Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz in alten Ansichten

Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz in alten Ansichten

Auteur
:   Detlef Scherer
Gemeente
:   Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6612-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

Vorwort

Das Banale zuerst: Diese drei Orte sind schön und reizvoll! Auch heute und besonders heute! All jenen zum Trotz, die das nicht verstehen oder sehen oder glauben mögen ...

Wohl selten sind ehemalige Dörfer, Saalkreisdörfer, so sehr Stadt geworden und wahrscheinlich ebenso selten sind nachmalige Stadtteile so intensiv, mit Stolz und Eigensinn Dorf geblieben. Oder vielleicht ein städtischer Garten Eden, drei kleine Paradiese peripher. Mit vorzüglich gepflegten Landschaftsgärten oder Naturschutzparks.

Wie sehr man diese Orte lieben kann, wie unverdrossen sie geliebt werden, zeigt die Anziehungskraft, die sie auf Einheimi-

sc he - das wäre nicht weiter verwundernswert - aber auch auf Fremde, auf'Zugezogene', ausüben. Und die Magie liegt unzweifelhaft in deren Charme, der dörflichen Spröde und der hier und dort von vielen, auch von Fremden, instinktiv erkannten Noblesse von verträumten Winkeln oder verlockenden Immobilien. Da schaut man durch schmale, zwischen Häusern liegende Tordurchgänge und erblickt dorftypische, von treffli chem Gartengrün eingefasste, liebevoll erhaltene Stallgebäude. In gelben Ziegeln aufgeführt, mit Fachwerk. Und schmalen, steilen Holzstiegen. Solche vergessenen Dorfidyllen finden sich tatsächlich, selbst an Hauptverkehrsstraßen, die vom Straßenbahn - und Autoverkehr belastet sind. Auch akustisch. Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz sind, wenn man so will,

die ersten Eingemeindungen der 'Moderne'. Das heißt, es lag naturgemäß etwas davor und etwas danach. Wann aber haben denn solcherlei Eingemeindungen oder Zuordnungen oder Vereinigungen stattgefunden? Schon weit vorher. Da gab es bereits selbständige und einst zum sogenannten Amt Giebichenstein gehörende Städte. Das waren Glaucha und Neumarkt. Beide wurden im [ahre 1817 zur Kernstadt dazugeschlagen. Im Unterschied zu Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz aber waren jene bereits seit früheren Zeiten mit Stadtrechten bedacht; so die Stadt Neumarkt seit dem sechzehntenjahrhundert.

Sind die drei, um die es hier gehen soll, vielleicht auch Städte, 'hallesche Stàdte"? Ganz offensichtlich gibt es die so nicht. Es sei denn, man bezeichnet sie als Vorstädte, Vororte. Was sie vielleicht aber genauso nicht sind ... Wenn sie das eine nicht und nicht das andere sind, gehören sie zur Stadt Halle an der Saale, juristisch und kommunal und wie auch immer sonst. Und das ist gut so.

Sie haben die Stadt ganz wesentlich mit geprägt, verleihen ihr Gesicht und Charakter. Sie sind Eintritt in das Zentrum und Ausgang in ein reizvolles Umland. Sie teilen zäh und stoisch die infrastrukturellen Schicksale, besonders die der zerstörerischen Verkehrsbelastung. Immer in der Hoffnung baldiger Heilung für die alten Straßen und Wege von den Qualen der Ausnutzung als Bundesstraßenzubringer.

x Die drei Orte haben der Stadt Halle mit ihrer Eingemeindung

x am 1. April des [ahres 1900 einen Zuwachs von immerhin etwa x 25 000 Seelen eingetragen. Eine stattliche Zahl für die damalige x Zeit, wenn man bedenkt, dass ein [ahrzehnt früher erst die

1 100 OOO-Einwohner-Schwelle überschritten wurde.

x Später dann, im Iahre 1928, wurden die Dölauer Heide und

x Forstwerder eingemeindet, hier war der Flächenzuwachs für die x Stadt vordergründig.

5 Und im Iahre 1950 erreichte Halle bereits einmal die Zahl von x fast 3 00 000 Einwohnern, weil mehr als ein Dutzend Saalkreisx orte integriert wurden: Dölau, Nietleben, Lettin, Passendorf,

x Seeben, Tornau, Mötzlich, Kanena, Bruckdorf, Büschdorf, Diex mitz, Reideburg, Böllberg - W örmlitz und Ammendorf.

10 Es ist im übrigen leicht erkennbar, dass die Vereinigungen und x Eingemeindungen letzlich immer mit fulminanten historischen x Ereignissen einhergingen. Wohl das [ahr 1990 hat dies bildhaft, x pragmatisch deutlich gemacht.

x Eine gesamte Großstadt ging nicht unter, wurde aber quasi auch

1 5 eingemeindet oder besser mit Halle vereinigt - nämlich Hallex Neustadt. Wieder, nach vierzig [ahren, wurde die Einwohner-

x zahl von mehr als 3 00 000 erreicht, obgleich diese Größenordx nung im Zuge der Ereignisse in den darauffolgenden [ahren

x nicht gehalten werden konnte. Aber um solch klotzige Dimen-

20 sionen rankt sich die Geschichte von Giebichenstein, Trotha und x Kröllwitz beileibe nicht.

x Alle drei Orte hatten, wie andere hier bereits genannte auch, x über all die Jahrhunderte gelebter Geschichte ein schlagendes

24 Herz - den Saalestrom. Der Fluss als Motor, Verkehrsweg, Bade-

ort, zum Lustwandeln, Verstecken, als Nahrungs- und Energiequelle.

Ein Professor H. Wolff hat ziemlich am Beginn des letzten [ahrhunderts den Fluss sehr treffend in drei Arme differenziert. Die Schiffssaale als Verkehrsarm, die Gerbersaale als Industriearm und die Wilde Saale als Vergnügungsarm.

Als Transportweg bedeutsam war er immer, in neuerer Zeit, im achtzehnten und neunzehnten [ahrhundert, brachten Kohlenkähne den Energieträger an Bestimmungsorte, die Rabesche Baumwollspinnerei an der Burg oder für die neu entstandenen städtischen Industriebetriebe. Ton- und Porzellanerde wurden verschifft für das Lettiner Porzellanwerk. Viel sichtbarer aber, vor allem aus bildlichen Zeugnissen, ist die Flößerei überliefert.

Die Saale als Holztransporteur. Für die Sägewerke in Trotha und Giebichenstein unter anderem und die große Kröllwitzer Papierfabrik lagen die Holzstämme im Wasser, zu Füßen der Klausberge. Da lag zumeist Fichte aus Thüringen, von der Kösener Holzmesse geordert. Die Saale ist gewissermaßen ein Grenzfluss, wie Flüsse häufig. Sie trennt die Orte voneinander, eingebettet zwischen den nördlichen Ausläufer der Peißnitzinsel und die alten Lehmannschen Porphyrsteinbrüche, zwischen Amselgrund, Bergschenkenfelsen und den Burgfelsen, zwischen eine flach-hügelige Uferlandschaft und die Klausberge. Stadtseitig Giebichenstein und Trotha, jenseitig Kröllwitz.

Der kleine Blick auf die drei alten Stadtteile möge dazu beitragen, dass deren Namen auch künftig ihren Klang behalten.

1 Alles wurde im alten Giebichenstein von dem Antlitz der Burg bestimmt und immer, auf nahezu jeder Abbildung, spielte sie eine mehr oder minder zentrale Rolle. Als fotografische oder lithografische Abbildung oder nur stilisiert. Das Bild zeigt wohl eine der ältesten Postkartendarstellungen van Halle/Saale in erweitertem Sinne, ein Panorama des Giebichensteiner Ufers auf einer Lithografie aus dem Iahre 1884. Auch diese sehr frühe Ansichtskarte stellt die Burg in den Mittelpunkt. Daneben fällt das Gelände der an der Uferstraße gelegenen Baum-

wollspinnerei des Unternehmers Rabe ins Auge, zum Teil noch ohne die Gründerzeitbebauung dargestellt. Die reizvoll an den Fluss geschmiegte Allee hieß offensichtlich zuerst

Saaiweg, dann Uferstraße und Giebichensteiner Straße.

2 Mit der Industrialisierung und Entwicklung zur Großstadt ab etwa 1870 änderten sich auch wieder der Besiedlungscharakter und die Besiedlungsstruktur. Landschaftsgärten passten plötzlich mehr und mehr in das Bild. Im Zuge dessen entstanden auch der Amtsgarten am Giebichenstein, Reichardts Garten und Bad Wittekind, ungeachtet ihrer Existenz bereits in früheren Jahrhunderten unter anderen Vorzeichen. Fest steht auch, dass in der Folgezeit, der demografischen Entwicklung folgend, große Friedhöfe in einem Ambiente von Land-

schaftsgärten angelegt wurden. Gesellschaftliche oder historische Umstände setzten teilweise Zwänge, der Amtsgarten war so einst auch Obstplantage und wurde tatsächlich

nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Kartoffelacker genutzt. Der Amtsgarten schließt sich nordöstlich der Burg an, im 18. Jahrhundert wurde er im Stile eines französischen

Barockgartens gestaltet, später als englischer Park. Landschaftlich reizvoll ist er mit den verschiedenen Blumenterrassen heute wie damals.

3 Die Geschichten über diesen Ort sind so reichhaltig, so vielgestaltig, so spannend. Und wenn niemand mehr erzählt, droht dem OrtTristesse und Verfall. Einen traurigenAnblick bietet der schöne Platz in der Burgstraße Nr. 27 heute, vorbei sind die glorreichen Zeiten des Volksparks - zumindest scheinbar. Das einst repräsentative Versammlungsund Festgebäude der am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erstarkten SPD in Halle und Umgebung wurde im Iahre 1907 erbaut. Mit erhabener Landschaftswirkung, sehr zum Ärgernis benachbarter Villenbesitzer in der Burg-

straße wie überhaupt in Giebichenstein. Besonders die Jugendstilformen des Gebäudes wirken eindrucksvoll, wie auch die Veranden und Kolonnaden des großen Gartens. Be-

merkenswert ist die Ansichtskarte aus dem Iahre 1904, in jenem Iahr trug das Etablissement den Namen 'Stadt-Park'.

-

4 Eine schöne, weillängst imaginäre Grenze von Giebichenstein, dem Wohlort, war der alte Weg zur Steinmühle. Den zeigt die Ansicht von etwa 1 915 , heute trägt er den Namen Peißnitzstraße. Und am linken Bildrand erkennt man die Steinmühlenbrücke aus dem Iahre 1911. Die damals moderne Überwölbung der Mühlgrabensaale wurde mit schönen Kalksteinpfeilern und Putten gestaltet, ein wirklich großstädtischer Kontrast zur mittelalterlichen Ölund Schneidemühle. An der Steinmühle lag auch die 'Hofkonditorei Dietze', ein Restaurant mit Gartenbetrieb. Die Begrenzungs-

mauer war dann auch passend zum Eindruck gestaltet, den die Brücke vermittelte, Sandstein mit weißen Zauneinsätzen aus Holz. Die Lage ist heute ein schöner Spaziergang, damals

gemütlichen Kaffeegarten gewissermaßen zur Burgstraße hin ab.

war sie malerische Verbindung zwischen Halle und Giebichenstein, auch von der Mühle aus. Das Gebäude mit der Konditorei wurde 1888 errichtet,

es schirmte den großen,

Hel-Kenditorel Dletz H lIe 5 Cl

5 Die BurgstraBe war seit den dreiBiger Iahren des neunzehnten Jahrhunderts der viel frequentierte Weg für Spaziergänger und Ausflügler in die Saaieidyllen an das Giebichensteiner Ufer, nach Kröllwitz oder in das etwas entferntere Trotha. DerWeg hieB damals Giebichensteiner Allee und führte recht bald nach seinem Beginn am alten Kirchtor an der Kreuzung zum Mühlweg auch an der 'Weintraube' vorbei, deren Rückfront hier auf einer Postkarte aus dem Iahre 1904 gezeigt wird. Mit der Eröffnung des Bades im Wittekindtal im Iahre 1846 wurde hier auch Theater gespielt, im "I'ivoli', im Park des Etablissements. Auch Studenten und Professoren der Universität logierten hier, Kommerse wurden abge-

halten und Diskussionskränzchen durchgeführt. Das Grundstück ging dann in den Besitz von Ludwig Bethcke über, eines Bankiers. Der wiederum übereignete es der Stadt, nach seinem Tode im Iahre 1911 war in dem Haus die Bethcke- Lehmann -Stiftung etabliert, zur Erziehung Jugendlicher.

6 Die Ansicht aus dem Iahre 1909 zeigt die riesige und sehr landschaftsprägende Villa Lehmann zwischen der Burgstraße und dem Riveufer. Sie lag und liegt am Beginn einer Porphyrkette, die in ihrem Anstieg nach Norden hin die Landschaft beherrscht und den noch heute klangvollen Namen Lehmanns Felsen trägt. Das um 1886 errichtete Schloss im Stile

der Neorenaissance liegt nach wie vor inmitten eines gepflegten wie erholsamen Landschaftsparks, der förderliche Eindruck ist ungebrochen. Nicht mehr präsent ist die Bankiersfamilie Lehmann, die sich im Halle des neun-

zehnten Jahrhunderts zu einem bedeutenden Geldgeber entwickelte. So kaufte der Bankier im Iahre

1 835 das landschaftlich zauberhafte Areal von dem Dichter Eberhard, um es

gartenarchitektonisch weiter zu gestalten. Die Porphyrsteinbrüche wurden zum Teil abgesprengt, um einen Promenadenweg entlang dieses Saaleabschnittes anzulegen. Die

Familie Lehmann unterstützte maßgeblich die Entwicklung der Riebeckschen Montanwerke und der Zuckerindustrie in Halle. Heute wird das Gebäude universitär genutzt.

7 Einer der altehrwürdigen historischen Gasthöfe van Giebichenstein war am nördlichen Ausgang der Burgstraße zu finden, dort, wo auch andere beliebte Schenken Besucher anlockten. Unmittelbar neben dem Gasthof''Zum Mohr' liegt seit den zwanziger Iahren des achtzehnten Jahrhunderts die Gosenschenke, hier dargestellt auf einer Lithografie aus demjahre 1897. Das Haus mit der Nummer 71 ist ein glattgeputztes, zweistöckiges Anwesen und vor 250 Iahren lag es in der Natur der Sache, dass sich den dort zechenden Studenten der halleschen Alma mater verstärkt Werber der fride-

rizianisch - preußischen Armee näherten. Jene wurden im durch die Gose hervorgerufenen Rausch von den Agenten überrumpelt und das durch Werbergeld fingierte Schuldver-

hältnis machte sie unvermittelt zu Rekruten. Das obergärige Bier wurde aus Döllnitz und Leipzig angeliefert. Die 'Gose' ist heute Studentenklub, wieder deren Domizil.

~/(Çe6t9/l4teáZ;~A/

./" L .. I

e

8 In der damaligen Vielfalt der Vereinslandschaft im aufstrebenden kaiserlichen Deutschland des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts fanden sich in Halle an der Saale allein fast einhundert Gesang- und Musikvereine. Dies war zweifellos nicht ausschließlich ein Ausdruck von Volkstümelei und wachsendem Nationalbewusstsein. So gab das malerische Saaietal auch die Inspiration zur Gründung des Männergesangvereins Giebichenstein, das geschah bereits im November 1868. Das Vereinslokal war dann auch der berühmte Gasthof 'Zum Mohr' , mitten im kulturellen Zentrum von

Giebichenstein. Anlässlich von Vereinsfesten und generell zur Werbung offerierte man die vorliegende Ansichtskarte. In leichtem Jungendstil gehalten, wie seinerzeit durchaus als

Werbemittel üblich, und mit dem Konterfei des Dirigenten, des Lehrers Willno.

rohen ~angesgruss vom Män~er9~sangverein

VJ GH~blc:hfn5tfJn

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek