Grafing in alten Ansichten Band 2

Grafing in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Dr. Rotraut Acker
Gemeente
:   Grafing
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6329-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Grafing in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

Es hat immer noch etwas Bezwingendes an sich, wenn Kinder an den Lippen ihrer Großeltern oder ihrer Eltern hängen und diese von früher, eben von ihrer Jugend erzählen. Leider wird diese Zeitspanne der Wißbegierde, der natürlichen Neugier, ja des Zuhörenkönnens bei unseren Kindern immer kürzer. Die verschiedensten Zwänge des Alltags fordern ihren Tribut; die Mobilität, die Informations- und Bilderf1ut unserer Medien, die ständig steigenden Ansprüche an Wissen und Flexibilität unterstützen die Hast des heutigen Lebens. Die Flüchtigkeit ist es, die uns im Griffhat. Macht sie uns auch glücklicher? Es bleibt kaum Zeit, nach dem 'damals' zu fragen, geschweige denn, eine ausführliche Antwort abzuwarten.

Dieses Büchlein aber, übrigens schon das zweite in dieser Reihe, soll den Leser zwingen, ein bißchen innezuhalten, die Bilder sprechen zu lassen. Schön wäre es, wenn sich Alt und Jung gemeinsam über diese Blätter beugen würden. Bei vielen älteren Mitbürgern werden gewiß Erinnerungen wach, die Jüngeren werden Neues erfahren; so könnten gemeinsames Geben und Nehmen, Erzählen und Zuhören, Vergangenes und Gegenwärtiges, das Gestern und Heute, aber auch das Morgen in einem lebendigen Dialog über Altersgrenzen hinweg lebendig werden. Vielleicht werden da und dort über den beigegebenen Text hinaus Neugierde aufmehr geweckt oder Ergänzungen angemerkt. Nichts würde der Autorin dieses Büchleins mehr Freude berei-

ten, als Anregung zu geben für Gespräche und Gedanken über das rein Notwenige, das rein Zweckgebundene hinaus. Vielleicht geht es den Lesern dann ähnlich wie mir, als ich das Material sichtete und zusammenstellte: nämlich daß viel mehr Fragen offen blieben als Antworten gegeben werden konnten, ja, daß jede Antwort wieder eine ganze Reihe neuer Fragen aufwarf

Mit den vorliegenden Bildern geht es nicht darum anzuklagen, wie sehr sich unser Markt, unsere Stadt verändert hat in den letzten hundert [ahren - ich meine, jede Generation hat ein Anrecht darauf, zu verändern, einen Wechsel zu vollziehen, neu zu machen, zu ergänzen -, sondern punktuell festzuhalten, wie es früher war, vielleicht auch die Achtung vor Vergangenem zu wahren. Ein abgerundetes, abgeschlossenes Geschichtsbild Grafings soll und kann dieses Büchlein gar nicht sein, sondern Streifzüge, dem einen als Erinnerung, dem anderen zur Unterrichtung.

So vielschichtig Grafings Bevölkerung ist, so vielseitig sind bewußt auch die Bilder zu diesem Band ausgewählt worden. Es werden die unterschiedlichsten Themen aufgegriffen, die sich alle um einen Mittelpunkt drehen: um Grafing. So werden Gesamtansichten, der Marktplatz, Straßenzüge und Einzelhäuser vorgestellt, von Originalen und Erfindern, von Gruppen und Vereinen erzählt, die alle das Gemeinschaftsleben unseres Mark-

tes mitgeprägt haben. Ausschnitte aus dem reichhaltigen Lebens- und Iahresbrauchtum nehmen einen breiten Raum ein, der Sport und Unglücksfälle, die den ganzen Markt betroffen haben, fehlen nicht. Wichtig schien mir ganz besonders auch, den Menschen bei der Arbeit vorzustellen, und natürlich durften auch die Gemeinden nicht vergessen werden, die seit 1978 zu Grafing gehören.

Die Erstellung des 'früheren Grafings' war mir freilich nur durch die Mithilfe aus der Bevölkerung möglich, die mit ihrem Wissen, ihren Fotoleihgaben und -spenden sehr hilfreich war. Die gewährte Einsichtnahme in das Archiv der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde Grlling e.v., das Arbeiten mit Unterlagen aus dem reichhaltigen Bildarchiv von Max Oswald, der mir selbstlos beistand, und der offene Fundus des Heimatmuseums Grlling, das ich selbst seit zweieinhalb [ahren leite, waren mir eine große Hilfe. Zu fundierten Informationen gelangte ich über unzählige Gespräche mit der Grafinger Bevölkerung. Leider ist es nicht möglich, alle Gesprächspartner namentlich anzuführen, stellvertretend seien jedoch die Damen und Herren Rosa Helmbrecht, Maria Müller, Magdalena Guggemos, Rosi Vogt, Kreszenz Krapichler, Erni Huber, Johanna Lohmaier, Elisabeth Beslmüller, Margarete Wegemann, Antonie Rothmoser, Josefa Kohlpainter, Albert Breu, Hans Kießling, Kurt Holzgethan, Bruno Bayer, Josef Rothmoser, Franz Ametsbichler, Günter Et-

tenhuber, Anton Stürzer, Georg Stinauer, Helmut Moritz, Josef Feldmann, Ernst Bauer und Dr. RolfKlinger genannt. Sie alle haben wesentlichen Anteil am Zustandekommen dieses Büchleins. Herzlichen Dank auch meinem Mann, der 'Grafing in alten Ansichten' liebevoll, kritisch, anregend und geduldig begleitet hat. Ich möchte mich sehr herzlich bei ihnen allen bedanken! Unbewußt haben sie auch dazu beigetragen, daß mir mittlerweile Grafing zur neuen, zweiten Heimat geworden ist, in der ich mit meiner Familie seit neun [ahren lebe und mich wohl fühle.

Rotraut Acker

Ein Bruder des bekannten Grafinger Heimatkundlers Marinus Oswald, Martin Oswald (1889-1954), Griesmüllersohn und nachmaliger Priester, zuletzt pfarrer in Bayharting, war der Maler dieses kleinen Ölbildes. Martin Oswald war neben seinem Beruf als Priester auch Heimatforscher, Historiker und Genealoge aus Leidenschaft und schuf einige bemerkenswerte Bilder seiner Heimat. Hier sehen wir Grafing vom Süden, eingebettet in Äcker und Wiesen; ein Bauernpaar arbeitet tief gebückt am Feld. Heute ist hier zwischen Glonner Straße und DabeI ein neuer Stadtteil gewachsen mit bis zu vier Stockwerken hohen Häusern. Dieses fast idyllisch anmutende kleine Ölbild, heute im Heimatmuseum Grafing verwahrt, stammt von 1910.

2 Grafing um 1910 - aus der Sicht eines unbekannten 'riaiven Künstlers'. Der Blick schweift vom Schönblick der Rotter und Tegernauer Straße entlang auf den Markt. Besonders hervorgehoben werden drei Gebäude: die 'Spänglerei van JosefHaagn' in der Griesstraße (links oben); das Haus wurde erst jüngst abgerissen und 1995 - mit Schweifgiebeln verziert - wieder aufgebaut und beherbergt jetzt unter anderem eine Zahnarztpraxis. Weiters die 'Seifensiederei von Karl Spagl' am Marktplatz 22 (rechts oben); Spagl heiratete 1893 in die Seifensiederei ein, die schon seit 1803 in diesem Haus erwähnt wird. Damals erhielt Franziska Diemer von ihrem Vater die ihm durch die churfürstliche Landesdirektion verliehene Seifensiedergerechtigkeit. Der Abbruch des Hauses war 1970 notwendig geworden. An seiner Stelle steht heute ein Zweckbau, in dem

nicht mehr Seife, sondern Büromaterial und Bücher verkauft werden. Das dritte Haus ist die 'Handlung von B. Stürzer' (rechts unten). Johann Baptist Stürzer

( 18 8 4-1 964) hatte eine Fahrradund Maschinenhandlung in der Rotter Straße, gleich neben dem Wieshamer Bach; später zog er in

das Haus des heutigen Pfarrheims um. Er besaß das erste Auto in Grafing und war auch Fahrlehrer.

Orafing

3 Diese handkolorierte Ansichtskarte - eine kleine Kostbarkeit! - zeigt Grafing kurz nach der Jahrhundertwende. Stolz zeigt man die neue technische Errungenschaft im Vordergrund: die 1898/99 erbaute Bahn von Grafing-Bahnhofüber GrafingMarkt nach Ebersberg und später Wasserburg, die erst im Zuge des S-Bahn-Ausbaues 1969 elektrifiziert wurde. Noch ist der Blick frei und unverbaut auf den kleinen Marktflecken, auch die Urtel fließt noch unreguliert durch die Wiesen. Etwa dort, wo rechts der große Stadel steht, drücken heute weit über 1 000 Gymnasiasten die Schulbank, und das auffallend helle Gebäude im rechten Teil des Bildes (heute Danner) wäre von der StadthalIe verdeckt. Die Birkenallee in der verlängerten Jahnstraße in Richtung Bahngleis freilich wächst heute wie früher in den Himmel.

Grafing

4 Gähnende Leere auf dem Grafinger Marktplatz - geradezu unvorstellbar in der heutigen hypermobilen Zeit, in der Grafing am Verkehr zu ersticken droht. Das Bild ist aber auch schon über einhundert Jahre alt und zeigt den Zustand des oberen Marktplatzes um 1890: einige leere

Droschken warten vor dem Gasthaus 'Zum Grandauer' auf die Weiterfahrt, ein herrenloser 'Güterwagen' steht zum Abladen bereit. Kein Brunnen, der jahrhundertelang auf dem Platz gesprudelt haben soll, kein Blumenrondeli, das anstelle des Brunnens kurz vor der Jahrhundertwende

errichtet wurde, keine Mariensäule, die man erst 1923 aufstellte, ziehen den Blick auf sich. Auffallend sind die strengen Formen der Marktplatzhäuser, von denen mehrere wenige Jahre später mit neubarocken Schweif- bzw. Treppengiebeln in ihrem Äußeren verändert wurden.

5 Rund zehn bis zwanzig Jahre nach der vorigen Aufnahme hat Grafing sein uns heute typisch wirkendes 'echt bayerisch-barockes' Aussehen erhalten. Das Bild stammt aus der Zeit um 1908 und zeigt die dominierenden Gebäude am oberen Marktplatz vom Osten aus. Von rechts:

Grandauer, Wildbräu, Weittenauer, Rathaus, die noch stehende 'Reiterburg' links vom Rathaus (1936 abgebrochen). 'Unwill kürlich ist man geneigt, die Entstehungszeit des Ganzen trotz des Vielerlei in der Architektur einer abgegrenzten Epoche zuzuschreiben. Dem ist aber nicht so. Um so wundersamer erscheint es,

daß dieser Platz mit solcher Abwechslung in den Bauarten doch wieder von solch zusammenstimmender Harmonie ist' (Alois Helmbrecht) .

6 Wer kennt heute noch die 'Anlage'? Man muß schon ältere Grafinger fragen, um die richtige Antwort zu bekommen: Der Jahnstraße entlang stadtauswärts durch die Birkenallee gehen, dann geradeaus halten in Richtung Walche, bis rechter Hand ein mit einem Eisengestänge gesicherter Bahnübergang sichtbar wird. Dort überquert man die S-Bahn-Geleise und befindet sich in der Anlage, einem baumbestandenen, kurzen Wegstück, dessen Blätterdach tatsächlich noch immer eine Sitzbank beherbergt. Dieses sich teilende Weglein verbindet die Jahnstraße mit der Eberberger Straße in Richtung Grafing-Bahnhofbzw. mit der Bahnhofstraße in Richtung Stadtzentrum. Einladend wirkt das Bild von etwa 1930 mit seinen Licht-Schatten-Spielen und verlockt auch heute noch zu einer Rast vor dem Steinmarterl, auf dem die neuvergoldete In-

schrift zu lesen ist: 'Maria mit dem Kinde lieb / uns allen Deinen Segen gieb! Amen.'

7 Im östlichen Weichbild der Stadt auf einer Anhöhe, etwa auf halbem Weg zwischen Volksschule und Schönblick, steht (heimatkundige Grafinger und Spaziergänger kennen es gewiß!) das Kasperlkreuz. Seinen Namen hat es wohl von einem Kasper, der es um 1890 aufgestellt haben mag. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf Grafing und besonders bei Föhnlage eine herrliche Sicht auf die Alpenkette. Einst pflegte hier eine Grafinger Brauerei aus einer Quelle ihr Wasser zu holen. Noch heute ist dort oben ein Wasserschutzgebiet. Zur Zeit der Aufnahme stand das Kreuz am Ende einer Allee, die quer durch die Felder der Anhöhe zustrebte. Vor 1965 ließ der Besitzer dieses Grundstücks die als 'Rentner Allee' bezeichneten Bäume abholzen und rund 3 00 m weiter nach Norden 'wandern'. um eine Feldvergrößerung zu ermöglichen. Auf der Rückwand

des Kreuzes sind deutlich die geschwungenen Schriftbänder mit den sieben Worten Christi am Kreuz zu erkennen. Es gehört somit zu den nur fünfKreuzen dieser Art, die es im ganzen landkreis gibt und alle wohl aus der gleichen Werkstatt stammen. Leider wurde das Kasperlkreuz in

Unkenntnis dieser kunsthistorischen Sonderstellung übermalt. Außerdem wurde es gedreht und blickt heute, umgeben von Bäumen und Gesträuch, auf die Stadt hinunter.

8 Die Melak - ein heute völlig schattiger, von hohen Laubbäumen umstandener, lauschiger Weiher am Fuße der Wolfsschlucht. Daß diese 'Lacke' auch früher nicht immer so kahl war wie auf dem Foto von ca. 1948 zeigen die vielen Baumstämme, die am ufere aufgestapelt liegen. Ein Schädlingsbefall hatte die Fichtenbestände rund um die Melak absterben lassen und die Fällaktion bewirkt. Das langgestreckte Gebäude im Hintergrund zeigt das Schützenheim der 1809 gegründeten 'Feuerund Kleinkaliber-Schützengesellschaft', deutlich an den schmalen Schießscharten zu erkennen. Damals schoß man noch über das Wasser. Die Mauer, rechts unten im Bild gerade noch zu sehen, war der Kugelfang, so daß die Schußbahn mindestens 100 bis 150m betrug. Das heutige Schützenheim befindet sich noch auf dem gleichen Platz, wurde

aber um 1965 von Grund auf erneuert; Schußanlagen sowie Schußbahnen wurden ins Innere verlegt. Anfang der fünfziger Jahre putzte man den Weiher gründlich aus, vor allem wurden sämtliche Munitionen und Waffen herausgefischt, die man kurz nach dem Krieg in großer Anzahl

dort versenkte. Entlang der Häuser verläuft die damals erst einseitig verbaute N ettelkofener Straße. Rechts der Melak befindet sich heute ein Tennisplatz. Der uns heute fremd klingende Name rührt von einem in Grafing ansässig gewesenen Maler her, dem die Lacke einmal gehör-

te (Malerlacke, Moierlack, Moilack, Möilack, Melak).

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