er einst verlassen und was als Traumbild stets in seiner Seele lebte. Doch ist der Wandel nicht des Lebens Zeichen? Wer als Kind zum Jungmann und zum Manne sich wandelt, ist der gleiche geblieben und doch ein anderer. Und die Menschon seiner Kindheit - teils sind sie dahingegangen, teils haben sie sich gewandelt wie er selbst, Doch im Gesprach taucht bald 'das Alte' wieder auf: Die Menschen, die Berge, die Straßen und Häuser. Denn auch die Heimat ist anders geworden und doch die gleiche geblieben. Die Gesichtszüge der Ahnen kehren wieder; die Mundart - ja die Mundart: Sie ist wie ein mehrstufiges Sieb, fein- oder grobrnaschig, durchlässig, und doch die nicht abweisend, die arn weiten Raster den Weg noch nicht zum tiefen Boden fanden.

Die Heimat - ja das sind zu aliererst die Menschen, Menschen, die kommen und gehen, aufsteigend aus dem Schoße der Vergangenheit, Träger des Erbes längst ver-: gangener Zeiten, es weiterreichend in kommende Tage, Bergende Heimat - das ist auch Schule und Kirche. Mit dem Elternhaus prägen und gestalten sie unser ganzes Leben, weiten den Bliek, schulen den Geist, bilden Gemeinschaft in Staat und Kirche. Beide führen hin zu jener Erkenntnis, daß Gott 'nicht nur eine lokale Größe unseres Planeten ist, sondern Schöpfer und Meister von allem' (Wernher von Braun). So ist Heimat gleichzusetzen mit Geborgenheit und

Gemeinschaft. Mit ihren festen Mauem war die mittelalterliche Stadt Sicherheit und Zuflucht, war Stätte der Begegnung. Selten sind die Entwicklungsphasen einer Stadt so klar geprägt von diesen geistigen Werten wie in der Entwicklung von Gerolstein.

Titanenkräfte der Urzeit schufen den Rahmen unserer Heimatstadt. Jahrhunderttausende schauen von Auberg, Munterley, Heiligenstein und Dietzenley auf uns herab. Mit dem Vulkanismus, als letzter Atemhauch gigantischer Kraft, ist die Kohlensäure verbunden. Sie steigt aus Spalten und Kluften aus dem bis zu großen Tiefen gelockerten Untergrund auf, mischt sich dem Tiefenwasser bei und tritt als Mineralquelle aus oder perlt in der Kyll an vielen Stellen ... als Gas hoch... Wird eine neue Bohrung niedergebracht, so kann es geschehen, daß die Kraft der Gase mit ungeheurem Druck die Fesseln sprengt,' und viele Meter ûber die Bohrtürme hinaus wird das Wasser in mächtigem Strahl hochgeschleudert (Dr. B. Dohm).

Hier gestalteten sie die Landschaft: Die Grafen der Burg, die Bürger der Stadt, die im hier sich erbreiternden Kylltale im Schutze von Mauern und Türmen ihre Stadt bauten. Jede Stadt wandelt sich im Laufe der Jahrhunderte. In der Geschichte von Gerolstein können wir klar drei Schwerpunkte der Entwicklung feststellen: Sarresdorf', Burgbereich und Kyllta!.

Sarresdorf war der Ausgangspunkt der heutigen Stadt. Wenn wir die Vor- und Frühgeschichte außer Betracht lassen (ihre Spuren sind vor allem das Buchenloch, der Ringwall der Dietzenley und der Judenkirchhof), dann haben wir hier in der 1907 ausgegrabenen 'Villa Sarabodis' einen reich ausgestatteten Herrensitz, der berelts zur Zeit des Kaisers Augustus bewohnt war. Die Frankenzeit ist für unseren Raum nur spärlich mit Dokumenten belegt. Erst 762 erscheint die 'Villa Sarabodis' unter den Schenkungen, die König Pipin und

Bertrada dem Kloster Prüm übergeben. Nahe der großen Heerstraße Trier-Köln 'sollte dann Sarresdorf, das alte Saraboda, Sitz eines Priesters rnit einem grofsen Sprengel bleiben' (Marx, Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier, V. Band, Trier 1956, S. 203). Rund eintausend Jahre lang behielt Sarresdorf seinen Priester; 1075 war es Pfarrort; erst 1821 erhielt die Pfarrei den Namen Gerolstein. 1760 schreibt der Pastor in sein Lagerbuch: 'Sarresdorf ist von alterss auch ein Dorff gewesen, doch haben den Orth die Einwohner verlassen und seyend wegen der Freyheit in den Flecken Gerolstein gezogen, also die Kirch, pfahrhaus und Hoff sarnbt dem Custerhaus allein geblieben' (L.c., S. 202).

Der Burgbereich war der Schwerpunkt des Ortes geworden. Das Entstehen und die Entwicklung des Burgdorfes ist engstens verbunden mit den Adelsgeschlechtern, die auf der Löwenburg bei Gerolstein residierten, Weltliche Herrschaft und kirchliche Entwicklung gingen Hand in Hand und beeinflußten sich gegenseitig. 1336 hatte Gerolstein Stadtrechte erhalten, das verstärkte den Zuzug von Sarresdorf. Nun wohnte man 'unter dem Schutze starker Mauern und Herren, die sich der Kirche günstig zeigten' (Marx, l.c., S.205).

Die Grafen von Blankenheim-Gerolstein hatten dem Dorf eine TalkapelIe gestiftet, in der 1465 der erste Gottesdienst gehalten wurde, Die Kirche in Sarresdorf verlor an Bedeutung; 1812 wurde sie bis auf das Chor abgetragen, 1831 auch dieses. Aber erst 1834 zog der Pastor nach Gerolstein. Dort war inzwischen die neue Pfarrkirche erbaut worden, die am 12. September 1813 geweiht wurde.

Das Kylltal. Die ältesten Stiche von Gerolstein zeigen außerhalb der Mauern des Burgdorfes nur einzelne Häuser. Die erste Straßenzeile, die nicht mehr innerhalb der früheren Stadtmauer liegt, ist die Obere und die Untere Marktstraße. Einige Häuser tragen heute noch das Baujahr über der Haustüre: 1811,1826,1842,1864.

Das Jahr 1870 setzte nach zweihundertjähriger Unterbrechung wieder einen Schwerpunkt der Entwicklung im Kylltale: Die Eisenbahn. 1870 wurde die Strecke Kall-Gerolstein eröffnet, ihr folgte 1871 die Strecke Gerolstein- Trier. Nun erst wurde langsam die Verbindung geschlagen zwischen dem Burgdorf und dem Bahnhofsgebäude. Bauern- und Geschäftshäuser entstanden in der heutigen Haupt- und Bahnhofstraße und wurden mehr und mehr zum Mittelpunkt des Lebens der Stadt.

Die Mineralwasserbetriebe trugen nicht wenig bei zu dieser Entwicklung. Im Kylltale gelegen, wurden sie durch die heutige Brunnenstraße an die Stadt angebunden. Bahn, Post, Schule, Erlöserkirche, Gaststatten und das im Bau befindliche Rathaus samt Brunnenplatz geben heute dem Kylltale den Akzent als Geschäfts- und Verwaltungszentrum, während sich Wohnen, Erholung und Freizeit am Rande der Stadt neue Bezirke erschlossen haben.

Die 'Europäische Bibliothek' hat sich das Ziel gesetzt in ihrer Reihe ' .. .in alten Ansichten' europäische Städte zu zeigen, nicht wie sie heute sind, sondern wie sie in der Zeit von 1880 bis 1930 ausgesehen haben. Was heute noch aussieht wie damals, wurde in diesen Band nicht aufgenommen.

Reitet ein solcher Band auf der Nostalgiewelle? Wir bauen heute selbstverständlich nicht mehr wie vor fünfzig oder einhundert Jahren, Wir errichten Zweckbauten in kühler, nüchterner Sachlichkeit. Wir nutzen verlorene, tote Winkel für Garagen. Früher waren es die Spielplätze der Kinder. So ist es sicher nicht nur 'Nostalgie', die uns voller Wehmut an Altes denken läßt. Wir spüren, daß uns etwas unwiederbringlich abhanden gekommen ist, die Spontaneität des Lebens, die sich nicht in Gesetze einfangen, nicht organisieren läßt.

1. Das Bild zeigt das typische 'Burgdorf. Burg und Siedlung bilden eine geschlossene Einheit. ' ... wegen der Freyheit' hatten die Einwohner Sarresdorf verlassen und sich unter der Burg im Schutze von Mauern und Türrnen angesiedelt, vor allem aber unter dem Schutze eines starken Grafengeschlechtes. So heißt es dann 1803 in einem Visitationsbericht: 'Sarresdorf besteht nur aus der Kirche, die ziemlich schön und mit allem Notwendigen versehen ist', Ein Teil der Mauern des Burgdorfes ist noch klar zu erkennen: Vom Stadtturm (Ohmes-Turrn) aufwärts bis zum Hause Schildgen; rechts die Rückfronten der Häuser der Untere Straße. Eine Kirche hat der erweiterte Ort 1813 erhalten, und auf der gegenüberliegenden Seite streben die ersten Häuser dem 'Brutecken' zu.

Foto 1905. Verlag J. Heyer.

2. 'Am Brunnen vor dem Tore .. .'. Er stand wirklich vor dem Tore, der 'Mülleport'. Es war einer der öffentlichen Brunnen der Stadt. Von hier aus wurde nicht nur Wasser geholt für den Hausbedarf, hier wurde Wäsche gewaschen und sicher auch manche Plauderstunde gehalten ('Majen'). Alle hatten Zeit, sich dem ersten Fotografen, der 1895 nach Gerolstein kam, zu stellen, nur 'Menliss' nicht; sie wusch weiter ihre Wäsche. Rechts am Hause ein Lampe. Mit dem Anzünden der Petroleumlampen war 'o-uermäschich Harnpitter' beauftragt. Eine Werbeschrift aus den zwanziger Jahren nennt als einen der Vorzüge der Stadt: 'Elektrisches Licht'.

3. Hof Lehnert auf der Burg scheint zunächst einmal das Waschhaus der Burg gewesen zu sein. Die ältesten Zeugnisse gehen zurück bis 1626. Später wohnten hier die Verwalter der gräflichen Waldungen. Lückenlos lassen sich die Ahnen der Familie Roth-Schäffer-Arimond-Lehnert-Oerters zurückverfolgen bis zu dem 1736 verstorbenen Johann Roth, der aus Hessen kam. Zunächst war er Hofjager beim Grafen von Blankenheim, dann Oberforster in Jünkerath und endlich in Gerolstein. Aus dem Jahre 1769 ist noch die Urkunde erhalten, durch die Joharm Heinrich Roth zum kaiserlichen Notar bestallt wurde. Im Vordergrund Göpel zum Dreschen.

Aufnahme 1905.

4. Markt am Rondell mit Gendarmerie-Wachtmeister August Wimmer (1859-1936). Nach fünfjähriger Dienstzeit in Daun kam der Schlesier 1894 nach Gerolstein. Der 'grüne' Wimmer und der 'blaue' Houscht waren vom Aussehen und von der Autorität her durch Jahrzehnte hindurch gewichtige Persönlichkeiten. Pickelhelm und langer Säbel waren Zeichen ihrer Macht. Der Helm mit Haarschweif als Feiertagskleidung war nur an Fronleichnam und an Kaisers Geburtstag erlaubt. Links neben der Gruppe der Metzger mit Kalb steht ein Mann mit flacher Mütze und Akten in der linken Hand. Das dürfte der Gemeindediener Kleitgen sein, ein pensionierter Eisenbahner.

Aufnahme um 1900.

5. Am 5. November 1917 schrieb Wachtmeister Wimmer seinem Sohn Oswald eine Karte ins Feld zum Geburtstag. Dieser trug die Karte in der Brusttasche. Eine Kugel zerriß sie; Oswald fiel. Die Karte zeigt Herrn Wimmer beim Gemeindevorsteher Meier in Hinterhausen; rechts ein russischer Kriegsgefangener. In diesem Hause lebte auch Karl Weyres. Nach dern Tode seiner Frau pilgerte er in das Heilige Land, war eine Art Hansmeister in einem Kloster und starb nach etwa zehnjährigern Aufenthalt dort. Von ihm stammen auch die kleinen Holzkreuze am Kreuzweg in der Kapelle in Hinterhausen. Sie sind aus Holz des Ölgartens in Jerusalem.

6. Gerolstein 1870. Das Bahnhofsgebäude ist gerade im Entstehen und kündet eine neue Zeit an. Hotel 'Zur Post' war das, was der Name besagt. Jakob von Breiten-Landenberg errichtete um 1870 mit dem Gasthausbetrieb und großer Landwirtschaft eine Fuhrhalterei. In der Straße ein Leiterwagen und zwei Postkutschen. Unterhalb des Hotels 'Zur Post' nur noch ein Haus - wahrscheinlich 'Hotel Gerolstein' (Moog) - sonst Baumallee bis zum Bahnhof. Unter den Felsen beherrscht die Linde das Bild (siehe Bild 54).

7. Das 'Burgdorf' hat seine Grenzen längst überschritten. Von der 'St. Anna-Schule' (1708) geht es weiter in Richtung Kylltal, Am Pfad zum 'Hooch' (Dreestreppchen) stehen Hotel 'Zur Post' und 'Hotel Gerolstein' (Moog). In der Bahnhofstraße - damals noch Sarresdorferstraße - nur Daubach's Haus. Die Apotheke war das erste Haus in dieser Straße. Der 'Hansa-Sprudel' steht schon in Bouchée's Anlagen und der Bahnhof bietet sich als neuer Schwerpunkt der Entwicklung an. Am 'Hoochpättchen' auf der 'Burgwiss' liegt die Wäsche zum Bleichen. Mit dem Handwagen fuhren wir sie dorthin, wo sie den ganzen Tag unbewacht liegen blieb; aber etwa stündlich mußten wir sie mit Wasser aus der Kyll besprengen. Diese Karte wurde 1901 geschrieben.

Die EHel, Gel'olstein.

8. Gerolstein kurz nach der Jahrhundertwende. Die Gerolstraße ist schon bebaut, die heutige Heiligensteinstraße noch ein Feldweg. Schöwers Haus (am Bildrand rechts) wurde 1900 erbaut. Kuhl's Haus ('Ures', erbaut 1863) war bei einer Epidemie Isolierstation. Mensch und Vieh, die in die Stadt kamen, mußten mit den Füßen auf eine Lösung Chlor-Kalk treten zur Desinfektion. In der 'Rektoratschule' hinter Krahé's Haus war die Apotheke des Herrn Brunner bis zu seinem Tod 1893. Dort stand auch ein Heiligenhäuschen, das 'Pantaleon Daubach und Ehefrau Barbara' hatten errichten lassen. Damit war an beiden Ortsenden ein religiöses Denkmal; von dem bei Kleifgen/Schüssler ist heute noch der AntoniusBildstock erhalten.

Aufnahme 1905.

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